sfbasar.de

Literatur-Blog

Torsten Weigand

DER KATZENGENERAL (I) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

Erst als die Sonne beinahe den Höchststand erreicht hatte, trafen ihre Strahlen den General in seinem Versteck zwischen der Rückwand des alten Bauernhauses und dem aufgeschichteten Brennholz. Die Wärme kroch in seine Glieder und Muskeln und weckte sie aus ihrer Starre. Die Nächte waren bereits frostig; bald würde er sich einen anderen Schlafplatz suchen müssen. – Er gähnte, reckte sich und fuhr die Krallen an den Vorderpfoten aus und wieder ein. In letzter Zeit schlief er meist lange, obwohl Dauer und Umfang seiner nächtlichen Streifzüge abnahmen. Es war, als ob sich sein Körper auf den kommenden Winter vorbereitete, der durchaus sein letzter werden konnte.

DER KATZENGENERAL (VI) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

Eine Hand strich sanft über Tabbis Kopf, und die kleine rote Katze erkannte den Geruch wieder: Es war eines der beiden Mädchen, die einmal zu Gast gewesen waren und mit denen sie so schön gespielt hatte. – Und dann war auch das zweite Mädchen heran. Beide streichelten Tabbi und sprachen auf sie ein, und Tabbi beruhigte sich langsam. Sie trugen sie zur Terrasse und setzten sie vor der Tür ab, die zum Wohnzimmer führte. Sie öffneten die Tür. Tabbi sah sich noch einmal um, doch von Micki war nichts zu sehen. Wahrscheinlich hatte er sich unter einen Busch verkrochen. – Nach kurzem Zögern folgte Tabbi den Mädchen ins Haus – und blieb verblüfft stehen…

DER KATZENGENERAL (IV) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

So erklommen sie den Hügel auf einem breiten, von ungezählten Menschenfüßen niedergetrampelten Pfad, der zu beiden Seiten von bunten Papierfetzen, zerbrochenen Plastikteilen und verrottenden Essensresten gesäumt war. Und oben, auf der Kuppe dieses Feldherrnhügels, mit Ausblick auf das Haus und das halbe Tal, lag der General, umringt von einem halben Dutzend deutlich jüngerer Geschlechtsgenossen. – „Oh weh“, sagte Micki zwischen zusammengebissenen Zähnen, so leise, dass nur Tabbi ihn hören konnte. „Da ist ja die ganze Meute versammelt!“ – Tabbi hörte mit ihrem Spiel auf und nahm den Kronkorken wie ihr Begleiter ins Maul. Langsam näherten sich die beiden der Gruppe.

DER KATZENGENERAL (III) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

Sie hatte es kaum erwarten können, aus dem Haus zu kommen, denn zu viel Unruhe hatte hier in den vergangenen Tagen und Wochen geherrscht. Fremde Menschen kamen, trampelten durch das ganze Haus vom Keller bis zum Dachgeschoss und gingen wieder. Tabbi hatte sich dann stets unter das Sofa im Wohnzimmer oder unter das Bett des Jungen verkrochen. Nur einmal hatte es jemand geschafft, sie aus ihrem Versteck zu locken: Eine Familie mit zwei Mädchen. Während die Erwachsenen wie alle anderen ungebetenen Besucher durch das Haus trampelten, spielten die Mädchen mit Tabbi zunächst Verstecken und dann „Bierdeckel-Fangen“. Ein tolles Spiel, das Tabbi vorher gar nicht gekannt hatte: Sie sprang hoch und fing die kleinen runden Filzdinger, die die Mädchen durch das Zimmer warfen, mit den Vorderpfoten im Flug auf. Tabbi hatte später versucht, das Spiel dem Jungen beizubringen, aber leider hatte er sie nicht verstanden.

DER KATZENGENERAL (II) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

Das Auto, das Tabbi an diesem Mittag auf dem Nachhauseweg entgegenkam, war das größte, das sie je gesehen hatte. Es war so breit, dass seine runden schwarzen Füße das Gras an beiden Straßenrändern niederwalzten, und so hoch, dass es die Äste der Buchen streifte, die die Straße säumten. – Für die Dauer von zwei hämmernden Herzschlägen verharrte Tabbi in der Mitte der Straße und blickte dem kastenförmigen Fahrzeug entgegen. Dann spannte sie ihre Muskeln und katapultierte sich ins Gebüsch. Der Boden unter ihren Pfoten zitterte, als das Auto nur eine Katzenlänge vor ihren schreckensgeweiteten Augen vorbeidonnerte. Es knackte hoch über ihr, dann prasselte etwas durch den Busch und Tabbi presste sich instinktiv auf die feuchte Erde. Als sie ihre Augen wieder öffnete, ragte das saftige Ende eines abgebrochenen Asts in ihr Blickfeld.

KATZENWESEN – Leseprobe (Teil 3) aus dem gleichnamigen Roman von Torsten Weigand

Mausi hatte ihre Exkursionen nicht mehr aufgenommen; zu tief saß immer noch der Schreck über die Begegnung mit jenem Fremden, das sie quer durch den Wald gehetzt hatte – was auch immer es gewesen war. Aber das, was sie mangels besseren Verständnisses den Ruf nannte, war nicht verstummt. Manchmal, in besonders dunklen und einsamen Nächten, fand sie sich, einer Schlafwandlerin gleich, auf dem Weg in Richtung Frühlingssonnenaufgang wieder. Doch immer jagte sie in weiten Sätzen zurück in den Schutz des Nestes, sobald sie sich ihrer Umgebung bewusst wurde. – In Bezug auf die Jagd hatte sie nur geringe Fortschritte erzielt, schlug sich jedoch einigermaßen erfolgreich durch, indem sie mal bei Mäusejäger Sonny den Mitesser spielte …

KATZENWESEN – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Roman von Torsten Weigand

Die Brise, die an diesem Morgen von den Bergen herunterglitt, war angenehm kühl. Doch sie war nicht stark genug, um die gelbe Kordel zum Schwingen zu bringen. Schlaff hingen ihre zerfransten Enden an dem Stock, der das Grab markierte. Und es herrschte auch keine unirdische Stille wie in jener Frühlingsnacht. Im Gegenteil: Die Luft war erfüllt von den gewohnt vielfältigen Geräuschen eines beginnenden Tages auf dem Land. Und in das übermütige Zwitschern junger Vögel, in das insistierende Tackern eines Spechts auf Nahrungssuche mischte sich das rasch näher kommende Brausen eines Autos auf dem schmalen Weg, der das alte Bauernhaus mit der Zivilisation verband.

KATZENWESEN – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Torsten Weigand

KATZENWESEN Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Torsten Weigand Prolog Ein eisiger Hauch, der durch seinen Geist stob wie ein Wintersturm, riss Martin Haller aus dem Tiefschlaf. Um Atem ringend, fuhr er auf. Das Gefühl der Kälte schwand nur zögernd; Härchen, die sich aufgerichtet hatten, legten sich widerstrebend. „Was ist passiert … Mausi?“ […]

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme