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Cthuloide Welten 18

Cthuloide Welten 18
Ausgabe April 2010

Pegasus Press Softcover
132 Seiten, ISSN 1610-5362
www.cthuloide-welten.de

Auch mit Ausgabe 18 der „Cthuloide Welten“ kommt wieder ein dickes Paket an Artikeln, Abenteuern und Informationen daher, schön eingepackt auf mehr als einhundertdreißig Seiten. Nach einem trockenen Vorwort von Frank Heller und einen Überblick über die Neuheiten bis zum Druck des Magazins (unter anderem nun auch Cthulhu für „Savage Worlds“ von Reality Blurs), geht es sofort zu den Artikeln.

Den Anfang macht dabei das Abenteuer „Der Schattengang“, aus der Feder von Nils Hinrichsen, mit Illustrationen von Ralph G. Kretschmann. Das Abenteuer spielt im Mittelalter und ist in der Schweiz angesiedelt. Es basiert auf der Novelle „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gottheit aus dem Jahre 1841. Der Text der Novelle steht zusätzlich auf der Homepage des Magazins bereit.

Das Abenteuer ist ausführlich geschrieben, enthält sämtliche Charakterwerte und auch dazugehörige Handouts, um den Spielern das passende Wissen zu vermitteln. Besonders schön sind dabei die Illustrationen geworden. Sie unterstreichen gut die Atmosphäre. Räuber, ein Pakt, eklige Krabbeltiere – „Der Schattengang“ ist ein spannendes Abenteuer.

Spannend ist auch das zweite Abenteuer im Magazin: „Suite 608“. Es spielt in den 1920ern und führt die Ermittler in ein luxeriöses Spukhotel. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Spieler hier ordentlich mitmischen. Daniel Neugebauer und Sebastian Weitkamp haben das Abenteuer geschrieben, das vor allem durch sein Ambiente überzeugt. Von Herrn Weitkamp stammt auch gleich der nächste Artikel, der das Hotel Arcadia als (laut Magazin) universellen Szenario-Schauplatz vorstellt. Wobei der Begriff generisch sicherlich passender wäre.

Abenteuer und Artikel sind gut und flüssig geschrieben. Illustrationen, Bilder und Kartenmaterial unterstreichen den Text noch und sind hilfreiche Mittel zum Visualisieren der Schauplätze und Personen. Zudem gibt es noch eine kleine Übersicht, was die Übernachtungen in den europäischen Hotels kosten.

Der nächste Artikel ist „Magie ist keine Zauberei“ und stammt von Daniel Neugebauer. Scheinbar kommt kaum eine Ausgabe der „Cthuloide Welten“ ohne Houdini oder Zauberkünstler aus. In diesem Artikel wird die Kunst der Zauberei genauer beschrieben, geht der Autor etwas auf die unterschiedlichen Arten der Darbietung ein und stellt die größten bekannten Magier vor. Das ist zwar schön zu lesen, aber leider wird kein Wort über die Zauberei und Magier der Moderne verloren.

Ein wenig moderner kommt dagegen Sebastian Mangels Porträt über Fritz Haber daher, dem Vater des Gaskriegs. Der Artikel ist weitgehend neutral geschrieben und versucht der Person Haber gerecht zu werden. Zudem gibt es Vorschläge zu Abenteuern, in denen Fritz Haber eine wichtige Rolle spielen oder am Rande auftauchen könnte. Der Artikel ist geschichtlich interessant, da Haber eine faszinierende Persönlichkeit war.

Historisch weniger eingeschränkt, dafür aber auch mit weniger Bezug zur Realität, ist der Artikel „Snofrus Schwert“. Es handelt sich dabei um eine Geheimorganisation, die sich gegen das kriechende Chaos stellt und in Ägypten beheimatet ist. Im Grunde handelt es sich um fanatische Terroristen, die auch gegen den Mythos vorgehen. Der Text stammt im Original von Donato Ranzato, Koen Goorickx, Wolfgang Hübner und Adam Crossingham, in einer Übersetzung von Markus Widmer.

In dem Artikel „Die Tempelritter“ beschäftigt sich Sam Johnson mit dem Orden der Templer und gibt seine, klischeehaften Ansichten wieder, die sogar den Tempelrittern aus anderen Publikationen widersprechen dürften. Darauf weist der Autor allerdings deutlich hin. Ziel ist immerhin keine fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema oder eine Vertiefung bisheriger Ausführungen, sondern eine andere Sicht- und Herangehensweise. Der Artikel ist gut geschrieben und die Umsetzung Johnsons weiß zu gefallen. Für die Übersetzung des Textes zeigt sich Kai Zimmermann verantwortlich.

Entgegen des üblichen Konzepts präsentiert Ausgabe 18 eine Kurzgeschichte, die aus der Feder von Astrid Mosler stammt. Diese wurde für den Mittelalter-Quellenband geschrieben, fand dann aber dort keinen Platz mehr. So können sich die Leser der „Cthuloide Welten“ an diesem kleinen Goldstück erfreuen, in dem die Liebe der Männer schamlos ausgenutzt wird, um ans Ziel zu gelangen. Gut geschrieben, spannend und mit einem schönen Finale.

Ein weiteres Kleinod ist das Interview mit dem Cthulhu-Übersetzer Robert Maier, der für Projekte wie „Horror im Orient-Express“, „Unfassbare Mächte“, „Innsmouth“ und „Berge des Wahnsinns“ zuständig war. Nun stellt er sich den Fragen der Redaktion und lässt ein wenig hinter die Kulissen seiner Tätigkeit gucken. Und schnell wird deutlich, was bei Übersetzern für Klassenunterschiede herrschen, was einen Discounter und was einen Profi ausmacht. Und mit Maier hat Pegasus Press einen der besten Übersetzer überhaupt verpflichtet, denn immerhin ist Robert Maier ein Mann, der weiß worauf es wirklich ankommt. Wer von ihm übersetzte Texte liest erkennt nämlich sehr schnell, dass der Inhalt harmonisch und natürlich wirkt, keinesfalls gestelzt und konstruiert. Auf jeden Fall ein klasse Interview!

Den Abschluss des Magazins bildet („Unspeakable Vault“ ist so genial, der Strip läuft außer Konkurrenz) ein weiterer Regelartikel von Thomas Michalski, in dem er sich weiterhin mit den Grundregeln des Spiels auseinandersetzt und Optionen anbietet, um moderner, eleganter und dennoch mit bekanntem Stil zu spielen. Diesmal beschäftigt er sich mit Wahnsinn, geistiger Gesundheit und Stabilität. Michalski präsentiert einige neue Thesen und zeigt Möglichkeiten auf, die das eigene Spiel bereichern können. Das ist allerdings eine Stilfrage, die jeder für sich beantworten muss. Der Artikel sorgt zumindest für eine kritische Betrachtungsweise der Originalregeln.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass auch die achtzehnte Ausgabe der „Cthuloide Welten“ Unterhaltung und Information vom Feinsten präsentiert. Die Aufmachung ist hochwertig und toll illustriert. Zuckerstückchen in Cthulhus Kaffeetasse sind eindeutig die Kurzgeschichte und das Interview, aber auch die anderen Artikel wissen zu gefallen. Das Schlusslicht bildet – obwohl noch immer gelungen – „Snofrus Schwert“.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Updated: 18. November 2010 — 13:13

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