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Literatur-Blog

STERZ 104/105 ist erschienen, sehr umfangreich, sehr vielfältig, sehr “bunt”!

Näheres wie auch Bestellungen unter www.sterz.mur.at

Nach dem STERZ ist vor dem STERZ, daher

„Einladung zur Beteiligung“

Krise ist diesmal das STERZ-Thema, so aktuell wie ewig wiederkehrend:

Theoretische Überlegungen wie persönliche Erfahrungen in jedweder abdruckbaren Form, also schriftlich in Lyrik wie Prosa, Essay, wissenschaftlicher Abhandlung (etwa 6.000 Zeichen) etc. und bildlich per Grafik, Foto, Comic u.a.m. möglichst gut, möglichst schön, möglichst schnell, letztmöglichst bis zur Jahresmitte über 8010 Graz, Mandellstr.10 oder <zeitschrift@sterz.mur.at>

STERZ, Kreativmagazin im Format 29/39 cm, ist ein Forum für den Diskurs zu jeweils einem Thema in Lyrik, Prosa, Essay, wissensch. Abhandlung, Bild(er)geschichte, Grafik, Fotografie, Objekt u. a. m. Im STERZ treffen Anfänger auf Meister, Liebhaber auf „Profis“, Interessierte auf Kreative. STERZ erscheint seit 1977.Unter ALLE finden sich die bisherigen Ausgaben. STERZ wird über Abonnements vertrieben sowie durch Handverkauf und im Buch- und Zeitschriftenhandel in Österreich. Im STERZ werden unterschiedliche kreative Äußerungen zu einem Gesamtkunstwerk vereinigt. Das STERZ-Augenmerk gilt aufstrebenden Talenten. STERZ-Beiträge sollen etwa 6.000 Zeichen haben. STERZ-Biografien sind individuell und bunt. Beiträge auf Kopie, CD oder über <zeitschrift@sterz.mur.at>. (Narrative) Grafiken brauchen nicht auf das Thema einzugehen. STERZ erhält sich gerade selbst und zahlt keine Honorare. Inländische Mitarbeiter erhalten drei Belegexemplare, ausländische eines (+ 2 gegen Portoersatz). STERZ-Autoren behalten das Copyright. STERZ veröffentlicht nur Erstdrucke.

Zur Einstimmung

Unvollständiges zu >KRISE<

Panta rhei – alles bewegt sich, alles verändert sich, alles fließt. Nichts bleibt gleich – es ist unmöglich, sagt Heraklit, zwei Mal in denselben Fluss zu steigen.

Wir Menschen haben aber einen Hang zum Statischen, zur Ausdehnung des augenblicklichen Zustands. Doch jeder Fluss, um beim Beispiel des Heraklit zu bleiben, gelangt irgendwann nach Engen, Schnellen und Fällen zu einem Zusammenfluss, zu einem See, zum Meer und beendet damit ein Dauern vom Ursprung weg: Eine Krise im Verlauf eines Flusses?

Das Wort Krise wird für eine bedrohliche Ausnahmesituation verwendet und dabei ist sie im Ganzen gesehen eigentlich das Übliche. Wir sind einfach nur hin- und hergerissen zwischen gleichmäßigem Fortgang und Zuspitzung.

Unser Leben vollzieht sich ja zwischen zwei existenziellen Krisen, der Geburt als Premiere und dem Tod, dem Ende der Vorstellung, unserem endgültigen Abgang. Dazwischen versuchen wir uns einerseits so einzurichten, als würden wir ewig leben – und das ist als Verdrängungsleistung unsere Spezialität: oh Augenblick, verweile doch, du bist so schön – andererseits sind wir eine äußerst dynamische Spezies, haben (immer) ein Ziel vor Augen, wollen alles verändern, alles neu und besser machen und dabei doch die Gleichen bleiben, wenn schon nicht dieselben, so doch die selben Gleichen.

Wir beginnen dramatisch mit dem Akt der Geburt, aber bald sind wir keine Neugeborenen mehr, keine Babys, keine Kinder, keine erwartungsfrohen Jugendlichen, keine hoffnungsvollen Erwachsenen, wir erreichen den Gipfel unserer Schaffenskraft, werden deutlich älter, setzen uns aufs Altenteil, werden gebrechlich, inkompetent, geistig wie körperlich, und sind spätestens nach so 100 Jahren hinüber.

Jedes Mal ein Übergang, den man als neuen Morgen erhoffen oder als bedrohliche Krise befürchten muss, aber bei all diesen Etappen, in denen sich das Leben früher oder später ändert, können und wollen wir nicht so recht glauben, dass eine Phase zu ihrem Ende kommt, und doch ist man unwiderruflich weg, weg vom Säugling, von der Kindheit, der Jugend, der Fürsorge für die Kinder, dem vollen Leben, dem beschaulichen Dasein der Ruheständler. Nur meine Tante widersteht beharrlich der letzten Krise und ist schon längst ins zweite Lebensjahrhundert eingetreten.

Diese Übergänge der Lebensabschnitte sind natürliche Krisen, die könnten wir an Älteren erkennen und uns darauf vorbereiten, wenn wir nur können wollten. Aber eigentlich sind das keine echten Krisen, sondern Wandlungen des Lebens.

Spannender sind schon die Krisen aus nicht entsprechenden Leistungen als Baby, Verweigerungen als Kleinkind, Versagen in der Schule, Exzessen der Pubertät, Konflikten zwischen auf- und absteigenden Generationen, aus Problemen bei der Berufs- und Partnerwahl … Dazu die drastischen Zuspitzungen von all dem, was zwar lange währt, aber immer weniger oder überhaupt nicht mehr gut wird. Es sammelt sich an, staut sich auf, der Damm bricht, die Krise nimmt uns in Beschlag und verlangt nach Bewältigung.

Der Status quo endet, die Krise gebiert Neues: Besseres, Schlechteres – Anderes. Berufliche Misserfolge, Scheidungen, Unfälle, Krankheiten, Todesfälle und andere Tragödien können ganze Familien in die Existenzkrise stürzen, aber was ist das alles schon gegen die Krisen, die von außen über uns hereinbrechen können wie Erdbeben, Not, Krieg, Vertreibung, Vernichtung?

Irgendwie müssen wir mit diesen Zuspitzungen und Brüchen des Lebens zurechtkommen. Manche sehen keinen Ausweg und bringen sich um, viele verzweifeln und erholen sich nie mehr so recht, bei anderen wiederum mobilisiert die Ausnahmesituation unglaubliche Kräfte. Viele tragen die Verwundungen ein Leben lang mit sich, ja drücken sie noch ihren Kindern aufs Aug, geben ihre Traumatisierung an ihre Nachkommen weiter.

Nicht nur Einzelne schleppen solche Traumatisierungen mit sich, ganze Völker, Ethnien, Staaten können davon betroffen und in ihrem Wesen bestimmt sein, was weitere verheerende Folgen nach sich ziehen kann: Der Einfall der Barbaren (= Völkerwanderung), das Amselfeld, der 30-jährige Krieg, die Pogrome der Gegenreformation, die Napoleonischen Verwüstungen …, von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts ganz zu schweigen.

Dieser Wechsel von Stetigkeit und Zuspitzung, ob selbst verursacht oder „unschuldig“ erlitten, die andauernden Verdrängungen und die plötzlich erzwungenen Entscheidungen, unser scheinbar ewiges Leben und unsere doch offensichtliche Vergänglichkeit, die Spannung daraus macht uns Menschen so dynamisch und so unberechenbar.

Man braucht ja auch nichts Besonderes zu unternehmen, man kann scheinbar auf alles vorbereitet sein, die nächste Zuspitzung, die fällige Krise kommt bestimmt und erwischt uns nur allzu oft am falschen Fuß – stehend, wenn wir nicht ohnehin bereits darniederliegen.

Dann werden selbst die Trägen munter, raffen sich auf, um die neue Situation zu begreifen, zu meistern, zu überleben, das Beste daraus zu machen, um dann wieder in den Zustand gewohnter Lethargie zu verfallen.

Unsere letzten großen Kriege haben die ganze Welt in die schwersten Krisen überhaupt gestürzt. Völlig rat- und orientierungslos sind wir daraus hervorgegangen, aber bald schon konnten wir uns am neuen alten Feind orientieren, hatten wir uns beim Wiederaufbau eingesetzt, machten es uns gemütlich in den 60ern, wollten uns ein wenig erholen, die Trivialität des wiedergewonnenen Normallebens genießen, der neue alte Feind wurde auch immer unwirklicher.

Da kommen die sogenannten 68er und machen Rabatz, schrecken uns aus unserer Nierentisch-Gemütlichkeit auf und zwingen uns in eine neue Krise, diesmal eine mentale, eine inhaltliche, und das alles scheinbar aus Jux und Tollerei. Hamma das verdient, fragen sich viele, wo wir es doch endlich ein wenig angenehm hatten?

Er habe, verkündete der fesche junge österreichische Finanzminister – nein, nicht der Grasser, sondern der Androsch – ein Patentrezept gefunden: Defizit spending. Verschulde dich in der Not und zahle zurück in guter Zeit. Demnach müssen wir jetzt vierzig Jahre pure Not gelitten haben ohne jede Gelegenheit zum Zurückzahlen.

Die Generation, die zwei Kriege durchgemacht hatte, brauchte die Demaskierung dieses Zaubergags nicht mehr zu erleben, sie hatte es wenigstens ein Mal schön. So recht hatte sie ihr spätes Glück ja doch nicht genießen können, es waren gebrannte Kinder, die den dritten Weltkrieg erwarteten, den zweiten schwarzen Freitag, einen abermaligen Untergang, aus dem Atomkrieg etwa, irgendeinen.

Die wenigen, die noch leben, können es jetzt trotzdem kaum fassen, dass sie doch noch von einer der Krisen eingeholt wurden, vor denen sie sich so gefürchtet hatten. Über 60 Jahre ohne grobe Krisen, das konnte sich keiner vorstellen, und als sie da war, konnte es kaum einer fassen – man gewöhnt sich ja doch an alles, wider besseres Wissen.

Die Mutter hatte bis zum Schluss ihren alten Küchenherd im Keller aufbewahrt, mit dem sie vier Kinder durch Krieg und Nachkrieg gebracht hatte. Wenn wieder alles zusammenbricht, sagte sie immer, die Versorgung mit Strom, Gas, Öl, …  womit heizen, wie kochen?

Ach ja, von der „Krise als Chance“ haben wir noch gar nicht geredet – das überlassen wir dann doch besser den Sonntagsrednern und anderen Psalmodisten, diese Chance sollen die doch auch haben, wenn die Umstände sie immer wieder zwingen, solches abzusondern.

Der STERZ eilt von Heft zu Heft und damit von Krise zu Krise. Jede Ausgabe beinhaltet viele Beurteilungs-, Entscheidungs- und Gestaltungskrisen, Schaffenskrisen eben. Der Gipfelsieg und der Absturz in die krisige Leere danach ist voraussehbar.

Beteiligen Sie sich an diesem krisenreich zu erringenden Sieg nicht achtend der Krise danach, die (Pseudo-)Aristoteles so schön auf den Begriff bringt:

“Omne animal post coitum triste praeter gallum, qui cantat.” –

Danach ist jedes Lebewesen traurig, ausgenommen der Hahn, der singt:

Also, lasst uns nach dem STERZ voll Herzblut fröhlich krähen mit Beiträgen zu KRISE in Schrift und Bild wie Lyrik, Prosa, Essay, wissenschaftlicher Abhandlung, Grafik, Foto, Comic, … möglichst gut, möglichst schön, möglichst bald, letztmöglichst bis zur Jahresmitte per Post (8010 Graz, Mandellstr.10) oder Mail (<zeitschrift@sterz.mur.at>).

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Updated: 16. März 2012 — 14:35

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