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Robert Jackson Bennett: Silenus – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Robert Jackson Bennett
Silenus

Originaltitel: The Troupe (New York : Orbit 2012)
Übersetzung: Frauke Meier
Deutsche Erstveröffentlichung (Paperback): Oktober 2012 (Piper Verlag/Piper Fantasy 6870)
575 S.
ISBN-13: 978-3-492-26870-7
Als eBook: Oktober 2012 (Piper Verlag)
864 KB
ISBN-13: 978-3-492-95516-4

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Das geschieht:

Um das Jahr 1910 beginnt der 16-jährige George Caroles die Suche nach seinem Vater. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, die Mutter starb bei seiner Geburt. Der Vater hatte sich da schon davongemacht. Heironomo Silenus genießt einen legendären Ruf als Impresario einer kleinen aber feinen Gruppe, die in den „Vaudeville“-Theatern bemerkenswerte Vorstellungen gibt, an die sich allerdings anschließend kaum ein Zuschauer wirklich erinnern kann.

George, ein begabter Pianist, findet als Musiker Zugang ins Kleinkunst-Milieu. Wie es üblich ist, reist er als Mitglied einer Theatergruppe – einer „troupe“ – kreuz und quer durch Amerika. Viele Monate bleibt Georges Suche vergeblich, bis er Silenus‘ Spur aufnehmen und halten kann. In einer kleinen Stadt trifft George endlich seinen Vater und dessen bizarre Begleiter: ‚Professor‘ Kingsley und seine beunruhigend lebendigen ‚Marionetten‘; Colette, eine persische Sängerin und Tänzerin; Stanley, den stummen Cellisten, und Franny, die mit bloßen Händen Stahlträger verbiegen kann.

Silenus nimmt seinen Sohn nicht mit offenen Armen auf. Trotzdem darf George sich der Truppe anschließen. Noch seltsamer als die Vorstellungen sind deren Aktivitäten nach Theaterschluss: Die „troupe“ kämpft gegen die archaische Finsternis aus der Zeit vor der Entstehung der Welt, die sich anschickt, das Licht und mit ihm das gesamte Universum auszulöschen.

Silenus setzt ihren Attacken die „Erste Weise“ entgegen, deren Melodie die Lebensessenz der Schöpfung konserviert. Sie hält nicht nur die Finsternis, sondern auch ihre gefährlichen Handlanger, die „Wölfe“, in Schach, die notdürftig als Menschen getarnt Jagd auf die verhassten Lichtbringer machen. Doch die „Weise“ beginnt ihre Kraft zu verlieren. In größter Not sucht Silenus nach neuen, oft zweifelhaften Verbündeten und bringt dabei nicht nur seine Truppe, sondern vor allem George in Lebensgefahr, der nichts von seiner Schlüsselrolle in diesem Krieg ahnt …

Kunst als Handwerk und harte Arbeit

Der Freund der „urban fantasy“, jener Variante der Phantastik, die Fiktion und (literarische) Realität gleichzeitig mischt und doch mit einem gewissen Abstand voneinander existieren lässt, hat es in den letzten Jahren nicht leicht, wenn er (seltener sie) weder jung noch süchtig nach romantasyastisch gezähmten Schreckensgestalten ist. Wenn das Irreale in die jeweilige Gegenwart einbricht, scheinen gegenwärtig in erster Linie jungendliche Protagonisten davon betroffen zu sein, die an den daraus resultierenden Herausforderungen gleichzeitig reifen sollen. Über die Daseinsberechtigung schmachtender Vampire und kuscheliger Werwölfe muss und soll an dieser Stelle (lieber) nicht gemutmaßt werden; sie sei als Tatsache hingenommen.

Auch „Silenus“ erzählt eine „Coming-of-Age“-Geschichte. Die Hauptfigur ist 16 Jahre ‚alt‘ und recht naiv, wie es sich für einen zukünftigen Helden wider Willen gehört. Zusätzlich übernimmt George die Vertreterrolle für den Leser, wenn es darum geht, mit den Besonderheiten der geschilderten Welt vertraut zu werden. Schon bevor sich irritierende Brüche öffnen, wirkt sie exotisch, denn Autor Bennett platziert die Handlung in die Vergangenheit und dort in das Milieu einer heute ausgestorbenen Kleinkunst-Form.

Bis zum I. Weltkrieg nahm das „Vaudeville“ (in Europa: die „Music Hall“) in der Theater-Szene der USA eine wichtige Stellung ein. Vor der Erfindung des Kinos und besonders des Fernsehens wurde Unterhaltung ‚live‘ und auf der Bühne präsentiert. Nicht die Erhabenheit des großen Theaters, sondern Entertainment für ein Publikum, das nicht intellektuell stimuliert, sondern unterhalten werden wollte, war die Intention unzähliger Sänger, Komödianten oder Artisten, die einzeln oder in Gruppen von Spielort zu Spielort zogen, um dort zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen aufzutreten.

Die Welt hat mehr als vier Dimensionen

Für eine Geschichte, die wie „Silenus“ auf rasche Ortswechsel angewiesen ist, birgt dieses Milieu viele Möglichkeiten. Die Reise ist Schauspieler- und Artisten-Alltag. Bis zu einer Queste ist es quasi nur ein Schritt. Anstelle eines heiligen Grals suchen Silenus und seine Truppe nach den verstreuten Elementen der „Ersten Weise“. Anders als der Gral wird sie schließlich gefunden bzw. vervollständigt.

Bis dies gelingt, ist wieder einmal der Weg das Ziel. An gewissen Orten der realen Welt gibt es Portale, die in andere Realitäten führen. Der Besuch solcher Stätten außerhalb bekannter Räume und Zeiten sorgt einerseits für interessante Verwicklungen. Andererseits erleichtern sie dem Verfasser die Arbeit: Er kann die Handlung auf Länge bringen, indem er den einen oder anderen Ausflug einfügt, der sich spannend liest, ohne für das Geschehen von elementarer Bedeutung zu sein. Vor allem im Mittelteil verlässt sich Bennett ein wenig zu deutlich auf dieses Erzählen um des Erzählens willen.

Man verzeiht ihm aufgrund seines Einfallsreichtums sowie der Eleganz, mit der er selbst Klischee-Gestalten der Phantastik – Gespenster, (böse) Elfen, Naturgeister – neu interpretiert und ihnen frisches Leben einhaucht. In seinen besten Szenen – und diese sind erfreulich zahlreich – gelingt es Bennett, das Reale und das Irreale nicht nur zu verknüpfen, sondern dieser Verbindung eine ganz eigene Bühne zu schaffen. Darin war er in „Mr. Shivers“, seinem Roman-Erstling, noch gescheitert.

Langer Anlauf, hoher Sprung

Schon angedeutet wurde eine Auflösung, die viele lose Fäden aufgreift und verknüpft. Angesichts des buchstäblich kosmischen Rahmens, in den Bennett „Silenus“ einbettet, wird dies zu einer echten Herausforderung. Die Gefahr war groß, mit der Schilderung des wahrhaft Epischen ins Lächerliche abzudriften. Bennett kann dem nicht immer entgehen, doch insgesamt hat er seine Geschichte im Griff und krönt sie mit einem angemessen grandiosen Finale.

Ins Stolpern gerät er stattdessen in jenen Szenen, die Georges steinigen Weg zur Erkenntnis und ins Erwachsenenalter beschreiben. Während das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Sohn selbst unter Nutzung einschlägiger, spätestens aus Kino und Fernsehen sattsam bekannter Gefühlsausbrüche glaubhaft erscheint, bietet die ‚Liebesgeschichte‘ zwischen George und Colette nur seifenoperschaumigen Kitsch, der sich über viel zu viele Seiten ergießt.

Für einen weiteren Fehler darf man nicht dem Verfasser die Verantwortung geben: „Silenus“ ist der denkbar falsche Titel für diesen Roman. Er weist der gleichnamigen Figur eine zentrale Position zu, die ihr in der Geschichte nicht zukommt. Diese heißt im Original sehr viel treffender „The Troupe“, denn es ist die besondere Dynamik der Gruppe, die diese Handlung trägt. Silenus ist auch keineswegs jener dämonisch attraktive Magier, der uns auf dem deutschen Cover mit blitzendem Blauauge durchbohrt, sondern – viel interessanter – ein verbrauchter, ausgelaugter Ritter, der mehr oder weniger erfolgreich verdrängt, dass er für die Rettung der Welt seine Mitstreiter und Freunde verheizt.

Es geht voran

Nur zwei Jahre (und ein weiteres Buch) liegen zwischen „Mr. Shivers“, Bennetts Debüt-Roman, und „Silenus“. In dieser kurzen Zeitspanne hat der Autor sichtlich an Professionalität gewonnen. Das unentschlossene Mäandern einer an sich fesselnden Geschichte ist nicht verschwunden – noch nicht, denn die Fortschritte sind so deutlich, dass sie zu der Hoffnung Anlass geben, mit Bennett einen Schriftsteller entdeckt zu haben, der nicht nur routiniert erfolgreiche Muster kopiert, sondern Innovationen versucht und sich darin noch steigern kann.

Der deutsche Verlag scheint ebenfalls an Bennett zu glauben. Abermals erscheint sein aktuelles Werk als Paperback und mit modisch ‚unbeschnitten‘ wirkender Papierkante. Wichtiger ist die ebenfalls gute Übersetzung, und erfreulich ist „Silenus“ schließlich als Lebenszeichen einer Fantasy, die wider Erwarten im trost- und geistlos toten Meer der Romantasy überdauert zu haben scheint.

Autor

Über den privaten Robert Jackson Bennett, einen jungen aber sehr aktiven Schriftsteller, ist (noch) wenig bekannt. Er wurde 1984 in Baton Rouge, US-Staat Louisiana, geboren und wuchs in Katy, einer Kleinstadt in Texas, auf. Später studierte Bennett an der „University of Texas“ in Austin.

Eine akademische Karriere schlug er nicht ein, sondern sich – bald ein junger Familienvater – in einer Reihe unterbezahlter Jobs durch; u. a. arbeitete er in einem Callcenter und als Packer in einer Fabrik.

In dieser Zeit entstand „Mr. Shivers“, Bennetts Romandebüt, ein Historien-Roman mit phantastischen Elementen, dem er mit „The Company Man“ einen Kriminalroman folgen ließ, der im Jahre 1919 spielt. Auch „The Troupe“, Bennetts dritter Roman, ist wieder ein „period piece“, das dieses Mal im Milieu des US-Vaudevilles angesiedelt ist.

Mit seiner Familie lebt Robert Jackson Bennett in Austin.

Robert J. Bennetts Blog

[md]

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UND:

Zum Buch

George ist ein zarter, dürrer Junge von gerade mal sechzehn Jahren. Sein ganzes Leben hat er bisher im Haushalt seiner Großmutter verbracht, da seine Mutter bei seiner Geburt verstarb. Seinen Vater hat George nie kennenlernen dürfen. Deshalb beschließt er, von Zuhause fortzugehen und seinen Vater zu suchen. Sein einziger Anhaltspunkt ist eine alte Eintrittskarte mit dem Bild seines Vaters darauf, denn dieser gehört einer reisenden Künstlertruppe an. Er tritt in die Fußstampfen seines Vaters und wird Hauspianist eines kleinen Theaters, in dem sein Vater schon einmal aufgetreten ist. Doch seine Hoffnung wird vollkommen zerstört, als sein Vater beschließt, auf dieser Tour nicht in diesem Theater aufzutreten. Deshalb tut George, was er tun muss: Er kündigt seinen Job und reist seinem Vater hinterher. Auf dieser Reise begegnet er seltsamen Gestalten und der Stille. Als George seinen Vater endlich eingeholt hat, ist der Empfang nicht so, wie George ihn erwartet hat. Schnell kommt für ihn das böse Erwachen …

Fazit

Den Leser erwartet bei diesem Roman eine wirklich abwechslungsreiche Story mit vielen überraschenden Wendungen. Die Inhaltsbeschreibung lässt zunächst altbekannte Motive vermuten, wie etwa die Findung der eigenen Identität, der Roman ist aber auf den zweiten Blick vollkommen anders gestrickt. Schnell taucht der Leser nicht nur in die Welt des Theaters, sondern auch in eine ihm unbekannte Parallelwelt zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, in deren Ecken dunkle Schatten lauern. Die Charaktere sind sehr ambivalent und lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Wer hier nach Archetypen sucht, sucht sie vergebens. Schnell findet man im Bösen etwas Gutes und die Motive der guten Figuren erscheinen einem auf einmal eigennützig.

Interessanterweise war überall im Roman die irische Mythologie verwoben und konnte sogar mit längst vergessenen Göttern aufwarten. Die Storylinie war dabei nicht besonders vorhersehbar und wechselte häufig die Schauplätze und schuf so eine zweite Realität, die einem so manchen Schauer über den Rücken laufen ließ. Auch Elemente des subtilen Horrors waren in dem Roman verbaut, die in der Lage waren menschliche Urängste anzusprechen. Schattenmänner, wandelnde Tote und Mörderpuppen gehörten genauso zu dieser Welt wie zauberhafte Feen und vergnügungssüchtige Elfen. Das Ende war die Krönung des Unerwarteten und lichtete zu meinem Leidwesen die Reihe der Hauptcharaktere stark. Auch scheint das Ende hier wirklich das Ende zu sein, denn es lässt nicht viel Raum für eine mögliche Fortsetzung.

Ein etwas anderer Roman, der den Leser zwar herausfordert, ihm aber dafür auch vieles Neues und Interessantes bieten kann.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

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Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Was passierte mit Georges Mutter? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN! ACHTUNG! DIE GEWINNTITEL SIND ALLE AM SCHNITT NICHT GLATT GESCHNITTEN SONDERN WELLIG. DER VERLAG HAT UNS DIE TITEL SO ZUGESENDET.


GEWINNER: Karla Rauscher, Margarethe Schleier, Margreth Blystone. WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

Updated: 20. Februar 2013 — 06:16

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