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Literatur-Blog

Tagung „Aus Versehen politisch! Das Politische in der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“, 23.-25.3.2012 in Loccum

Veranstaltungsankündigung (25 Jahre BVjA):

Tagung „Aus Versehen politisch! Das Politische in der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“, 23.-25.3.2012 in Loccum

Immer wieder fordern Schriftsteller mehr politischen Mut der jungen Schriftstellergeneration. Im September 2011 war in den deutschsprachigen Zeitungen zu lesen, dass  der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa von seinen Autorenkollegen mehr politisches Engagement forderte.

Genauso kritisierte Günter Grass unlängst in einem SPIEGEL-Interview die junge Generation der deutschsprachigen Nachwuchsautoren, sie seien nicht mehr bereit, sich politisch zu äußern. Er beklagte eine gewisse politische Beliebigkeit und rief  junge Autoren dazu auf, sich einzumischen.

Wie also steht es um das politische Engagement der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur? Wie kann Literatur heute Sinne von Günter Grass und Mario Vargas Llosa überhaupt noch „politisch“ sein?

Der BVjA geht der Frage des „Politischem in der Literatur“ mit renommierten Experten, Literaturförderern sowie bekannten und unbekannten Autoren nach und sucht nach einer Antwort zu einer der brisantesten Fragen der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Mit dabei u.a.: Doğan Akhanli (Schriftsteller und Menschenrechtler, der in der Türkei im Jahre 2010 politisch inhaftiert wurde), Dr. Karin Clark (International P.E.N. Writers in Prison Commitee, London), Michael Kleeberg (Schriftsteller, Übersetzer und Politologe), Imre Török (Bundesvorsitzender des Verband deutscher Schriftsteller, VS), Leif Randt (junger Schriftsteller) sowie Ron Winkler (junger Schriftsteller und Lyrikpreisträger).

Wann?

vom 23.3.-25.3.2012
Beginn: 23.3.2012, 15 Uhr
Ende: 25.3.2012, 12 Uhr (mit dem Mittagessen)

Wo?

in der Evangelischen Akademie Loccum

Tagungsgebühr: 175,- € für Übernachtung, Verpflegung, Kostenbeitrag. Für Schüler/innen, Auszubildende, Studierende, Freiwilligendienstler sowie Arbeitslose Ermäßigung gegen Bescheinigung auf 90,- €.

Zur Anmeldung (Online, Tagung 18/12): http://www.loccum.de/programm/anmeldung.html

Zum Tagungsprogramm: http://www.loccum.de/programm/p1218.pdf

Nähere Informationen: www.bvja-online.de

Detaillierte Tagungsinformationen:

Der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur wird seit einiger Zeit immer wieder gerne vorgeworfen, sie sei zu unpolitisch. So bemerkte beispielsweise jüngst Günter Grass, angesichts drängender gesellschaftlicher Probleme fürchte er, dass sich in Deutschland Autorinnen und Autoren nicht mehr als intellektuelle Wortführer in den politischen Diskurs einbrächten. Wie also steht es um das politische Engagement der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur? Sind derartige Befürchtungen berechtigt? Kann es überhaupt das Ziel literarischen Schreibens sein, explizit politisch zu sein, und was wären hierfür die Voraussetzungen?

Nun ist das gesellschaftliche Feld unübersichtlicher geworden. Die Figur des politischen Intellektuellen war für weite Teile des 20. Jahrhunderts gesellschaftsprägend. Heute ist sie kaum noch auszumachen. Die Literaten, die Stellung beziehen, sind in der Öffentlichkeit einer ausdifferenzierten, partikularen und fragmentierten Mediengesellschaft kaum gefragt. Die Gegenwartsgesellschaft wird auch kaum noch von großen Politikentwürfen getragen. Wie kann eine Literatur, die gesellschaftliche Gegebenheiten reflektiert, da im Sinne Grass’ überhaupt noch „politisch“ sein? Ist sie im gegenwärtigen gesellschaftlichen Umfeld nicht vielmehr, wie der Gegenwartsautor Leif Randt es in einem Interview formuliert, „aus Versehen politisch?“

Wenn es politische Literatur noch gibt, dann muss sie allerdings auch im Literaturbetrieb wahrnehmbar sein. Literarische Texte politischen Inhalts zu produzieren, ist das eine. Verlegt, vermarktet, publiziert und diskutiert zu werden, das andere. Wie steht es also um den Mut der Autoren? Wie steht es aber auch um den Mut der Verlage, explizit politische Texte ins Programm zu nehmen? Wie kann und sollte politische Literatur gefördert werden?

Zur Diskussion dieser Fragen und zu den Workshops und Lesungen sind Sie herzlich eingeladen!

Dr. Albert Drews, Tagungsleiter, Evangelische Akademie Loccum
Tobias Kiwitt, Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e.V.
Dr. Stephan Schaede, Akademiedirektor

Das Progamm

Freitag, 23. März 2012
15:30 Uhr Anreise zum Nachmittagskaffee
15:45 Uhr Begrüßung und Eröffnung
Tobias Kiwitt, Bundesverband junger Autoren und Autorinnen, Bonn
Dr. Albert Drews, Ev. Akademie Loccum
16:00 Uhr Was ist politische Literatur in der Gegenwart?
Literaturwissenschaftlicher Einführungsvortrag
Dr. Thomas Ernst, Literaturwissenschaftler, Universität Duisburg-Essen
16:45 Uhr Diskussion und Kennenlernen der Teilnehmer in Kleingruppen
Feedback-Diskussion mit dem Referenten
17:30 Uhr Literatur am Ende der Politik – Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen Literatur und Politik in der Gegenwartsgesellschaft?
Dr. Thomas Ernst, Universität Duisburg/Essen
Imre Török, Bundesvorsitzender, Verband Deutscher Schriftsteller in Verdi, Leutkirch/Berlin
Prof. Dr. Michael Braun, Abteilungsleiter Literatur, Konrad-Adenauer-Stiftung, St. Augustin
Moderation: Dr. Albert Drews, Loccum
19:30 Uhr Lesung
Michael Kleeberg liest aus „Das amerikanische Hospital“

Anschließend BVjA-Empfang

Samstag, 24. März 2012
09:30 Uhr Vorstellung der Workshops
10:00 Uhr Parallele Workshop-Angebote
WS 1 Kenntnis der Verhältnisse als Voraussetzung politischen Schreibens
Ein Werkstattgespräch mit
Michael Kleeberg, Autor
Moderation: Albert Drews
WS 2 Welchen Einfluss haben politische Literaturwettbewerbe?
Ron Winkler, Autor
Clemens Kuhnert, lauter niemand Preis für politische Lyrik, Berlin
Dr. Matthias Krell, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (Vergeber des Gerty-Spies-Literaturpreises), Mainz
Moderation: Thomas Geduhn, Autor, Köln
WS 3 „Unerhört politisch!“ – Die Arbeit der Autorenverbände
Imre Török, VS Verdi, Berlin
Dr. Karin Clark, International P.E.N. Writers in Prison Committee, London
Moderation: Tobias Kiwitt, Bonn
16:00 Uhr Politische Literatur als Programm
„Das Politische“ als Kategorie in den Verlagsprogrammen
N.N.
16:45 Uhr Lesung
Ron Winkler liest aus seinen Gedichten und diskutiert über deren politischen Impetus
17:45 Uhr Wo steht junge Literatur heute?
Ein Gespräch mit
Leif Randt, Mitgliedern des BVjA und dem Publikum
Moderation: Tobias Kiwitt und Albert Drews
19:30 Uhr Lesung
Leif Randt liest aus „Schimmernder Dunst über Coby County“
Sonntag, 25. März 2012
09:30 Uhr Politisch verfolgt und verhaftet – Literatur im weltweiten Kampf um die Freiheit des Wortes
Dogan Akhanlı, Autor, und
Dr. Karin Clark, International P.E.N. Writers in Prison Committee, London
Moderation: Thomas Geduhn, Köln
10:30 Uhr Lesung
Dogan Akhanlı präsentiert eine Collage eigener literarischer Texte
11:30 Uhr Tagungsfazit in Kleingruppen und im Plenum
12:30 Uhr Ende der Tagung mit dem Mittagessen

Zu den Referenten:

Doğan Akhanlı wurde 1957 in Şavşat, Türkei, geboren. Nach dem Militärputsch von 1980 ging er in den Untergrund. Von 1985-1987 war Doğan Akhanlı als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul inhaftiert und wurde dort gefoltert. Er floh 1991 nach Deutschland, wurde als politischer Flüchtling anerkannt und 1998 von der Türkei ausgebürgert. 2001 wurde er deutscher Staatsbürger. Seit Mitte der 90er Jahre lebt er als Schriftsteller in Köln.
Akhanlı ist der Initiator der Raphael-Lemkin-Bibliothek in Köln. Schwerpunkt seines zivilgesellschaftlichen Engagements sind das Gedenken an die Genozide des 20. Jahrhunderts, darunter an die Opfer des Völkermordes an den Armeniern, und der interkulturelle, auf Versöhnung orientierte Dialog. Seine Projekte wurden unter anderem von der Bundesstiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” gefördert und zuletzt im Jahr 2009 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet.
Akhanlıs Romane wurden zu den wichtigsten Roman-Veröffentlichungen in der Türkei gewählt (Madonna’nin Son Hayali, 2005). Er erhielt 2009 den Literaturpreis der Zeitung “Hürriyet”.
Dr. Thomas Ernst, (*1974) studierte Philosophie und Germanistik in Duisburg, Berlin, Bochum und Leuven/Belgien und promovierte 2008 an der Universität Trier mit einer Untersuchung zum Thema Pop, Minoritäten, Untergrund. Subversive Konzepte in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa. Anschließend arbeitete er als Postdoktorand an der Université du Luxembourg an einem Projekt zum Thema ‘Heimat’ oder Hybridität. Globalisierte Identitäten in der Gegenwartsliteratur aus Luxemburg, Belgien und Deutschland. Seit November 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent (Akademischer Rat) an der Universität Duisburg-Essen im Studiengang „Literatur und Medienpraxis“. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. die deutschsprachige Gegenwartsliteratur und die Literatur-, Medien- und Kulturtheorien des 18. bis 21. Jahrhunderts.
Michael Kleeberg, 1959 in Stuttgart geboren, studierte Politische Wissenschaften und Geschichte. Nach Aufenthalten in Rom und Amsterdam lebte er von 1986 bis 1999 in Paris. Heute arbeitet er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Für sein literarisches Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. 2008 als Mainzer Stadtschreiber. Für sein Buch „Das amerikanische Hospital“ erhielt der Autor den Evangelischen Buchpreis 2011.
Dr. Matthias Krell, geboren 1959, seit 2006 Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz, verantwortet für die Landeszentrale für politische Bildung den politischen Literaturpreis „Gerty-Spies Literaturpreis“.
Clemens Kuhnert, 1965 in Berlin geboren, ist Mitbegründer und bis 1996 Mitherausgeber der Literaturzeitung TORSO in München. Seit 1996 ist er Mitbegründer und  Mitorganisator der Berliner Autoreninitiative lauter niemand und der gleichnamigen Literaturzeitung und des Literaturlabors und vieler ihrer Projekte und Lesungen.
Leif Randt, 1983 in Frankfurt am Main geboren, studierte in Gießen, London und Hildesheim. 2010 erschien sein Debütroman Leuchtspielhaus (BvT). Leif Randt wurde ausgezeichnet als KulturSPIEGEL-Nachwuchsautor des Jahres, erhielt den Nicolas-Born-Debütpreis, den MDR-Literaturpreis und wurde bei den Tagen der deutschen Literatur in Klagenfurt mit dem Ernst-Willner-Preis 2011 ausgezeichnet. Er lebt in Berlin und Maintal-Ost.
Imre Török, geboren 1949 in Ungarn, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Tübingen und war ein Schüler von Ernst Bloch. Von 1996 bis 2005 war er Vorsitzender des Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg und ist seit 2005 ihr Bundesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller. Im Februar 2011 wurde er für eine dritte Amtsperiode einstimmig wiedergewählt. Török wirkte mit am Kinofilm „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (nominiert für den Oscar 2006).
Ron Winkler, geboren 1973 in Jena, lebt in Berlin. Von ihm erschienen die Gedichtbände „Vereinzelt Passanten“ (2004), „Fragmentierte Gewässer“ (2007) und „Frenetische Stille“ (2010) sowie der Kurzprosaband „Torp“ (2010). Herausgeber der Anthologien „Schwerkraft. Junge amerikanische Lyrik“ (2007), „Neubuch, Neue Junge Lyrik“(2008) und „Die Schönheit ein deutliches Rauschen. Ostseegedichte“ (2010). 2005 erhielt er den Leonce-und-Lena-Preis, 2006 den Mondseer Lyrikpreis.
Updated: 5. März 2012 — 18:34

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