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SELBSTSTÄNDIG ARBEITSLOS? – Lieber Arbeitslos als Selbstständig und hinterher hoch verschuldet oder doch lieber für den Rest des Lebens in Invalidität? – Eine nachdenklich machende Kurzgeschichte von Tröpfchen Kakadu

SELBSTSTÄNDIG ARBEITSLOS?

Lieber Arbeitslos als Selbstständig und hinterher hoch verschuldet oder doch lieber für den Rest des Lebens in Invalidität?

Eine nachdenklich machende Kurzgeschichte

von

Tröpfchen Kakadu

1.

Ein 30 jähriger Erwerbsloser, der schon seit über 10 Jahren erwerbslos ist, hat jetzt mit seinem Jobcenter über ein Darlehen für eine Existenzgründung verhandelt.

Als Grundsicherungsleistung erhalten Langzeitarbeitslose das Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV. Dieses liegt derzeit für einen Single bei 391 Euro im Monat, plus Miete und Heizkosten. Für Partner in einer Bedarfsgemeinschaft liegt der Regelsatz bei jeweils 352 Euro.
Quelle: www.jobcenter.de

Als Grundlage für seine Argumentation will er angeführt haben, daß wenn er die kommenden 40 Jahre bis zu seinem Renteneintritt mit 70 Jahren weiterhin erwerbslos bleiben würde, er dem Jobcenter 393.600 Euro kosten würde.

Immer mehr Selbstständige in Deutschland können nicht allein von ihrer Arbeit leben. Die Zahl der Selbstständigen, die ergänzend Hartz IV bekommen, verdoppelte sich seit 2007, wie aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes auf die Anfrage einer Linken-Politikerin hervorgeht, die am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag. 2007 waren demnach 66.910 Selbstständige ergänzend auf Arbeitslosengeld II angewiesen, im vergangenen Jahr mussten fast 118.000 Selbstständige ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken.
(Quelle: http://www.handelsblatt.com/)

2.

Die Zahl sei jedoch völlig ohne Dynamik gerechnet. Berücksichtigte man den Kaufkraftverlust durch eine jährliche Inflation mit 7,9 Prozent würden sich Kosten in Höhe von 2.623.361,08 Euro ergeben.

Wer Hartz IV in Anspruch nimmt, muss jeden zumutbaren Job annehmen. Auch wenn dieser schlecht bezahlt ist. Wer sich verweigert oder Termine im Jobcenter schwänzt, riskiert Leistungskürzungen. Wenn Anfang 2015 der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro in Kraft tritt, profitieren Langzeitarbeitslose, die eine Stelle finden, davon nur bedingt: Erst nach sechs Monaten haben sie Anspruch auf Mindestlohn.
Quelle: www.jobcenter.de

Die Fallmanagerin soll plötzlich sehr blass um die Nase geworden sein und den Erwerbslosen gefragt haben, wie er denn auf eine solch astronomisch hohe Zahl gekommen wäre, worauf er ihr in der Folge seine Kalkulation überreichte.

Selbstständige mit Beschäftigten kamen der Auflistung des Statistischen Bundesamtes zufolge auf ein monatliches Nettoeinkommen von 2701 Euro, abhängig Beschäftigte auf 1553 Euro. Die Daten zeigen zudem, dass es inzwischen deutlich mehr Selbstständige ohne Beschäftigte gibt als mit Beschäftigten. Während die Zahl der Selbstständigen ohne Beschäftigte im Mai 2000 mit 1,84 Millionen fast genauso hoch lag wie die Zahl der Selbstständigen mit Kollegen, ist die Differenz im Laufe der Jahre deutlich gewachsen. Im Mai 2000 gab es demnach noch 1,8 Millionen Selbstständige mit Beschäftigten. Im Jahresdurchschnitt 2014 waren es 1,84 Millionen. Dagegen gab es im vergangenen Jahr 2,34 Millionen Selbstständige ohne Beschäftigte.
(Quelle: http://www.handelsblatt.com/)

3.

Nach einer Minute fragt die Jobcenter-Mitarbeiterin, wie viel Geld er denn als Startkapital für sein Vorhaben benötige, worauf der Erwerbslose spontan antwortet: „Genau 1 Millionen Euro“.

Bedarfsleistung
Hartz IV ist eine Bedarfsleistung. Das heißt: Nur wer bedürftig ist, bekommt sie. Einkommen oder eigenes Vermögen werden angerechnet. Bei einem Hinzuverdienst beträgt die Freigrenze 100 Euro im Monat.
Quelle: www.jobcenter.de

Die Mitarbeiterin schluckt einige Male und entgegnet ihm, dass das völlig unrealistisch sei, worauf der Erwerbslose meint: „Gut, dann bleibe ich eben bis zur Rente erwerbslos und spare mir den ganzen Stress mit der eigenen Firma …“

Eine Anfrage hatte die Vizefraktionschefin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, gestellt. Vor allem für die Solo-Selbstständigen wertete sie den Schritt in die Selbstständigkeit als Anzeichen dafür, dass es zu wenige sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gebe und Unternehmen immer häufiger Jobs auslagerten. ‚Oft war die Entscheidung zur Selbstständigkeit keine freiwillige‘, erklärte Zimmermann.
(Quelle: http://www.handelsblatt.com/)

4.

Nachdem der 30 jährige Erwerbslose, der schon seit über 10 Jahren erwerbslos ist, das Jobcenter verlassen hat kreisen seine Gedanken noch immer um das Thema: Hartz IV Unternehmer werden vom Jobcenter gerne zur Selbständigkeit gebracht, in dessen Folge nach Aufgabe der selbigen die Schulden des Arbeitslosen noch höher sind wie vorher, da die finanzielle Unterstützung das Ganze von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Wie viele bekommen es?
Von den 2013 insgesamt 3,14 Millionen Arbeitslosen (Jahresdurchschnitt) waren 2,03 Millionen Bezieher von Hartz-IV-Leistungen.
Quelle: www.jobcenter.de

Der Grund dafür ist aber offensichtlich: Ebenso wie man zu Schulungen und Kursen gedrängt wird, die zu nichts führen, ist der Erwerbslose, wie auch der Selbstständige erst mal raus aus der Statistik. Doch wenn man mal Nägel mit Köpfen machen möchte und eine echte Chance erhalten will, sich etwas aufzubauen und auch das Jobcenter letztlich davon profitieren würde, sieht man, dass es gar nicht darum geht, Menschen eine Chance zu geben, sondern nur darum die eigenen Zahlen für die Politik aufzuschönen.

Die Linken-Politikerin forderte die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für Selbstständige zu verbessern. Sie regte unter anderem an, über die Einführung eines ‚Mindesthonorars‘ für Solo-Selbstständige zu diskutieren. Der Beitrag zur Krankenversicherung für Geringverdiener müsse zudem reduziert werden; die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung müssten sich am realen Einkommen orientieren, forderte Zimmermann.
(Quelle: http://www.handelsblatt.com/)

5.

Der letzte Gedanke des 30 jährigen Erwerbslosen ist noch: Ihr ernennt einen korrupten Fußballspieler zum Kaiser und eine betrügende Merkel zur Königin von Europa? Was geht in euch vor? – bevor ihn eine Straßenbahn überrollt und ihn zum Vollinvaliden macht, für den der Staat nun bis an dessen Lebensende zahlen muss, da er sich auf dem Weg vom Jobcenter direkt zu seiner Wohnung befand.

-ENDE-

Copyright (c) 2015 by Tröpfchen Kakadu

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER AUTORIN:

Arbeit ohne Ende? (Kartoniert)
Zur Arbeitsrealität der »neuen« Selbstständigen
von Muckenhuber, Johanna

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Verlag:  Uvk Verlags GmbH
Medium:  Buch
Seiten:  272
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  März 2014
Maße:  223 x 156 mm
Gewicht:  511 g
ISBN-10:  3867644853
ISBN-13:  9783867644853

Beschreibung
Im öffentlichen Diskurs wird die Arbeitsrealität sogenannter Solo- und Mikroselbstständiger meist nur mit Klischeebildern von Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung belegt. Und das, obwohl der Wandel der Beschäftigungsverhältnisse und die Zunahme neuer Beschäftigungsformen die Arbeitszeit der „neuen“ Selbstständigen zum gesellschaftspolitischen Thema werden lässt.

Johanna Muckenhuber bricht mit ihrer Untersuchung dieses Halb- oder auch Nicht-Wissen auf und ermöglicht differenzierte Einsichten in die arbeitszeitbezogenen Realitäten der Personengruppe.

Die Arbeitszeiten von Solo- und Mikroselbstständigen werden nicht von Interessensvertretungen kollektivvertraglich ausgehandelt, sondern müssen von den Einzelnen für sich selbst festgelegt werden. Eine systematische Erfassung der Arbeitszeiten oder eine kollektive Interessenorganisation fehlen. Dabei treten die Unterschiede zu den traditionellen Berufen verstärkt hervor: nicht-routinisierbare Arbeitsleistungen, welche zu variablen Preisen verkauft werden, eine damit einhergehende Unsicherheit hinsichtlich des Einkommens und die ständige Anspannung, ob die eigene Kreativität und Leistungsfähigkeit ausreichen werden, um den Kunden zufriedenzustellen.

Mit einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Forschungsansätzen entmystifiziert Johanna Muckenhuber diese Arbeitswelt. In der Auseinandersetzung mit dem Phänomen Zeit führt sie eine Analyse der Bewertung davon durch, wie viel Arbeitszeit für beruflichen Erfolg, aber auch für eine gute Lebensführung als notwendig erachtet wird.

Kritik
„[Eine] aktuelle Sozialreportage und Momentaufnahme aus einer speziellen Nische wachsender prekärer Arbeits- und Lebensverhältnisse.“
Ulla Fölsing, FAZ

„Der Autorin gelingt es sehr anschaulich das Leben von Kleinselbstständigen darzustellen. […] Wer sich in den Freiberuf stürzt, der sollte vorher dieses Buch lesen.“ (fachbuchkritik)

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