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Studie: Zeitarbeit keine Brücke zur Festanstellung / Buchtip der Redaktion: Sven Friedrich: Der Funktionswandel von Zeitarbeit – neue Chancen für eine Human-Relations orientierte Perspektive?

PRESSEMELDUNG (ZITAT): „Gütersloh (dpa) – Zeitarbeit und befristete Verträge werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt immer wichtiger, sind aber nur selten Sprungbrett für eine Festanstellung. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag vorgestellten Studie der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. (…)“

Gesamte Pressemeldung.

Buchtip der Redaktion:

Sven Friedrich
Der Funktionswandel von Zeitarbeit – neue Chancen für eine Human-Relations orientierte Perspektive?

Eine Analyse des Spannungsfeldes Idealität versus Praktikabilität anhand von qualitativen Beispielen

Verlag :      Diplomica Verlag
ISBN :      978-3-8366-8919-9
Einband :      Paperback
Preisinfo :      38,00 Eur[D] / 38,00 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      130 S. – 27,0 x 19,0 cm
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 04.2010
Gewicht :      278 g

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Kennzeichnend für Zeitarbeit ist ihre besondere Akteurskonstellation von Zeitarbeitnehmer, Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen. Diese Dreiecksbeziehung stellt ein vergleichsweise komplexes Gebilde dar, welches sich von konventionellen Arbeitsverhältnissen deutlich unterscheidet und insbesondere für den Zeitarbeitnehmer eine Herausforderung darstellen kann.

Vor diesem Hintergrund nimmt der Funktionswandel von Zeitarbeit eine besondere Bedeutung ein. Er manifestiert sich im Wandel der betrieblichen Einsatzlogik des Kunden. Zeitarbeit dient somit nicht mehr allein der temporären personellen Flexibilität, sondern entwickelt sich zu einem dauerhaften Betriebsphänomen zwecks einer permanenten Lohnkosteneinsparung. Daher muss grundsätzlich zwischen traditioneller und neuer Einsatzlogik unterschieden werden.

Die traditionelle Einsatzlogik induziert temporäre, instabile Dreiecksbeziehungen. Damit einhergehend besteht eine ausgeprägte Tendenz zur Versachlichung des Zeitarbeitnehmers als Ware Arbeitskraft, jedoch zugleich eine höhere Wahrscheinlichkeit seiner Übernahme in den Kundenbetrieb. Tatsächlich stellt die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis für die Zeitarbeitnehmermehrheit das Hauptmotiv dar.

Die Einsatzdauer beim Kunden ist auf Basis der neuen Einsatzlogik zwar vergleichsweise länger, was eine höhere Beziehungsstabilität der Dreiecksbeziehung impliziert, jedoch ist damit ebenso eine vergleichsweise geringe Übernahmewahrscheinlichkeit verbunden. Das dominierende Zeitarbeitnehmermotiv wird folglich ad absurdum geführt.

Zum Einen besteht nunmehr ein erhöhtes Risiko motivischer Diskrepanz zwischen Zeitarbeitnehmer und Kundenunternehmen. Zum Anderen verfestigt sich die marginale Zeitarbeitnehmerposition im Einsatzbetrieb dauerhaft. Im Rahmen des Funktionswandels von Zeitarbeit lassen sich also eine Verschlechterung der Situation für den Zeitarbeitnehmer und somit ein erhöhter Bedarf hinsichtlich einer positiven Umgestaltung konstatieren.

Das Gestaltungspotential der Dreiecksbeziehung gilt aufgrund ihrer spezifischen Rahmenbedingungen als stark eingeschränkt. Grundlegende Umwälzungen, die die Organisationsstruktur bzw. den Arbeitsinhalt betreffen, kommen per se nicht in Frage.

Vor diesem Hintergrund erweist sich der traditionelle Human-Relations Ansatz, der die Förderung sozialer Aspekte fokussiert, als kompatibel. An dieser Konzeption angelehnt lassen sich praxisorientierte Maßnahmen entwickeln, die zu einer Verbesserung der Situation von Zeitarbeitnehmern beitragen können.

Die Überprüfung der Praktikabilität einer Human-Relations orientierten Zeitarbeit anhand von drei Fallstudienunternehmen aus der Zeitarbeit zeigt ein differenziertes Bild. Neben neuen interessanten Einsichten in die Welt von Zeitarbeitsunternehmen wird deutlich, mit welchen Problemstellungen Zeitarbeitsfirmen konfrontiert werden und welche Strategien diese dagegen entwickeln.


Sven Friedrich, wurde 1981 in Sokoto, Nigeria geboren. Sein Magisterstudium der Soziologie mit den Schwerpunkten Arbeit und Organisation schloss er 2009 an der Universität Bremen erfolgreich ab.

Aufgrund seines Interesses für menschenzentrierte und nachhaltige Personalarbeit belegte er zusätzlich das personalwirtschaftliche Zertifikatsstudium „Magister Optimus“.

Während seines Studiums sammelte der Autor ebenfalls erste berufliche Erfahrungen in der Zeitarbeitsbranche, wo er die komplexe Praxis der triangulären Beziehungsstruktur von Zeitarbeitnehmer, Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen direkt erlebte.

Angesichts dieser Erfahrung setzte er sich mit der Frage auseinander, welche positiven Gestaltungspotentiale die Dienstleistung Zeitarbeit auf Grundlage eines beziehungs- und organisationsstrukturellen Blickwinkels in sich birgt. Mit dem vorliegenden Buch widmet sich der Autor dieser Thematik.

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Updated: 28. April 2010 — 11:44

3 Comments

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  1. Felis Breitendorf

    Leider ist ja dieser Band mit knapp 300 Gramm zu leicht um ihn den Politikern mal in den TV-Talksendungen auf den Kopf fallen zu lassen, die immer noch bei Ihren andersweitigen Behauptungen verharren, da sie keinerlei Sinn mehr für die Realität einer solchen Arbeit haben! Hauptsache ihre Kontostand stimmt am Monatsende!

  2. Mannomann, was für ein Gesülze!

    Tut mir leid, Herr Friedrich, aber allein der obige Textauszug bringt mich auf die Palme. Zum Einen, was die Angliszismen und personalpolitischen Schlagworte betrifft, spiegeln sie doch genau den vernebelnden Schwachsinn wider, der uns Arbeitern und Angestellten von den Politikern und Arbeitgebervertretern um die Ohren gehauen wird. Zum Anderen, weil die ganze Tragik, Sinnlosigkeit und menschenverachtende Behandlung der arbeitenden Bevölkerung hinter „pseudo“-wissenschaftlichen Satzkonstrukten verschleiert wird.
    Fakt ist, dass die Zeitarbeit weder die Qualität der Arbeit, noch die Zuverlässigkeit von Unternehmen, welche Zeitarbeiter auf Kunden loslassen, damit verbessern konnte. Das liegt doch auf der Hand. Ein Zeitarbeiter mag für sich ein guter, sogar sehr guter Fachmann sein. Doch er wird das ihn beauftragende Unternehmen nur zum Teil – und desssen Produkte ebenfalls! – nicht aus dem ff kennen. Somit ist seine Leistung vor Ort der eines erfahrenen, langjährigen Mitarbeiters des Betriebes immer unterlegen.
    Die Hoffnung auf ein anständiges, dauerhaftes Arbeitsverhältnis ist mit einer permanenten Bewerbung, samt ebenso andauernder Absagen gleichzusetzen. Das dies ihn statt zu motivieren, eher – und dauerhaft! – frustrieren wird, ist einfach menschlich. Wer ständig enttäuscht, hin- und hergeschubst wird, sich nicht in ein Team, in eine Belegschaft integrieren kann, weil er nicht darf, der wird doch niemals zu einer Spitzenkraft werden, sondern immer Mittelmaß- Und austauschbar! Und DAS ist exakt der Punkt, der die Unternehmen interessiert, welche Zeitarbeiter benutzen. ja, benutzen, nicht beschäftigen. Sie sparen sich Einarbeitung, Fortbildung, soziale Leistung, Abfindungen, Lohnzahlungen bei schwächerem Auftragseingang.
    Die Arbeitsleistung an sich, der Service für die zhalnenden Kunden ist ihne scheissegal.

    In den 80er demonstrierten wir Gewerkschafter gegen KAPOVAZ, was für kapazitäts-orientierte Arbeitszeit steht. Und jetzt haben wir genau das. Die (Zeit)arbeitende Bevölkerung hockt am Telefon und wartet auf eine Anforderung. Ist man beim Einkaufen, beim Arzt oder sonstwo: Zack, wird jemand anderes angefordert und zeitweise benutzt. Die Folge sind von Herr Sven Friedrich richtig reklamierte soziale Verarmung und – vereinsamung.

    Ich bin über 30 Jahre berufstätig, ein sogenannter Leistungsträger. Dies konnte ich werden, weil ich in den Genuss anständiger Arbeitgeber kam, die einem Zeit ließen, so eine Position sich zu erarbeiten.
    Der junge 25jährige Spitzenarbeiter mit 20jähriger Erfahrung, unverheiratet, ungebunden, flexibel und niemals krank ist ein Märchen, welchem die Arbeitgeber immer noch hinterherträumen.

    Ihr Schlafmützen in den Sesseln der Personalabteilungen, ihr eiskalten, menschenverachtenden Manager: Wacht auf! Ihr verpennt die Realität! Und wenn ihr nicht schleunigst aufwacht, laufen euch die Betriebe davon, die diese Fehlentwicklung bereits erkannt haben und auf das setzen, was sich über 200 Jahre bewährt hat.

    Mit erhobener Faust grüßt euch
    LeonidasRex

  3. Hi LeonidasEx,

    du sprichst mir aus der Seele. Ich war auch schon ein paarmal in den „Genuss“ von Zeitarbeitstellen gekommen. Was zu deinen Punkten noch dazukommt, ist der Umstand, dass du als „Neue“ von der regulären Belegschaft schlichtweg gemobbt wirst. Was ich auch verstehen konnte. Die sehen in den Leiharbeitern doch diejenigen, welche ihre angestammten Arbeitsplätze mit abbauen helfen. Du hast gar keine Chance dich zu integrieren, ganz zu schweigen davon betriebsinternes Fachwissen anzuhäufen: Dir sagt einfach niemand was, man läßt dich einfach auflaufen oder in eine Falle tappen. Seien wir doch mal ehrlich: Jedem ist doch sein Hemd (sein Arbeitsplatz) näher, als die Hose (Leiharbeiter als „Kollegen“). Wie naiv sind denn die Arbeitgeber und Personalchefs?
    Nach der 3. Zeitarbeitstelle hatte ich nicht nur innerlich gekündigt, sondern mich auch in mein Schicksal als Hausfrau gefügt. Es hat lange gedauert, bis ich wenigstens eine Halbtagsstelle als Festanstellung fand.

    Mit ebenfalls erhobener Faust und lieben Grüßen an die – hilflosen – Gewerkschaften grüßt dich
    Monimaus

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