sfbasar.de

Literatur-Blog

ZAUBERERBRUDER, PROJEKT – Fantasy von Michael Bahner (II)

ZAUBERERBRUDER, PROJEKT

Fantasy

von

Michael Bahner (II)

Eine vermummte Gestalt stapft langsam durch den kniehohen Schnee. Der Wind pfeift durch die hohen Tannen, das Schneegestöber verbirgt alles weiter als nur einen kleinen Steinwurf entfernt. Kurz kann man einen Blick auf die Gestalt erhaschen: ein dunkler, lederner Mantel, vorn mit metallenen Schnallen verschlossen. Um Hals und Gesicht ist ein dunkelroter Schal geschlungen, dessen eines Ende noch einen Meter weit hinter der Person flattert. Eine Umhängetasche über der Schulter hängend, ledern, ein paar Fransen an der Tasche, bei Windstille könnte man ein paar bunte Perlen klacken hören. Die Gestalt stapft weiter. Meter für Meter. Eng zusammengekniffene Augen blicken aus einem schmalen unverhüllten Bereich des Gesichts, starren mit zielgerichtetem Blick in die Ferne. Aus dem Schneegestöber vor der Person schält sich eine Felswand. Eine Hand zieht den Schal etwas nach unten, ein strenges Gesicht mit kantigem Kinn und einem dünnen Bart zeigt sich. Der Mann blickt die Felswand an, mustert die schroffen Linien. Seine Lippen bewegen sich, doch der Sturm verschluckt alle Geräusche. Er rückt den Schal wieder vor seinen Mund, steckt die Hand wieder in eine Tasche des Mantels zurück. Wie ein Schatten aus Mondlicht legt sich ein Schleier vor die Felswand, ein opalisierendes Leuchten. Langsam nimmt es Konturen an, wird härter, verliert sein Strahlen. Die Illusion verliert den Zustand des Träumens. Ein Tor wird sichtbar. Die Realität weicht dem Wunsch. Mauern entstehen aus dem Leuchten. Eine Burg, in den Berg hinein gebaut, erhebt sich nun vor dem Mann. Der Eingang hat sich jetzt vollständig aus einer anderen Zeit, einer anderen Realität, ihren Weg in die Welt des Mannes gepflügt. Er schreitet wieder voran, auf die verwitternden, aber massiven Tore zu. Keine zehn Schritte trennen ihn noch von den großen Holzbalken der Tore, und die Torflügel beginnen sich wie von Geisterhand zu bewegen, schwingen knarrend und schabend mit der Trägheit eines müden Riesen nach innen, geben den Blick auf eine allumfassende Finsternis preis.

Das trübe, graue Tageslicht des Schneesturms reicht nur wenige Meter weit. Ein Funke in der Finsternis entsteht, wie ein frisch entzündetes Streichholz. Lange, flirrende Peitschen aus dünnem Feuerfilament tasten wie Blitze über den Gang, der damit undeutlich erhellt wird. Der Gang reagiert auf das Feuer, und alle paar Meter entflammt eine an den Stützbögen eingearbeitete Schale voll Öl, wirft flackernde Schatten auf die seltsamen Muster, die jeden Stein des Gangs bedecken. Die plötzlich erwärmte Luft flimmert, und die aus dem Schneesturm kommende Person hält für einen fast unmerklichen Augenblick in ihrem Schritt inne, schreitet dann aber über die Schwelle in Skåde Fasdûn hinein, deren Tore in diesem Moment vollends geöffnet sind und mit einem lauten Krachen gegen die Mauern stoßen. Am Ende des Ganges, vor einer aus Stein gehauenen Darstellung einer dämonischen Fratze, ist nun eine weitere Gestalt erkennbar. Eine Hand noch erhoben, mit einem kleinen Feuerfunken, der zwischen den Fingern hin und her tanzt, die andere andächtig auf der Robe unterhalb der Brust liegend. Die Robe ist schwarz, ein schwerer Stoff, aber mit feinsten Schriftzeichen und Worten aus alten Sprachen bestickt. Ein ernstes Gesicht mit ein paar kleinen Falten ist unter der Kapuze der Robe erkennbar. Ein leichtes Lächeln fliegt über das Gesicht des Mannes, und er kann für einen Moment wieder eine versteinerte Miene aufsetzen, bevor er breit lächelt, die Arme auseinander wirft und die paar dutzend Schritte auf den Neuankömmling zueilt. Dieser reißt mit einem Ruck den Schal vom Kopf, lässt die Umhängetasche fallen und fällt dem Mann in die Arme.

“Bruder.”

“Bruder. Du bist endlich zurück.”

“Es ist gut, wieder hier zu sein.” murmelt der Ankömmling und löst sich aus der Umarmung.

“Du musst halb verhungert sein, wenn du den Pilgerweg gegangen bist wie ein Novize. Aber nach all den Jahren kann ich das verstehen. Komm, dein Zimmer ist noch immer wie du ihn verlassen hast.” Der Mann in der Robe tritt einen Schritt zur Seite, die Hand noch um die Schultern des Wanderers. Dieser blickt lächelnd, aber erschöpft zu der Dämonenfratze am Ende des Ganges.

“Mein Zimmer, immer noch? Der alte Mann hat sein Wort wirklich gehalten.”

Der Griff um seine Schultern verkrampft sich gerade so stark, dass er einen Blick aus dem Augenwinkel zu dem anderen Mann wirft. Das Lächeln liegt noch immer auf seinem Gesicht, doch der Wanderer spürt die Stimme durch den Arm fließen, sieht den Schatten der Anderswelt, ein warnender Blick, ernst, gepeinigt, dann ist der Moment schon vorüber und er bückt sich, hebt die Tasche vom Boden auf, gibt sie dem Wanderer, der nickt nach vorne, beide schreiten vom Tor weg, welches sich bereits zu schließen beginnt. Vor dem dämonischen Steinrelief liegt eine Kreuzung, beide Wege führen um eine Mauer herum zurück zu einem Durchgang, hinter dem sich ein Atrium öffnet. Viele Meter durchmessend, mit acht Wänden. An jeder der Wände ein scheinbarer Durchgang, der Torbogen verziert und mit jeweils einem anderen Symbol gekennzeichnet. Oberhalb dieser Bögen eine Balustrade, ein Geländer aus Stein, dahinter ein Rundgang der ohne Zugang einen Blick von allen Seiten des Raumes ermöglicht. Alle Durchgänge enden nach einer Handbreit nur in einem flachen, polierten Stein, ohne Fuge oder erkennbare Bearbeitungsspuren. Einzig gegenüber des Eingangs ist ein weiterer Flur hinter dem Torbogen, und an dessen Ende scheint Licht. Beide Männer gehen gemessenen Schrittes auf das Licht zu, erreichen nach wenigen Metern den Ausgang aus dem Tunnel und treten auf einen großen Platz unter freiem Himmel. Die Sonne strahlt, und der neu angekommene Wanderer kneift die Augen leicht zusammen, hebt die Hand über die Augen und blickt umher. Ein großer Innenhof öffnet sich vor ihm, gesäumt von Mauern aus hellem Stein. Drei Stockwerke hoch, jeder Absatz mit einem Geländer und hohen Säulen abgestützt, die Galerien liegen im Schatten der warmen Mittagssonne. Weiter oben, über dem Dach, ragen die Gipfel des Gebirges auf, in das die Schattenfestung hineingebaut wurde. Hoch oben schneebedeckte Gipfel, doch kein Vergleich zu der eisigen Welt, aus der er soeben noch getreten ist.

Der Neuankömmling lässt seinen Blick wieder fallen, streift über die alten, brechenden Steinplatten, aus denen der Boden besteht, streift über die Grashalme die aus jeder Ritze wachsen, über die neugierigen Menschen in schwarzen, einheitlichen Roben, die nun überall auf dem Platz und den Galerien innehalten und herüberblicken. Schließlich richtet er seinen Blick nach vorne, auf die gegenüberliegende Seite des Innenhofs, die sieben Stufen hinauf, zu dem mächtigen Thron aus gehauenem Stein, auf dem seit über vierhundertsechzig Jahren Hüter Garch sitzt, unbeweglich, den Rücken gebeugt, die Hände auf den Armlehnen ruhend, seine Stimme die Festung vor Gefahren beschützend.

“Kain.” tönt eine kalte Stimme von rechts und unterbricht die Gedanken abrupt.

Der Wanderer blickt zu der hageren Gestalt, die dort soeben aus dem Schatten tritt. Die bleiche Haut spannt sich über den Kopf, die Augenhöhlen liegen tief im Schädel.

“Ältester Bhael.” nickt der Wanderer, dreht sich auf ihn zu und senkt den Kopf. “Sicht und Stimme, Ältester. Ich bin zurück.”

Der Älteste tritt unbeeindruckt vor Kain. “Marik, lass uns allein.” sagt er mit einer heiseren Stimme und bewegt den Kopf ein wenig hin und her. “Kain will mir berichten… er folgt mir jetzt.”

Der Älteste dreht sich um, geht mit kleinen Schritten zurück in den Schatten. Seine Finger malen beim Gehen seltsame Muster in die Luft, die überall verteilten Menschen gehen langsam wieder ihren Geschäften nach. Marik drückt Kain noch einmal die Schulter, geht dann nach links und verschwindet dort in einer großen Tür. Kain nickt, hebt den Kopf und geht ebenfalls nach rechts, schreitet hinter dem Ältesten durch eine ebensolche Tür wie auch links des Platzes, und sie betreten einen weiteren Gang, an dessen Ende eine breite Tür wacht, deren in Stein gehauenes Relief der dämonischen Fratze am Eingang gleicht …

One Response to “Zaubererbruder, Projekt

Copyright © 2015 by Michael Bahner. Mit freundlicher Genehmigung durch http://warbunny.de/ (Dreamlake Industries)

Bildrechte: Magie – Verwandlungs-, Hexerei- & Zaubergeschichten” (Magie neuer Hrsg und heller.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit, eine kleine Summe über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

 

 

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

buch. (Kartoniert)
von Bahner, Michael

.
Verlag:  Books on Demand
Medium:  Buch
Seiten:  188
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Juli 2009
Maße:  212 x 151 mm
Gewicht:  283 g
ISBN-10:  3839113512
ISBN-13:  9783839113516

Beschreibung
Viele Kurzgeschichten, viele dahingeschmissene Gedanken, Unmengen an Kopfbildern und Träumen und Wünschen.Thematisch angesiedelt irgendwo zwischen Leben und Tod, Traum und Realität, Liebe und Verzweiflung, Ankunft und Flucht.

Über den Autor (Interview)
Seit wann schreibst du deine Geschichten?

Ich schreibe jetzt schon, seit ich 16 bin. Seither gab es immer wieder Phasen, in denen ich mehr geschrieben habe, und Phasen, in denen … weniger zustande kam. Aber die erste Geschichte kam eben wie gesagt mit sechzehn.

Und wie kamst du dann auf die Idee, ein Buch zu schreiben?

Naja, eigentlich geschrieben habe ich das Buch ja nicht aktiv. Ich habe einfach alle Geschichten genommen, die ich bisher geschrieben habe, und habe gemerkt, dass es eigentlich ziemlich viele sind. Und dann kam die Überlegung, dass ich die eigentlich in Buchform bringen könnte. Daher kann ich auch nicht sagen, wie lange ich effektiv gebraucht habe, weil zum Beispiel die ersten beiden Geschichten gar nicht im Buch vorkommen, und ich wie gesagt Phasen hatte, in denen ich fast täglich eine Geschichte schrieb.

Seit ich das Buch rausgebracht habe, habe ich zum Beispiel nur zwei oder drei kleine Texte geschafft, und das war vor über einem Jahr.

Und wie viele Geschichten hast du insgesamt so geschrieben?

Knapp über sechzig Geschichten. Ein paar davon sind Gedichte, ein paar sind unvollendet, und ich schätze mal zehn weitere habe ich nicht in die Öffentlichkeit entlassen, weil sie doch zu privat sind.

Und alle Geschichten sind in dem Buch veröffentlicht?

Nein, natürlich nicht. Ich habe, weil meine Freunde das nicht machen wollten, selbst entscheiden müssen, welche Geschichten es wert sind, und welche nicht. Ich habe viel Blödsinn geschrieben, der in der Weite des Internets glücklicherweise untergeht. Von den ganzen Geschichten gibt es genau genommen nur relativ wenige, die ich auch selbst wirklich gut gelungen finde. Wen es aber interessiert, kann sich gerne auf meiner Homepage vergnügen und sich in den Geschichten dort verlieren. Aber ich darf vorwarnen, auf der Homepage sind die unkorrigierten Texte, bei denen ich nicht auf Rechtschreibung und Grammatik geachtet habe. Leider sind auch im Buch selbst viele Fehler, die ich aber erst gefunden habe, nachdem ich es auf Papier hatte.

Um was geht es so in deinen Geschichten?

Eine gute Frage. Eigentlich schreibe ich über alles Mögliche, was mir gerade durch den Kopf geht.

Ich habe einige Geschichten über die Liebe, oder über die Abwesenheit der Liebe. Ich habe relativ viele Geschichten, die einen düsteren Nachgeschmack haben. Ich habe ein paar lustige Texte, und ein paar ruhige, in denen es um gar nichts geht und ich nur eine Situation beschreibe. Ein paar Mal habe ich einfach meine Gefühle niedergeschrieben, andere Male habe ich über das Schreiben geschrieben. Ich kann nicht einen gemeinsamen Nenner finden, um was es insgesamt geht. Um Krieg und Frieden, hassen und lieben, Tod und Leben, Aktivität und Passivität, um Gefühle, um Bilder, und oft um Stimmung. Das geht vielleicht durch, denn ich versuche oft eine bestimmte Stimmung hervorzurufen. Leider ist es oft keine schöne Stimmung, das muss ich zugeben.

Also schreibst du auch über aktuelle Ereignisse?

Also Wirtschaftskrise, Köhlers Rücktritt oder 9/11? Nein. Aktuelle Ereignisse höchstens im Sinne von „das Gefühl beschäftigt mich gerade sehr“. Ich habe Träume, Wünsche, Hoffnungen – natürlich geht das nicht spurlos an mir vorbei, ich habe eine Menge darüber geschrieben, wie schön es wäre, eine Freundin zu haben. Ich habe auch meine Gefühle ausgedrückt, als ich seinerzeit mal eine Freundin hatte, und als sie mich dann verlassen hat. Das ist ein ziemlich bewegendes Ereignis, und solche Dinge nehme ich oft als Aufhänger, um eine Geschichte zu schreiben. Ob man das dann aber noch als Geschichte betrachten kann, weiß ich nicht. Das wäre dann ja eher ein Essay oder so.

(Mit frerundlicher Genehmigung von http://www.scheffel-gymnasium.de/faecher/deutsch/Bahner_Wacker_2010/Bahner_Wacker_2010.htm)

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme