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SERGEANT WAEBER UND DAS KREUZ DER EHRENLEGION – Kurzgeschichte von Thomas Vaucher

SERGEANT WAEBER UND DAS KREUZ DER EHRENLEGION

Kurzgeschichte

von

Thomas Vaucher

(Basierend auf den Überlieferungen über den Freiburger Leutnant Franz Peter Waeber [alle anderen Namen und Personen sind fiktiv])

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«Et vidimus Gloriam eius Gloriam quasi Unigeniti a Patre plenum Gratiae et Veritatis», intonierte Pfarrer Linus Brügger mit seiner tiefen, wohlklingenden Stimme das Schlussevangelium.

«Deo gratias», ertönte es aus über hundert Kehlen.

Als der Düdinger Organist Josef Lauper der mächtigen Kirchenorgel die ersten Töne zum Auszug entlockte, gehörte Roman zu den Ersten, welche die Kirche verliessen. Schnellen Schrittes überquerte er die Landstrasse, die von Tafers her kam und sich wie ein Band quer durch Düdingen zog, und betrat die Pfarreiwirtschaft „Zum Ochsen“. Wie immer war ihm die Messe schier endlos vorgekommen. Und wie immer freute er sich auf das, was danach folgte. Deshalb war er auch darauf bedacht, einer der Ersten zu sein, die im Ochsen eintrafen, um sich so einen guten Platz zu sichern.

Die Gaststube war noch fast leer, doch das würde sich bald ändern, wie Roman aus eigener Erfahrung wusste. Nach der Messe pflegten die meisten Leute sich im Ochsen ein Glas Wein oder ein Bier zu genehmigen.

Roman steuerte den leeren Tisch an, der dem Stammtisch am nächsten lag, und bestellte sich ein Bier. Dann wartete er gespannt. Es dauerte nicht lange, dann betrat die grosse Masse der Kirchgänger den Ochsen. Seine beiden Freunde Urs und Hans kamen und gesellten sich zu ihm, sein Vater Walter und dessen Freunde, Hans Vonlanthen und Peter Heimo, setzten sich an den Stammtisch, und dann endlich betrat auch er den Ochsen.

Leutnant Franz Peter Waeber war immer noch eine imposante Erscheinung, trotz seines fortgeschrittenen Alters von beinahe sechzig Jahren. Grossgewachsen und kräftig war er immer noch, obwohl er in den letzten Jahren um den Bauch einiges an Umfang zugelegt hatte. Ein ergrauter, mächtiger Backenbart zierte sein Gesicht und seine Nasenspitze war stets leicht gerötet, was er seinem täglichen Weinkonsum verdankte. Wie jeden Sonntag trug er seine Offiziersuniform aus seiner Zeit im Schweizerregiment Napoleons. Auf dem roten Uniformfrack prangte stolz das Kreuz der Ehrenlegion. Seine Beine steckten in weissen, eng anliegenden Hosen, die ihrerseits von fast kniehohen, schwarzen Stiefeln umschlossen wurden. Auf dem Kopf trug er den Zweispitz, die Spitzen nach Napoleon-Art stets zu den Seiten hin gedreht. An seiner Hüfte hing der Offiziersdegen, der Romans Blick jedes Mal beinahe magnetisch anzog. Der Leutnant humpelte, was er, wie Roman wusste, einer seiner insgesamt elf Verletzungen zu verdanken hatte, und ihm fehlten zwei Finger seiner linken Hand. Eine Narbe zog sich zudem quer über seinen Kopf, vom linken Ohr bis zum linken Mundwinkel herab. «Wo ein verdammter Deutscher mir den Hals aufschlitzen wollte», wie er einmal an einem anderen Sonntagmorgen in eben dieser Gaststube erklärt hatte.
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Wie jeden Sonntag schritt der Leutnant zielgerichtet auf den Stammtisch zu, nickte Walter, Hans und Peter zu, und setzte sich. Nach und nach füllte sich die Gaststube, und auch der Stammtisch wurde durch den Pfarrer Linus Brügger, sowie dem Ammann von Düdingen, Alois Werro, vervollständigt. Während Roman an seinem Bier nippte, bestellten seine Freunde sich ebenfalls eines und die Älteren eine Flasche Wein. Waeber nahm den Hut vom Kopf, zündete sich eine Pfeife an und die Debatte begann. Erst wurde politisiert, und Roman hörte nur mit einem Ohr hin, während er selbst sich mit seinen Freunden unterhielt. Doch er wusste, dass der Leutnant früher oder später eine Anekdote aus seiner Zeit im Militär zum Besten geben würde, und das wollte er nicht verpassen.
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«Ich vernahm, Napoleon soll zurückgetreten sein», hörte Roman seinen Vater sagen. In den letzten Wochen und Monaten war Napoleon das Dauerthema am Stammtisch und meist war es ein guter Ausgangspunkt für eine Geschichte des Kriegsveteranen Waeber.
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«Nach dem Desaster bei Waterloo blieb ihm wohl nichts anderes mehr übrig», meinte der Ammann.
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«Ihr könnt wohl froh sein, wurdet Ihr frühzeitig aus dem Dienst entlassen», meinte Peter Heimo und nickte dem Leutnant wohlwollend zu, doch dieser schien sich ob der gut gemeinten Feststellung zu enervieren.
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«Froh sein?», polterte Waeber. «Im Gegenteil! Liebend gerne hätte ich den Heldentod an der Beresina oder in Waterloo diesem elenden Dasein hier vorgezogen! Doch meine Wunden und das Fieber haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, und nun ist es zu spät für einen Heldentod. Zitternd und brabbelnd werde ich nun wohl enden, und bis dahin werde ich dieses, mein Erdendasein, ertragen müssen. Deshalb lasst uns noch ein paar Gläser trinken. Das Leben ist zu kurz, um es mit Wasser zu vergeuden! Auf den Heldentod!» Waeber erhob sein Glas, und die anderen prosteten ihm zu und wiederholten seinen Trinkspruch.
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«In Spanien wäre mir der Heldentod beinahe vergönnt gewesen, doch der allmächtige Hirte wusste es wohl zu verhindern.» Waeber war nun aufgestanden, in der einen Hand die qualmende Pfeife und in der anderen das leere Glas. Die Gespräche in der Gaststube waren zum Erliegen gekommen. Die Leute hingen an seinen Lippen, und Roman wusste, dass es nun soweit war.
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«Im Februar 1809 in Katalonien, in der Nähe von Valls wäre es soweit gewesen, wenn nicht des Herrgotts schützende Hand über mich gewacht hätte», begann Waeber mit feurigem Blick seine Erzählung. «Damals war ich noch Sergeant und stand kurz vor meinem Brevet zum Unterleutnant. In einer eiskalten Nacht waren wir von den Spaniern angegriffen worden. Sie überquerten mit ihrer Vorhut den Fluss Francoli auf der Brücke von Goi und stiessen am frühen Morgen mit unseren Truppen zusammen. Nach einem kurzen Scharmützel zogen sie sich wieder zurück und bauten am anderen Flussufer ihre Verteidigungsstellung auf. Dort warteten sie auf uns, doch unser Heerführer, der Marschall Gouvion de Saint-Cyr, wusste, dass unsere Truppen dem Feind zahlenmässig unterlegen waren, also schickte er mich in das zehn Kilometer entfernte Pla de Santa Maria, um die italienische Division von Pinos  aufzufordern, sich uns anzuschliessen. Umgehend brach ich auf, mitten in der Nacht. Ich weiss noch, dass ich keine Laterne mitnahm, weil ich nicht genau wusste, ob die Spanier zwischen uns und dem Dorf Truppen stationiert hatten. Ausserdem trug ich meinen Degen blank in der Hand, weil ich Angst hatte, dass er in der Kälte in der Scheide festfrieren, und ich ihn im Zweifelsfalle nicht ziehen könnte. Ich trug einen dunklen Mantel, der meine helle Uniform verbergen sollte und hatte mir gegen die Kälte Verbandsstoff um die Hände gewickelt, da ich keine Handschuhe besass.
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Ich habe stets über einen guten Orientierungssinn verfügt, was mir in dieser Situation wieder zu Gute kam. Die ersten paar Kilometer konnte ich ohne Probleme zurücklegen, doch dann sah ich plötzlich in der Ferne kleine Lagerfeuer brennen, und mir war klar, dass ich auf eine feindliche Stellung gestossen war. Die Spanier hatten tatsächlich einen kleinen Teil ihrer Truppe zwischen uns und dem Dorf stationiert. Vorsichtig näherte ich mich der Stellung so weit wie möglich. Gut hundert Meter vor den ersten Feuern hielt ich inne und legte mich flach auf den Boden. Dann beobachtete ich die Situation.
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Auf einer langgezogenen Linie hatten die Spanier ihr Lager errichtet. Zwischen den Zelten brannten überall kleine Lagerfeuer und Schatten bewegten sich dazwischen hin und her. Es mussten mehrere hundert Soldaten sein, welche diese Stellung besetzt hielten. Und mit Sicherheit hatten sie in der Dunkelheit rund um das Lager Wachen postiert. Vorsichtig sah ich mich um und entdeckte tatsächlich kaum dreissig Meter entfernt einen Wachposten, der lässig auf einem grossen Stein sass.
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Was sollte ich tun? Versuchen, die Linie zu umgehen? Das würde mich vermutlich zu viel Zeit kosten. Zeit, die ich nicht hatte, da ich zurück sein musste, ehe der Morgen dämmerte. Mich durch die feindlichen Linien schleichen? Das erschien mir zu riskant. Wenn die Spanier mich erwischten, würde es nichts werden mit der erhofften Verstärkung, und wir würden am nächsten Tag dem Feind in Unterzahl gegenüber treten müssen. Während ich noch nachdachte, erhob sich der Wachposten und kam genau in meine Richtung. Ich hielt den Atem an, als er so nahe an mir vorbeischritt, dass ich ihn hätte berühren können, hätte ich nur meine Hand ausgestreckt. Doch in dem Moment war mir etwas aufgefallen: Der Wachposten war in die rote Uniform der Engländer gekleidet, und das brachte mich auf eine Idee. Schon des Öfteren hatte es auf dem Schlachtfeld Verwechslungen zwischen den mit den Spaniern verbündeten Engländern und den Schweizerregimentern im Dienste Napoleons gegeben, weil beide rote Uniformen trugen.
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Entschlossen schlich ich näher an die Lagerfeuer heran, immer darauf bedacht, keinem Wachposten vor die Füsse zu laufen. Dann, ein Dutzend Schritte von dem ersten Lager entfernt, steckte ich den Degen leise in die Scheide zurück, richtete mich zu meiner vollen Grösse auf und schritt selbstbewusst auf die Linie zu. Innerlich starb ich tausend Tode und betete zu allen mir bekannten Heiligen, dass meine Tarnung nicht auffliegen würde. Jederzeit erwartete ich, dass mich jemand anrief, dass Soldaten aufsprangen, dass Säbel gezogen oder Pistolen abgefeuert wurden. Ich schlug meinen Mantel etwas zurück, so dass man meine rote Uniform sehen konnte, und marschierte langsam und ohne Hast zwischen einem der Zelte und einem Lagerfeuer hindurch. Ein Dutzend Männer sassen um das Feuer. Einige hoben den Kopf und musterten mich kurz, doch keiner sagte etwas, und schon kurz danach hatte mich die Dunkelheit jenseits des Feuers wieder verschluckt, und ich atmete auf. Die verdammten Spanier hatten mich tatsächlich für einen ihrer verbündeten Engländer gehalten!» Waeber lachte rau, hielt meinem Vater sein Weinglas hin, und dieser schenkte ihm nach.
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«Ihr seid damit durchgekommen? Ihr seid einfach so durch ihre Linien spaziert, als würdet Ihr zu ihnen gehören?», fragte Vonlanthen erstaunt.
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«Dreistigkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Soldaten, sage ich euch», fuhr Waeber lächelnd fort, «leise schlich ich also weiter, und als ich sicher war, alle Wachposten hinter mir gelassen zu haben, beschleunigte ich meine Schritte und erreichte eine gute Stunde später unbehelligt meinen Bestimmungsort. Umgehend begab ich mich ins Dorfzentrum und suchte Pinos auf. Nachdem ich den italienischen Truppenkommandanten aus dem Schlaf gerissen und ihm meine Meldung gemacht hatte, machte ich mich, mit seiner Zusicherung, seine Truppen sogleich antreten zu lassen, auf den Rückweg. Ich verliess also das Gasthaus, wo er Quartier bezogen hatte, und schickte mich an, Pla de Santa Maria wieder zu verlassen. Doch am Ausgang des Dorfes stiess ich auf eine Bande Freischärler. Bevor ich reagieren konnte, hatten sie mich umzingelt und forderten meinen Degen. Mir blieb nichts anderes übrig, als dieser Forderung nachzukommen, doch kaum hatten sie meine Waffe, schickten sie sich an, dieselbe gegen mich zu verwenden, um mich auf der Stelle totzuschlagen. Der Anführer der Bande, ein grimmiger, einäugiger Spanier, holte bereits zum tödlichen Hiebe aus, als eine Frau in den Reihen der Freischärler «pare!» rief. Der Mann hielt inne, und die Frau redete auf ihn ein. Ich konnte nie gut spanisch, doch in den Jahren, die ich dort unten verbracht habe, habe ich das eine oder andere Wort aufgeschnappt. So verstand ich, dass sie den Mann davon zu überzeugen versuchte, mich am Leben zu lassen, wofür ich ihr äusserst dankbar war, wie ihr euch vorstellen könnt.» Waeber lachte wieder und genehmigte sich einen weiteren Schluck Wein, ehe er fortfuhr: «Nun, der Mann entschied sich dazu, mich leben zu lassen. Allerdings beraubten sie mich aller Gegenstände und Kleider, bis auf mein Hemd, und jagten mich davon, in die kalte Nacht hinaus.»
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«Ihr hattet nur noch Euer Hemd an, als sie Euch wegschickten?», vergewisserte sich Pfarrer Brügger erschrocken.
«Ja, Gott gefiel es wohl, mein …», Waeber hielt einen Moment inne und sah stirnrunzelnd auf den Pfarrer hinab. Vermutlich hatte er etwas Derbes sagen wollen, war sich aber im letzten Moment der Gegenwart des Pfarrers bewusst geworden, weswegen er seine Worte mit Bedacht wählte, «… mein Gemächt der Kälte der Nacht auszusetzen. Ich garantiere Euch, Herr Pfarrer, in jener Nacht ist da unten etwas gestorben, denn jedes Mal wenn ich mich erleichtere, dann …» Waeber konnte seinen Satz nicht beenden, denn Pfarrer Brügger war erschrocken aufgesprungen und fiel ihm ins Wort: «Genug, mein Sohn, fahrt mit der Geschichte fort!»
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«Wie Ihr wollt», meinte Waeber schulterzuckend und kratzte sich demonstrativ im Schritt, «jedenfalls schlich ich, nur mit meinem Hemd bedeckt, zurück, und es versteht sich von selbst, dass ich den Trick mit der Uniform nun nicht mehr anwenden konnte. Also entschied ich mich dazu, diesmal den Versuch zu wagen, und durch die Stellung der Spanier zu schleichen. Glücklicherweise waren die meisten Feuer nun heruntergebrannt, und die Mehrzahl der Soldaten lagen in tiefem Schlaf, so dass ich mich nur an den wenigen Wachposten vorbeischleichen musste, was mir glücklicherweise auch gelang, sonst stände ich heute gewiss nicht hier vor euch. Doch das Schlimmste sollte noch kommen: Kurz vor unserem Lager hallte ein Schuss durch die Nacht, und ich wurde getroffen und zu Boden geworfen. Hier!» Waeber hob die Jacke seiner Uniform und das darunterliegende Hemd hoch und entblösste den rechten Teil seines mächtigen Bauches. Die Frau Wirtin liess einen entsetzten Schrei hören und drehte ihr Gesicht weg, während Pfarrer Brügger erschrocken die Hand vor den Mund schlug. Roman sah genau hin und tatsächlich: Eine hässliche Narbe prangte auf dem Bauch des Leutnants. Waeber stopfte sich das Hemd wieder in die Hose und glättete seinen Uniformrock, ehe er fortfuhr: «Ein Vorposten unseres eigenen Lagers hatte mich abgeschossen. Da ich keine Uniform mehr trug, hatte er nicht erkannt, dass ich unserem Schweizerregiment zugehörig war. So spielt das Schicksal zuweilen: Da durchquert man in einer Nacht zweimal die feindlichen Linien und überlebt einen Angriff der Freischärler, nur um dann von den eigenen Leuten abgeschossen zu werden!» Er lachte und die Zuhörer stimmten in das Gelächter mit ein.
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«Gottes Wege sind den Menschen oft unbegreiflich», meinte Pfarrer Brügger schmunzelnd.
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«Ja, wahrhaftig», schloss Waeber. «Aber diese Tat hat mir den da eingebracht.» Er deutete stolz auf das Kreuz der Ehrenlegion, das auf seiner Brust prangte. Das fünfzackige, weisse Kreuz, das durch einen Lorbeerkranz zusammengehalten wurde, zeigte den Kopf des Kaisers mit der Inschrift NAPOLEON EMP. DES FRANCAIS.
«Ach kommt, Franz», neckte ihn Heimo gutmütig, «sagt doch, wie es in Wahrheit war: Ihr habt den Orden sicherlich einem toten Franzmann abgenommen.»
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Das Gesicht des Leutnants lief rot an. Er stellte das Weinglas klirrend auf den Tisch, zog seinen Degen und polterte: «Ich soll das Kreuz gestohlen haben? Ich zeige Euch gleich, wie ich an das Kreuz gekommen bin, kommt nur her!» Dabei fuchtelte er wild mit dem Degen in Richtung des zu Tode erschrockenen Heimos, der aufgestanden und ein paar Schritte zurückgewichen war.
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«Nicht doch, so beruhigt Euch doch wieder», stiess dieser ängstlich hervor, «ich hab‘ doch nur Spass gemacht. Niemand zweifelt daran, dass Ihr Euch das Kreuz redlich verdient habt.»
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Waeber starrte Heimo noch ein paar Sekunden lang zornig an, dann steckte er den Degen wieder ein  und setzte sich.
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«Frechheit», murmelte er und zündete sich seine längst erloschene Pfeife wieder an, «man macht keine Witze über Männer, die ihr Blut fürs Vaterland hingegeben haben.»
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Die gute Stimmung war dahin, die Geschichte offensichtlich zu Ende, und die Leute nahmen ihre Gespräche rundherum wieder auf.
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«Ich wünschte, ich würde auch solche Abenteuer erleben», sagte Urs und sah den alten Leutnant bewundernd an.
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«Ich weiss nicht», sagte Hans, «er hat in all den Jahren elf Wunden erlitten. Ich glaube, darauf könnte ich verzichten.»
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«Und vergiss nicht die Probleme mit seinem …», Roman hielt inne und sah grinsend zum Pfarrer hinüber, ehe er fortfuhr, «… mit seinem Gemächt.»
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Die drei jungen Männer lachten.
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Am Stammtisch erhob sich Leutnant Waeber, und die Gespräche kamen zum Erliegen. Jedermann hoffte auf eine weitere Geschichte, doch Waeber setzte sich den Zweispitz auf und humpelte hinaus. Ein kalter Wind fuhr durch die Gaststube, als er die Türe öffnete. Waeber blickte sich noch einmal um und nickte grüssend, ehe er den Ochsen verliess. Als sich die Türe hinter dem alten Kriegsveteranen wieder schloss, war der heroische Hauch, der die Düdinger Gaststube für einen Moment beherbergt hatte, verschwunden.
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Zumindest bis zum nächsten Sonntag.
-ENDE-
Quellen:
„Leutnant Waeber“ von Johann Aebischer in „Beiträge zur Heimatkunde“, 10. Jahrgang, 1936
„Trois vétérans“ von M. Chr. Marro in Nouvelles étrennes fribourgeoises, Freiburg, 1875
„Geschichte der Schweizertruppen im Kriege Napoleons I. in Spanien und Portugal: 1807 – 1814“ von Albert Maag, Biel, 1892-1893.
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Copyright © 2013 by Thomas Vaucher, Erstmals erschienen im Freiburger Volkskalender 2013 Von Anton Jungo, inkl. Kurzgeschichte „Sergeant Waeber und das Kreuz der Ehrenlegion“ von T. Vaucher, Broschiert, 216 Seiten, Erschienen bei Kanisius Verlag, November 2012

Vaucher, Thomas – Autorenporträt

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

 

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Ich, Hans von Waltheym Bericht über eine Pilgerreise im Jahr 1474 von Halle in die Provence Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte,
Bd. 21 296 Seiten, geb., 148 x 210 mm, mit s/w-Abb.
ISBN 978-3-95462-367-9

Erschienen: November 2014

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Im Februar 1474 brach der Ratsherr Hans von Waltheym aus Halle an der Saale in Begleitung eines Knechts zu einer Reise auf, die ihn durch Süddeutschland und die Schweiz bis nach Südfrankreich führte. Erst nach über einem Jahr sollte er in seine Heimat zurückkehren. Die Erlebnisse unterwegs hielt er in einem Reisetagebuch fest, in dem er noch unterwegs die berührten Orte und Städte, Wirtshäuser mit Übernachtungsmöglichkeit, profane und geistliche Sehenswürdigkeiten notierte. Darüber hinaus notierte er Namen und Stand vieler Personen, mit denen er unterwegs in Kontakt kam. Ziel der Pilgerfahrt war das Heiligtum der Maria Magdalena in Saint-Maximin (Provence). Hier werden bis heute die Reliquien der Heiligen verehrt, die im Mittelalter als bekehrte Sünderin und Begleiterin Christi galt. Einer der längsten Abschnitte seines Berichtes ist Waltheyms Besuch bei dem „Lebenden Heiligen“ Nikolaus von Flüe gewidmet, der als Einsiedler in der Wildnis beim schweizerischen Kerns lebte. Diese sehr lebensnahe Schilderung, in der u.a. Aussehen und Verhalten des Eremiten detailliert beschrieben werden, stellt den vermutlich ausführlichsten zeitgenössischen Bericht über den berühmten „Bruder Klaus“ dar.

Ungewöhnlich an diesem Reisebericht ist der für die Zeit sehr persönliche Charakter der Darstellung. Waltheym äußert, weitgehend frei von Konventionen, seine eigenen Ansichten über das Erlebte. Dabei interessieren ihn sakrale, aber auch profane Legenden; er glaubt nicht nur an die Wundertaten der Heiligen, sondern auch an Drachen, Basilisken und andere Ungeheuer. Die Herausgeber bieten nach einer Einführung zur Reisebeschreibung eine parallele Ausgabe mit dem transkribierten Originaltext und einer hochdeutschen Fassung. Anmerkungen, ein Glossar, ein Itenear sowie ein Orts- und Personenindex ergänzen den Band, der sich sowohl an Wissenschaftler wie interessierte Laien richtet.

Die Herausgeber
Birte Krüger, geb. 1963, Studium der Geschichte in Moskau, 1987 Diplom. 1999 Ausbildung zur Beraterin für Public Relations in Heidelberg, anschließend Tätigkeit als PR-Beraterin in Frankfurt am Main, Leipzig und Merseburg. Dr. Klaus Krüger, geb. 1960, Studium der Geschichte, Germanistik, Ur- und Frühgeschichte in Kiel. 1994 Promotion, 2001 Habilitation in Jena für die Fächer Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften. Seit 2002 Leiter der Abteilung für Historische Hilfswissenschaften am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, seit 2009 apl. Professor.

Inhalt

Geleitwort…9
Vorwort…11
Einleitung…13
Transkription und Übersetzung des Reiseberichts…38
Itinerar…257
Glossar…261
Quellen und Literatur…263
Register…284 Geografisches
Register…284
Personenregister…290
Register der heilsgeschichtlichen und sagenhaften Personen…294

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UND NOCH EIN BUCHTIPP VON SCHRÄGEN TYPEN UND LÜGNERN, DIE IMMER MIT ALLEM DURCHKOMMEN, ZUR ABWECHSELUNG MAL AUS DER HEUTIGEN ZEIT:

Die gestohlene Schöpfung: Ein Märchen Broschiert – 29. April 2015

Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag;
Auflage: 4 (29. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257214030
ISBN-13: 9783257214031
Größe und/oder Gewicht: 11,1 x 1,7 x 18 cm

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Ein Märchen
›Die gestohlene Schöpfung‹, selbst eine Schöpfung, ist modernes Märchen, Actionstory und ›realistische‹ Geschichte zugleich; in diesem Buch wird viel gelogen, und gewiss hängt das damit zusammen, dass es von Geld handelt. Eine Geschichte, die die Welt mit Zuneigung zu betrachten versucht (sie macht einem das nicht leicht, diese Welt). Und eine Geschichte schließlich, die glücklich endet.

Mehr zum Inhalt
Urs Widmers neues Buch, ein modernes Märchen, ist zugleich eine gradlinig erzählte Actionstory, die sich, wenn man das Buch zuklappt, als eine Story auf schwankendem Boden erweist: Wer hat sie eigentlich erzählt? Wirklich der Ich-Held (ein Frankfurter Börsenspekulant)? Oder doch ein anderer (sein inniger Feind, Börsenmakler wie er)? Wäre dann die ganze Geschichte eine Schutzlüge, hinter der sich eine andere Wahrheit verbirgt? Oder was? In diesem Buch wird jedenfalls viel gelogen, und gewiss hängt das damit zusammen, dass es von Geld handelt. Eigentlich fängt es recht banal an (Börse, Konkurs, Liebesleid), wird dann aber zu etwas, was aus tieferen Schichten spricht (weiterhin der Oberfläche entlang erzählend) und zu tieferen. Die ›gestohlene Schöpfung‹, selbst eine Schöpfung, spricht ausdauernd von neuen Anfängen (kein Noah ist in ihr zugelassen), nur dass die Ursprünge, zu denen sie vorzudringen hofft, selber hoffnungslos korrumpiert scheinen. Oder ›sind‹ diese Schöpfungen, und der Bericht über sie ist korrumpiert? Eine ›realistische‹ Geschichte auch: erzählt aus dieser Welt heraus ohne formalen Aufwand. Eine, die die Welt mit Zuneigung zu betrachten versucht (sie macht einem das nicht leicht, diese Welt). Und eine schließlich, die glücklich endet. – Das Glück hat seinen Preis. Man darf nicht zu viel denken. Was man denkt, nicht begreifen. Und was man begreift, nicht spüren. Auf der Stelle würde es uns zerreißen.

Autor
Urs Widmer, geboren 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. 1968 wurde er mit seinem Erstling, der Erzählung ›Alois‹, selbst zum Autor. In Frankfurt rief er 1969 zusammen mit anderen Lektoren den ›Verlag der Autoren‹ ins Leben. Zuletzt wurde er für sein umfangreiches Werk mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2007 der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet. Urs Widmer starb 2014 in Zürich.

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