sfbasar.de

Literatur-Blog

VERLOREN OHNE DICH – Leseprobe (Teil 1) des gleichnamigen Romans von Jana Martens

VERLOREN OHNE DICH

Leseprobe (Teil 1)
des gleichnamigen Romans
von
Jana Martens


Liebe ist ein Gefühl, das den Körper und den Verstand ins Chaos stürzt

Kapitel 1
Der Besuch

Die Sonne schien. Endlich. Bereits seit Wochen hatte sie sich hinter einer dunklen Wolkenfront versteckt und nur ab und an hervorgeblinzelt. Heute waren die trüben Wolken verschwunden und ließen einen strahlend blauen Himmel zurück. Obwohl es für den englischen Frühsommer keine außergewöhnlichen Wetterverhältnisse waren, stimmte der Sonnenschein  Lucas gleich ein wenig fröhlicher.

Er lag im Gras, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und die Augen geschlossen. Schon lange hatte er nicht mehr einfach faul in der Sonne gelegen, geschweige denn die Seele baumeln lassen, in den Tag hineingelebt, ohne Verpflichtungen. Ständig schwelte in ihm die Angst, wieder etwas falsch gemacht zu haben. Das war sein Schicksal. Lucas tappte von einem Fettnäpfchen ins nächste. Er war der Unglücksrabe der Familie.

Manchmal wünschte er sich an einen anderen Ort, an dem er frei war, ohne Pflichten, ohne ständiges Gezeter, ohne Unterdrückung. Um seinen größten Traum Wirklichkeit werden zu lassen, fehlten ihm jedoch der Mut und besonders das Geld. Vor allem würden seine Adoptiveltern es zu verhindern wissen. Zumindest sagten Susanne und Franklin immer, sie hätten ihn adoptiert, aber er hatte seine Zweifel. Bedenken, die all die Jahre bisher nie ausgesprochen oder  angesprochen worden waren, und was gewiss auch nie passieren würde.

Mit sechs Jahren waren seine leiblichen Eltern bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen. Obwohl er ebenfalls in diesem Auto gesessen hatte, war er lediglich mit leichten Verletzungen davongekommen. An die Zeit im Krankenhaus und die Monate danach, bis sich die Familie Patton seiner annahm, besaß er kaum Erinnerungen. Nur noch schemenhafte Bilder verfolgten ihn in seinen Träumen, die jedoch verschwanden, sobald er aufwachte.

Inzwischen hatte er sich mit seinem Leben abgefunden. Was nutzte es, einer unbekannten Vergangenheit nachzutrauern und sich an verschwommene Erinnerungen zu klammern, wenn die Gegenwart ihn völlig vereinnahmte? Täglich morgens um sechs Uhr klingelte sein Wecker. Danach wartete die Arbeit auf ihn. Mit kleinen Pausen, in denen er schnell etwas aß, hörte sein Tag meistens erst spät abends auf. Manchmal half er morgens der Köchin Rosalin bei den Vorbereitungen für das stets üppige Mittagessen der Familie Patton. Anschließend war es seine Aufgabe, das viertausend Quadratmeter große Grundstück in Ordnung zu halten. Ein Knochenjob.

»Warum das Geld einer Gärtnerfirma in den Rachen schieben, wenn Lucas das genauso gut kann?«, sagte Susanne stets, wenn das Gespräch auf die Pflege des großen Grundstückes fiel.

Wenn Lucas seine Arbeit nicht zu ihrer vollsten Zufriedenheit erledigt hatte, forderte sie abends von ihrem Mann Sanktionen gegenüber Lucas zu verhängen. Oftmals stand dabei zur Debatte, die neuen Privilegien zu streichen, die er inzwischen genießen durfte.

Franklin stand nicht auf seiner Seite, dennoch ergriff er manchmal Partei für ihn, aber nur aus einem Grund: Er hatte keine Lust, mehr Geld als notwendig auszugeben. »Schatz, das Grundstück ist groß und macht eine Menge Arbeit. Wenn er es nicht schafft, muss er eben am nächsten Tag mehr arbeiten und seine Sonderrechte werden gestrichen. Vor allem kostet er nichts. Nur deswegen darf er bleiben.«

Seit zwei Jahren durfte er zu den wöchentlichen Großeinkäufen die Köchin begleiten, die wiederum von dem Butler Maximilian gefahren wurde. Dabei ließen sie es sich richtig gut gehen, ganz nach dem Motto: »Was Susanne und Franklin Patton nicht wissen, können sie auch nicht bestrafen.« Auf diese Weise machten sie oft einen Abstecher in einen Eissalon oder in eines der zahlreichen Fast-Food-Restaurants. Entweder auf Rechnung von Rosalin oder Maximilian.

Außerdem besaß Lucas zum ersten Mal einen  Fernseher. Nicht einen modernen Flachbildschirm, nur ein einfaches Röhrengerät mit einer Zimmerantenne. Aber für ihn war das etwas Außergewöhnliches.

Alles hatte angefangen, als die Familie vor drei Jahren von dem Städtchen Cheltenham in den äußeren Westen Londons gezogen war. Hillingdon hieß dieser Stadtteil. Dort hatten sich Susanne und Franklin eine neue, größere fünfzehn Zimmer Villa im Stil der alten viktorianischen Herrenhäuser bauen lassen. Das alte Haus vermieteten sie zu einem horrenden Preis. Das neue Grundstück war ein wenig größer und grenzte direkt an das Bakerfield Black Forest an, den erstklassigen Golfklub mit Hotel. Dieser gehörte inzwischen ebenfalls der Familie Patton.

Zahlreiche Angestellte kümmerten sich im Hotel und dem Klub um alles, während Franklin als Manager fungierte und von seiner Frau tatkräftig unterstützt wurde. Das wiederum hatte Susanne auf eine Idee gebracht: Seit neun Monaten musste Lucas auch auf dem Grundstück des Golfklubs und der weitläufigen Parkanlage aushelfen. Inzwischen betrachtete ihn jeder als Mädchen für alles.

»Lucas? Wo bist du? Wo steckst du schon wieder?«, rief plötzlich mit schriller Stimme eine Frau, die sich ihm näherte.

Die Worte fuhren ihm durch Mark und Bein und rissen ihn aus seinen Gedanken. Seine ohnehin kurze Mittagspause hatte so angenehm ruhig angefangen und endete nun abrupt. »Was will sie wieder?«, raunte er und erhob sich nur widerwillig.

Gerade rechtzeitig, bevor die knirschenden Kieselsteine unter Susannes Sohlen ihr Kommen verrieten. Er klaubte die Spritzdüse des Wasserschlauchs auf, drehte am Wasserregler und ein feiner Sprühregen ergoss sich über den grünen Rasen. Im selben Moment tauchte eine schlanke Frau hinter einer Hecke auf. Lucas schielte zu ihr hinüber, tat aber so, als hätte er sie nicht gesehen.

Susanne war Mitte vierzig, doch durch ihre ständigen Beautykuren und zwei Schönheitsoperationen, wollte sie gut zwanzig Jahre jünger aussehen. Dass ihr Vorhaben erfolglos war, konnte jeder sehen. Wie so oft hatte sie sich ihre roten Haare hochgesteckt und trug ein maßgefertigtes dunkelblaues Kostüm. Manchmal fragte er sich, ob ihr Kleiderschrank außer Ensembles und extravaganter Abendrobe noch etwas anderes beherbergte. Eines stand jedoch fest: Susanne war eine knallharte Geschäftsfrau, genauso wie ihr Mann. Franklin war ihr männliches Gegenstück. Arroganz war Susannes größte Charaktereigenschaft, gefolgt von ihrem unersättlichen Schönheitswahn und ihrer maßlosen Überheblichkeit.

»Verdammt, Lucas! Hörst du nicht, dass ich dich rufe?« Sie überbrückte die restlichen Schritte, bis sie neben ihm stand. Dabei wäre sie beinahe mit ihren hochhackigen Pumps in den Kieselsteinen stecken geblieben und der Länge nach auf dem Boden gelandet.

Lucas unterdrückte ein schadenfrohes Grinsen und beobachtete Susanne, die verärgert die Hände in die Hüften stemmte. Sie hatte sich wieder viel zu viel Make-up ins Gesicht geschmiert. Damit wirkte sie nicht wie eine Fünfundzwanzigjährige, die sie gern zu sein vorgab, sondern eher wie eine Frau, die sich gewaltsam verjüngte, ganz zu ihrem Nachtteil.

»Was machst du da?«, fragte sie und rümpfte die Nase. »Du stinkst.«

»Ich arbeite«, antwortete er schlicht und gab vor, sich auf das Gießen des Rasens zu konzentrieren. Doch innerlich ahnte er bereits, dass sie gleich einen Anschlag auf ihn vorhatte.

»Das sehe ich auch.« Susanne seufzte. »Du musst heute früher fertig werden. Danach gehst du erst mal duschen. Hast du verstanden?«

Lucas stöhnte innerlich auf. Was erwartete sie von ihm? Dass er bei der schweißtreibenden Arbeit in der prallen Sonne duftete wie ein Rosenbusch? Er schluckte einen bissigen Kommentar hinunter.  »Wieso? Ich brauche mindestens noch zwei Stunden für den Rasen. Und ich sollte Mr Talbot am Bootssteg helfen. Eine Verankerung hat sich …«

»Frag nicht so dumm! Mr Talbot kann das auch allein. Wir erwarten die Familie Lancford um achtzehn Uhr zum Essen. Du musst vorher Rosalin bei den Vorbereitungen in der Küche aushelfen. Ich habe dir einen Anzug aufs Bett gelegt. Den wirst du anziehen und bei uns am Tisch essen.«

»Mit euch essen?« Er blickte sie an, als hätte sie eben Suaheli mit ihm gesprochen.

Dass er mit der Familie Patton an einem Tisch saß, war bisher nur ein einziges Mal vorgekommen. An diesem Tag nahmen sie ihn mit zu einem Anwalt, bei dem er ein paar Unterlagen unterschreiben musste, für die er extra seine Unterschrift hatte üben müssen. Zwei Tage hatte er dafür unter strenger Aufsicht gebraucht. Ansonsten waren seine Adoptiveltern um keine Ausrede verlegen, damit er der Öffentlichkeit fernblieb. Am liebsten sahen sie es, wenn ihre Gäste Lucas weder kannten noch sahen – was ihn keineswegs störte.

»Ja. Bist du taub?« Susanne verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte ihn an. Das tat sie immer, wenn sie genervt von ihm war. »Keine Ahnung, wer es war, doch irgendjemand hat von dir erzählt. Da Victoria in Oxford ist und Samuel erst in zwei Wochen zurückkommt, sitzt du eben an ihrer Stelle am Tisch. Beeile dich gefälligst, und mach später etwas mit deinen Haaren.«

Sie machte auf dem Absatz kehrt und lief unbeholfen den Kiesweg zurück, der bis zur großen Terrasse der Villa führte. Als sie schließlich außer Sicht war, drehte er den Wasserschlauch ab und setzte sich mitten auf den Weg. Seine Gedanken überschlugen sich. Er durfte beim Abendessen dabei sein. War das eine Ehre oder doch vielmehr ein zweifelhaftes Vergnügen? Auf jeden Fall würde er diesen Tag im Kalender rot anstreichen. Nur von den Gästen, der Familie Lancford, wusste er nicht viel. Wenn er sich nicht irrte,  spielte Mr Lancford regelmäßig im Bakerfield Black Forest Golf. Diese Information hatte er zufällig mitbekommen, als sich Susanne und Franklin vor ein paar Tagen darüber unterhalten hatten.

So groß das Privileg für den heutigen Abend war, so nervös und ängstlich war Lucas. Sehnsüchtig wünschte er sich seine Stiefgeschwister herbei, damit er sich in Ruhe mit einem einfachen Sandwich in sein Zimmer im Keller zurückziehen konnte.

Victoria war vier Jahre älter als er. Letztes Jahr hatte sie ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert. Eigentlich war er froh, sie nicht zu sehen, da sie inzwischen in Oxford studierte und nur ab und an nach Hause kam. Sie konnte ihn nicht leiden und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Auch sein älterer Stiefbruder Samuel bildete da keine Ausnahme. Zum Glück kehrte dieser nur zweimal im Jahr nach England zurück. Er studierte Jura an einer amerikanischen Eliteuniversität und war mit einer reichen Amerikanerin verlobt. Lucas hatte sie zu Weihnachten einmal aus der Ferne gesehen. Für ihn stand fest: Sie war genauso eingebildet wie Samuel. Selbst Samuels ständige Sticheleien, wie wichtig ein gutes familiäres Umfeld, eine hervorragende Schulbildung und persönliche Beziehungen in der modernen Zeit wären, hätte Lucas ertragen, wenn er sich dadurch vom heutigen Essen hätte fernhalten können. Doch es war beschlossene Sache, also hatte er sich ohne Widerworte zu fügen.

Er stand auf, nahm die Spritzdüse des Wasserschlauchs in die Hand und ging wieder an die Arbeit. Schließlich machte sie sich nicht von allein.

***

Auf die Minute genau kam Lucas die Kellertreppe nach oben geschlurft und stand in der Küche, in der es bereits herrlich duftete. Er schloss die Tür hinter sich, die den Keller von den oberen Wohnbereichen trennte, und lief hinaus in den Flur. Im Vorbeigehen schenkte ihm Rosalin ein anerkennendes Lächeln. Die Freude darüber verhallte, als er sah, wie ungeduldig Susanne und Franklin ihn in der großen Eingangshalle erwarteten.

Susanne trug ein enges weinrotes Cocktailkleid, das ihren freien Rücken und ihre schmalen Schultern betonte. Ihre Frisur vom Mittag war einer neuen Hochsteckvariante gewichen. Sie hatte eine dicke Schicht Make-up aufgelegt und zu viel Lippenstift benutzt.

Franklin rückte das Jackett seines dunklen Anzugs und den roten Schlips zurecht, als Motorengeräusche auf der Auffahrt zu hören waren. Die erwarteten Gäste kamen pünktlich.

Vorerst war jedoch er den kritischen Blicken von Susanne und Franklin ausgeliefert. Lucas mochte den schwarzen Anzug und die graue Krawatte nicht, es war unbequem. Die Kleidung, ebenso die Schuhe, gehörten eigentlich Samuel. Da sie die gleiche Größe trugen, hatte seine Adoptivmutter einfach zu diesem Mittel gegriffen. Wenigstens wusste Samuel nichts davon, da er dies sicherlich nicht besonders lustig gefunden hätte. Außerdem sah sein Stiefbruder in dem Anzug viel besser aus, als er sich momentan fühlte. Am liebsten bevorzugte Lucas eine alte Jeans, darüber ein T-Shirt oder einen Pullover und ein Paar Sneakers.

»Hatte ich nicht gesagt, du sollst was mit deinen Haaren machen?« Susanne stöckelte auf ihn zu.

Sie hasste seine verwuschelte strohblonde Haarmähne. Er dagegen mochte sie genau so. Um Susanne zu ärgern, hatte er seine Haare absichtlich nach dem Duschen mit ein wenig Gel verstrubbelt. Sie musterte ihn skeptisch von oben bis unten; überprüfte sogar, ob er saubere Fingernägel hatte. Obwohl es nichts zu meckern gab, kräuselte sie die Lippen.

Franklin nickte lediglich. »Alles in Ordnung, Liebling.« Er legte ihr dabei einen Arm um die Hüfte und drehte sie bestimmend zur Haustür um, an der es in diesem Moment klingelte. »Du benimmst dich gefälligst, haben wir uns verstanden?«, flüsterte er Lucas zu. »Du redest nicht, außer du wirst direkt angesprochen. Ich war von Anfang an dagegen, dass du dabei bist, aber Mr Talbot hat leider ausgeplaudert, dass du unser Sohn bist. Das wird für ihn auch noch Konsequenzen nach sich ziehen. Ein Ersatz ist schnell gefunden. Auf geschwätzige Hausmeister kann ich gern verzichten.« Franklin wandte sich ebenfalls der Tür zu und wartete, dass Butler Maximilian den Gästen Einlass gewährte.

Lucas schloss die Augen, atmete einmal tief durch und öffnete sie wieder. Sein Pulsschlag beschleunigte sich, und seine Kehle war plötzlich trocken. Franklins Drohung hatte er deutlich verstanden. Er wusste, was passieren würde, wenn er sich nicht an die Regeln hielt. Bei Verstoß erwarteten ihn mindestens ein Monat doppelt so viel Arbeit und die Großeinkäufe wären gestrichen. Was nicht so schlimm wäre, wenn er nicht zusätzlich für Franklins Wutausbrüche als Punchingball benutzt werden würde. Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal. Er erinnerte sich ungern an Franklins Tracht Prügel vor drei Monaten, genau an Susannes Geburtstag. An diesem Tag hatte er es gewagt, mit einer Freundin von Victoria zu sprechen, die eingeladen gewesen war. Dass es sich dabei um einen Streich seiner Stiefschwester gehandelt hatte, war Franklin einerlei. Blaue Flecken, Quetschungen und Prellungen hatten ihn danach wochenlang begleitet.

Aus den Augenwinkeln nahm Lucas wahr, wie Maximilian Mrs und Mr Lancford einließ. Sie wurden sofort von Susanne und Franklin heuchlerisch gut gelaunt in Empfang genommen. Überraschenderweise wirkten die neuen Nachbarn auf den ersten, aber auch nach dem zweiten und dritten Blick offenherzig freundlich und keineswegs arrogant. Das schmälerte ein wenig seine nicht unerhebliche Nervosität.

Seit dem belauschten Gespräch wusste er, dass die Gäste im gleichen Alter wie seine Adoptiveltern waren, aber ihnen sah er die Jahre nicht an. Vor allem schienen sie anders zu sein, als er es gewohnt war. An Susannes versteinertem Gesichtsausdruck konnte er deutlich erkennen, dass ihr das freundliche und jugendhafte Auftreten von Mrs Lancford missfiel, besonders weil sie in ihrem Kleid umwerfend aussah, was sogar Franklin bemerkte. Mrs Lancford hatte sich für ein knielanges schwarzes Cocktailkleid mit Pailletten entschieden, ihr Mann für einen schwarzen Anzug mit einem modernen bunten Schlips. Darin boten die Gäste einen eindrucksvollen Anblick. Mrs Lancford strahlte eine natürliche Jugendlichkeit und Leichtigkeit aus. Beides gefiel ihm.

»Das ist wohl Ihr Sohn Lucas«, sagte Mrs Lancford und näherte sich ihm mit einem Lächeln.

Er verbeugte sich höflich und drückte ihre dargereichte Hand, was er bei Mr Lancford wiederholte. Die Etikette war ihm fremd, aber zumindest eine ordentliche Begrüßung beherrschte er, weil Susanne sie ihm wohl oder übel vor Jahren beigebracht hatte. Für den Fall der Fälle, wie sie damals sagte. »Guten Abend. Ich freue mich, Sie kennenzulernen.« Auf die plötzliche Aufmerksamkeit war er nicht vorbereitet gewesen.

»Ganz unsererseits. Du bist ein hübscher, junger Mann. Schade, dass Benjamin nicht mitkommen konnte. Er ist unser Sohn. Zurzeit ist er jedoch in Spanien. Es hätte ihm bestimmt gefallen, dich ebenfalls kennenzulernen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.«

»Ihr Sohn ist in Spanien?«, lenkte Susanne ein und nahm Mrs Lancford am Arm. Sie führte ihren Gast in Richtung Speisezimmer, Hauptsache weg von Lucas.

Franklin kümmerte sich um Mr Lancford. Lucas blieb allein zurück und folgte nur langsam. Der Abend hatte nicht einmal begonnen und war bereits eine Katastrophe. Denn wenn Franklin und Susanne eines hassten, dann, dass man Lucas ansprach, als würde er zur Familie gehören und ihn genauso behandelte. Bevor er das Speisezimmer betrat, sah er aus den Augenwinkeln Maximilian, der ihm aufmunternd zuzwinkerte, was Lucas wiederum ein Lächeln entlockte. Er musste das Beste aus der Situation machen. Vielleicht würde es nicht so schrecklich werden wie befürchtet.

»Benjamin hat ein Fotoshooting in Andalusien«, hörte er dem Gespräch der beiden Frauen mit halbem Ohr zu, während sie mit ihren Männern an der großen Tafel Platz nahmen. »Er macht dort Aufnahmen für ein bekanntes Männermagazin. Er kommt Morgen erst wieder zurück. Benjamin wird oft gebucht. In zwei Wochen fliegt er nach Australien.«

So ging es eine Zeit lang weiter. Susanne brachte schließlich die eigenen Kinder ins Gespräch mit ein, wobei sie immer wieder betonte, dass ihre Tochter Victoria auf der Suche nach dem Mann ihres Lebens wäre und wie erfolgreich ihr Studium verlief. Zufällig würde sie nächste Woche nach Hause kommen, um einen Teil ihrer Semesterferien hier in London zu verbringen. Die Männer fachsimpelten über Golf. Lucas saß unsicher da und hoffte, der Abend würde schnell vorbeigehen.

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2014 by Jana Martens

Bildrechte: Coverillustration “Liebesgeschichten” (liebesgeschichten.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Das Buch wird im Dezember 2014 bei Bookshouse erscheinen:

Jana Martens
Verloren ohne dich

Verlag: bookshouse
Umfang: 468.000 Zeichen
Format: 12 x 19 cm
Erscheint: Dez 2014
4,99 EUR (E-Book)
13,99 EUR (P-Book)
Alter der Protagonisten:junge Erwachsene und Erwachsene.

Kurzbeschreibung
Lucas wird nach dem tödlichen Autounfall seiner Eltern von der Familie Patton adoptiert, doch Liebe und Anerkennung bleiben für ihn Fremdwörter. Inzwischen ist er achtzehn Jahre alt und wird als kostenlose Arbeitskraft missbraucht. Sein Adoptivvater schlägt ihn grundlos, seine Adoptivmutter schikaniert ihn, wo sie nur kann. Eines Tages tritt der freche Nachbarssohn Ben in sein Leben und Lucas’ Welt steht plötzlich Kopf. Die beiden werden Freunde und endlich scheint sein trostloses Dasein einen Sinn zu ergeben. Ben zeigt Lucas, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht, vor allem aber, was Freundschaft wirklich bedeutet. Unerwartet spielen ihre Gefühle füreinander verrückt und sie verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Eine zarte und gleichsam leidenschaftliche Liebe entbrennt, doch sie wird durch ein Netz aus Lügen auf eine harte Probe gestellt.

Die Autorin
Jana Martens – mit bürgerlichem Name Annette Eickert – wurde im Herbst 1978 in Worms am Rhein geboren. Inspiriert von vielen Romanen aus dem Genre Fantasy, Thriller und Horror erschuf sie schließlich ihre eigenen Geschichten. Das Schreiben und Lesen ist zu ihrer größten Leidenschaft geworden. Unter ihrem Geburtsnamen sind bereits mehrere Romane im Bereich High-Fantasy und ein Mystery-Thriller erschienen. Im Jahr 2013 hat Jana Martens sich entschlossen unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Momentan schreibt sie ihren ersten Gay-Romance Roman. Das Buch wird 2014 bei Bookshouse erscheinen.


http://jana-martens.jimdo.com/

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Updated: 26. Dezember 2014 — 16:39

3 Comments

Add a Comment
  1. Wer möchte mal was zur Leseprobe unserer neuen Autorin sagen? Wer hat Fragen an Sie? Einfach hier posten! .)

  2. Das gefällt mir schon etwas besser, wenigstens ist dies aus dem Leben gefriffen uhnd spielt nicht in irgendwelchen Scheinwelten. Wenn auch etwas langatmig so doch nachvollziehbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme