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WINTERHELDEN – Leseprobe Teil 4 (35. Kapitel) aus dem gleichnamigen Historischen Roman von Thomas Vaucher

WINTERHELDEN

Leseprobe Teil 4 (35. Kapitel)

aus dem gleichnamigen Historischen Roman

von

Thomas Vaucher

(Zum vorherigen Teil)
Die Rauchsäulen, welche die lombardischen Streitkräfte hinterliessen, waren näher gekommen. Bedrohlich näher. Bereits war die Spitze des riesigen Heerwurms auszumachen, die vermutlich gerade die Letzi durchbrach.

Es war so weit. Die Schlacht stand unmittelbar bevor.

Teiling kletterte auf der westlichen Seite des Tals ein paar Schritt die Böschung der Bergflanke hinauf, so dass alle ihn sehen konnten, ich folgte ihm instinktiv. Auch Huter, Inderhalden, Troger und Stanga gesellten sich wenig später zu uns.

«Männer», schrie Teiling, «Liviner, Urner, Schwyzer, Zürcher und Luzerner. Man hat uns zurückgelassen, um als Talwache allen Lombarden den Eintritt in dieses wunderschöne Tal zu verwehren. Niemand von denen, die gegangen sind, und auch niemand von denen, die geblieben sind, hat damit gerechnet, dass die Lombarden dumm genug sein würden, uns im tiefsten Winter hier auf unserem Heimatboden herauszufordern. Hier, wo wir uns auskennen, wo wir jeden Schritt Boden so gut kennen, wie die heimische Feuerstelle, hier, wo der Winter härter und unnachgiebiger ist als der Schwanz eines Riesen!»

Gelächter und zustimmende Rufe ertönten. Ich erblickte Viol in der ersten Reihe, wie er begierig jedes Wort in sich aufnahm.

«Wir sind uns diesen Winter gewöhnt, wir sind ein Bergvolk. Doch diese hochnäsigen Lombarden, die da angezogen kommen, haben keine Ahnung, auf was sie sich da einlassen!»

«Aber es sind zwanzigmal mehr Soldaten als wir!», schrie jemand. Teiling nickte.

«Ja, das sind sie. Und wären es hundertmal mehr Streiter als wir, wir würden sie trotzdem vernichten, zermalmen und zerstören! Wir mögen nur wenige sein, doch wir sind entschlossen, wir sind stark, und wir haben einen Grund, wofür wir kämpfen: Für unsere Freunde aus dem Livinental, die uns immer unterstützt und aufgenommen haben, die uns beherbergt und versorgt haben, die mit uns Steine geschleppt, eine Letzi und eine Staumauer gebaut haben und die für ihre Familien, ihre Heime und ihren Boden kämpfen. Und wofür kämpfen die Lombarden?»

«Für Geld», schrie jemand.

«Genau, für Geld! Jemand, der nur für Geld kämpft, kann man mit einem kräftigen Tritt in den Arsch in die Flucht jagen, das garantiere ich euch!»

«Aber was können wir gegen ihre Reiter und ihre Geschütze ausrichten?», fragte ein anderer.

Teiling lachte.

«Nichts! Aber das brauchen wir auch nicht, ihre Reiter werden auf dem eisigen Weg die grösste Mühe haben, im Sattel zu bleiben, und ihre Geschützmeister werden in diesem engen Tal weder Zeit noch Platz haben, ihre Kanonen auszurichten.»

Teiling winkte Stanga zu, dieser trat vor und überreichte ihm ein rotes Tuch, das an einem Stab befestigt war. Teiling rollte das Tuch aus, und da erst sah ich, dass es sich um ein komplett rotes Banner handelte.

«Männer! Ich bin ein Reisläufer, ein Söldner. Ich bin freiwillig hier, wie viele andere von euch auch. Andere hingegen mögen aufgeboten oder zu diesem Dienst gezwungen worden sein. Die Liviner hingegen kämpfen für ihre Heimat. Heute allerdings werden wir alle miteinander unter einem Banner, unter diesem Banner kämpfen. Dies ist die Blutfahne, die der Blutharst mit sich ins Felde führt. Freiwillige, rauflustige Söldner, die in vorderster Linie als verlorener Haufen kämpfen, scharen sich gewöhnlich um dieses Banner. Heute aber scharen wir sechshundert uns darum! Lasst es die Lombarden wissen: Heute treten sie nicht einer kleinen Schar Livinern und Eidgenossen entgegen, nein, heute wird der Blutharst durch ihre Reihen fahren wie ein Wirbelsturm durch stilles Gewässer. Heute sind wir dieser Blutharst, ihr, ihr seid der Blutharst!»

«Blutharst!», brüllte ich so laut ich konnte und reckte meine Faust in den Himmel, und sechshundert Männer taten es mir gleich.

«BLUTHARST! BLUTHARST! BLUTHARST! BLUTHARST», dröhnte und hallte es von den Felswänden wider.

Und die Lombarden rückten heran. (…)

Copyright © 2013 by Thomas Vaucher

Vaucher, Thomas – Autorenporträt

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog


WER WISSEN MÖCHTE, WIE DIE GESCHICHTE WEITERGEHT, DER KANN DIES IN UNSERER BUCHEMPFEHLUNG, DEM ROMAN DES AUTOREN, ERFAHREN:


Vaucher, Thomas
Winterhelden

Historischer Roman

Verlag :      Stämpfli Verlag
ISBN :      978-3-7272-1361-8
Einband :      gebunden
Preisinfo :      25,00 Eur[D] / 25,70 Eur[A] / 29,00 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 19.07.2013
Seiten/Umfang :      210 S.
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 07.2013

Winter 1478, die Burgunderkriege sind vorbei. Doch schon befindet sich die Eidgenossenschaft im nächsten Konflikt: Das grosse Herzogtum Mailand rückt mit einem riesigen Heer gegen Yrnis (heutiges Giornico, Leventina TI) vor, wo sechshundert Eidgenossen und Liviner ihre Heimat zu verteidigen suchen. Hoffnungslosigkeit macht sich breit, doch ein Mann stellt sich der lombardischen Armee entgegen: der Luzerner Söldner Frischhans Teiling.

Winterhelden ist nicht nur die Geschichte einer Schlacht, es ist auch die Geschichte von Sturmhans und Teiling. Die beiden Reisläufer erhalten vom Luzerner Gericht den Auftrag, zwei flüchtige Mörder zu suchen, und gelangen so nach Yrnis. Dort stehen sie wenig später einer Übermacht gegenüber, die ihre Vorstellungskraft zu sprengen droht.

Und es ist auch die Geschichte zweier Freunde, die sich in dieselbe Frau verlieben und so ihre Freundschaft auf die Probe gestellt sehen …

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