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Literatur-Blog

Willkommen im Lesegarten von Michael Drewniok

Willkommen im Lesegarten

von Michael Drewniok

Willkommen im Heim des armen Poeten (Außenstelle)

Blick in den Garten des Rezensenten: ein sommerliches Stilleben mit entsprechendem & weiterhin analogen Inventar, bestehend aus gedrucktem Buch (!), Stift (!!) und Schreibblock (!!!); hinzu kommt Kaffee als Hirntreibstoff – selbst gekocht, da das Rezensieren eine brotlose Kunst ist. Den Lärm der allzu nahen Autobahn gibt’s immerhin gratis.

Sobald die Tageshitze nachzulassen beginnt, vertiefe ich mich an dieser Stelle in Bücher wie diese:

Joe R. Lansdale
Ein feiner dunkler Riss

(sfbentry)
Originaltitel: A Fine Dark Line (New York : Mysterious Press 2003)
Übersetzung: Heide Franck
Deutsche Erstausgabe (Paperback): März 2012 (Golkonda Verlag)
275 S.
ISBN-13: 978-3-942396-19-6

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Titel bei Libri.de (nur epub eBook)
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Das geschieht:

13 Jahre ist Stanley jung, als die Familie Mitchel – Vater Stanley, Mutter Gal und Schwester Caldonia, frühreife 16 – in die kleine Stadt Dewmont im US-Staat Texas ziehen. Dort übernimmt der Senior das örtliche Autokino; ein Geschäft, das gut läuft, denn wir schreiben das Jahr 1958.

Allmählich lebt die Familie sich ein. Beim neugierigen Streifzug durch die Wälder der Umgebung stoßen Stanley Junior und Caldonia auf die Ruinen eines Hauses. Hier ging vierzehn Jahre zuvor die Villa der Stilwinds, der ersten Familie des Ortes, in Flammen auf; dabei starb die Tochter Juwel Ellen. Die Tragödie blieb der Bevölkerung auch deshalb im Gedächtnis, weil man in derselben Nacht die junge Margret Wood vergewaltigt und kopflos auf dem Bahngleis fand; der Täter wurde niemals ermittelt. Seitdem spuke Margrets Geist an der Mordstätte umher, heißt es.

Stanley findet an der Brandstätte ein Kästchen mit alten Briefen, die eine verbotene und nicht folgenlos gebliebene Liebesbeziehung zwischen Margret und James Stilwind, Juwel Ellens Bruder, dokumentieren könnten. Hat sich James Margrets durch Mord entledigt, weil sie Ansprüche stellte? Der faszinierte Stanley will sich als Detektiv versuchen. Ausgerechnet der mürrische Buster Smith, der für Vater Stanley den Filmprojektor des Kinos bedient, will ihm helfen. Der farbige Mann hat vor Jahren als Hilfspolizist gearbeitet und weiß Fachkenntnis und Lebenserfahrung gut zu kombinieren.

Das ungleiche Paar findet weitere Spuren, die Vater und Sohn Stilwell als moralisch korrupte Wüstlinge zeigen, die sich seit jeher von den Folgen ihrer Taten freikaufen. Wer ihnen in die Quere kommt, gerät in ernste Schwierigkeiten, was allerdings nicht so gefährlich wird wie ein verhängnisvoller Fehlschluss, der Amateur-Ermittler Stanley einem wahren Monster in Menschengestalt begegnen lässt …

Frieden oder Totenstille?

„Die Farbigen wussten, wo sie hingehörten. Frauen wussten, wo sie hingehörten. Das amerikanische Wörtchen ‚gay‘ bedeutete noch schlicht und einfach ‚fröhlich‘. Viele Leute waren immer noch der Ansicht, dass man Kinder sehen, aber nicht hören sollte. Sonntags waren die Geschäfte geschlossen. Unsere Bombe war größer als die Bombe der anderen, und niemand konnte unsere United States Army besiegen, nicht einmal die Marsmenschen. Der Präsident der Vereinigten Staaten war ein freundlicher, großväterlicher, dicker, glatzköpfiger Mann, der gerne Golf spielte und im Krieg zu Ruhm und Ehre gelangt war.“ (S. 14/15)

Die beiden Jahrzehnte nach 1945 waren in den USA eine Ära offenbar unendlichen wirtschaftlichen Wachstums. Zum ersten Mal schien der amerikanische Traum tatsächlich für alle real zu werden, die sich fleißig um ihn bemühten. Vor allem in der Provinz abseits der großen Städte herrschte Ruhe im Land. Noch ließ sich allmählich unruhig werdende, weil mit den etablierten Verhältnissen zunehmend unzufriedene Gruppen übersehen oder besser: in Schach halten. Der zunehmend aus dem Ruder laufende Krieg in Korea wurde schöngeredet. Insgesamt galt, was Lansdale Stanley Mitchel in simple aber eindeutige Worte fassen lässt.

Unter der Oberfläche bot diese Epoche des Fortschritts und inneren Friedens allerdings einen unschönen Anblick. Ganze Gesellschaftsschichten blieben von den Errungenschaften der Gegenwart ausgespart; die erfolgreichen Entscheidungsträger koppelten sie einfach ab. In Dewmont, Texas, betrifft dies nicht nur die farbigen ‚Mitbürger‘, die seit jeher als Menschen zweiter Klasse betrachtet und be- bzw. misshandelt werden, sondern auch den „white trash“, zu dem sich Stanley geworfen sieht.

Das Risiko, aus der Reihe zu tanzen

Das soziale Gefüge von Dewmont bleibt deshalb stabil, weil es mit Gewalt gewahrt wird. ‚Verstöße‘ werden von den Reichen und Mächtigen, die um ihre Privilegien fürchten, mit hoffentlich abschreckender Brutalität geahndet. Die vornehme Stadtprominenz kleidet sich nachts in die Kutten des Ku-Klux-Klans. Wo nicht Terror für Einschüchterung sorgt, wird geschmiert und vertuscht. 1944 starben zwei Mädchen unter Umständen, die womöglich gar nicht so mysteriös waren, wie dies die örtliche Überlieferung behauptet.

Stanley Mitchel stößt auf dieses Geheimnis, das ihn mit seinen 13 Jahren faszinieren muss. Allerdings ist Stanley nicht nur ein Neuling in Dewmont, sondern auch und buchstäblich ein Kind seiner Zeit. Er glaubt noch an ‚sein‘ Amerika. Auf ihn wartet deshalb in mehrfacher Hinsicht ein böses Erwachen. „Ein feiner dunkler Riss“ ist wie so oft bei Joe Lansdale nicht ‚nur‘ ein Krimi, sondern auch ein „Coming-of-Age“-Roman. Stanley Mitchel betritt im Sommer 1958 die Welt der Erwachsenen. Was ohnehin eine schwierige Phase ist, wird hier sogar lebensgefährlich. Stanley muss lernen, dass nur ein feiner, dunkler Riss die Welt, die Stanley bisher kannte, von einem Abgrund trennt, in dem keine Geister oder Monster, sondern das tödliche Böse in menschlicher Gestalt lauert.

Zu den vielen positiven Aspekten dieses Romans gehört die (trügerische) Leichtigkeit, mit der Lansdale diesen Lernprozess in eine spannende Geschichte kleidet, die er zusätzlich in den historischen Hintergrund des Jahres 1958 einbettet. Die Realität dieser höchstens in der Erinnerung guten, alten Zeit erhöht die Schärfe, denn Stanley wird nicht nur von ‚richtigen‘ Verbrechern verfolgt. Viel härter trifft ihn die Erkenntnis, dass man die echten Ungeheuer oft nicht erkennt, weil sie sich gut getarnt in den dunklen Falten einer selbstgerechten Gesellschaft einnisten können.

In Dewmont gibt es keine Geister, die nachts nach ihren Köpfen suchen. Stattdessen treiben Negativ-Kräfte namens Rassismus, Missbrauch oder Wahnsinn ihr Unwesen. Stanley öffnet nicht nur eine Schachtel mit alten Briefen, sondern die Büchse der Pandora, deren Inhalt über ihn kommt, weil ihm und Buster Smith ein folgenschwerer Irrtum unterläuft.

Der Weg in die Wirklichkeit

Buster Smith wird Stanleys Führer auf dem Weg zur Erkenntnis. Er ist ein innerlich zerrissener Mensch, weil lebenslange Ungerechtigkeit ihre Spuren hinterlassen hat. In einer gerechten Welt wäre Smith womöglich ein Virgil Tibbs geworden; Intellekt und Stolz sind vorhanden, doch nachdem Smith einst miterleben musste, wie ein farbiger Pechvogel gelyncht wurde, hat er resigniert – und hasst sich dafür. Smith ist Stanley kein einfacher Freund. Einmal bringt er den Jungen in Lebensgefahr, als er ihn in einem depressiven Anfall aus seinem Haus und direkt in die Arme des Mörders Bubba Joe jagt. Selbst dieser ist kein eindimensionaler Schurke; ihn haben die ständigen Demütigungen gebrochen und bösartig werden lassen.

Joe Lansdale versteht die Kunst, Figuren zum Leben zu erwecken, indem er Schwarz-Weiß-Zeichnung vermeidet. Vielleicht sind ihm Gal Mitchel und Rosy Mae ein wenig zu gutmenschlich geraten, aber sogar ein düsterer Roman verträgt ein wenig Optimismus, wenn die emotionale Balance gewahrt bleibt. „Ein feiner dunkler Riss“ ist jederzeit im Gleichgewicht. Die scheinbaren Abschweifungen wie Stanleys Ausflüge in die Stadt, seine Streifzüge durch die Wälder der Umgebung oder die breiten Schilderungen seines Familienlebens sind tatsächlich integrale Bestandteile dieser Geschichte, die lebensnah zwischen Krimi-Geschehen und Handlung keinen Unterschied macht, sondern zwischen diesen beiden Polen beliebig wandert.

Lernen kann schmerzhaft sein

Das Ende ist natürlich nicht happy; es ist konsequent und stellt zufrieden. Offene Fragen beantwortet Lansdale wie nebenbei in einem Epilog, der schildert, was nach dem Sommer von 1958 geschah und der es in sich hat. Wie nebenbei wirft Lansdale gleich mehrere Twist-Granaten, die dem Romangeschehen noch einmal eine neue Dimension verleihen. Der älter gewordene Stanley Mitchel erkennt, dass der feine, dunkle Riss keineswegs verschwunden ist, weil er 1958 einem Gewaltverbrecher das Handwerk legen konnte. Er ist geblieben, er wird immer bleiben, denn er gehört zum Leben, wie Stanley es begriffen hat: „Buster lag nicht mit allem richtig, und manchmal waren seine Antworten etwas konfus. Aber was mich stets begleitet, worauf man sich anscheinend getrost verlassen kann, ist seine Bemerkung darüber, dass das Leben nicht immer ganz befriedigend ist, und am Ende ist Fleisch und Dreck doch alles wieder eins.“ (S. 275)

Die Lakonie, die in dieser Schlussbemerkung liegt, zieht sich durch das gesamte Buch. Nicht zuletzt dank einer hervorragenden Übersetzung wirkt sie nie aufdringlich. Der erinnerungsschwere und schwermütige Tenor passt zur Geschichte, die aus der Sicht eines 13-jährigen Jungen erzählt wird. Zudem wirkt Wahrheit in simplen Worten stärker. „Ein feiner dunkler Riss“ bietet Hochspannung und echte Gefühle ohne Folterorgien und Blutkaskaden, ohne Figuren in künstlich entworfenen, homöopathisch über viele Serienbände verdünnten Beziehungskrisen.

Dargeboten wird dieser Roman zu guter Letzt nicht als Allerwelts-Taschenbuch mit Fotostock-Coversurrogat, sondern als schön gestaltetes Paperback mit Klappenbroschur. Schon optisch wirken die Bestseller von den Abkauf-Paletten deutscher Buchketten-Filialen kümmerlich gegen dieses Buch. Im inhaltlichen Vergleich wird endgültig deutlich, wieso sie zu Recht nach einem halben Jahr auf Grabbeltischen verramscht werden.

Autor

Joe Richard Harold Lansdale wurde 1951 in Gladewater im US-Staat Texas geboren. Als Autor trat Lansdale ab 1972 in Erscheinung. Gemeinsam mit seiner Mutter veröffentlichte er einen Artikel, der viel Anerkennung fand und preisgekrönt wurde. Mitte der 1970er Jahre begann er sich der Kurzgeschichte zu widmen. Auch hier stellte sich der Erfolg bald ein. Lansdale wurde ein Meister der kurzen, knappen Form. In rasantem Tempo, mit einer unbändigen Freude am Genre-Mix und am Auf-die-Spitze-Treiben (dem „Mojo-Storytelling“) legte er Story auf Story vor.

Texas, sein Heimatstaat, war und ist die Quelle seiner Inspiration – ein weites Land mit einer farbigen Geschichte, erfüllt von Mythen und Legenden. Lansdale ist fasziniert davon und lässt die reale mit der imaginären Welt immer wieder in Kontakt treten. In seinen Geschichten ersteht der Wilde Westen wieder neu. Allerdings kann es durchaus geschehen, dass dessen Bewohner Besuch vom Teufel und seinen Spießgesellen bekommen. Es könnten auch Außerirdische landen.

Nach zwei Lansdale-Kurzgeschichten entstanden Kurzfilme („Drive-In Date“, „The Job“). Kultstatus erreichte Don Coscarellis Verfilmung (2002) der Story „Bubba Ho-tep“: Ein alter Elvis Presley und ein farbiger John F. Kennedy jagen eine mordlustige Dämonen-Mumie. Lansdale schrieb außerdem Drehbücher für diverse Folgen der Serien „Batman: The Animated Series“ und „Superman: The Animated Series“.

Der private Joe R. Lonsdale lebt mit seiner Frau Karen und den Kindern heute in Nacogdoches, gelegen selbstverständlich in Texas. Er schreibt fleißig weiter und gibt ebenso fleißig Kurzgeschichtensammlungen heraus. Außerdem gehören Lansdale einige Kampfsportschulen, in denen diverse Künste der Selbstverteidigung gelehrt werden.

Homepage von Joe Lansdale

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UND / ODER:

Carsten Stroud
Niceville

(sfbentry)
Originaltitel: Niceville (New York : Albert A. Knopf 2012)
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Deutsche Erstausgabe (geb.): Februar 2012 (Dumont Buchverlag)
506 S.
ISBN-13: 978-3-8321-9646-2
Als eBook: März 2012 (Dumont Buchverlag)
ISBN: 978-3-8321-8621-0
Als Hörbuch: März 2012 (Random House Audio)
Gesprochen von Michael Hansonis
6 Audio-CDs, ca. 420 min. (gekürzte Lesung)
ISBN-13: 978-3-8371-1351-8

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Das geschieht:

Niceville ist nur auf den ersten Blick eine idyllische Kleinstadt in den US-amerikanischen Südstaaten. Ihre Weste weist mehr als einige schwarze Flecken auf. Düstere Legenden ranken sich meist um Tallulah’s Wall, eine Bergwand, die Niceville hoch überragt. Auf dem Scheitel liegt Crater Sink, ein scheinbar bodenloser, mit pechschwarzem Wasser gefüllter Teich, um den bereits die Ureinwohner einst einen weiten Bogen schlugen.

Ex-Elitesoldat Nick Kavenaugh rechnete mit einem ruhigen Leben, nachdem er die Anwältin Kate Walker geheiratet, den Dienst quittiert und als Detective bei der County Police angeheuert hatte. Doch Niceville ist ein Ort, der das Böse ebenso wie das Mysteriöse anzieht. Hier verschwinden deutlich mehr Menschen als es die Statistik erlaubt. Erst im Vorjahr ermittelte Kavenaugh im Fall des achtjährigen Rainey Teague, der sich buchstäblich in Nichts auflöste und später im Inneren einer unterirdischen, seit neunzig Jahren fest verschlossenen Gruft auftauchte. Dieses Rätsel blieb ebenso ungelöst wie der Selbstmord des Vaters und das Verschwinden der Mutter, die sich womöglich im Crater Sink ertränkt hat.

Aktuell fordert das reale Verbrechen Kavenaughs Aufmerksamkeit. Eine Bank wurde überfallen, über 2 Mio. Dollar griffen sich die Räuber, die auf der Flucht vier Polizeibeamte förmlich hinrichteten. Der korrupte Polizist Coker und sein Kumpan Danzinger wollten ihren Komplizen Zane umbringen. Der Anschlag misslang, und nun lauert Zane auf seine Gelegenheit zur Rache. Ebenfalls in das mörderische Spiel verwickelt sind Kavenaughs krimineller Schwager Byron Deitz und der Psychopath Tony Bock, dem Kate vor Gericht eine empfindliche Niederlage bereitet hat. Weitere Beteiligte sind nicht von dieser Welt. Schattenhafte Kreaturen mischen sich mörderisch ins ohnehin undurchsichtige Geschehen, bis man einander in und um Niceville endgültig nicht mehr trauen kann …

Unsere kleine aber wenig feine Stadt

Wenn eine mit ‚Fakten‘ gespickte Geschichte erzählt wird und trotzdem Gespenster im Spiel sind, wird das Schubladendenken von Verlagswerbern und Lesern auf eine harte Probe gestellt. Sind besagte Gespenster geile/frigide, schuhkaufsüchtige oder blutabstinente Vampire (bzw. Hexen und Werwölfe), greift die Eselsbrücke „urban (chick) fantasy“. Ansonsten werfen ratlose Kritiker die Story in das Sammelbecken „Mystery“.

Carsten Stroud macht es den Erbsenzählern voller Bosheit und Einfallsreichtum richtig schwer. „Niceville“ ist ebenso lupenreiner Thriller, besetzt mit moralfreien Berufskriminellen, für die Mord und Totschlag zum ‚Arbeitsalltag‘ gehören, wie harter Horror, dessen Spukgestalten ähnlich rigoros gegen ihre Opfer vorgehen. Ein bisschen Lee Child hier, ein wenig Stephen King dort, und abgeschmeckt wird das Ganze mit einer ordentlichen Prise Joe R. Lansdale. Wer’s ein wenig ‚literarischer‘ mag (bzw. mit literaturhistorischer Bildung angeben möchte), lässt die Namen höher gesetzter und schreibender Südstaaten-Prominenz einfließen; William Faulkner (Nobelpreis 1949) macht sich immer gut.

Im Falle Thornton Wilders (Pulitzer-Preis 1938) ergibt solches „name dropping“ sogar Sinn: Den genannten Preis erhielt dieser Autor für sein Theaterstück „Our Town“ (dt. „Unsere kleine Stadt“), das Panorama der (allerdings neuenglischen) Kleinstadt Grover’s Corners, hinter deren traulicher Kulisse dramatische und hässliche Wahrheiten ans Tageslicht drängen.

Vergangenheit und Gegenwart in unguter Verbindung

In Grover’s Corners gehen keine Geister um, weshalb „Niceville“ ein besonders zynisch gewählter Stadtname ist: „Nett“ im Sinne von gutnachbarschaftlicher Nähe ging es hier nach Auskunft des Verfassers wohl niemals zu. Schon bevor das Hightech-Verbrechen des 21. Jahrhunderts in Niceville Fuß fasste, war diese Stadt kein angenehmes Pflaster. Die vier Gründerfamilien hassten einander buchstäblich bis aufs Blut sowie über den Tod hinaus, was bis in die Gegenwart so geblieben ist.

Darüber hinaus gründeten sie Niceville an einem Ort, den man besser gemieden hätte. Was die Archive nicht hergeben, ergänzen Legenden: Im Schatten von Tallulah’s Wall ging es schon vor dem Bürgerkrieg des 19. Jahrhunderts mächtig um. Die diesseitige Welt hat hier sogar ein Loch: Crater Sink ist das Schnittzentrum von Hüben und Drüben, was durch die Angewohnheit, sich hier zu ertränken oder kriminelles Beweisgut zu entsorgen, zusätzlich verstärkt wird.

Nicevilles richtig üble Schurken sind ebenso schwer zu fassen wie Nicevilles Geister. Verfasser Stroud postuliert eine ganze Welt doppelter Identitäten. Der mörderische Bankräuber-Chef ist ein hochrangiger Polizist, der nach sich selbst fahndet und diese Chance gut zu nutzen weiß; sein Komplize arbeitet für die Firma, die den überfallenen Geldtransport organsierte; ein bestohlener Sicherheitsmann verdient als Wirtschaftsspion dazu, ein Psychopath schwärzt anonym Mitbürger an. Selbst Kriegsheld und Ehrenmann Nick Kavenaugh hütet ein übles Geheimnis und übt sich darüber hinaus nach Feierabend in Selbstjustiz.

Vielversprechender Auftakt zu deutlich Größerem

„Niceville“ bildet den Auftakt zu einer Roman-Trilogie, weshalb Autor Stroud sich viel Zeit nimmt, uns die Stadt und ihre Bewohner vorzustellen. Es macht außerdem deutlich, dass der Zickzackkurs der hier erzählten Geschichte möglicherweise Absicht ist und diese letztlich doch irgendwohin führen wird. In der Tat zeichnen sich schon in der zweiten Hälfte dieses ersten Teils weitreichende Verbindungen ab. Nicht nur die lebenden Figuren sind durch verwandtschaftliche oder freundschaftliche/feindschaftliche, jedenfalls selten zufällige Bande miteinander verknüpft. Auch die eindeutig toten Bürger von Niceville und ihre menschlich wirkenden aber alles andere als menschlich handelnden Handlanger passen sich in dieses Gefüge ein. Zu allem Überfluss geraten sowohl Gauner als auch Gendarmen in Nicevilles übernatürliche Gefilde, was die Lage kompliziert werden lässt.

Denn zwar manipuliert aber zunächst quasi unabhängig von dem, was im Crater Sink wartet, erzählt der ‚übernatürliche‘ Handlungsstrang eine Rachegeschichte, die vor einem Jahrhundert begann und sich ungebrochen fortsetzt. Schon hier gelingt Stroud nicht nur eine solide Gruselstory. Er versteht es, sie zusätzlich mit wahrlich schauerlichen Elementen aufzuwerten: Das Bild der Pechvögel, die der Niceville-Fehden zum Opfer fielen, und sich nun untot immer wieder gegenseitig begraben und exhumieren, ist ungemein einprägsam.

Bemerkenswert ist die Eleganz, mit der Stroud auch den ‚realen‘ Ereignissen Glaubwürdigkeit verleiht. Er kennt sich im Polizei- und Geheimdienst-Milieu aus, kennt die Arbeitsweisen von Fahndern aller Art und kann sich erschreckend gut in die Köpfe ihrer Gegner versetzen: Noch der übelste Strolch wird dank Stroud zur Persönlichkeit, sogar Schwächen werden offenbart, ohne dass damit eine Läuterung verbunden wäre. Ganz nüchtern stellt Mehrfach-Mörder Croker fest, dass der böse Einfluss von Niceville ihn womöglich zu einem richtig schlechten Menschen werden ließ – ein skrupelfreier Krimineller sei er jedoch schon vorher gewesen.

Wie soll & wird dies enden?

Der Tenor ist völlig frei von Sentimentalitäten, Seifenschaum und Leerlauf lässt Stroud ebenfalls außen vor; man kann ihm dafür nicht dankbar genug sein. Ein knochentrockener und rabenschwarzer Humor – gut gewahrt in der Übersetzung –  ist nicht Selbstzweck, sondern passt in Strouds Welt. Der beinahe dokumentarische Stil darf aber keineswegs mit Emotionslosigkeit verwechselt werden: Stroud vermag Gefühle sehr gut zum Ausdruck zu bringen. Er suhlt sich jedoch nicht darin, denn er hat Wichtigeres zu tun: Er erzählt eine Geschichte.

Im letzten Drittel geschieht deshalb, was der Leser kaum für möglich hält: Die ohnehin jederzeit rasante Handlung nimmt noch einmal Tempo auf. Erste Schicksale erfüllen sich, was in „Niceville“ freilich kein Grund ist, aus der Handlung auszusteigen: Die Toten kehren zurück, und manchmal wissen sie nicht einmal, dass sie tot sind, was für zusätzliche Verwirrung sorgt.

Wer dachte, die Karten seien mit diesem Auftaktband gemischt und verteilt, sieht sich angenehm getäuscht: Dieses Spiel unterteilt sich in Runden, und es wird lang dauern, da die Teilnehmer etwa gleichstark sind. Stroud liebt die Bewegung, und er beherrscht sie als Stilmittel perfekt. Von einem Kapitel zum nächsten wirft er scheinbar tief fundamentierte Verhältnisse einfach um und gruppiert ihre Einzelteile neu. Im Hintergrund läuft das große Geschehen weiter. Strouds Story läuft wie auf Schienen, die sich allerdings immer wieder kreuzen, ineinanderlaufen und trennen.

Dies rührt ein zumindest für altgediente Leser selten gewordenes Gefühl auf: Muss man „Niceville“ schließlich verlassen, ist da sofort die Ungeduld zu erfahren, wie es weitergeht. Stroud bringt die Handlung zu einem Abschluss, der gleichzeitig zur Basis für die Fortsetzung wird. Es gibt Hinweise darauf, wie die Geschichte weitergeht; man ahnt bzw. weiß, dass dabei echte Spannung im Spiel sein wird. Hoffentlich bleibt Stroud gesund und munter, um sein „Niceville“-Garn bis zum sicherlich bitteren, dramatischen Ende spinnen zu können!

Autor

„Carsten Stroud war Surfer, Bootsbauer an der Baja California und Berufstaucher in der US Army. Er hielt sich in geheimer Mission in den gefährlichsten Gegenden der Dritten Welt auf. Er ist Journalist und preisgekrönter Sachbuchautor, seine Romane sind Bestseller in den USA.“

Auf solchen wohl als werbewirksam erachteten Dummfug beschränken sich die derzeit kreisenden ‚Infos‘ über den Journalisten, Sachbuch- und Romanautoren Stroud, der übrigens 1946 geboren wurde. Auch auf seiner eigenen Website gefällt der Verfasser sich darin, seine ‚Biografie‘ als primär humorvolle Fingerübung abzufassen. Also beschränken auch wir uns an dieser Stelle darauf zu erwähnen, dass Stroud ein Faible für Uniformen – Polizei und Militär – besitzt, deren Träger in mehreren Büchern und zahlreichen Artikeln ins rechte Licht setzt sowie seit 1990 mehrere Thriller veröffentlicht hat, in denen Polizisten u. a. Uniformträger abenteuerlich ihren Jobs nachgehen und von denen es „Cuba Strait“ (2003) zum Stolz seines Verfassers auf „Fidel Castros Liste verbotener Bücher“ – nähere Informationen fehlen wohl nicht grundlos – geschafft haben soll.

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UND / ODER:

Jesse Bullington
Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart

(sfbentry)
Originaltitel: The Sad Story of the Brothers Grossbart (New York : Orbit 2009)
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers
Cover: Oliver Wetter
Deutsche Erstausgabe: Mai 2011 (Bastei-Lübbe-Verlag/Paperback Nr. 28550)
541 S.
ISBN-13: 978-3-404-28550-1

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Das geschieht:

Vermutlich in einem der deutschen Länder – sämtliche Zeitgenossen weigern sich später, sie als Landsleute anzuerkennen – werden die Zwillingsbrüder Hegel und Manfried Großbart um 1340 geboren. Die ersten 25 Jahre ihres Lebens verdingen sie sich als Grabräuber. Nach dem Tod der Mutter satteln sie um und überfallen lebende Zeitgenossen. Schon der erste Versuch gipfelt in einem Gemetzel, dem die flüchtenden Brüder ein Massaker an ihren Verfolgern folgen lassen.

Über die Alpen zieht es sie in den warmen Süden Europas und weiter nach Ägypten, wo ihr Vater es angeblich zu einem kleinen Königreich gebracht hat – eine barmherzige Lüge der Mutter, weshalb die Großbarts unverdrossen daran gehen, unter Anwendung brutaler Gewalt ihre eigene Vision von einem bequemen Dasein zu verwirklichen. Nicht nur die Zahl ihrer Opfer steigt kontinuierlich. Sie geraten an menschenfressende Ungeheuer, einen Pest-Dämonen und eine Hexe, die sie obendrein mit einem Fluch belegt. Stets den Großbarts hart auf den Fersen reitet Bauer Heinrich, der sich für den Mord an seiner Familie rächen will.

In Venedig, wo sie sich von den Strapazen der Alpenreise erholen, wird den Großbarts der Boden heiß unter den Füßen, als die Kunde ihrer Übeltaten sich verbreitet. Bevor sie verhaftet werden können, schiffen sie sich nach Ägypten ein. Dort wollen sie das eine oder andere Grabmal schänden. Stattdessen sorgt eine zaubermächtige Sirene für unerwartete Turbulenzen und weitere gewaltsame Todesfälle. Unerschütterlich morden und lügen die Großbarts sich durch das Chaos, das ihnen auch in Ägypten treu bleibt, wo sie einen bizarren Kreuzzug geraten und Heinrich, der wütende Pest-Dämon und zwei grässliche Homunkuli sie endlich einholen …

Ein ganz besonderer Blick in die Vergangenheit

Das Mittelalter ist ab 1350 nicht nur eine exotische Ära, sondern zeigt eine Welt im Ausnahmezustand. Ursprünglich in Asien ausgebrochen, rast die Pest, der „Schwarze Tod“, ab 1347 durch Europa. Ganze Landstriche werden entvölkert, 25 Mio. Menschen – ein Drittel der Gesamtbevölkerung – sterben. Die Überlebenden sind durch das erlebte Grauen gezeichnet. Kaum eine Familie ist ohne Opfer und die Angst vor der Seuche so groß, dass sie in Hysterie umschlägt. Ohne Kenntnis der Ursachen oder medizinisch wirksamer Gegenmittel, auf der verzweifelten Suche nach Heilung oder wenigstens einer Erklärung verfallen die Menschen Scharlatanen und Weltuntergangs-Propheten. Auf der Suche nach ‚Schuldigen‘ brennen ‚Ketzer‘ und Juden. Als dieser Pestzug 1351 abklingt, folgen nach kurzen Jahren der Ruhe neue Wellen. Die Ratlosigkeit und die daraus resultierende Angst erhalten sich bis in die Neuzeit, und noch heute, da die Krankheit beinahe ausgerottet sowie heilbar ist, sorgt schon das Wort „Pest“ für Gänsehaut.

Eine ohnehin aus den Fugen geratene Welt wird bei Jesse Bullington zur Kulisse eines bemerkenswerten Fantasy-Romans. Nicht Schwertkämpfer, Dämonen-Fürsten oder von Tolkien plagiierte Orks/Zwergen/Elben/Etc.-Klone treiben ihr Unwesen in einer verfremdeten Märchen-Welt, sondern simple Menschen als Produkte ihrer turbulenten Gegenwart. Bullington, der als studierter Historiker das Mittelalter nicht nur als simple Folie benutzt, sondern in Kenntnis der historischen Realität einsetzt, gelingt das Kunststück, die zeitgenössische Gedankenwelt so zu verfremden, dass sie die zeitgenössische Realität umso deutlicher herausstellt. Darüber hinaus gelingt ihm eine ungemein unterhaltsame Geschichte.

Gott, der Teufel und der arme Mensch

Die Welt des Mittelalters muss man mit der Allgegenwärtigkeit von Religion und – aus heutiger Sicht – Aberglauben gleichsetzen. Gott und vor allem der Teufel und seine Geschöpfe waren überall. Die Kirche lehrte die Lebenden, sich dem schlauen, in vielen Verkleidungen auftretenden Bösen zu entziehen. Für die Toten bzw. deren Seelen wurde gebetet, denn das Höllenfeuer loderte stets in Reichweite. Angesichts einer Lebenserwartung, die durchschnittlich bei 35 oder 40 Jahren lag, war der Tod den Zeitgenossen eine Selbstverständlichkeit.

Nur der bedingungslose Glaube bot einen Ausweg, während sehr reale Missstände als Ausdruck einer vorgegebenen Ordnung zu akzeptieren waren. Also sind die Großbarts einerseits durchaus ehrlich fromm und andererseits ungebildete, grobe, schmutzige Lumpen. Im Mittelalter war dies kein Widerspruch. Die meisten Zeitgenossen Hegels und Manfrieds würden aus heutiger Sicht in diese Kategorie fallen.

Gleichzeitig steckte die Wissenschaft in den Kinderschuhen. Das Mittelalter war vor allem in Europa sprichwörtlich dunkel, während Forschung und Lehre ausgerechnet in den ‚heidnischen‘ arabischen Ländern blühte. Der Zusammenhang zwischen Ansteckung und Hygiene blieb unerkannt, Zauberei bzw. Hexerei galt als Tatsache, und die meist unbekannte Welt wurde von gefährlichen Kreaturen bevölkert. Bullington geht nur einen Schritt weiter und nimmt diesen Aberglauben für bare Münze. Die Großbarts oder Bruder Martin entsetzen sich daher nicht vor eingebildeten, sondern vor ‚echten‘ Ungeheuern und Dämonen.

Zwei brutale Schelme auf privatem Kreuzzug

Hegel und Manfried Großbart begeben sich auf eine lange Reise, die ihnen jedoch keine geistige Reifung bringen wird. Bullington karikiert das Motiv der Queste, wie er überhaupt sorgfältig darauf achtet, jeglichen Gedanken an positive Werte zu tilgen. Moralische Integrität, Frömmigkeit, Liebe – immer verbergen sich hinter solcher Anständigkeit Bigotterie, Lüge und Eigennutz. In dieser Beziehung ist Bullington modern: Seine Leser sollen durch die Lektüre nicht belehrt werden. Mit Vorsicht sei deshalb das umfangreiche Literaturverzeichnis betrachtet: Zwischen tatsächlich existierenden Werken verbergen sich geschickt erfundene Werke, die eine Existenz von Grossbart-Überlieferungen vorspiegeln

Hegel und Manfried sind Räuber und Mörder, aber als solche passen sie in ihre Welt. Selbst der unglückliche Heinrich paktiert für seine Rache mit einer Hexe und einem Dämonen. So kann man den Zwillingen nicht wirklich böse sein. Zwischen Anfällen eingetrichterter (und köstlich fehlinterpretierter) Glaubensstärke sind sie konsequent ehrlich. Sie wollen ihren Zipfel von der Wurst. Nach einem Leben in Elend haben sie begriffen, dass niemand mit ihnen teilen wird. Also nehmen sie sich, was sie begehren, und geben sich dabei nicht einmal den Anschein, Robin Hoods zu sein. Wenn eine ganze Welt sich in ein Irrenhaus verwandelt, sind Hegel und Manfried exemplarische Bewohner.

Der Zug ins „Gypterland“ ist ihr einziger Traum oder besser: eine vage Wunschvorstellung. Mitte des 14. Jahrhunderts lagen die ‚klassischen‘ Kreuzzüge ins längst sarazenische Morgenland schon viele Jahrzehnte zurück. Geblieben waren nur geschönte Erinnerungen an ein hehres Ziel, das tatsächlich in eine endlose Kette blutiger Sinnlosigkeiten ausgeartet war. Als die Großbarts 1365 tatsächlich ihr Ziel erreichen, geraten sie in den aberwitzigen „Kreuzzug gegen Alexandria“, den König Peter I. von Zypern angezettelt hat. Dieser will nicht die Wiege der Christenheit befreien, sondern lässt Alexandria sowie 1366 Tripolis und Tartus überfallen, plündern und zerstören – ein reales, durch und durch verlogenes Unternehmen, dem schließlich sogar der Papst seine Unterstützung verweigerte.

Eine traurige Geschichte aber ein tolles Buch

„Die traurige Geschichte …“ erzählt nicht nur eine kurzweilige Geschichte, die ihrem Titel erst auf der letzten Seite gerecht wird und selbst dabei heiter wirkt. Weitere und längst nicht selbstverständliche Vorteile tragen zur Freude des Lesers bei. Da ist vor allem die fabelhafte Übersetzung hervorzuheben. Der Name Eva Bauche-Eppers sorgt für Erwartungen, denn diese Frau versteht ihr Handwerk, was u. a. daraus ersichtlich wird, dass sie 2003 für ihre Übertragung von China Miévilles Roman „Perdido Street Station“ mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde. Sie mit der Übersetzung zu beauftragen, war eine wirklich gute Entscheidung, weil die Vorlage sprachlich eine Herausforderung darstellt. Bullington wandelt bunt auf einem schmalen Grat zwischen ‚originaler‘ mittelalterlicher und lesbar moderner Ausdrucksweise. Bauche-Eppers vermag ihm dorthin zu folgen. Die Übersetzung wirkt durch geschickt eingeflochtene altertümliche oder altertümlich erscheinende Redewendungen und Ausdrücke zeitgemäß, ohne es zu sein, es sein zu müssen oder den Leser zu überfordern. „Die traurige Geschichte …“ liest sich reibungslos, und der historisch oder sprachlich Bewanderte freut sich über Neu- und Wiederentdeckungen als Boni.

Das Auge isst nicht nur in der Küche mit. Auch der Leser freut sich über Bücher, die ihm solide aber geschmeidig in der Hand liegen, bei Öffnen und Blättern nicht spröde krachen sowie schön aufgemacht sind. „Die traurige Geschichte …“ bietet sich durch ihren Umfang für ein Paperback geradezu an, weshalb ihm dieses Gewand gut steht. Hier musste kein Text durch Großschrift, Leerseiten und gewaltige Zeilenabstände künstlich aufgeblasen werden. Darüber hinaus gibt es nicht nur ein ‚richtiges‘, also gemaltes Cover, sondern eigens angefertigte Innenzeichnungen. Man kann es prosaisch auch so ausdrücken: Hier bekommt der Leser wirklich etwas für sein Geld!

Autor

Jesse Bullington wurde in Boulder, US-Staat Colorado geboren. Nach einem Umzug wuchs er zunächst in Pennsylvania auf, bevor die Familie für mehrere Jahre in die Niederlande übersiedelte. Nach der Rückkehr in die USA beendete Bullington die High School und studierte Englische Literatur und Geschichte an der Florida State University. Beide Fächer schloss er 2005 ab.

Bereits in seiner High-School-Zeit lernte Bullington den Fantasy-Autoren Jeff Vandermeer kennen. Sie wurden Freunde, und Vandermeer wurde Bullingtons Mentor, als dieser eigene schriftstellerische Pläne entwickelte. Mit der Arbeit an seinem Debütroman „The Sad Story of the Brothers Grossbart“ (dt. „Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart“) begann Bullington unmittelbar nach dem Studium. Das opulente, inhaltlich wie formal vom Fantasy-Mainstream abweichende Werk erregte bei Kritik und Publikum großes Aufsehen.

Über sein Werk informiert Jesse Bullington auf dieser Website.

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Viel Spass beim Lesen!
Michael.

Updated: 5. August 2012 — 14:32

6 Comments

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  1. Hallo Michael,

    das kleine Buch sieht schwer nach einem alten Goldmann-SF-Taschenbuch aus. ich vermute mal, dass du hierzu eine deiner genialen Rezis mit verschiedenen Abbildungen posten wirst. Freu mich schon drauf.

    Zum selbstgebrauten Kaffee: Kann ich beim Schreiben nicht nehmen, der regt mich nur auf. Das ist mir mein Gläschen Rotwein schon lieber.

    Auch dir einen schönen (Rest)-Sonntag noch.

    mgg
    galaxykarl 😉

  2. Vielleicht ist es ja Kaffee Haag?

  3. Gemütlich. Schön :-). Kaffee selbstgekocht, selbstgepflückt und selbstgezogen? Ist dann irgendwo neben Kalle Wirsch auch die Plantage? 😉

  4. Christa Kuczinski

    Sehr nett, aber mir fehlt hier eindeutig die Auflage auf dem Stuhl 😉

    Lg Christa

  5. Christa: Frauenpopos sind einfach empfindlicher! 😉

  6. Christa Kuczinski

    Corinna,
    wir wissen eben was gut für uns ist 😉

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