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Trauma und Alltag in biblischen Mythen – Was kann uns heute die Bibel sagen? Eine Betrachtung aus der Traumaperspektive von Bernd Holstiege.

Trauma und Alltag in biblischen MythenWas kann uns heute die Bibel sagen? Eine Betrachtung aus der Traumaperspektive von Bernd Holstiege.

Altes Testament

Die Bibel unter mythologischem Gesichtswinkel zu betrachten, ist für viele, vor allem fundamentalistische Christen, ein Sakrileg, eine Ungeheuerlichkeit? Gerade Traumatisierte neigen in allen Religionen zu fundamentalistischem Glauben und Sekten, in denen es nur eine, einzige und ewige Wahrheit gibt und geben darf, die als Gott vor den Bedrohungen des Lebens schützen soll. Ihre Kreuzzüge brachten und bringen dazu noch viel Unglück über die Menschheit. Für mich hat die Bibel aus der Sichtweise der Traumatisierung eine zentrale Aussagekraft für aktuelle zwischenmenschliche Konflikte und an der Schöpfungsgeschichte lassen sich sehr schön die Gesetze der Traumatisierung und ihre Folgezustände ablesen. Ein christlicher Glaube der Nächstenliebe soll bei dieser Betrachtung aus der Traumaperspektive nicht in Frage gestellt werden.

Für viele Christen und andere Religionen ist die menschliche evolutionäre Entwicklung über Millionen Jahre nach einer Auswahl dessen, was sich im jeweiligen Umfeld bewährt und überlebt hat, schwer vorstellbar. Für sie muß es infolgedessen für dieses komplexe Wesen Mensch, seine geistigen Schöpfungen, und die komplexe Welt einen geistigen Schöpfer geben, der über allem steht, wenn er mit naturwissenschaftlichen Methoden auch nicht nachweisbar ist, in ihren Augen jedoch auf geistigem Wege, den sog. Gottesbeweisen beweisbar. Dieser Schöpfer wird Gott genannt, neuerdings auch in fundamentalistischen US-amerikanischen Kreisen „intelligent design“.

Die biblische Schöpfungsgeschichte

Im Anfang war das Wort… und das Wort war bei Gott… überall herrschte Dunkelheit, da war Gott. Da sprach Gott, es werde Licht …. er schuf  Tag für Tag die Erde“. Am Anfang ist das Wort und das Wort ist bei Gott. In der biblischen Schöpfungsgeschichte sehe ich eine Allegorie oder Parabel zum schwer traumatisierten menschlichen Werdegang des Individuums wieder gespiegelt. Sie ist für mich ein treffendes und grundlegendes, schöpferisches Beispiel der Vorgänge einer Traumatisierung über Generationen hinweg – und wird in einer wunderbaren Geschichte erzählt.

Folgende Aspekte der biblischen Schöpfungsgeschichte möchte ich herausgreifen:

  1. die Dunkelheit der bedrohlichen Vorerfahrung Gottes als Symbol für die Eltern aus der kindlichen Perspektive, personifiziert im Teufel
  2. die Gegenmaßnahme des Wortes als Gebot und Verbot und als Verhinderungsstrategie
  3. die Wiedererkennung des Teufels in alltäglichen Situationen, verbunden mit einer Außenverlagerung
  4. Selbsterkenntnis und –bestimmung als Bedrohung der absoluten Sicherheit  und als frevelhafte Gottgleichheit. Aspekte des Neides und der Gleichheit
  5. Verbot alles Lustvollen
  6. dadurch die Verführung zur Übertretung
  7. der Sündenfall als Erbsünde über Generationen hinweg
  8. das Irdische Jammertal, das der Erlösung harrt
  9. Eva, das Weib als die Böse

1. Während im griechischen Mythos die katastrophalen Vorereignisse noch erwähnt sind, wenn auch das Wesentliche der Erzählung in den Folgen geschildert wird, sind in der Biblischen Schöpfungsgeschichte die katastrophalen Vergangenheitserfahrungen und Verletzungen von Gott, aus welchen Gründen er zu seinem Wort kommt, völlig verleugnet. Hinsichtlich der Motive und Hintergründe des Wortes herrscht Dunkelheit. Aber durch dieses Wort wird eine neue Welt auf dem Hintergrund der Traumatisierung geschaffen. Dies entspricht dem Alltag, daß für traumatisierte Eltern über die Gründe ihrer Gebote und Verbote Dunkelheit bzw. häufig keine Wahrnehmung herrscht, und sie die Gründe deswegen nicht benennen können. Sie sind verleugnet, unaussprechlich und unhinterfragbar. Das Wort ist absolut und die Herrschaft totalitär. Die Gründe können auch deshalb oft nicht bemannt werden, weil sie aus Vorerfahrungen früherer Generationen stammen und transgenerationell sozusagen weiter vererbt werden. Falls die Eltern ihre Gründe benennen würden, wären unter anderen Umständen und in anderen Zeiten ihre Gebote und Verbote in Frage gestellt und ihr absolutes Wort und ihre Herrschaft wären gebrochen. Das Kind könnte etwa sagen „das ist doch alles von gestern, heute sieht das ganz anders aus!“.

2. Je existenzbedrohender die Erfahrungen Gottes und der Eltern sind, desto mehr muß eine absolute und sichere Welt, das Paradies, dagegen gesetzt und in der Bibel wie im menschlichen Alltag mit allen Mitteln durch Gebote und Verbote verteidigt werden. Diese Welt stellt das göttliche und absolute Wort dar, das, da die Zusammenhänge und Hintergründe tabuisiert sind, als Wort über allem schwebt. Im Angesicht und der Erwartung der Bedrohung ist naturgemäß alles auf die Verhinderung ausgerichtet. Die Folge sind absolute Kontrolle und Macht, das unantastbare Wort, die Gebote und Verbote, die zum Göttlichen und zur Religion erhoben werden, und die Spaltung in Gott und den Teufel, das Paradies und die Hölle. Gott und der Teufel sind Gegensatzpaare als Folge der Spaltung. Zur Hölle der traumatischen Erfahrung entsteht immer ein Gegenbild des paradiesischen Zustandes des Glücks und der Unverletzlichkeit gegenüber dem Trauma.

Da der Bedrohung der Idealzustand entgegen gesetzt wird, stecken allerdings im Guten, Schönen, dem Paradies sozusagen das Böse und der Teufel.

Inwieweit das Wort über alle Zeiten und Umstände gilt, möchte ich an einem kleinen Beispiel illustrieren: Ein Student konnte wegen Ängsten nicht ins Examen gehen. Zur Vorgeschichte erzählte er, der Vater sei ständig fremd gegangen und habe dies der Mutter vorgeworfen. Später habe er sich von der Mutter getrennt und neu geheiratet. Als Folge durften beide Söhne die Mutter nicht im Stich lassen und mussten sich um sie kümmern. Das Examen hätte einen Selbstständigkeitsschritt von der Mutter weg bedeutet. Als ich den Gedanken äußerte, jetzt sei die Mutter doch frei und könne sich einen neuen Mann suchen, dann seien auch die Söhne frei, sagte der Patient “ das würde die Mutter nie tun, dann hätte der Vater ja recht gehabt!“. Folgerichtig ging der Patient keine längerfristige Therapie ein.

3. Das ursprüngliche Trauma, die Verletzung Gottes und der Eltern, personifiziert im Teufel, über den Dunkelheit herrscht, taucht im Lichte des Wortes nach den Gesetzen der Traumatisierung überall im Alltag in und an alltäglichen Dingen und Vorgängen, besonders und speziell in analogen Situationen (sog. Triggersituationen im PTBS) auf und wird dort erkannt und festgemacht. Durch dieses Wort werden alltägliche Dinge zur Bedrohung hochstilisiert. In diesen ähnlichen Situationen werden nur die Gemeinsamkeiten wahrgenommen und Unterschiede aufgrund des Verlustes der Wahrnehmung von Unterschieden, somit eine Dunkelheit, nicht wahrgenommen.

Der Verlust der Wahrnehmung der Unterschiede und Differenzierungen zeigt sich im Hirn als Verlust der Nervenfortsätze und -verästelungen, Nervenverbindungen und Veränderungen der chemischen Botenstoffe, wie neurobiologische Untersuchungen und hochauflösende bildgebende Verfahren zeigen. Aus dieser Sicht ist der Gott, der absolute Herrscher oder Tyrann sozusagen ein Gehirnkrüppel. Unterschiede zwischen der früheren traumatischen Situation und späteren ganz anderen, u. U. harmlosen Situationen können nicht mehr wahrgenommen werden. Die Angst oder Panik beispielsweise vor narzißtischen Entwertungen und Stigmatisierungen wie bei Fehlern oder Versagen, die aus der Vergangenheit stammen, werden folglich in der Zukunft und eine innere Zuschreibung wird in der Außenwelt gefürchtet. Durch die Traumatisierung entsteht eine massive Verletzlichkeit oder Vulnerabilität. Ein derartig Verletzter ist auf optimale stabilisierende Außenbedingungen angewiesen, etwa ein traumatisierter Despot auf eine unterwürfig beifallspendende Außenwelt. Falls diese ihm sie nicht gewährt, wird sie tödlich verfolgt, wie wir alltäglich bei despotischen Regimen erleben können.

In der Bibel ist diese harmlose Situation ein alltägliches Ereignis, das Essen eines Apfels. Diese wird als Verführung des Teufels von innen nach außen projiziert bzw. delegiert, delegiert dadurch, daß die Worte und Gesetze, die ursprünglich von Gott und den Eltern und aus der Selbstbestimmung des Kindes kommen an eine Außenperson, den Teufel, verlagert werden. Gott ist dadurch schuldlos, während das Kind als schuldig in Delegation von Gott stigmatisiert wird. Diesen Vorgang könnte man auch aus der Perspektive sehen, das Kind, Eva, und der Teufel sind insofern die andere, dunkle Seite und Stellvertreter Gottes.

Eltern, deren Kinder die Verbote übertreten, sehen die Gründe als Verführung der Außenwelt. Im Alltag kann dieser Teufel ein anderes Leben, andere Gesetze, reizvollere Vorbilder, oft freier und dadurch unberechenbarer gestaltet, in dem die traumatisierten Eltern die Gefahren fürchten. Eigener Wille, Eigengesetzlichkeit und Selbstbestimmung der eigenen Handlungen können nicht aus der eigenen Person, sondern nur von außen kommen. Das sind die Einflüsterungen des Teufels, werden also externalisiert. Es ist ja auch real, daß das Kind durch äußere Einflüsse Anregungen erhalten kann und den Eltern nicht mehr gehorcht, besonders heftig ab der Pubertät umkämpft. Dann sind diese Wünsche durch äußere Vorbilder zwar angeregt, aber diese kommen eigenen inneren Wünschen entgegen.

4. Dieser Tat werden zusätzlich frevelhafte, teuflische Eigenschaften zugeschrieben wie frevelhafte Gottgleichheit und der Apfelbaum wird zum Baum der Erkenntnis hochstilisiert. Durch die Hochstilisierung des Wortes als das des Gottes werden andersartige Aussagen als Gottgleichheit gesehen. In Selbstbestimmung, eigenen Erkenntnissen wird Ungewißheit und die existentielle Bedrohung gefürchtet, und sie sind somit das Böse. Unter dem Banne der Bedrohung können unterschiedliche Interessen, Wünsche und Handlungen nicht als gleichberechtigt nebeneinander stehen und zugelassen werden und werden deshalb als frevelhafte Gottgleichstellung interpretiert. Also ist absoluter, blinder (oder Kadaver)Gehorsam gefragt.

Ein weiterer Aspekt ist der des Neides und der Gleichheit und Gerechtigkeit, von Unter- und Überlegenheit. Gott und die Eltern sind ausschließlich auf die Verhinderung des Bösen fixiert und haben keinerlei Raum, Freiheit und Selbstbestimmung. Falls die Kinder sich dies nähmen, nähmen diese sich etwas heraus, was für die Eltern nicht möglich wäre, wären überlegen und Gott, der über allem steht, unterlegen. Das ist nicht zulässig, wäre ungleich und ungerecht. Dann hätten sie es besser als ihre Eltern, wenn diese in ihrer Ambivalenz, schließlich wollen alle Eltern für ihre Kinder nur das Beste, dies auch noch so sehr wünschten.

5. Lustvolles und Verführerisches, hier der Apfel als erotisches Symbol, wie alles im Bereich der Sexualität und dessen Äquivalenten, animieren besonders stark zur Selbstbestimmung und werden deswegen vor allem als Bedrohung angesehen. Den Apfel könnte man auch als verführerisches Symbol für die Brust der Frau ansehen. Eva eignet sich sozusagen ihre eigene weibliche Erotik an. Fundamentalistische Christen sind deswegen sehr lustfeindlich. In meiner katholischen Erziehung galt Onanie noch als Todsünde, laut Mythos im Todesfalle mit der Hölle bestraft, normalerweise für den Jugendlichen der einzige Grund zur Beichte und somit Existenzberechtigung des Beichtvaters, heute laut Sexualwissenschaftlern notwendig zur psychosexuellen Reifung.

6. Nun ist der eigene Willen, eigene Bedürfnisse, Interessen und Ziele meiner Ansicht nach eine ureigenste menschliche anlagemäßige Eigenschaft und muß deswegen um jeden Preis aufrecht erhalten werden, in der Kindheit als Trotz. Deswegen wird so hart darum gekämpft. Als Folge ist es zum Selbsterhalt eine menschliche Eigenschaft, gegen Verbote, deren Sinn nicht erklärt wird, die in der gegenwärtigen Realität unsinnig sind und die überhaupt die menschliche Anlage der Selbstbestimmung übergehen, zu verstoßen. Darüber hinaus werden das Verbotene und die Übertretung selbst besonders reizvoll. Der verbotene Apfel schmeckt am besten. Das Kind wird wie Eva also regelrecht zur Übertretung und zum Verstoß provoziert bzw. verführt. Im Verbot steckt also die Verführung des Teufels, von Gott und den Eltern selbst geschaffen. Die Nichtrespektierung des Willens des Kindes provoziert also Gegenreaktionen wie Trotz, Verweigerung, Sabotage und Gegenbeweise, die also die Gebote und Verbote beinhalten und durch das selbstbestimmte Handeln als Gottgleichheit angesehen werden. Das Übertreten der Gebote und der Trotz stellen das Böse, den Teufel dar. Das Brechen des eigenen Willens, keinen eigenen Wert und keine eigenen Rechte zu besitzen, nicht ernst genommen zu werden und die fehlende Förderung und Verurteilung eigener Wünsche, Absichten und Ziele, also der Selbstbestimmung und Freiheit, sehe ich als eine weitere grundlegende Traumatisierung an. Im Alltag ist der eigene Willen von Drohungen, Negativprophezeiungen und Strafen begleitet.

Selbst die katholische Kirche in ihrer Würde, Ihrem Prunk und ihrer Heiligkeit ist bei den irdischen Stellvertretern gerade deshalb nicht vor den Übertretungen ihrer hohen Normen wie das Zölibat gefeit. Je strenger sie sind und je frühkindlicher die Traumatisierungen sind, desto mehr beziehen sie sich in pervertierter Form, am Kind etwas wieder gut zu machen, was an ihnen verbrochen wurde, als Pädophilie auf Kinder. Ich habe noch nie so schmutzige Sexwitze wie bei ehrwürdig erscheinenden Nonnen gehört, als ich als junger Arzt hinzu trat und sie ungeniert weiter erzählten.

7. Da das Kind noch kein eigenes Welt- und Selbstbild aufgrund eigener Erfahrungen, Bewertungen und Bedeutungen besitzt, übernimmt es diese grundlegenden Erfahrungen mit und von den Eltern in sein Weltbild, ist mit den Überzeugungen der Eltern und mit den Verboten der Gotteltern identifiziert, die ja in besten Absichten böses verhindern wollen, und verinnerlicht die eigenen Verstöße als Schuld und Sünde, wofür es bestraft wird. Das Kind wie Eva gerät in einen unauflöslichen inneren Zwiespalt, einerseits mit den Eltern identifiziert zu sein, deren Bilder zu übernehmen, andererseits dagegen verstoßen zu müssen. Die Strafen wird es trotz der Schmerzen als gerecht empfinden. Die Übermittlungen und Prägungen über Generationen spiegeln sich in dem Bild der Erbsünde wieder. Traumatisierte Kinder geben als Eltern ihre Traumata schließlich an die nächste Generation weiter.

8. Die existentielle Vorbedrohung Gottes und der Eltern und der Anspruch an die Umwelt, dies zu verhindern, werden zu einem Anspruch und einer Forderung an die Kinder. Diese haben ihre Eltern vor den Bedrohungen zu schützen und dadurch die Verbrechen der Vorfahren auszugleichen, wieder gut zu machen und dafür gerade zu stehen, für Dinge, die nicht ausgesprochen werden und die sie nicht kennen können, wie sich gerade in der biblischen Schöpfungsgeschichte zeigt. Falls sie sich nicht an die Gebote halten und Verbote übertreten, sehen Gott und die Eltern in ihnen die Gründe der Bedrohung. Dazu ein typischer Satz „Du machst mir solche Sorgen, Kummer und Ärger!“ für Dinge, um die sich andere nicht traumatisierte Eltern keinerlei Sorgen machen. Diese Konflikte mögen sich um die Nahrung, Ordnung und Sauberkeit, Gesundheit, Benehmen oder um Noten in der Schule abspielen.

In alten literarischen Überlieferungen und Märchen wie dem Faust wird oft die Seele an den Teufel verschrieben, um Glück, Macht und Reichtum zu erlangen. Dies entspricht dem Alltag, wenn das Kind seine Selbstbestimmung aufgibt, um den Eltern keine Probleme zu bereiten und ihnen zu gefallen, also von ihnen den Reichtum der Liebe und Anerkennung zu erhalten. Gleichzeitig erhält das Kind Macht über die Eltern, da deren Wohlbefinden von dieser Selbstaufgabe und Unterwerfung abhängt.

Ein Dilemma bzw. eine Beziehungsfalle entsteht durch die Selbstaufgabe durch Anpassung und Unterwerfung, dadurch aber des Wohlwollens der Eltern gewiß zu sein, andererseits durch die Stigmatisierung des Bösen und die Schuld des Lebens nicht mehr froh werden zu können. Im Angesicht vielfältiger Bedrohungen, ausgelöst durch das über allem schwebende Wort und die Erbsünde, wird das Leben wie im biblischen Mythos zum Irdischen Jammertal. Dieses harrt der Erlösung, personifiziert in Jesus Christus. So wie als Folge einer ursprünglichen Traumatisierung Sünde und Schuld von Gott geschaffen wurden, kann die Erlösung nur durch Gott stattfinden. Es wäre eine frevelhafte Gottgleichheit, sich selbst oder durch menschliche Hilfe aus der Erbsünde und dem Irdischen Jammertal heraus zu führen.

9. Daß Eva, das Weib die Böse ist, beschreibt auch die Tatsache, daß in den meisten Kulturen die Frau und Mutter als hauptanwesende Person die Erzieherin und Prägerin des heranwachsenden Menschen ist und somit sie infolge ihrer teuflischen Einflüsterungen als Folge ihrer eigenen Traumatisierungen die Böse ist. Meiner Ansicht nach fanden deswegen die Hexenverbrennungen statt, das Symbol Hexe stellvertretend für die böse Mutter, in deutschen Märchen die Stiefmutter. Man könnte die Stigmatisierung Evas und der Frau auch als Rache an den Müttern ansehen. Wegen der befürchteten Macht der Mütter und Frauen werden aus dieser Perspektive Frauen wenig in höhere Positionen der Berufswelt hinein gelassen und dort schlechter bezahlt, während sie in unteren Positionen als Hilfskräfte ausgenützt werden. Die Männer wollen unter sich bleiben. Auch hatte ich mehrere Patienten, die sich von einflussreichen Frauen weniger als von Männern abgrenzen konnten, unter diesen litten und schwer erkrankten.

Zum patriarchalischen, christlichen Weltverständnis gehört, daß es sich um einen männlichen und nicht um einen weiblichen Gott handelt. Dieses halte ich für eine Verleugnung der Macht und des Einflusses der Mütter, also mehr eines Matriarchats, gleichzeitig für eine Verschiebung von der Mutter auf den Vater, zu dem mehr Distanz besteht, weil sich viele Väter nicht so sehr um die Prägung und Erziehung ihrer Kinder kümmern, ihre Gebote und Gesetzte nicht so sehr im Kind stecken, dadurch besser wahrnehmbar sind und nicht eine so starke existentielle Bedrohung darstellen. Die Mutter hat sich stärker durch ihre Nähe und ihre alltäglichen Verhaltensweisen, für das Kind nicht wahrnehmbar und selbstverständlich, in dessen Selbst eingepflanzt und diese werden zu einem Teil das Selbst des Kindes.

Als Folge der Erbsünde und des Irdischen Jammertales werden in der Bibel verschiedene Geschichten erzählt wie die von Sodom und Gomorrha, der Sintflut, der Gefangenschaft und des Leidens in Ägypten und des Hiob. Der Volksmund spricht von Hiobsbotschaften. Ein Beispiel für den beabsichtigten Sohnesmord ist die Geschichte von Abraham und Isaak. Der Vater ist zur Verhinderung von Bedrohungen und als Prüfung zur Verherrlichung Gottes sogar bereit, seinen eigenen Sohn zu opfern.

Kain und Abel

Ein alltägliches Beispiel der Spaltung des guten und bösen Kindes stellt die Geschichte von Kain und Abel dar. Die Vergabe des Wohlwollens von Gottvater durch Bevorzugung und Benachteiligung seiner Söhne erzeugt beim Benachteiligten eine solche Wut, und zwar nicht auf den Verursacher, dieser ist als Gott unantastbar, da er das Ziel der Anerkennung ist und somit nicht angegriffen werden darf, daß er auf seinen Bruder los geht und diesen erschlägt. Dieser Sachverhalt, wohl nicht so tödlich, findet sich in Familien alltäglich wieder, wo Neid und Eiferssucht unter den Kindern erzeugt werden und diese aufeinander losgehen, sich streiten, der Streit unterdrückt und dadurch gesteigert wird. Kürzlich sagte mir ein Patient, es gebe 2 Varianten, sein Vater herrsche mit Schuldgefühlen, die Mutter mit Gegeneinander-Ausspielen.

Ich sehe die Schuldzuweisung unter dem Aspekt der Abwehr und Entlastung von Scham. In einem für alle Seiten peinlichen Geschehen erlöst die Schuld von Scham –  für Gottvater, aus welchen Gründen bei sich selbst er es nötig hat, sich zum Maßstab aller Dinge hoch zu stilisieren, den einen Sohn aufzuwerten und den anderen fertig zu machen, für jeden der Söhne, daß sie diese Bewertungen einfach übernehmen und daran glauben, wie dies zwangsläufig mit Kindern geschieht, statt den Vater an seine eigene Nase zu fassen, der eine wird verführt, muß aber seinen Absturz im späteren Leben fürchten, wo er zum Normalmaß zurechtgestutzt wird, der andere übernimmt solche blödsinnige Bewertungen und Stigmatisierungen und bestätigt sich in der Rolle des Bösen –  wird die Schuld auf einen abgewälzt, wodurch die übrigen entlastet sind. Dies entspricht einem weit verbreiteten Gruppenphänomen der Sündenbockrolle oder dem Schwarzen Schaf.

Copyright © 2012 by Bernd Holstiege

www.bholstiege.de

Glossar:

Ambivalenz:   Zusammengehörigkeit und Doppelwertigkeit von verschiedenen, teils widersprüchlichen Wünschen und Gefühlen. Die Ambivalenz gehört zum Leben eines jeden Menschen, da alles seine Vor- und Nachteile, guten und schlechten Seiten hat.

Externalisierung: Nach außen Verlagerung eigener Anteile oder Projektion

PTBS: Posttraumatisches Belastungssyndrom. Es beschreibt die Persistenz und Nachfolgesymptomatik des ursprünglichen Traumas.

Ontogenese: Die Entwicklung des Individuums

Literatur:

Die Bibel, Altes Testament

Drewermann, E.: Strukturen des Bösen, 3 Bde., Olten/Freiburg I 101995; II 71985; III 71992.

Drewermann, E.: Tiefenpsychologie und Exegese, Bd. 1: Traum, Mythos, Märchen, Sage und Legende, Olten/Freiburg 21984; Bd. 2: Wunder, Vision, Weissagung, Apokalypse, Geschichte, Gleichnis, Olten/Freiburg 21986.

Spiegel, Yorik.: Doppeldeutlich. Tiefendimensionen biblischer Texte, München 1978.

Raguse, H.: Zur psychoanalytischen Deutung von biblischen Texten: WzN 38 (1986) 18-26.

Wurmser, Leon: Die Maske der Scham. Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten. 2. Auflage. Springer-Verlag 1993. ISBN 3-540-56205-2.

Hilgers, Micha:  Scham. Gesichter eines Affektes. Vandenhoek & Ruprecht 1996. ISBN 3-525-45600-3.

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Mitwirkung (sonst.): Rockstroh, Falk
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14 Comments

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  1. Gott war schwer traumatisiert und hat deshalb das Universum erschaffen?????

    So langsam kann ich mich für die Gräueltaten der Inquisition erwärmen. Ich bin zwar kein praktizierender Christ, aber das schlägt doch dem Fass den Boden aus.

    Mein Tipp: Bitte, bitte kommentiert diesen Mist nicht und auch ich werde mich ab sofort nicht mehr zu Traktaten dieses Herrn mehr äußern.

    Und mein Aufruf an die Chefredaktion des sfbasars: Verzichtet bitte in Zukunft auf solche Beiträge. WIR SIND HIER KEIN PSYCHO-DEBATTIER-CLUB UND DER EINZIGE, DER AUF DIE COUCH GEHÖRT, IST DER VERFASSER DES TRAKTATES!

    mgg
    galaxykarl 🙁

  2. Ein bisschen Stimmung muß schon sein, sonst ist ja nichts mehr los hier und die Verlage denken sonst noch, wir wären im Winterschlaf, huch ist nicht nächste Woche Frühling? 😉

    Wo seid Ihr denn alle? Unter der warmen Decke und traut Euch nicht ins kalte? Aber keine Angst Freitag, soll es 20 Grad warm werden, also macht die Winterreifen runter und ab mit dem Bart; und den Fellmantel in die Mottenkiste und die schweren Winterstiefel in den Keller! DER FRÜHLING WILL DURCHSTARTEN! 😀

  3. Hier treffen meiner Meinung nach wieder die drei L zu, wie bei allen Artikeln von Herrn Holstiege: Lang, langatmig, langweilig! Normalerweise habe ich keine Probleme auch längere Texte dieses Genres zu lesen, hier überkommt mich, ganz abgesehen vom Inhalt, die große Langeweile und ich sehne schon nach kurzer Einlesephase schmerzlichst das Ende herbei!

    Durch die ständigen Wiederholungen des Wortes Trauma, wird weder der Text besser, noch die Aussage schlüssiger. Was ich von der Aussage des Textes ansich halte, behalte ich lieber für mich, denn würde ich mich hierzu näher äußern, brächte ich kaum bis keine Höflichkeit mehr aufs Papier respektive auf den Monitor.

    Der ganze Text legt für mich die Vermutung nahe, dass Herr Holstiege hier versucht seine eigenen Traumata, die er in bezug auf die katholische Kirche entwickelt zu haben scheint, mit diesem Artikel zu verarbeiten. Da stellt sich für mich zwangsläufig die Frage, ob sich hier das richtige Publikum für solche privaten Problemverarbeitungen finden lässt, schließlich sind wir kein Esoterik-Selbsthilfe-Blog sondern ein Literatur-Blog und von Literatur sind die Artikel des Herrn Holstiege so weit entfernt, wie der Einzeller vom Homo sapiens sapiens.

    Ariana Lazar

  4. Liebe Ariana, herzlichen Dank. Ich dachte schon, ich bin der Einzige, der hier diesen Blödsinn anprangert.

    Und ich stimme dir zu und fordere Detlef auf, hier endlich einen Schlussstrich zu machen: Schmeiß den Kerl aus dem Blog. Und wegen „… ein bisschen Stimmung“ würde ich nicht riskieren, dass uns Verlage und Leser nicht mehr für voll nehmen.
    WIR SIND HIER KEIN ESOTERIK- ODER PSYCHO-SELBSTHILFE-BLOG!

    mgg
    galaxykarl

  5. Jawoll. Ich glaube, dieser Blog ist die Couch, auf der sich der Verfasser niedergelegt hat. Er liegt, und wir lesen in seinem … ich nenne es mal Kaffeesatz.
    Ich bin zwar manchmal im Denken wohl ein bisschen konservativ (langsam? – manchmal kleinlich ;-)), aber im Allgemeinen sehr aufgeschlossen. Denke ich. Aber mit diesem Artikel kann ich leider nichts anfangen.

    Wenn ich das kommentiere, wird das vom Verfasser sicherlich mit derselben beharrlichen Resistenz gegen andere Argumente abgeschmettert und ins eigene oben beschriebene Weltbild eingepasst werden. Schade.

    Jetzt habe ich ja doch kommentiert :-(.

  6. Leider muss ich Euch enttäuschen: Die Verlage, die das bislang verfolgt haben, finden es gut, das wir auch solche Themen hier ansprechen. Ausserdem ist der Artkel des Autors ja nur der Aufhänger um das darunter angebotene Buch vorzustellen, gegen das ja nichts zu sagen ist. Ein Vorschlag von mir: ich stelle ich hier hin und wieder Beiträge ein, in denen ich Pressetexte zitiere und darunter einen aktuellen Buchtipp zum Thema. Wie wäre es, wenn auch andere Communityautoren solche Beiträge hier posten? Bestimmt hat doch der eine oder andere einen interessanten Artikel gesehen oder würde gern ein gutes Buch dazu vorstellen? Leider muß ich ohne Unterstützung in diese Richtung, sehen, wie ich hier Bücher vorstelle, da ich das aber nicht ganz alleine schaffe, da mein Zeitbudget auch nicht endlos ist, muß ich ja irgendwie den Blog am Laufen halten. Nur die Beiträge des Autors zu kritisieren ohne dann für Ersatz zu sorgen finde ich schon ziemlich unfair!

  7. Ein Blog auf dem nichts los ist ist schlimmer als einer auf dem Kontroversen ausgetragen werden. So jedenfalls hat sich mir eine Pressedame gegenüber am Telefon zu den Artikel dieses Autors geäußert! Und jetzt? Soll ich den Blog lieber umbenennen in „Der Schlafblog“?

  8. Wie wäre es denn mit „Schneewitttchens Traum“? *duck und weg*

  9. An sich hätte ich angenommen, daß Kurzgeschichtenerzähler etwas von der Symbolisierung verstehen, hier die Rückführung oder Übersetzung von symbolischen Erzählungen, (an die bei der Bibel oft sicherlich real geglaubt wird), auf die Gegebenheiten unseres Alltags. Leider ist es eine Eigenschaft vieler Menschen zu verdammen, was man nicht nachvollziehen kann, und leider hat sich bisher hier in dem Block niemand gefunden, der einiges nachvollziehen oder es sogar als Anregung aufnehmen kann. Aber immerhin, es wird hineingeschaut und emotional beantwortet. Wie wohl jeder Mensch passe ich alle Aussagen in mein Weltbild ein.

    Die Bibel als mythische Erzählung aufzufassen, ist sicherlich höchst unvertraut – mir ursprünglich auch. Vertrauter ist die Übersetzung deutscher Märchen oder der griechischen Sagen, wo etwa an der Ödipussage ein Sigmund Freud die Psychoanalyse aufgehängt hat, eine inzwischen ziemlich anerkannte Wissenschaft -von den Krankenkassen werden die Kosten als Heilverfahren übernommen -, die ursprünglich die hellste Empörung und Verurteilung hervor gerufen hat. Bei der jetzigen Verurteilung kann ich wohl kaum noch mit der Symbolhaftigkeit etwa der Heiligen Familie oder der Kreuzigung von Jesus kommen. Dann werde ich in Grund und Boden gestampft, und die Frage kommt umso mehr auf, was das Ganze in einem Literaturblock zu suchen hat.

    Auf die Sinnhaftigkeit der Bibel kam ich vor einigen Jahren durch einen Nebensatz in einem Buch von Manuel Garcia Marquez „…die Jungfräulichket in der bürgerlichen Familie“. Spontan fiel mir ein, „das ist ja nicht nur in Südamerika so, sondern auch bei uns, wir sind ja auch eine christliche Kultur (in vielfachem Sinne)“, dachte an das verehrte Heiligenbild der Jungfrau Maria, den Gegensatz von Nonnen und Huren (dort kann der Mann alles machen, wofür sich seine Frau zu schade ist und sie ihm zu schade ist. Schließlich wollen viele Männer anständige Frauen. Die Dimension wird deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, daß geschätzt täglich 1 Million deutscher Männer zu Huren Kontakt haben, bei geschätzten 400000 Huren kein Wunder) und begann mir Gedanken über die Bibel zu machen. Mancher wird meinen, ich ziehe das Heilige Buch durch den Dreck. Dann ist es schöner in galaktischen Sphären zu schweben, literarisch hochwertige Kurzgeschichten zu schreiben, gegen die nichts zu sagen sind, und viel Dreck bei den Boten unangenehmer Nachrichten zu sehen.

    mgg Bernd

  10. Diskussion über “Das Buch”(TM)? In einem Literatur-Blog?!

    Über Buch-Traumata? Gerne auch.

    Dass ich in meiner frühen Jugend nicht über “Das Buch”(TM) diskutieren durfte, war traumatisch. Alles was in der Bibel steht, galt als “Wahrheit” und stand im Zweifel über der „Wahrheit“ der Naturwissenschaften. Erst ein Lehrer in der Oberstufe hat mir Anfang der 80 Jahre anhand von Erzählformen das Deuten der Bibel näher gebracht. Zudem hat mir Blindem damals der Film “Yentl” die Augen geöffnet und einen Blick in die biblische Diskussions- und Auslegungskultur gewährt. Ich diskutiere gerne, aber inzwischen immer mehr mit dem Ziel, dass die Diskussion meinen Horizont erweitert und nicht um des Diskutierens willen.

    Bereits beim Titel des Textes von Bernd Holstiege mußte ich unmittelbar an den Namen Drewermann denken. Und so war ich ziemlich verdutzt, dass jener am Ende zwar unter Literatur genannt wurde, aber dann Werbung für eine click-dich-hoch-CD kam.

    —-
    Detlef Hederich sagt:
    … ist der Artkel des Autors ja nur der Aufhänger um das darunter angebotene Buch vorzustellen, gegen das ja nichts zu sagen ist.
    —-
    Aha, es geht also gar nicht um den Artikel oder dessen Inhalt? Es geht um die Audio-CD: “Alles was man wirklich wissen muss”. in ca 45 Minuten? Wowww! “Christian Nürnberger erzählt … die wichtigsten Geschichten … und erklärt, worin die revolutionäre Botschaft des biblischen Geschehens liegt – lebensnah und überraschend aktuell.”

    Wer ist Christian Neuberger? Auf welcher Basis entscheidet er für mich als Hörer und Clicker, was ich wirklich wissen muss? Und woher weiss er, was die revolutionäre Botschaft des biblischen Geschehens ist? Kannte er meinen Religionslehrer oder hat er bei Eugen Drewermann oder bei Erich Fromm studiert. Bei Amazon findet sich ein Hinweis, dass Herr Neuberger zusammen mit Petra Gerster in Mainz lebt. Ein bisschen mager für die Legitimation einer CD-Werbung, auch wenn mein Y-Chromosom über 350 Jahre lang in Mainz gelebt hat. Wenn ich mir die CD Werbung näher betrachte, dann scheint mir das Wesentliche an dem Produkt zu sein, dass man was hört, was sieht und clicken kann. Diese Literaturform ist ungemein wichtig, weil mainstream. Und das meine ich jetzt sowohl ironisch als auch ernst. Ich habe nichts gegen Bibel-Geschichten als Kinderbilderbücher a la “Alter Mann mit Bart auf Wolke” oder das Karfreitagsgeschehen als Splatter-Comic.


    Wikipedieren kann ich. Was ich dort über C. Neuberger lese, klingt für mich plausibel genug, dass er “lebensnah und überraschend aktuell” das biblische Geschehen näher bringen kann. Und wer ist der Argon Verlag? Die Homepage musste ich mangels Link googeln. Dort finde ich einen Blog mit Impressum, aber keine Seite zur “Philosophie des Hauses / Wir über uns”. Mager… Hat der Verlag irgend eine weltanschauliche Ausrichtung? Die Art und Weise, wie die CD als DAISY Produkt beworben wird, scheint mir nicht zum Produkt zu passen. Ob ich mir als Clickhörer der CD auch alles im Internet selbst zusammengoogeln muss?

    —-
    Detlef Hederich sagt:
    Nur die Beiträge des Autors zu kritisieren ohne dann für Ersatz zu sorgen finde ich schon ziemlich unfair!
    —-

    Nur den Artikel reinzuhängen um Stimmung zu machen und die Clickzahlen zu erhöhen finde ich … passend zum (ge)werblichen Konzept des Blogs (wertungsfreie Feststellung – bevor Fragen kommen).
    Meine Ersatzempfehlung wäre, anstelle der CD ein Buch von Eugen Drewermann zu empfehlen. Oder meinen utopischen Kommentar-Favoriten zur Bibel: Erich Fromm, “Ihr werdet sein wie Gott”. Aber vielleicht tue ich Dir unrecht. Vielleicht hast Du die CD geclickhört und es werden dort nicht nur Geschichten erzählt sondern es geht dort um Traumata und die Beziehung des Menschen zu Gott. Vielleicht habe ich die Werbung nicht genau gelesen und den Zusammenhang zwischen Holstiege und Neuberger nicht erkannt. Da steht schließlich “erklärt, worin die revolutionäre Botschaft des biblischen Geschehens liegt – lebensnah”.

    —-
    Galaxykarl sagt:
    
… fordere Detlef auf, hier endlich einen Schlussstrich zu machen: Schmeiß den Kerl aus dem Blog.
    —-

    “Der Kerl” hat den Text doch gar nicht eingestellt. Erwartest Du, dass Detlef sich selbst rausschmeißt?!


    Berd Holstiege sagt:
    An sich hätte ich angenommen, daß Kurzgeschichtenerzähler etwas von der Symbolisierung verstehen, …
    —-

    Märchen sind out seit die Lagerfeuer und Kamine aus sind. Flamen scheint eine Kompensationshandlung des homo internetiensis zu sein.

    Heutige Kurzgeschichten sollen (laut mainstream-Lehrmeinung) bereits mit Action anfangen. Im Vergleich zu den Märchen (an die ich mich erinnere), wird heute das Geschehen rückwärts erzählt. Im ersten Satz das Blut vergießen. Danach schauen wir, wer es vergossen hat und für wen. Und ganz vielleicht noch, warum. Moralisiert werden braucht nicht mehr. Es ist von Anfang an klar, wer im Recht ist: der Täter, schon alleine aufgrund des Milieus, in dem er aufwuchs und der damit verbundenen Traumata. Und der Tote “hat’s verdient” oder ist der Schwächere (vgl. Darwin).

    Tja … zur Diskussion über “Das Buch”(TM) habe ich nun nichts beigetragen. Aber das ist ja auch nicht der Gegenstand der Diskussion.

    Immerhinque Interesse an dem DAISY Produkt habe ich jetzt bekommen. Sowohl am Inhalt als auch an der medialen Form. Ausgeben werde ich das Geld dafür nicht. Die CD ist drei Jahre alt. Da darf ich angesichts unserer schnelllebigen Zeit skeptisch sein, ob das Produkt noch “lebensnah und überraschend aktuell” ist. Es müsste nämlich inzwischen auf Mac OS 10.6, 10.7 und 10.8 (August 2012) vollumfänglich nutzbar sein. Vielleicht sollte ich stattdessen eher “Das Buch”(TM) lesen. Das dafür nötige Betriebsystem ist seinerzeit “Am Anfang …” mitgeliefert worden und benötigt zum Laufen keine Steckdose sondern nur Brot und Wein.

    Herzliche Grüße an alle,
    Martin (Ott)

    meine inzwischen 20 Jahre alte email-signatur:
    “Am Anfang war das Wort … am Ende nur noch Fe_56.” (Buch Forticus 1,∞)

  11. Hätte gerne ein Buch reingestellt finde aber so garnichts aus 2012. Vielleicht kannst du ja einen Buchtipp aus 2012 hier als Ergänzung in den Kommentar stellen?

  12. Eine Literaturempfehlung habe ich gegeben. Der gedruckte Fromm ist zwar aus den 60ern, aber zeitloser als eine CD von 2009 mit nicht bekannten Systemvoraussetzungen.
    Du schriebst:
    „Ausserdem ist der Artkel des Autors ja nur der Aufhänger um das darunter angebotene Buch vorzustellen, gegen das ja nichts zu sagen ist.“
    Das deute ich als: die CD Werbung steht im Vordergund und „der Holstiege“ ist nur ein Vorhängsel.

    P.S.: danke fürs Löschen vorhin

  13. Vom wirtschaftlichen gilt das für alle Beiträge hier im Blog, wie sollten wir uns sonst finanzieren?

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