sfbasar.de

Literatur-Blog

“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 1)

„Murphy reist ins Jenseits“

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 1

David Murphy beugte sich vor und blickte durch die Windschutzscheibe zum Himmel. Noch war die Nacht klar, aber am Horizont türmten sich mit beängstigender Geschwindigkeit schwarze Wolken auf. Noch nie zuvor hatte David erlebt, dass sich ein Gewitter so schnell zusammen braute. Die elektrischen Spannungen, die auf baldige Entladung harrten, waren fast körperlich spürbar. David Murphy verstand das nicht. Der Wetterbericht war doch so positiv gewesen.

Er verdrängte die Beklommenheit, die sich seiner bemächtigen wollte und konzentrierte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße. Die beiden Scheinwerfer seines billig geliehenen und darum so klapprigen Buicks schnitten Lichtkegel aus der Dunkelheit, zitterten über Bäume und Sträucher hinweg und versuchten vergeblich, die Sterne zu erreichen, wenn der Wagen über eine Bodenwelle fuhr.

David Murphy warf einen Blick zur Seite und lächelte. Für einen Moment vergaß er seine düsteren Ahnungen. War Jane Marvin nicht wunderbar?

David betrachtete ihr fein geschnittenes, im Schlaf entspanntes Gesicht, ihre schlanke, fast zierliche Figur mit den hoch angesetzten Brüsten. Das Kleid war hoch gerutscht und zeigte makellose Schenkel. Gewaltsam musste sich David von dem Anblick losreißen. Kaum zu fassen: Er, der Kämpfer des Lichtes, normalerweise gefeit gegenüber solchen Reizen – und jetzt allein mit Jane, mit diesem sündhaft schönen Mädchen! Jane Marvin? Nein, seit einem halben Tag hieß sie… Jane Murphy!

Sein Herz pochte stärker, als er leise vor sich hin murmelte: »Welcher Mann würde mich nicht um dich beneiden?« Sie hörte es nicht, denn sie schlief fest. Ein aufregendes und anstrengendes Hochzeitsfest hatten sie hinter sich, im Kreise ihrer wenigen Bekannten und Verwandten – von Seiten Murphys war verständlicherweise niemand zugegen gewesen – und die Strapazen forderten ihren Tribut.

Nicht zu fassen, wahrlich: Er, der Kämpfer des Lichtes, mitten drin, alles zu vergessen, was seine eigentliche Aufgabe war…

Er dachte unwillkürlich an die Warnung eines Ordensbruders: »Wir leben nicht zwangsläufig im Zölibat, wie du weißt. Wir sind ja auch nicht ganz so offiziell als Orden… Aber pass bloß auf, David«, hatte dieser gesagt, »du bist und bleibst ein Ordensbruder, hast kein festes Einkommen, ein sehr unsicheres Leben und eine noch wesentlich unsicherere Lebenserwartung. Sieh dich an. Mit deinem breiten Kreuz, diesen Pranken und einer solchen Größe siehst du aus, als könntest du einen Ochsen heben. Lass die Finger von Jane Marvin. Lass die Finger von ihr, sage ich. Sie ist nicht einmal halb so schwer wie du und über zwanzig Zentimeter kleiner. Bleibe keusch oder sieh dich wenigstens nach einer richtigen Walküre um, die besser zu dir passt!«

David Murphy lächelte stärker bei diesem Gedanken. Klar, Karl Falker, der deutsche Freund aus dem Orden, hatte nicht ganz unrecht, wenn er auch maßlos übertrieb, doch nun war er, David Murphy, mit seiner frisch angetrauten Jane auf dem Wege nach Schottland, um dort so etwas wie Ferien zu verbringen. Genauer: die Flitterwochen!

Er und Ferien? Gar: Flitterwochen? Noch vor drei Wochen undenkbar, aber vor drei Wochen hatte er ja auch Jane noch nicht gekannt. Sie waren sich zufällig auf der Straße begegnet, hatten sich angeschaut und… peng! Wie im Märchen, sprichwörtlich! Eine Macht, stärker als die der verhassten Dämonen, weil süßer und weitaus verführerischer… Er hatte sich nach Kräften dagegen gewehrt, aber weder ein Bannspruch noch ein Ritual hatten ihn vor etwas retten können, was man im allgemeinen wohl… Liebe nannte! Ja, er, David Murphy, der noch nicht einmal genau wusste, wie alt er eigentlich war, der seine richtige Vergangenheit vergessen hatte über all dem Chaos, das er hinter sich hatte bringen müssen… Er hatte sich Hals über Kopf und unrettbar verliebt!

Und seine Ordensbrüder hatten sogar Verständnis gezeigt! Etwas, was er genauso wenig jemals auch nur für möglich gehalten hätte.

Ja, zugegeben, zunächst hatte er an eine Falle der Dämonen der Dämmerung glauben wollen, aber Jane war so etwas von unschuldig… Und dann hatte er sie abschrecken wollen, indem er ihr die Wahrheit erzählt hatte – die Wahrheit über sich.

Jane hatte ihn nur lächelnd angesehen, hatte ihren süßen Kopf schief gelegt und gesäuselt: »Aber, Liebster, so verrückt dies alles auch klingen mag: Wir gehören zusammen. Ich spüre das in aller Deutlichkeit. Wenn es Gefahren gibt für dich, werde ich diese Gefahren mit dir teilen. Erwartet dich der Tod, dann erwartet er uns beide! Oder soll ich mich abwenden von dir, allen Gefahren aus dem Weg gehen – und trotzdem zugrunde gehen und zwar an Liebeskummer?«

Niemand hatte das besser verstehen können als er, David Murphy, der noch einen Tag vorher eher angenommen hatte, kein richtiger Mann, sondern so etwas wie ein geschlechtsloses Neutrum zu sein…

Er erschrak – nicht in Anbetracht dieser Tatsache, sondern weil es draußen schlagartig taghell wurde. Davids Hände krampften sich um das Steuer. Ein mächtiger Blitz zuckte über den Himmel. Dann war es wieder dunkel. David lauschte auf das gleichmäßige Brummen des Motors, als hätte sich das stete Geräusch angesichts der entfesselten Naturgewalten verändern müssen. Es war und blieb der einzige Laut, bis rollender Donner den Wagen erreichte.

Jane bewegte sich unruhig. David sah besorgt zu ihr hin. Eine steile Falte war auf ihrer Stirn erschienen und sie flüsterte etwas im Schlaf. Durch die Bewegungen rutschte eine Locke ihres langen, rotblonden Haares über ihr Gesicht. Das weckte sie vollends. Sie fuhr mit einem leisen Schrei hoch.

»Was – was ist passiert?«, erkundigte sie sich erschrocken.

»Nichts Besonderes«, lächelte David, »wir sind nur unerwartet in eine Gewitterfront geraten.« Er lehnte sich vor und starrte nach draußen. Seltsam ist es dennoch, dachte er bei sich. Irgendwas Unbestimmbares lag in der Luft, als müsse sich bald etwas Schlimmes ereignen. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Wie kam er nur auf so absurde Gedanken? Er war doch sonst nicht so ängstlich. Ja, ängstlich war das richtige Wort. David Murphy ärgerte sich über sich selbst.

»Wo sind wir eigentlich jetzt?«, gähnte Jane und streckte sich ausgiebig. David konnte seinen Blick nicht von ihren festen Schenkeln lösen, die nun völlig frei lagen. Sie lächelte und zog ihr Kleid herunter. David erwiderte das Lächeln und wandte sich wieder nach vorn.

»Ich habe keine Ahnung«, sagte er. »Irgendwo zwischen London und Schottland. Verflucht einsame Gegend hier. Wir sind schon lange an keinem Hinweisschild mehr vorbei gekommen und die letzten habe ich mir nicht gemerkt. Einfach geradeaus müssen wir. Das ist alles, was ich weiß.«

»Was nicht viel ist«, versetzte Jane gutmütig.

Jane rückte näher und kuschelte sich an ihn. David merkte, dass sie zitterte.

»Ist dir kalt?«, erkundigte er sich besorgt.

Sie schüttelte den Kopf.

»Aber, Jane, du brauchst doch keine Angst zu haben. Es ist nur ein Gewitter. In einer Viertelstunde werden wir die Schlechtwetterfront hinter uns haben. Du weißt, dass der Wetterbericht schönes Wetter vorausgesagt hat. Viel kann es also nicht sein, was uns erwartet.«

Wie zur Antwort zuckten Blitze über den schwarz verhangenen Himmel. Die Wolken türmten sich wie Felsen. Jane kuschelte sich enger an ihren Mann. Dann rollte wieder der Donner. In David krampfte sich alles zusammen. Noch nie hatte er ein so furchtbares Grollen gehört. Es klang, als verkünde es das Ende der Welt.

Die Kurve war plötzlich da. David riss die Augen auf. Jane öffnete den Mund, kam aber nicht mehr zum Schreien.

Eine wertvolle Sekunde verstrich, bis David reagierte. Sein rechter Fuß trat mit aller Kraft auf das Bremspedal. Das war zuviel gewesen. Der Wagen kam ins Schleudern, schlitterte mit schreienden Pneus in die Kurve hinein, drehte sich halb um sich selbst und kam schließlich ächzend zum Stehen.

Blitze grellten auf und beleuchteten für den Bruchteil einer Sekunde die gespenstische Gestalt, die am Straßenrand stand. David blickte direkt hinein in die leeren Augenhöhlen eines Totenschädels, in denen ein unheimliches Feuer glomm.

Der Donner kam und mit ihm ein dichter Vorhang aus Regen. Das junge Ehepaar war wie gelähmt. Die Gestalt stand wie ein Mahnmal vor den hohen Schatten der Bäume.

Jetzt erst merkte David, dass die Scheinwerfer seines Wagens ausgeschaltet waren. Wahrscheinlich war er bei dem wilden Manöver gegen den Schalter gekommen. Seine zitternde Hand griff danach. Alles sträubte sich in ihm dagegen. Aber dann ließ er das Licht doch aufflammen.
(wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


Der gesamte Roman ist auch käuflich zu erwerben:

Als eBook bei www.sofortlesen.de
Titel bestellen bei www.HaryPro.de
Titel suchen bei Booklooker.de

Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)

Als eBook bei www.sofortlesen.de
Titel bestellen bei www.HaryPro.de
Titel suchen bei Booklooker.de

Updated: 21. April 2010 — 19:31

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme