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WO SIND SILENKA UND TIMIZO? – Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman: „Das Geheimnis der Covevirol-Höhle“ von Janus Junavorg

WO SIND SILENKA UND TIMIZO?

Leseprobe (Teil 1) aus dem Roman:

„Das Geheimnis der Covevirol-Höhle“

von Janus Junavorg

»Silenka, Timizo!« Keine Antwort. Wutschnaubend stemmte die Klassenlehrerin der 7a, Frau Boltenhagen, ihre beiden Hände in die Seiten und rief noch einmal, jetzt noch etwas lauter:

»Silenka, Timizo!«

Ruckartig zog sie ihre braun getönte Brille auf die Nase und sah darüber hinweg auf die angrenzende Wiese. Da die dunklen Gläser jedoch die Sicht behinderten, schob sie diese auf die Stirn.

Frau Boltenhagen war eine hochgewachsene Frau Anfang vierzig, mit kurzen, dunkelbraunen Haaren. Sie trug einen schwarzen Blazer zu ihrem langen, grauen Rock. Ein farbiges Tuch hatte sie fest um ihren Hals gelegt, um ihr kleines Muttermal, das so groß wie ein fünf Cent Stück war, zu verdecken.

Zu den Kindern ihrer Klasse war sie sehr mütterlich, Strenge lag ihr nicht, sie setzte sich geschickt und mit Einfühlungsvermögen durch.

Jetzt erhob sie ihre Stimme noch stärker, sodass man sie fast bis nach Lindenarow hören konnte. Dazu formte sie ihre Hände  zu einem Trichter und legte diesen an ihren Mund.

»Silenka, Timizo!« Große Angst lag jetzt in dieser Stimme.

Wieder kam keine Antwort.

Frau Boltenhagens Miene verdüsterte sich. Nach einem kurzen Moment der Stille zog sie ein kleines Fernglas aus ihrer Handtasche und suchte die Wiese, die nach etwa 500 Meter an einem hohen Wald endete, nach den beiden Kindern ab.

Ganz entfernt konnte man einen Specht klopfen hören, der nach Nahrung suchte, und das Motorengeräusch einiger Autos, die auf der Straße hinter dem Wald in Richtung Lindenarow fuhren. Es war bereits 17 Uhr und die meisten Menschen waren jetzt auf dem Heimweg, um ihren Feierabend zu genießen. Irgendwo in der Stadt bellte ein Hund und die Uhr vom Kirchturm schlug fünf Mal dumpf und durchdringend.

Lindenarow war eine kleine Stadt 70 Kilometer nördlich von Berlin, mit etwa 4000 Einwohnern, in der sich ab 22 Uhr Fuchs und Hase Gute Nacht sagten, wie die Einwohner immer wieder den Touristen erzählten. Da es außer der Wassermühle und dem alten verlassenen Kloster hier nur sehr wenig zu sehen gab, verirrten sich allerdings kaum Reisende nach Lindenarow. Meistens kamen sie mit dem Bus oder mit dem Auto, denn eine andere Verbindung gab es nicht. Die Wassermühle, die als Touristenattraktion noch in Betrieb war, lag am Waldrand, nur 2 Kilometer von dem alten Kloster entfernt.

Und meistens, wenn Fremde hierher kamen, fuhren oder wanderten sie schon nach einer Stunde enttäuscht davon und kehrten nur selten im „Wirtshaus am Markt“ ein. Fast alle brachten ihre selbst geschmierten Butterbrote und Getränke von zu Hause mit, für ein Picknick unten am See, auf einer der zahlreichen Bänke.

Frau Boltenhagen lauschte noch immer in Richtung Wald und es war ganz mucksmäuschenstill, obwohl 27 Kinder im Halbkreis um ihre Klassenlehrerin standen und ebenfalls überall nach Silenka und Timizo Ausschau hielten.

Frau Boltenhagen durchwühlte hastig ihre Handtasche nach ihrem Handy, das sie aber nicht gleich finden konnte. An ihrer Schule galt sie als sehr korrekt, da sie den Unterricht oder die Wandertage immer bis ins kleinste Detail vorher plante.

Sie hatte selbst zwei Kinder, die aber schon erwachsen und vor zwei Jahren aus Lindenarow weggezogen waren. Jetzt suchte sie selbst etwas und dachte sofort an ihren Mann. Er war genau ihr Gegenteil, worüber sie sich immer wieder ärgerte. Ständig suchte er seine Schlüssel, seine Brieftasche, Brille oder andere Dinge und kam deshalb oft später aus dem Haus, als ihm lieb war. Seit zwölf Jahren versuchte sie, ihm Ordnung beizubringen, aber bisher waren alle ihre Mühen ins Leere gelaufen.

Sie hob jetzt ihren grauen Rock etwas nach oben, raffte ihn zusammen und hockte sich dann neben ihre Tasche auf den Sandweg, um besser suchen zu können. Dabei schaute sie noch einmal kurz hilflos zu den Kindern nach oben und fragte Vivne, die sich jetzt zu ihr herunterbeugte.

»Wann hast du denn das letzte Mal deine Freundin Silenka gesehen? War sie vorhin noch bei dir, als wir uns die Wassermühle unten am Fluss angesehen haben?«

Vivne war Silenkas beste Freundin, ein Mädchen mit schwarz gefärbten Haaren und mandelbraunen Augen. Auf ihrer Nase zeigten sich aus der Nähe kleine Sommersprossen, im Sommer mehr und im Winter weniger. Frech sahen ihre Augen aus ihrem Gesicht und so wusste jeder sofort, dass dieses Mädchen immer zu Späßen aufgelegt war. Gerne trug sie, wie auch heute zum Wandertag, derbe schwarze Hosen mit Seitentaschen, in die sie alles Wichtige hineinstopfen konnte. Sie beulten sich dadurch immer aus, aber das war ihr egal. Durch ihre freundliche, kecke Art war sie bei allen Mitschülern beliebt.

Auch konnte sie wunderbar mit den Jungs aus der Klasse raufen, wenn es mal sein musste, das hatte sie von ihren größeren Brüdern gelernt. Die gingen beide schon seit einigen Jahren zum Judo und trugen stolz den grünen Gürtel. Meistens vermieden es ihre Mitschüler, sich mit ihr anzulegen, warum auch. Sie gab ihnen selten einen Grund.

Vivne überlegte kurz und nickte dann.

»Ja, vorhin war sie noch bei mir.  Sie hat mich gefragt, ob ich noch ein Butterbrot bei mir habe. Ich habe ihr mein letztes Butterbrot gegeben und mich noch gewundert, weil sie es in ihren Rucksack steckte, anstatt es gleich zu essen. Auch meine halb leere Wasserflasche hat sie mitgenommen. Doch dann kam dieses Wildschwein schnaubend und grunzend aus dem Wald auf uns zu und wir sind alle in die Mühle gerannt. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen.«

Während sie das erzählte, verzog Vivne traurig ihr Gesicht, als ob sie eine kleine Mitschuld trüge am Verschwinden von Silenka und Timizo. Inzwischen hatte die Klassenlehrerin ihr Handy gefunden und ängstlich klappte sie es auf. Dabei kullerten ihr kleine Tränen die Wange herunter.

»War Timizo bei ihr?«, fragt sie noch.

Alle Kinder der Klasse setzten sich jetzt entweder auf ihre Rucksäcke oder auf Baumstümpfe und Grashügel. Keiner sagte auch nur einen Mucks, sie erkannten den Ernst der Lage und wollten ihre Klassenlehrerin jetzt nicht noch zusätzlich nerven.

Es war schon Mitte September und der Abend brach langsam an. Kleine weiße Schäfchenwolken betupften den noch blauen Himmel. Am Horizont wurden sie gelb und rot von der untergehenden Sonne eingefärbt, die sich ebenfalls rötete, je tiefer sie sank. Auch der Wald, aus dem sie gerade gekommen waren, wurde langsam ganz dunkel und Angst einflößend. Die Blätter der Bäume rauschten leise im Wind und kühle, feuchte Luft strich über die hohe Wiese und ließ die Kinder frösteln. Die meisten hatten nur leichte Sommerbekleidung an, denn der Tag war warm und sonnig gewesen und eigentlich hätten sie schon gegen 16 Uhr zu Hause sein sollen.

»Wenn sich Sölke nicht beim Wegrennen vor dem Wildschwein den Fuß verstaucht hätte, wären wir schon lange daheim«, schluchzte Frau Boltenhagen. Sie nahm ihre Brille ab, klappte sie zusammen und legte sie erst in ein Etui und dann in ihre Tasche. Kleine Schweißperlen zeichneten sich auf ihrer Stirn ab, die sie mit ihrem Ärmel abwischte. Dann nahm sie das Handy und wählte eine Nummer und schon kurz darauf meldet sich jemand am anderen Ende.

»Guten Tag, mein Name ist Boltenhagen, ich bin die Klassenlehrerin der 7a aus der Fontane-Schule in Lindenarow. Ich vermisse zwei Schüler, die wir noch vor etwa 20 Minuten an der Wassermühle gesehen haben: einen Jungen, sein Name ist Timizo, und ein Mädchen namens Silenka. Timizo ist etwa 1.45 groß, hat dunkle Haare im Igelschnitt, grüne Augen und eine kleine Narbe über dem rechten Auge. Er ist mit einer hellen Hose, einem schwarz karierten Hemd und einer hellen Tuchjacke bekleidet. An den Füßen trägt er braune Turnschuhe mit sehr auffälligen weiß-roten Schnürsenkeln. Sein Rucksack ist schwarz mit roten Trägern. Silenka misst etwa 1,40 Meter und hat auffällig lange blonde Haare, die bis an ihre Hüften reichen. Ihre Haare hat sie heute aber zu einer Zwiebel zusammengeknotet. Ihre Augen sind blau und ein kleiner, brauner Leberfleck zeichnet ihre rechte Wange. Sie trägt schwarze Jeans, ein gelbes T-Shirt und schwarze Turnschuhe mit weißen Schnürsenkeln. Bei sich hat sie einen roten Rucksack, an dem ein kleiner brauner Teddy baumelt. Ich weiß nicht einmal, ob sie beide zusammen oder getrennt durch den Wald irren. Können Sie die beiden bitte suchen, ich bringe die Klasse inzwischen nach Hause, bevor sich noch mehr Kinder verlaufen.«

Dabei hockte sie noch immer vor ihrer offenen Handtasche und zupfte beim Telefonieren ein Taschentuch daraus hervor.

Vivne begann jetzt auch zu weinen und setzte sich neben ihre Lehrerin. Warum Silenka sich von der Klasse und auch von ihr entfernt hatte, konnte sie nicht verstehen. Nie hatten sie Geheimnisse voreinander gehabt und sie erzählten sich immer, was der andere tat oder in der nächsten Zeit vorhatte. Sehr gut konnte sie sich vorstellen, wie viel Angst Silenka jetzt haben musste.

Kurz nachdem die Lehrkraft ihr Gespräch beendet hatte, rief die gesamte Klasse noch zweimal ganz laut: »Silenka, Timizo, Silenka, Timizo!«

Drei Mal kam aus dem Wald ein leises Echo zurück, denn ungefähr 300 Meter im Waldesinneren, ganz in der Nähe der Wassermühle, befand sich ein kleiner Felsvorsprung, unter dem ein schmaler Eingang zur Höhle Covevirol tief unter der Erde lag. Sie war Gegenstand vieler Mythen und Sagen, die man sich im Dorf immer wieder gern erzählte, wenn man abends in den Stuben saß oder im Sommer draußen am Lagerfeuer Kartoffeln, Stockbrot oder Würste briet. Schon sieben Männer sollten, so berichteten gerade Ältere im Dorf, in den letzten Jahren dort den Silber- und Goldschatz gesucht haben, den vor etwa 100 oder vielleicht 200 Jahren Wegelagerer angeblich dort versteckt hatten. Aber keiner der sieben war bis jetzt wieder aufgetaucht. (…)

Weiter zur Leseprobe Teil2

Copyright (c) 2012 by Janus Junavorg – Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:


Junavorg, Janus
Das Geheimnis der Covevirol-Höhle

Silenka und Timizo entdecken die moderne Welt der 700 Jahre alten Mantiologen, die im verborgenen der Covevirol-Höhle leben.

Verlag :      Kircess Buchverlag
ISBN :      978-3-9814708-1-9
Einband :      Paperback
Preisinfo :      19,90 Eur[D] / 19,90 Eur[A] / 24,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 06.06.2012
Seiten/Umfang :      19,0 x 12,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 06.06.2012
Gewicht :      306 g

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Die beiden Kinder, Silenka und Timizo, entfernen sich bei einem Wandertag von ihrer Schulklasse, um in der Covevirol-Höhle, den versteckten Silber- und Goldschatz zu finden, der vor etwa 200 Jahren von Wegelagerern dort versteckt wurde. Aber anstelle des Silber- und Goldschatzes entdecken sie die moderne Welt der 700 Jahre alten Mantiologen, die im Verborgenen der Covevirol Höhle leben. Diese Mantiologen sind voller Geheimnisse und zum Erstaunen der Kinder leben sie technisch hochmoderner als die Menschen. Timizo und Silenka werden von ihnen in viele Geheimnisse eingeweiht und schon nach kurzer Zeit fühlen sich beide wie im Paradies. Leider leben aber auch ganz in der Nähe, in dem alten verlassenen Kloster, nur 2 km von der Höhle und der Stadt entfernt, noch die Zybrioden mit den dunklen Seelenmenschen, von denen eine tödliche Gefahr für die Menschheit ausgeht. Nach ihrem ersten nächtlichen Besuch auf dem alten Friedhof des Klostergeländes wird den Kindern bewusst, dass sie gegen die Zybrioden und den dunklen Seelenmenschen ankämpfen müssen.

Janus Junavorg, geboren in den Sechzigerjahren in Berlin, unterrichtete seit 1992 als Trainer an verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen Betriebswirtschaft und Computeranwendungen. 2006 erweiterte er sein Wissen in Psychologie und studierte Mentaltraining, Pädagogik und Konfliktmanagement. 2009 begann er, Manuskripte und Drehbücher zu schreiben. Das Buch, „Das Geheimnis der Covevirol-Höhle“, ist das erste Buch unter seinem Namen.

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Updated: 21. Dezember 2012 — 02:47

7 Comments

Add a Comment
  1. Diese Leseprobe kommt erst beim nächsten Mal mit in den Wettbewerb zum Leseproben-Award. Es wäre trotzdem nett, wenn Ihr schon mal Eure Meinung zu dieser Leseprobe sagt und vieleicht auch zu dem Buch an sich. Wie findet ihr das Thema und die Umsetzung? An was erinnert Euch das Ganze?

  2. Offenbar gab es doch ein Problem bei der Übertragung des Textes aus dem Word-Dokument. Ich habe den Text jetzt ein wenig zusammengezogen. Vielleicht kann der Verleger sich nochmal melden wenn er sich das angeschaut hat, ob es so ok ist oder noch Änderungen nötig sind.

  3. Christa Kuczinski

    Herzlich Willkommen!

    Die Leseprobe gefällt mir und der Cliffhanger ist gut gewählt und macht neugierig 😉

  4. Christa Kuczinski

    Das war das Positive, jetzt ein bisschen Kritik (die mir nie leicht fällt) 😉

    Was mir aufgefallen ist (vielleicht soll es ja so sein/Geschmacksache.) : Frau Boltenhagen kommt sehr häufig mit Namen vor und das, gleich am Anfang eines Satzes, das iritiert mich etwas. Ebenso fällt mir die Detailbeschreibung der Kleidung auf. Ich mag Details, aber anstelle der Aufzählung, hätten die beiden Vermissten ruhig erst einmal „unsichtbar“ bleiben können. In der späteren Handlung nach und nach Details einfließen lassen, wie sie aussehen usw, hätte den Text belebt.

    Lg Christa

  5. Mein einziger Kommentar: Dialoge sind nicht das Ding des Autors. Und – sorry – der Rest haut mich auch nicht von den Stühlen.

    mgg
    galaxykarl 🙁

  6. Ihr seit aber hart. Wer weiß wie es weitergeht, vielleicht noch richtig gut?

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