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Literatur-Blog

Autorenwerkstatt

ZAUBERERBRUDER, PROJEKT – Fantasy von Michael Bahner (II)

Ich habe einige Geschichten über die Liebe, oder über die Abwesenheit der Liebe. Ich habe relativ viele Geschichten, die einen düsteren Nachgeschmack haben. Ich habe ein paar lustige Texte, und ein paar ruhige, in denen es um gar nichts geht und ich nur eine Situation beschreibe. Ein paar Mal habe ich einfach meine Gefühle niedergeschrieben, andere Male habe ich über das Schreiben geschrieben. Ich kann nicht einen gemeinsamen Nenner finden, um was es insgesamt geht. Um Krieg und Frieden, hassen und lieben, Tod und Leben, Aktivität und Passivität, um Gefühle, um Bilder, und oft um Stimmung. Das geht vielleicht durch, denn ich versuche oft eine bestimmte Stimmung hervorzurufen. Leider ist es oft keine schöne Stimmung, das muss ich zugeben.

ALPTRAUM KRANKENHAUS – Voll aus dem Leben von Wolfgang G. Fienhold

Nach einer Weile kommt ein junger Assistenzarzt und nimmt eine Blut- sowie Urinprobe. Ungefähr vier Stunden lang passiert überhaupt nichts, der Patient öffnet mühsam die Tür und fragt, wann es weitergeht. Ihm wird beschieden: „Wird sind hier in der Notaufnahme, da kommen wichtigere Fälle dazwischen.“ Offenbar ist er kein Notfall, denn er blutet weder aus der Nase noch dem kleinen Finger. Irgendwann geht es dann doch zum Röntgen. Der Techniker oder was immer er ist, knallt den Patienten auf den Tisch wie der Schlachter eine Schweinehälfte, was von Gewicht her auch in etwa hinkommt. Dem Patienten entfährt ein herzhaftes „aaahr“, worauf der Schlachter meint: „Brüllen Sie mich nicht an.“ Wenn der Wirbel bislang nur angebrochen oder geprellt gewesen war, jetzt ist er durch, denkt der Delinquent, hält jedoch den Mund.

ALLES IST GUT – Nicht ganz ernst gemeinte fragmentierte Zukunftsstory der besonderen Art von Miguel de Torres

Miguel de Torres wurde 1958 in Niederbayern geboren. Er arbeitete mehr als dreißig Jahre als EDV-Spezialist. Seit 2003 hat er mehr als 30 Bücher und Heftromane verfasst (u. a. für »Vampir Gothic« und »Star Gate – Das Original«). Heute lebt er mit seiner Frau in Thailand. In regelmäßigem Abstand schreibt er auf seiner Autorenseite schonungslos und manchmal provozierend über Autorentypen und Zielgruppen, über die »Mythische Struktur« und die Erschaffung von Charakteren, über das »Malen mit Worten« und die tausend Entscheidungen, die ein Autor täglich treffen muss. Er schreibt ferner über Exposés, über erste Entwürfe und Überarbeitungen, über »plotting« und »line editing« und den Ärger mit unfähigen Lektorinnen, verständnislosen Verlegern und Knebelverträgen. Und und und …

DER WAL – Shortstory von Frank Hebben

Als dunkler Traum glitt das Raumschiff durchs Weltall, vorne und seitlich das Nichts, hinter ihm ein Strahl von Sternen. Die Außenhülle, blau irisierend wie Wasser und doch fest wie Stahl, war mit Pocken und Narben übersät – Spuren von Staub und Kometentrümmern, ähnlich der Haut eines uralten Wals.Nostro, der unsterbliche Kapitän, stand vorne auf der Kommandobrücke und lauschte dem Knistern der Sonden, die in den Weiten des Alls nach Leben forschten, bislang erfolglos.Selbst Nostro wusste nicht mehr, wie lange die Reise jetzt andauerte; irgendwann waren die Chronometer ausgefallen, und er hatte sich nicht die Mühe gemacht, neue Reparaturen vorzunehmen. Für ihn war die Zeit ohnehin bedeutungslos geworden.

ALLEINE ZURÜCKGELASSEN – Science Fiction-Kurzgeschichte (Teil 1) von Angela Fleischer

Die Rekruten in dem Warteraum stimmten ein fröhliches Liedchen an, das Pevra zum Lächeln brachte. Es wunderte sie noch immer, dass sie es geschafft hatte, in die stawischen Streitkräfte aufgenommen zu werden. Vor einer Woche war sie noch am Strand gelegen, und hatte sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Viele von denen werden nicht nach Hause zurückkehren. Die Stawin fiel in die Kriegshymne mit ein und sah sich gleichzeitig um. Auf den Glatzen ihrer Kameraden prangten schwarze Tätowierungen, die sie als Rekruten kennzeichneten. »Hallo du, auch schon nervös?«, fragte sie einen athletischen Burschen, der sich in der Versammlung nicht wohl zu fühlen schien.

DER UNFALL – Kurzgeschichte von Alex P. Jandra

Wenn man morgens aufwacht und sich in einer Höhle wiederfindet, statt in seinem Bett, dann ist das schon beängstigend. Wenn man später erfährt, dass man sich nicht mehr auf seinem Heimatplaneten befindet, sondern in den Träumen eines schlafenden Gottes, kann einen schon mal die Verzweiflung packen. Aber bei der Aufforderung, eben diesen Gott zu suchen, um ihn zu wecken, der Weg jedoch durch eine von Magie beherrschte Welt führt und offensichtlich nicht ungefährlich ist, zweifelt man an seinem Verstand. Sechs Wesen, darunter ein Kölner Student, passiert eben dies und nun sollen sie in den Träumen eines Gottes bis zu einem Ort vordringen, der TABHIRONAKEL heißt. Doch wer sind seine fünf Mitstreiter?

MEERWEIBCHENUHR UND KLABATTERKATT AUF DEM ALLMERSHOF (Teil 1) – Phantastischer Besuch in Rechtenfleth an der Unterweser (Neue Version) von Ollivia Moore

Wir segelten entlang des Wesermarschenufers, nur weite grüne und baumlose Ebene, vorüber an Schlick, Sandstränden, Schlengen und Buhnen. Ein heiterer Tag brach an, Tau in der Frühe und ein klarer Sonnenaufgang brachten Schönwetter, die Nebel der dunstgeschwängerten Atmosphäre in den weiten Ebenen schwebten empor und um 10 Uhr morgens hatte die Sonne den Nebelkampf gewonnen. In dieser Phantastischen Geschichte erzählt Ollivia Moore eine Begebenheit aus ihrer Heimatregion, der märchenhaften Wesermarsch. Lorelei und ihre Freundin Brigid besuchen mit ihrem Zauberschiff ‚Azimut‘ den Heimatdichter Hermann Allmers auf seinem Künstlerhof und  erfüllen so die alte Rechtenflether Chronik mit neuem Leben.

DAS HÄUSCHEN IM GRÜNEN – Erotische Geschichte (Entschärfte Version) von Günter Maria Langhaus

Immer wieder ließ sie ihre Augen über den Bretterzaun wandern, der den Garten von der Zuwegung zu dem kleinen Häuschen trennte, in Regen und Sonne ergraute Bretter; das vormals dort wild wuchernde Rosengestrüpp hatte ihr besser gefallen. Davon war nur noch ein kleines Stückchen übrig, einige Zentimeter einer Ranke, die sich zwischen den Brettern des Zaunes durchgearbeitete hatte. Jetzt war sie auf beiden Seiten abgeschnitten, war ihrer Wurzeln und Blätter beraubt, knorkig ragte der Stummel hervor mit seinen unregelmäßigen Ringen an der Schnittfläche.Schade. Vorher war der Zaun gar nicht zu sehen, die wilden Rosen mit ihren hellen Blüten hatten ihn vollständig unter sich begraben.

AUGENBLICKE – eine Kurzgeschichte von Martin Ott

Am Ufer eines Teiches befinde ich mich in der Hocke, an demselben Punkt, an dem ich in der letzten Zeit immer häufiger angekommen bin. Der Platz scheint reserviert, scheint auf mich zu warten. Die Gedanken gleiten über das Wasser und tauchen hinein. Hinein unter die Oberfläche zu den Augen des Spiegelbildes. Schaue ich anderen Menschen in die Augen, erhalte ich ein tief gehendes Bild von ihnen. Doch manchem kann ich nur bis eine Handbreit vor die Augen blicken. Dann stoße ich auf eine unsichtbare Wand und dahinter ist Nichts. Totale Leere. Als ob mein Gegenüber gar nicht da wäre. Wellen ziehen vorüber. Auch in mir spüre ich eine Leere, wieder und wieder. Etwas fehlt in mir, ohne dass ich es genauer fassen könnte. Erst in der letzten Zeit scheint dieses Etwas eine Form anzunehmen und auch zeitlich näher zu kommen. Wenn ich nur dahinter käme, was es ist …

DAS KLEINE MÄDCHEN MIT DEM HUND – Eine wahre Geschichte von Tröpfchen Kakadu (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2015 – gedrittelter Preis)

Elf Tage lang ist ein knapp vier Jahre altes Mädchen allein in einem Wald der Teilrepublik Jakutien in Russlands Fernem Osten herumgeirrt. Zu seiner Verteidigung gegen Bären und Wölfe stand ihm nur sein kleiner Hund zur Seite, bis es endlich von Helfern gefunden wurde. Nun erholt sich das Mädchen auf der Intensivstation im Krankenhaus der Stadt Jakutsk im Nordosten Sibiriens. Am 29. Juli verließ Karina mit ihrem Hund das Haus und wollte ihren Vater Rodion in dessen Heimatdorf begleiten. Der hatte das wohl aber garnicht so richtig mitbekommen. Nur die Mutter des Mädchens war der Meinung, dass ihre Tochter zusammen mit ihrem Papa dorthin unterwegs war. Erst als dieser nach vier Tagen von dort zurückkehrte – und zwar ohne Karina – realisierten die Eltern, dass ihre gemeinsame Tochter seit dieser Zeit verschwunden war.

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