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WINTERHELDEN – Leseprobe Teil 3 (30. Kapitel) aus dem gleichnamigen Historischen Roman von Thomas Vaucher

WINTERHELDEN

Leseprobe Teil 3 (30. Kapitel)

aus dem gleichnamigen Historischen Roman

von

Thomas Vaucher

(Zum vorherigen Teil)
Die Türe des Gasthauses wurde grob aufgestossen, und ein Schwyzer Bote kam hereingestürmt. Obwohl er schneebedeckt war, konnte man das Wappen auf seinen Kleidern ausmachen. Der Mann war völlig ausser Atem.

«Ich muss die Führer der vier Orte sprechen», keuchte er, «schnell! Es ist dringend! Wer vermag mir zu sagen, wo sie sind?»

Teiling trat auf den Mann zu.

«Ich bin der Luzerner Führer, Frischhans Teiling. Was gibt es?»

«Die Lombarden kommen!», sagte der Mann aufgeregt, «sie sind bereits auf dem Weg.»

«Was?», entfuhr es mir, «wie viele?»

«Die ganze verdammte Streitmacht!»

Teiling wurde blass. «Das kann doch nicht sein!»

Die anwesenden Männer in der Gaststube sprangen auf und begannen wild durcheinander zu reden. Teiling hob die Arme und bat um Ruhe.

«Wie viele ungefähr?»

«Es müssen an die zehntausend Mann sein.» Der Bote wischte sich den schmelzenden Schnee aus dem Gesicht. «Nachdem wir die Marschkolonne heute Morgen entdeckt haben, bin ich so schnell wie möglich hergekommen.»

«Wann?», fragte ich, «wann werden sie hier sein?»

«Vermutlich morgen früh.»

Teiling sah sich in der Gaststube um und deutete nacheinander auf vier Männer.

«Holt mir Huter, Stanga, Inderhalden und Troger her, sofort!»

Ohne zu widersprechen standen sie auf und gingen davon.

Wenig später trafen die vier in der Gaststube ein. Der Stammtisch wurde zum Sitzungstisch, um den sich Dutzende Männer drängten. Antonio Giudici war inzwischen ebenfalls wieder aus der Küche und hinter den Schanktisch getreten und beobachtete uns finster.

«Zehntausend Mann? Wir sind verloren!», sprach Inderhalden das aus, was wohl viele insgeheim dachten. Die Leute rundherum begannen, laut miteinander zu reden, und pflichteten Inderhalden bei.

«Unter diesen Umständen bleibt uns nichts anderes übrig, als uns zurückzuziehen», stimmte Troger dem Schwyzer Hauptmann zu, die meisten rundherum nickten.

«Rückzug?» Teiling stand erregt auf. «Ihr sprecht von Rückzug? Wir wurden hier zurückgelassen, um das Livinental und seine Bewohner zu verteidigen. Rückzug ist kein Thema!»

«Wir wurden zurückgelassen, um das Livinental zu verteidigen, falls sich eine kleine Abteilung vom Mailänder Heer abspaltet und zu brandschatzen beginnt, nicht, um gegen das ganze verdammte Heer zu kämpfen!», mischte sich Huter ein.

«Von den Zürchern habe ich nichts anderes erwartet», sagte ich und trat vor, «aber dass selbst die Urner und die Schwyzer den Schwanz einziehen, das hätte ich nicht gedacht.»

Huter sprang auf und zischte: «Hüte deine Zunge, Sturmhans.»

«Sonst was?»

«Sonst …» Weiter kam er nicht, denn Stanga trat zwischen uns und hob die Hände.

«Ich vertrete die Leute aus dem Livinental. Ich kann niemanden zwingen, für uns zu kämpfen, aber ich kann euch versichern, dass sich meine Landsleute erheben werden, um euch zu unterstützen.»

«Wie viele?», wollte Teiling wissen.

«Vierhundert, vielleicht etwas mehr, vielleicht etwas weniger.»

«Sechshundert gegen Zehntausend! Das wäre mir ein Lied wert», rief Viol durch die Gaststube.

«Sechshundert gegen Zehntausend», wiederholte Teiling und drehte sich um seine eigene Achse, um sich die Männer in der Gaststube anzusehen. «Sechshundert gegen Zehntausend! Lasst es euch auf der Zunge vergehen, denn morgen werden wir kämpfen! Sechshundert gegen Zehntausend! Und Hans Viol, dieser kleine Bergführer, Dichter und Sänger, wird ein Lied darüber schreiben. Ein Lied, wie wir den zehntausend Lombarden den Arsch versohlen! Ein Lied, wie wir sie weinend und heulend wie kleine Kinder zurück nach Mailand schicken!»

Die Männer klatschten Beifall und johlten.

Ich begriff. Teiling versuchte gar nicht erst, Huter, Inderhalden und Troger umzustimmen, nein, er zog die gemeinen Soldaten auf seine Seite. Wenn er deren Stimme hatte, konnten sich die Anführer nicht weigern mitzukämpfen.

«Viol wird zwar zwei Jahre brauchen bis er das Lied fertig geschrieben hat», brüllte ich durch die Gaststube und erntete damit schallendes Gelächter, «aber es wird ein höllisch gutes Lied werden, das noch die Kinder eurer Kindeskinder singen werden. Und ihr», ich machte eine weit ausholende Handbewegung, «ihr alle kommt in diesem Lied vor! Als Sieger der Schlacht bei Yrnis!»

Die Menge tobte.

«Und ich versichere euch eines», rief Viol. Er war auf einen Tisch geklettert und hatte seine Arme weit ausgebreitet. «In dem Lied werde ich die Anzahl der Lombarden und somit unseren Ruhm verdoppeln, ja verdreifachen! D’accordo?»

«Nieder mit den Mailändern!», rief jemand, und der Ruf wurde aufgenommen und weitergetragen, bis die ganze Hütte bebte, «nieder mit den Mailändern!»

(…)

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2013 by Thomas Vaucher

Vaucher, Thomas – Autorenporträt

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog


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Vaucher, Thomas
Winterhelden

Historischer Roman

Verlag :      Stämpfli Verlag
ISBN :      978-3-7272-1361-8
Einband :      gebunden
Preisinfo :      25,00 Eur[D] / 25,70 Eur[A] / 29,00 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 19.07.2013
Seiten/Umfang :      210 S.
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 07.2013

Winter 1478, die Burgunderkriege sind vorbei. Doch schon befindet sich die Eidgenossenschaft im nächsten Konflikt: Das grosse Herzogtum Mailand rückt mit einem riesigen Heer gegen Yrnis (heutiges Giornico, Leventina TI) vor, wo sechshundert Eidgenossen und Liviner ihre Heimat zu verteidigen suchen. Hoffnungslosigkeit macht sich breit, doch ein Mann stellt sich der lombardischen Armee entgegen: der Luzerner Söldner Frischhans Teiling.

Winterhelden ist nicht nur die Geschichte einer Schlacht, es ist auch die Geschichte von Sturmhans und Teiling. Die beiden Reisläufer erhalten vom Luzerner Gericht den Auftrag, zwei flüchtige Mörder zu suchen, und gelangen so nach Yrnis. Dort stehen sie wenig später einer Übermacht gegenüber, die ihre Vorstellungskraft zu sprengen droht.

Und es ist auch die Geschichte zweier Freunde, die sich in dieselbe Frau verlieben und so ihre Freundschaft auf die Probe gestellt sehen …

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