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“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 11)

„Murphy reist ins Jenseits“

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 11

Dietrich Borodin bog ab. Die Straße wurde merklich steiler.
»Es ist nicht mehr weit«, gab Borodin Auskunft.

Auf dem Beifahrersitz saß sein zweites Ich. Jane hielt es mit ihren Hexenkräften in Schach. Jetzt, da sie die Zusammenhänge kannte, funktionierte es auch.

Eine weitere Stunde fuhren sie schweigend dahin. Die Straße war hier nicht mehr asphaltiert. Überall waren Schlaglöcher und Steine lagen auf dem Weg. Borodin hatte alle Mühe, den Hindernissen auszuweichen.

Dann endlich waren sie angelangt. Der Wagen rollte über einen abzweigenden Schotterweg, an dessen Anfang ein Schild mit der Aufschrift »Privat« hing. Am Ende des Weges erhob sich ein flaches, etwa zehn mal zwanzig Meter großes Felsplateau. Eine steile Holztreppe überbrückte den Höhenunterschied von etwa zehn Fuß. Auf dem Plateau stand eine Berghütte, eng an die steile Felswand geschmiegt, die sich dahinter empor reckte. Der oberste Punkt des Felsens verlor sich in einer Höhe von mindestens zweihundert Fuß. Jane Murphy und ihr Mann waren sichtlich beeindruckt.

Borodin stieg aus. Die beiden anderen folgten seinem Beispiel, nachdem Jane dem Doppelgänger zu schlafen befohlen hatte. Erst jetzt erkannten sie, welch großartige Aussicht sich von hier oben bot. Zwischen den Krüppeltannen gegenüber der Hütte schimmerten schroffe Bergrücken, die sich weit in der Ferne auftürmten.

Die drei Menschen stiegen die Holztreppe hinauf. Von irgendwoher holte Dietrich Borodin einen Schlüssel und schloss auf.

Bevor sie eintraten, blickte Jane noch einmal zurück. Jetzt konnte ihr Blick ungehindert über die Krüppeltannen hinweggehen. Über den Horizont zog sich ein blutroter Streifen. Die Sonne war bereits untergegangen und es war reichlich düster. Tief unten im Tal bewegten sich winzige Lichter.

Borodin bemerkte ihren Blick und sagte lächelnd: »Im Talkessel befinden sich mehrere kleine Ortschaften. Trotzdem ist es hier sehr einsam. Es wächst kaum etwas auf dem kargen Boden. Touristen wollen aber keinen nackten Fels. Sie wollen wohl unberührte, aber auch belebte Natur.«

Die Tür schloss sich hinter ihnen. In der Hütte war es stockfinster.

Dennoch fanden sich die drei Menschen mit ihrer Nachtsichtigkeit gut zurecht. Eine Tür führte direkt in den Felsen. Die aus dem Gestein gemeißelte Kammer barg einen winzigen Stromgenerator. Borodin warf ihn an und schaltete das Licht ein. In der Ecke gab es sogar eine elektrische Kochplatte. Ein Kühlschrank barg konservierte Nahrungsmittel für mehrere Tage. Obwohl er nicht eingeschaltet war, hatten sich die Sachen gut gehalten. Schuld daran war wahrscheinlich nicht zuletzt die Tatsache, dass das Gerät in einer Felsennische stand.

Dietrich Borodin erklärte den beiden Jungvermählten alles. Das tat er so gründlich, dass sich David zu der Bemerkung hinreißen ließ: »Sie tun ganz so, als wollten Sie uns für eine Weile verlassen.« Kaum hatte er das ausgesprochen, ging eine seltsame Verwandlung mit Borodin vor. Er wandte sich erbleichend ab.

»Es war unvorsichtig gewesen, meinen Doppelgänger zu der Reise zu zwingen. Den Wagen hat er im Dorf geliehen. Irgendwann muss er ihn zurückbringen. Außerdem muss er nach Hause. Wir hätten uns ein anderes Beförderungsmittel suchen müssen. Wir haben nicht das Recht, ihn zu etwas zu zwingen, was er…«

»Das ist doch nicht der Grund«, unterbrach ihn David misstrauisch. »Was haben Sie vor?«

Ein dumpfer Laut entrang sich Borodins Kehle. Er tastete nach einem Halt. Seine Augen flackerten. David wollte ihm zu Hilfe eilen, wurde aber abgewehrt. Bestürzt beobachteten er und Jane ihren Schicksalsgefährten.

Plötzlich brach es aus Borodin hervor: »Mein Kind! O Gott, meine kleine Tochter. Warum haben sie das getan?«

David konnte sich nicht mehr beherrschen.

»Verdammt, nun sagen Sie uns endlich, was plötzlich in Sie gefahren ist!«

Borodin antwortete nicht. Er wankte zur Tür, riss sie auf, trat hinaus.

»Ich – ich komme wieder«, sagte er über die Schulter zurück. Dann schlug er die Tür hinter sich zu.

David und Jane sahen sich verständnislos an, rannten zum Fenster und sahen Dietrich Borodin zum Wagen gehen.

Jane riss das Fenster auf und rief hinaus: »Das dürfen Sie nicht tun! Bleiben Sie hier! Ihr Doppelgänger kann doch auch allein wegfahren. Wir dürfen uns nicht trennen. Es ist zu gefährlich.«

Borodin reagierte gar nicht. Jane wollte ihm folgen, aber David hielt sie am Arm zurück.

»Lass ihn, Jane, er wird wissen, was er zu tun hat.« Eine steile Falte war auf seiner Stirn erschienen. »Ich habe das Gefühl, dass er sich durch keine Macht der Welt aufhalten lässt.«

»Aber, was hat er auf einmal?« begehrte Jane auf. »Ich verstehe das alles nicht.«

David zuckte mit den Achseln.

»Ich auch nicht«, gab er zu. »Er wird es uns sagen, wenn er zurückkommt.« Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er zog Jane näher zu sich heran.

Sie verstand sofort und erwiderte sein Lächeln. »Du schlimmer Junge«, flüsterte sie zärtlich. »Was hast du mit mir vor?«

Ein leidenschaftlicher Kuss ließ sie verstummen. Seine riesigen Hände streichelten zärtlich über ihr seidiges Haar, glitten tiefer, umfassten die festen Brüste, kneteten sie sanft, berührten die Hüften. Ein Zittern ging durch ihren Körper. Ihre Erregung wuchs. Bald darauf sank er mit seiner geliebten Jane auf das schmale Lager, innig vereint.

Ihre Sorgen waren für Augenblicke unwichtig und vergessen.
(wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


Der gesamte Roman ist auch käuflich zu erwerben:

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Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

Als eBook bei www.sofortlesen.de
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David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)

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Updated: 10. Mai 2010 — 23:28

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