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Literatur-Blog

Premiere

ZAUBERERBRUDER, PROJEKT – Fantasy von Michael Bahner (II)

Ich habe einige Geschichten über die Liebe, oder über die Abwesenheit der Liebe. Ich habe relativ viele Geschichten, die einen düsteren Nachgeschmack haben. Ich habe ein paar lustige Texte, und ein paar ruhige, in denen es um gar nichts geht und ich nur eine Situation beschreibe. Ein paar Mal habe ich einfach meine Gefühle niedergeschrieben, andere Male habe ich über das Schreiben geschrieben. Ich kann nicht einen gemeinsamen Nenner finden, um was es insgesamt geht. Um Krieg und Frieden, hassen und lieben, Tod und Leben, Aktivität und Passivität, um Gefühle, um Bilder, und oft um Stimmung. Das geht vielleicht durch, denn ich versuche oft eine bestimmte Stimmung hervorzurufen. Leider ist es oft keine schöne Stimmung, das muss ich zugeben.

NUR DER TOD IST SICHER – Skurrile Zukunftsgeschichte von Frank Lauenroth

Herbert schaute auf sein Lebensindexkontrolldisplay an seinem Handgelenk – kurz Likod genannt – und sah eine 29,9. Er war sich sicher, vorhin dort noch eine 30,0 erblickt zu haben. Nicht einmal das Blinken, welches eine Veränderung ankündigte, hatte er bemerkt. Nun, ein Verlust von 0,1 erschien ihm nicht Besorgnis erregend. Manchmal hatte er sogar Nachkommastellen zurück gewonnen. Allerdings erinnerte er sich auch, ganze Ziffern vor dem Komma verloren zu haben, damals, bei seinem letzten Herzinfarkt. Meistens tat sich wochenlang nichts im Display. Dennoch hatte er die Anzeige nahezu ständig im Blick. ‚Verdammtes, schweres Ding!’, verfluchte Herbert leise den Likod und massierte dabei unbewusst seine schmerzende linke Schulter. ‚Verdammte, neue Zeit!’

ALPTRAUM KRANKENHAUS – Voll aus dem Leben von Wolfgang G. Fienhold

Nach einer Weile kommt ein junger Assistenzarzt und nimmt eine Blut- sowie Urinprobe. Ungefähr vier Stunden lang passiert überhaupt nichts, der Patient öffnet mühsam die Tür und fragt, wann es weitergeht. Ihm wird beschieden: „Wird sind hier in der Notaufnahme, da kommen wichtigere Fälle dazwischen.“ Offenbar ist er kein Notfall, denn er blutet weder aus der Nase noch dem kleinen Finger. Irgendwann geht es dann doch zum Röntgen. Der Techniker oder was immer er ist, knallt den Patienten auf den Tisch wie der Schlachter eine Schweinehälfte, was von Gewicht her auch in etwa hinkommt. Dem Patienten entfährt ein herzhaftes „aaahr“, worauf der Schlachter meint: „Brüllen Sie mich nicht an.“ Wenn der Wirbel bislang nur angebrochen oder geprellt gewesen war, jetzt ist er durch, denkt der Delinquent, hält jedoch den Mund.

ALLES IST GUT – Nicht ganz ernst gemeinte fragmentierte Zukunftsstory der besonderen Art von Miguel de Torres

Miguel de Torres wurde 1958 in Niederbayern geboren. Er arbeitete mehr als dreißig Jahre als EDV-Spezialist. Seit 2003 hat er mehr als 30 Bücher und Heftromane verfasst (u. a. für »Vampir Gothic« und »Star Gate – Das Original«). Heute lebt er mit seiner Frau in Thailand. In regelmäßigem Abstand schreibt er auf seiner Autorenseite schonungslos und manchmal provozierend über Autorentypen und Zielgruppen, über die »Mythische Struktur« und die Erschaffung von Charakteren, über das »Malen mit Worten« und die tausend Entscheidungen, die ein Autor täglich treffen muss. Er schreibt ferner über Exposés, über erste Entwürfe und Überarbeitungen, über »plotting« und »line editing« und den Ärger mit unfähigen Lektorinnen, verständnislosen Verlegern und Knebelverträgen. Und und und …

DER WAL – Shortstory von Frank Hebben

Als dunkler Traum glitt das Raumschiff durchs Weltall, vorne und seitlich das Nichts, hinter ihm ein Strahl von Sternen. Die Außenhülle, blau irisierend wie Wasser und doch fest wie Stahl, war mit Pocken und Narben übersät – Spuren von Staub und Kometentrümmern, ähnlich der Haut eines uralten Wals.Nostro, der unsterbliche Kapitän, stand vorne auf der Kommandobrücke und lauschte dem Knistern der Sonden, die in den Weiten des Alls nach Leben forschten, bislang erfolglos.Selbst Nostro wusste nicht mehr, wie lange die Reise jetzt andauerte; irgendwann waren die Chronometer ausgefallen, und er hatte sich nicht die Mühe gemacht, neue Reparaturen vorzunehmen. Für ihn war die Zeit ohnehin bedeutungslos geworden.

ALLEINE ZURÜCKGELASSEN – Science Fiction-Kurzgeschichte (Teil 1) von Angela Fleischer

Die Rekruten in dem Warteraum stimmten ein fröhliches Liedchen an, das Pevra zum Lächeln brachte. Es wunderte sie noch immer, dass sie es geschafft hatte, in die stawischen Streitkräfte aufgenommen zu werden. Vor einer Woche war sie noch am Strand gelegen, und hatte sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Viele von denen werden nicht nach Hause zurückkehren. Die Stawin fiel in die Kriegshymne mit ein und sah sich gleichzeitig um. Auf den Glatzen ihrer Kameraden prangten schwarze Tätowierungen, die sie als Rekruten kennzeichneten. »Hallo du, auch schon nervös?«, fragte sie einen athletischen Burschen, der sich in der Versammlung nicht wohl zu fühlen schien.

DER UNFALL – Kurzgeschichte von Alex P. Jandra

Wenn man morgens aufwacht und sich in einer Höhle wiederfindet, statt in seinem Bett, dann ist das schon beängstigend. Wenn man später erfährt, dass man sich nicht mehr auf seinem Heimatplaneten befindet, sondern in den Träumen eines schlafenden Gottes, kann einen schon mal die Verzweiflung packen. Aber bei der Aufforderung, eben diesen Gott zu suchen, um ihn zu wecken, der Weg jedoch durch eine von Magie beherrschte Welt führt und offensichtlich nicht ungefährlich ist, zweifelt man an seinem Verstand. Sechs Wesen, darunter ein Kölner Student, passiert eben dies und nun sollen sie in den Träumen eines Gottes bis zu einem Ort vordringen, der TABHIRONAKEL heißt. Doch wer sind seine fünf Mitstreiter?

DER ANDERE BAHNSTEIG – Eine Story von Daniel Sand

Ach seit wie langer Zeit stehe ich nun an diesem Bahnsteig meines Lebens. Als ich ihn betrat, erschien er mir neu, frisch und unbenutzt. Zumindest präsentierte er sich nicht derartig abgenutzt und verschlissen wie jetzt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich hier auf den mittlerweile bemoosten, von Unkraut durchzogenen Pflastersteinen gespielt habe. Damals sah ich mich als Herrscher dieses Steigs an. Nur wo kein Volk, da ein Herrscher.Niemand besuchte mich hier, jemals auch nur eine Menschenseele, niemand wollte mit mir sprechen oder gar mir helfen, von dem grauen Steig zu fliehen. So friste ich mein Dasein und jeden Tag frage ich mich, seit wann ich hier bin oder wie lange ich noch hier stehen muss.

Wir feiern 30 Jahre Ariadne!

Wir feiern 30 Jahre Ariadne. Auf der Leipziger Buchmesse laden wir zu einem Umtrunk an unseren Messestand ein: Freitag, 16. März, 17 Uhr, Halle 5 Stand E413. Das Jubiläum haben wir zum Anlass genommen und uns – gegen die Geschichtslosigkeit – eine Neuausgabe der beiden historischen Kriminalromane von Dagmar Scharsich geschenkt: Dagmar Scharsich: Die gefrorene Charlotte. Ausserdem: Emily Laquer unterstützt seit März 2018 den Verlag und wird zukünftig die Bereiche Vertrieb, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zusammenführen. Emily Laquer kommt aus den sozialen Bewegungen und hat als ungehorsame Stimme der Proteste gegen den G20-Gipfel für Schlagzeilen gesorgt. Quereinsteigerin in der Verlagsbranche, freut sie sich darauf, mit Begeisterung für politische Vernetzung zur Verbreitung rebellischer Literatur beizutragen.

… DIE FARBE DER BERÜHRUNG. BERÜHRT SEIN VON DIR UND VON MIR UND … – Ein Essay von Antje Hampe und Rüdiger Heins

Rüdiger Heins ist freier Schriftsteller und produziert Beiträge für Hörfunk, Fernsehen und das Internet. Er ist Dozent im Creative Writing sowie Gründer und Studienleiter des INKAS – INstitut für KreAtives Schreiben. Mit seinem Roman “Verbannt auf den Asphalt” und den Sachbüchern “Obdachlosenreport” und “Zuhause auf der Straße” machte er die Öffentlichkeit auf Menschen am Rand der Gesellschaft aufmerksam. In seinen Theaterstücken “Allahs Heilige Töchter”, und “Fee: Ich bin ein Straßenkind”, greift er ebenfalls sozialkritische Themen auf. Er organisiert Literaturveranstaltungen und interdisziplinäre Künstlerprojekte. Rüdiger Heins ist Herausgeber des Online Magazins “eXperimenta”. Zuletzt erschien sein Roman “In Schweigen gehüllt”.

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