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Interview mit Myriam Engelbrecht vom Fireangels Verlag geführt von Irene Salzmann

Interview mit Myriam Engelbrecht vom Fireangels Verlag

(geführt per Email von Irene Salzmann für „Rattus Libri“ am 15.1.2014)

IS: Der Fireangels Verlag wurde 2004 (zunächst als Verein) gegründet – Ihr feiert dieses Jahr also Euer 10-jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch! Was hat Dich damals dazu bewogen, einen Verlag für internationale Boys Love-, inzwischen auch Girls Love-Mangas zu gründen? Und ist etwas Besonderes anlässlich des Jubiläums geplant?

ME: Genau genommen wurde der Verlag als solches erst 2005 gegründet, wir müssen also noch ein Jahr warten, bis zu unserem Jubiläum, aber dann machen wir auf jeden Fall etwas Besonderes! 🙂

IS: Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat sich der Markt seither verändert?

ME: Er ist vor allem sehr stark gewachsen. Als wir damals angefangen haben, hatten wir quasi kaum Konkurrenz, vor allem auf dem Markt der deutschen Eigenpublikationen. Heute sieht das völlig anders aus.

IS: Wirkt sich das auch auf das Verlagsprogramm, auf die Ausschreibungen und die Resonanz seitens der Künstler und Künstlerinnen aus?

ME: Zum Teil. Da wir früh gemerkt haben, dass das internationale Interesse an unserem Verlag vorhanden ist, haben wir auch relativ zeitig damit begonnen, internationale Zeichner zu verlegen. Dadurch ist die Resonanz stabil, wenn nicht sogar stetig steigend, während die deutschen Zeichner aus dem Vollen schöpfen können, und es auch tun sollten!

Im Programm versuchen wir, uns auf Titel zu konzentrieren, die sich von der breiten Masse etwas abheben. Erwachsenere Themen aufzugreifen oder auch Beiträge, die sich etwas trauen: wie etwa „Sphinx“ in „Lemon Law 2“, in der die Beziehung zwischen einem Jungen und einem Fabelwesen dargestellt wird.

IS: Für einige Autoren und Zeichner stellten die Publikationen des Fireangels Verlags das Sprungbrett zu den ‚großen Verlagen‘ dar. Wer hat es denn ‚geschafft‘ und hält Euch dennoch die Treue in Form gelegentlicher Beiträge?

ME: Da wäre an erster Stelle natürlich Anne Delseit, von der gerade zwei Geschichten in „Lily 5“ veröffentlicht wurden, und die inzwischen mehrere Projekte für Carlsen gemacht hat. Aber auch Nina Nowacki hat bereits diverse Projekte bei anderen Verlagen verwirklicht, gehört aber noch immer zum Kern des Verlags.

Es erstatten aber auch nicht alle Zeichner Bericht bei uns, was sie wann für wen gemacht haben, also vermutlich gibt es da noch ein paar mehr ;-).

IS: Aber nicht bloß Newcomern wird eine Chance gegeben. Im Verlagsprogramm finden sich auch einige Highlights wie „Winter Demon“ (Yaoi Press) und „Night and Day“ (DramaQueen), die sich Insider teilweise schon in Englisch zugelegt hatten. Auch „Töchter der Himmel“ könnte ein großer Wurf werden, da die Story spannend ist und die Illustrationen ausgesprochen schön sind.

ME: Es ist leider schwer nur mit neuen, extra angefertigten Titeln ein stabiles Programm auf die Beine zu stellen. Lizenztitel sind sozusagen eine Art Kleister, der alles zusammenhält. Sie liegen bereits fertig vor, müssen nur noch übersetzt und an die Druckerei geschickt werden, während man bei Eigenproduktionen mitunter lange Verzögerungen in Kauf nehmen muss. Wer auf die Fortsetzungen noch nicht abgeschlossener Serien aus Japan wartet, weiß, dass sich das manchmal Monate bis Jahre hinziehen kann.

Auch bei uns ist das gerade bei „Töchter der Himmel“ der Fall. Sowohl die Zeichnerin als auch der Autor haben letztes Jahr ihr erstes Kind bekommen. Da liegen die Prioritäten natürlich erst mal woanders.

Auf „Night and Day“ sind wir besonders stolz, da nach der Schließung von DramaQueen lange nicht klar war, ob es den Titel überhaupt jemals geben würde. Wir sind froh, dass Akira Atsushi den Comic beendet hat, und dass wir ihn bekommen haben.

IS: Wenn Autoren Manuskripte und Zeichner Mangas beim Fireangels Verlag einreichen wollen, was sollten sie beachten?

ME: Sie sollten sich vor allem darüber klar sein, dass wir uns auf homoerotische Inhalte spezialisiert haben und keine klassischen Fantasy-Romane verlegen, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Leider bekommen wir viele ‚artfremde‘ Bewerbungen, weil die Autoren wohl der Meinung sind, mehr Chancen zu haben, wenn sie ihr Manuskript an möglichst viele Verlage schicken.

Auch an Comics haben wir schon solche Bewerbungen erhalten, allerdings deutlich weniger.

In jedem Fall – und egal bei welchem Verlag sie sich bewerben möchten – sollten Autoren und Zeichner immer zuerst die Verlagsseiten scannen, ob sie Hinweise zum Bewerbungsverfahren finden. Auf den meisten werden diese detailliert beschrieben.

IS: Der Fireangels Verlag bietet nicht allein Manga-Anthologien, sondern auch Manga-Serien, Romane, Artbooks, Kalender und diverse Fanartikel wie Aufkleber, Taschen, Tassen und vieles mehr. Auf welche Produkte bist Du besonders stolz?

ME: Ich denke die Vielfalt ist das, worauf wir am meisten stolz sein können. Kein anderer Verlag bietet seinen Fans so eine breite Palette und so viel Auswahl.

IS: Der große Boys Love-Hype ist vorbei, und im Bereich Girls Love hat es nie einen gegeben. Glaubst Du, dass sich die Leserinteressen langfristig wieder ändern, wenn sich die gegenwärtigen Hauptzielgruppen der ‚großen Verlage‘ mit Love-Comedies, –Dramas und Sonstigem übersättigt fühlen?

ME: Jemand, der sich nicht für Boys oder Girls Love interessiert, wird kaum plötzlich damit anfangen, es zu lesen, weil ihm die ‚normalen‘ Geschichten zu langweilig werden.

Ich glaube, das hauptsächliche Problem liegt ein wenig in der Tatsache, dass fast nur für die nachrückende Generation produziert wird. Die Langzeit-Leser – die Fans der erste Stunde – bleiben auf der Strecke. Sie sind inzwischen 10, 20, 30 Jahre älter geworden, aber die Titel der Verlage spiegeln das kaum wider. Sie konzentrieren sich auf eine homogene Altersgruppe, die bei 16 – 20 stehen geblieben ist. Ich denke, es ist langfristig wichtig, auf die Interessen und Bedürfnisse der Leserinnen einzugehen, die dieser Zielgruppe entwachsen sind. Das Programm muss mit seinen Käufern reifen. Der Anspruch muss wachsen. Genau wie die Vielfalt. Man will nicht immer das Gleiche lesen.

IS: Welchen Stellenwert hat Girls Love gegenwärtig für den Fireangels Verlag? Und wie siehst Du die Zukunft des Genres in Deutschland?

ME: Leider einen sehr kleinen, auch wenn es mir persönlich anders lieber wäre. Anfangs haben wir uns als Ziel gesetzt, eine Boys und eine Girls Love-Anthologie parallel zu veröffentlichen. Mit gleichem Umfang. Schnell mussten wir feststellen, dass dafür nicht nur die Käufer fehlen, sondern vor allem die Zeichner. Die Tatsache, dass wir es bisher nicht einmal geschafft haben, „Lily“ regelmäßig wenigstens einmal pro Jahr zu veröffentlichen, zeigt das sehr deutlich. Wir haben in 8 Jahren nur 5 Ausgaben geschafft.

Persönlich glaube ich nicht, dass sich das langfristig ändern wird. Die Zielgruppe ist klein, aber stabil, und sie saugt so gut wie alles auf, was sie in die Finger bekommt. Aber auch hier gibt es eine Entwicklung, denn die Leser werden genauso älter, wie die Boys Love-Fans. Auch hier muss es langfristig auf die Interessen zugeschnittene Titel geben, wenn man dieser Leser nicht verlieren und durch den Nachwuchs ersetzen will.

IS: Welche neuen Projekte würdest Du gern realisieren?

ME: Derzeit arbeiten wir an einem der größten Projekte, das wir jemals gemacht haben. Das ist aber noch geheim ;-).

Darüber hinaus möchten wir gerne mehr Einzeltitel veröffentlichen. Wie oben schon beschrieben auch für ein älteres Publikum, und wir hoffen auf viel geeignetes Material.

IS: Wo kann man Dir persönlich begegnen und einen Blick auf die Produkte des Fireangels Verlags werfen? Wo kann man sie bestellen?

ME: Die nächsten Gelegenheiten dazu sind dieses Jahr die Buchmesse in Leipzig. Dort wird unser Stand in dem neuen, extra dafür geschaffenen Bereich, der Manga-Comic-Con in Halle 1, zu finden sein. Entgegen der weitläufigen Meinung wurden wir von der Messe auch nicht dorthin ‚verbannt‘. Vielmehr wurde dem Manga-Bereich hier die Gelegenheit gegeben, sich voll zu entfalten. Das sieht man alleine schon an dem riesigen MCC-Kreativ-Bereich, der den gedrungenen Doujinshi-Markt ablöst und etwa die 5-fache Fläche hat.

Danach sind wir auf der Animuc in Fürstenfeldbruck (München), der Connichi in Kassel und natürlich unserer Heim-Con, der YaYuCo in Dachau (www.yayuco.de).

Bestellen kann man die Titel außerdem in unserem Shop: www.yaoishop.de, sowie dem Animexx-Webshop und diversen Comicläden in Deutschland. Eine Liste findet ihr auf der Verlagsseite unter dem Reiter „Shop“.

IS: Vielen Dank, liebe Myriam, für das freundliche Gespräch!

ME:  Ich danke für das Interesse!

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS) (aus „Rattus Libri“ vom  15.1.2014) Mit freundlicher Genehmigung für sfbasar.de

4 Comments

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  1. Vielen Dank nochmal an Irene Salzmann, der Herausgeberin des Rattus Libri! Wir freuen uns dieses Interview nochmal im basar bringen zu dürfen. Was sagen unsere Leser und Community-Autoren?

  2. Leser und Leserinnen die homoerotische Geschichten mögen werden beim Fireangel Verlag garantiert etwas finden. Allerdings gibt es, meiner Meinung nach, doch einen Unterschied wenn deutsche Autoren/innen sich der Themen annehmen. So gibt es viel explizitere Darstellungen als bei den japanischen Manga. Ich würde sogar soweit gehen die Darstellungen eher dem Hentai-Genre zuzuordnen.
    Ich finde es gut, das der Fireangel Verlag sich auf die speziellen Wünsche von Lesern konzentriert, die sich diesen Geschichten gerne zuwenden. Es gibt eine breite Palette unterschiedlichster Angebote. Als Rezensentin weiß ich wovon ich rede, da ich für den Verlag das ein oder andere Rezensiert habe.
    Ich wünsche Myriam Engelbrecht und ihrem Team auch weiterhin viel Erfolg.

  3. Dr. Heinz-Theo Ullrichs

    Gibt es diese Rezensenionen hier zu lesen?

  4. Nein, nicht im sfbasar. Aber etliche Manga-Rezis gibt es im Buchrezicenter.de. Siehe Karteireiter Buchbesprechungen, dann Genre -C-F, danach Comic & Mangas. Oder direkt suchen über das Suchfenster mit einem geeigneten Stichwort.

    Mit galaktischen Grüßen 😉
    Werner Karl
    Chefredaktion Buchrezicenter

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