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WEIHNACHTEN? WARUM NICHT? – Eine Shortstory von Margret Schwekendiek

WEIHNACHTEN? WARUM NICHT?

Shortstory

von

Margret Schwekendiek

Bericht Ignesias Buttin,

Planetarer Beauftragter für den östlichen Bezirk Milchstraße,

Koordinatensystem 12-0-4-67-3, Abt. A 7-1 Kolonisierung,

Unterabteilung Infiltrierung und Zivilisationsbeherrschung

Gemäß unserem Auftrag, die einzige Spezies zu fördern, die in diesem Bereich der Milchstraße den Einsatz von Ressourcen wert ist, haben wir über 47 Standard-Galaxis-Zeiteinheiten (etwa 2000 Jahre auf diesem winzigen dritten Planeten einer uninteressanten gelben Sonne) versucht, diesen Lebewesen die Zivilisation und damit auch das universelle Wissen nahe zu bringen. Diese Fähigkeiten sind bekannterweise unabdingbar, um Raumfahrt zu betreiben und in das Gefüge der Galaktischen Handelskreise aufgenommen zu werden.

Leider müssen wir eingestehen, dass unsere Mission zum Scheitern verurteilt ist. Die Lebewesen erwiesen sich als höchst resistent gegenüber allen Lehren, die wir unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbreiten wollten. Um zu verhindern, dass durch Zufall diese Menschen, wie sie sich selbst nennen, doch noch eine eigene Raumfahrttechnik entwickeln, haben wir dafür gesorgt, dass  sie mit sich selbst beschäftigt sind.

Wir haben wirklich alles versucht, um dieses kleine widerspenstige Volk auf den richtigen Weg zu führen. Nachdem wir die Menschen vorsichtig aus der Unwissenheit geführt hatten, gab es jedoch Rückschläge durch irgendwelche Religionen, die den Lebewesen einreden wollten, dass Wissen schädlich ist und ausgerottet werden muss. Unsere Abgesandten hatten ziemlich viel Arbeit, um diese Irrlehren – wenn schon nicht auszurotten – so doch einzudämmen und der Vernunft wieder auf den rechten Weg zu helfen.

Nach einer gewissen Zeit, in der die Menschen eifrig damit beschäftigt waren, all jene, die die Naturwissenschaften erforschen wollten, in barbarischer Weise zu vernichten, gelang es uns, das blutige Gemetzel zu verringern. Schließlich gelang es uns, eine industrielle Revolution in Gang zu setzen und den Einfluss der Religion zurückzudrängen.

Unsere Arbeit machte gute Fortschritte, es gelang uns immer wieder, in diesem kurzlebigen Volk charismatische Führer zu installieren, die jedoch praktisch alle an einer Geisteskrankheit zu leiden schienen, die mit dem Begriff Größenwahn vorsichtig umschrieben werden kann. Die Maßnahmen, die regionalen Völkerschaften zu vereinigen, schlugen alle fehl. Nachdem uns das Amt für Kolonisierung (zu Anfang des hiesigen 20. Jahrhunderts) die Mittel drastisch gekürzt und ein Ultimatum zur Vollendung unseres Auftrags gestellt hatte, blieb uns nichts anderes übrig, als massiv gegen Unwissenheit und Separatismus vorzugehen. Man muss den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, hat mein alter Lehrer immer gesagt, und so wurde ein Größenwahnsinniger eingesetzt, dessen Taten dazu führen sollten, dass alle Völkerschaften sich zusammenschlossen. Durch einen Krieg gedachten wir, diesen Prozess zu beschleunigen. Fast die gesamte Welt vereinte sich in dem Bemühen, dieses einzelne Volk und seinen Anführer zu vernichten, doch dieses Zweckbündnis war nur brüchig. Es kam nicht zu der Vereinigung zu einem großen Volk, die regionalen Unterschiede erwiesen sich als unüberbrückbar. Nur die Wirtschaft funktionierte global.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war absehbar, dass wir auf ganzer Linie gescheitert waren. Der klugen Voraussicht von Ankram Witterbo ist es zu verdanken, dass Vorkehrungen getroffen wurden, um bei unserem Scheitern einen Aufbruch der Menschen ins All zu verhindern – abgesehen von den kleinen lächerlichen Anstrengungen, das eigene Sonnensystem zu erkunden.

Ankram erschuf bereits zu Anfang des hiesigen 20. Jahrhunderts eine künstlerisch wertvolle Figur, die einen Siegeszug um die ganze Welt antrat. Entgegen unserer Bedenken trat Ankram selbst in der traditionellen Tracht der Händlerfürsten auf und wirkte selbst auf diesem rückständigen Planeten eindrucksvoll. Seine imposante Gestalt mit dem weißen Bart, dessen jedes einzelne Haar für ein gut gelungenes Geschäft steht, krönte der rote Mantel mit der Kapuze und dem weißen adeligen Besatz. Als Zugeständnis an hiesige Bräuche führte Ankram einen Behälter aus Textilien bei sich, Sack genannt, in dem verschiedene Handelswaren als Gebrauchsmuster an einzelne Individuen verteilt wurden. Zunächst hielten wir es für angebracht, diese Gebrauchsmuster an die Nachkommenschaft abzugeben; die Brut ist leicht beeinflussbar und würde sich unseren Wünschen vielleicht doch noch fügen.

Doch ausgerechnet in dieser Hinsicht waren die Menschen in ihrer Gesamtheit lernfähig, so dass wir gar nicht viele Ressourcen aufbringen mussten, um sie zu beeinflussen. Mit Eifer und Hingabe stürzten sie sich auf diese neue Gestalt, die rasch Kultstatus erreichte und sogar religiöse Symbole zu verdrängen begann.

Um unsere Mission nicht zu gefährden, zogen wir es vor, unseren Bruder Ankram nur zu einer bestimmten planetaren Zeit auftreten zu lassen, Weihnachten genannt. Zu unserer Freude stellten wir fest, dass zahlreiche Nachahmungen im Umlauf sind.

Mittlerweile können wir unseren Auftrag beenden. Die Gedanken der Menschen sind in erster Linie auf Konsum und Reproduktion ausgerichtet, es besteht keine Gefahr, dass sie in den Weltraum aufbrechen und mit ihrer Beschränktheit unser Wirtschaftsgefüge stören. Der alljährliche Kaufrausch, der in irgendeiner Weise genetisch verankert sein muss, schwächt bei den meisten Wesen den klaren Verstand so stark, dass kaum Kapazitäten für andere sinnvolle Tätigkeiten aufgebracht werden können. Mit dem alljährlichen Kaufrausch wird es gelingen, die Menschen in das eigene Verderben laufen zu lassen.

Abschlussbericht:

Ignesias Buttin,

Planetarer Beauftragter für den östlichen Bezirk Milchstraße,

Koordinatensystem 12-0-4-67-3, Abt. A 7-1 Kolonisierung,

Unterabteilung Infiltrierung und Zivilisationsbeherrschung

Wir haben heute unsere Mission beendet. Als wider Erwarten die Gefahr bestand, dass einige regionale Staaten doch noch Anstrengungen unternehmen könnten, aus der rudimentären Raumfahrt eine florierende Industrie zu machen und womöglich das Fenster zur Galaxis aufzustoßen, griffen wir zu zwei ungewöhnlichen Maßnahmen.

Zum einen verhinderten wir, dass interdisziplinäre Forschungen zur unbegrenzten Energiegewinnung unternommen werden, zum anderen unterbrachen wir den Geldfluss der Finanzmärkte, indem wir für riskante Spekulationen Tür und Tor öffneten. Es wird lange dauern, bis die Menschen sich davon erholen, und bis dahin wird hoffentlich das Amt für Kolonisierung und Wirtschaftsberechnung eine neue Mission ausgerüstet haben.

Zu sagen wäre noch, dass die Menschen in ihrem Denken konditioniert sind, so dass keine Panik ausbrechen wird, wenn ein Schiff von uns landet und unsere Kollegen in der richtigen Kleidung den Planeten betreten. Es wird für diese Lebewesen sicherlich interessant sein zu erfahren, dass wir sogar eine richtige Heimatwelt haben: Der Planet der Weihnachtsmänner.

-ENDE

Copyright (c) 2014 by Margret Schwekendiek / Grafiken by Lothar Bauer – Mit freundlicher Genehmigung.

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Grosser, Hartmut
Älter als die Sonne

Verlag :      Fabuloso
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Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 17.02.2014
Seiten/Umfang :      ca. 450 S. – 19,0 x 13,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      Geklebt
Erscheinungsdatum :      02.2014

Medien :
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Ein Forschungsraumer der Solaren Föderation wird kurz nach seinem Start als uraltes Wrack jenseits der Plutobahn entdeckt. Aus den Speichern des Bordcomputers erfahren die irdischen Wissenschaftler, dass im Zentrum der Galaxis eine unbekannte Macht Sonnen manipuliert und sie in einer bestimmten Konstellation anordnet.

Um herauszufinden, ob es sich bei dem künstlichen Phänomen um eine Bedrohung handelt, wird das neuste irdische Schlachtschiff, die TIU, ausgesandt, die Angelegenheit zu überprüfen.

Die Besatzung kommt in Kontakt mit einer humanoiden Zivilisation, deren Vertreter ebenfalls die Manipulationen untersuchen. Dabei treffen die Menschen auf Mächte, die seit Urzeiten aktiv sind und bereits in den Chroniken aller galaktischen Völker, wie auch in der Bibel, namentlich erwähnt werden.

Unversehens befindet sich die Crew der TIU in einer Auseinandersetzung, die Jahrmilliarden alt ist und mit ihren Auswirkungen alle Lebewesen der Galaxis bedroht.

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5 Comments

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  1. Gebt mal Feedback wie euch diese kurze Story von Margret Schwekendiek gefallen hat! Wie findet Ihr den Buchtipp? Bim gespannt auf Eure Meinungen! 🙂

  2. Witzige Geschichte, und den Buchtipp finde ich auch passend 🙂

    Aber warum „jährlicher Kaufrausch“? Müsste es nicht „ganzjährlicher“ heißen? 😉 Seit ein paar Wochen gibt es schon Lebkuchen zu kaufen. Und das vor Halloween, das seinerseits benutzt wird, um uns zum Konsum zu drängen. Fasching, Valentinstag, Ostern, Maifeiern, Pfingsten, Schulende, die großen Ferien, Schulanfang, Hurra-hurra-der-Herbst-ist-da, Halloween, Nikolaus, Adventszeit, Weihnachten und Sylvester. Nicht zu vergessen Geburtstage, Namenstage, Jubiläen etc. Es wird so lange gefeiert und konsumiert, bis der Keller leergesoffen ist oder Leber und Geldbörse die Grätsche machen.

    Und das alles wegen der garstigen Wissenschaftsverweigerer? 😉 Sollte ich wieder mal was Wissenschaftliches einbringen und Hohn und Gelächter ernten, werde ich mich daran erinnern ;-).

  3. Witzig, sehr zynisch; gefällt mir. Ich hab dem Typen ohnehin nie getraut.

    Werner 😉

  4. Suche Rezensenten für den Buchtipp-Titel! Wer möchte das machen, bitte hier melden oder mir eine e-mail senden!

  5. Habe noch einen Titel des selben Autors, den ich zum Rezensieren abgeben könnte: DAS MOSES ATTENTAT. Bitte hier oder bei mir melden!

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