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Literatur-Blog

Daniel Sand

DER ANDERE BAHNSTEIG – Eine Story von Daniel Sand

Ach seit wie langer Zeit stehe ich nun an diesem Bahnsteig meines Lebens. Als ich ihn betrat, erschien er mir neu, frisch und unbenutzt. Zumindest präsentierte er sich nicht derartig abgenutzt und verschlissen wie jetzt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich hier auf den mittlerweile bemoosten, von Unkraut durchzogenen Pflastersteinen gespielt habe. Damals sah ich mich als Herrscher dieses Steigs an. Nur wo kein Volk, da ein Herrscher.Niemand besuchte mich hier, jemals auch nur eine Menschenseele, niemand wollte mit mir sprechen oder gar mir helfen, von dem grauen Steig zu fliehen. So friste ich mein Dasein und jeden Tag frage ich mich, seit wann ich hier bin oder wie lange ich noch hier stehen muss.

DER STRAND – Kurzgeschichte von Daniel Sand

Und die Welle kam immer näher und näher. Sie brach über ihm zusammen und riss den ganzen Sand des Strandes mit sich und erschuf landeinwärts eine neue Düne. Unter der salzigen Wassermasse kämpfte er nun den Kampf seines Lebens, so wie er es als Kind schon einmal getan hatte. Er hielt die Luft an und rang mit den lebendigen Fesseln an seinem Körper. Doch sie klebten zu fest an seinem Körper. Er fragte sich, warum die Brandung nicht wieder zurückwich und er wusste weshalb. Das Meer hatte versucht, ihn als Kind zu töten und es versuchte es nun wieder. Es sah fast so aus, als wollte es den Fehler von Damals nun wieder gut machen. Nun spürte er, wie er erstickte und ihn überkam wieder die Angst von damals. Er fragte sich, warum Maria oder Tobias nicht zu seiner Hilfe eilten und ihm fiel ein, dass sie es gar nicht wussten. Er wurde vom Wasser eingeschlossen, bevor er einen Hilferuf ausstoßen konnte.

TRÄNEN HINTER GLAS – Gedanken im Banne der Hilf- & Ratlosigkeit von Daniel Sand

Deine Tränen rinnen die dicke Glasscheibe hinab, dein Gesicht zwischen die durchsichtige Wand zwischen uns gepresst. So gerne würde ich die Mauer aus gebackenem Quarzsand durchbrechen, auf die andere Seite gelangen und dir den Kummer nehmen. In kleinen Bächlein läuft dir die Tränenflüssigkeit aus den Augen, tropft auf das Glas und rinnt das harte Material hinab wie Regentropfen an einem Fenster. Immer mehr Tränen speisen den kleinen Fluss und das Glas beschlägt von deinen schweren Atemzügen. Der warme Hauch lässt das kalte Material beschlagen und verdeckt teilweise dein trauriges Antlitz. Allein die Leer in deinem Blick verrät mir, dass du in einem Strudel verzweifelter Trauer gefangen bist. Der Sog zerrt an deinem erkalteten, versteinerten Gesichtsausdruck in dem Versuch, dich in ein tiefes Loch zu ziehen.

DIE LUST – Eine Kurzgeschichte von Daniel Sand

Sie erwartete ihn in ihren feinsten Dessous, schwarze Spitze und die knappen Kleidungsstücke verhüllten ihre Weiblichkeit kaum. Sie dienten mehr als Blickfang und sollten die Sinne des Betrachters trüben. Kein Problem bei dieser Frau. Sie war ein Traum, groß, schlank und hatte einen festen Körper und ihre Oberweite harmonierte wunderbar zu ihren eindeutigen Körperformen. Ihre weiche haut roch nach Vanille und sie hatte sich den Venushügel und sämtliche Haare am Körper rasiert. Ihre dunklen, langen Haare flogen ihr wild um den hübschen Kopf und grüne Augen zogen jeden in seinen Bann. Der verwegene Mund produzierte ein Lächeln; der Geliebte kam herein …

HARTE NUMMER – MILENA HIMIKOS EROTISCHE ERLEBNISSE BEI DEN VENTARANERN – Shortstory von Daniel Sand

Milena lag schwitzend und bis in die kleinste Faser ihres Körpers erregt unter der aufregenden Freudenspenderin. Die Ventaranerin mit der samtigen, maisgelben Haut bedeckte die junge Agentin der ERK zur Gänze. Trotzdem fühlte sie sich nicht schwer an, sondern eher wie eine Decke, warm und wohlig. Ein starkes Gefühl von Enge und Gefangenschaft bemächtigte sich ihr, doch eben das machte den Kick aus. Die Raumfahrerin hatte schon viel von der Liebeskunst der Wesen von dem weit entfernten und geheimnisvollen Planeten Ventar gehört. Das Besondere an ihnen war, dass beinahe alle von ihnen doppelte Geschlechtsmerkmale trugen. Diese Zwitter gehörten laut Überlieferungen einer mutierten Menschenrasse aus der frühen Zeit der Kolonisierung an …

REINE ENERGIE – Gedanken von Daniel Sand

Gierig auf der Suche willkürlich Leben zu vernichten suchte es sich seinen Weg mit unglaublicher Gewalt. Es fraß sich gespeist von hochverdichteter Energie voran und verschlang alles, was sich auf seiner martialischen Reise ihm entgegen stellte.

Beseelt von purer Zerstörungskraft ohne Rücksicht, nicht gehemmt durch Begriffe wie Moral oder Gewissen. Der Grund für seine Erschaffung war ihm gleichgültig, kein Gedanke daran, weshalb so etwas grausames existieren musste und durfte. Es hinterfragte nicht seine Existenz.

DEIN BILD – Gedanken von Daniel Sand

Beinahe so alt wie alles hier scheint auch die Fotografie im Inneren zu sein. Sie ist über die vielen Jahre hinweg verblasst, beinahe schon glanzlos und ermattet. Sonnenstrahlen haben immer wieder an dem Bild gezehrt und es erblinden lassen.Auf der verwitterten Kommode steht ein Bild von Dir. Der silberne Lack des gotischen Rahmens ist brüchig und blättert ab. Darunter kommt altes, trockenes Holz zum Vorschein. Wie auch der Rahmen ist auch die Kommode alt und verlebt, einem fremden Betrachter würde die Szenerie erscheinen, als lebe hier niemand mehr. In gewisser Weise trifft dies auch zu.

experimenta OKTOBER 2015: „Verdrängung“ ist online und kann hier abgerufen werden!

OKTOBER 2015: Verdrängung Wir könnten auf diesem Planeten ein schönes Leben führen. Keine hungernden Menschen, keine Menschen, die an Seuchen sterben, keine Menschen die flüchten müssen oder die durch Kriege ihr Leben verlieren. Die Realität aber ist eine andere: Zwischen Salzgebäck und Bier verdrängen wir jeden Abend zur gleichen Sendezeit live, wie Menschen um ihr […]

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