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MÜTTER BRAUCHEN LANGE ARME! – Eine Shortstory von Petra Weddehage

MÜTTER BRAUCHEN LANGE ARME!

Shortstory

von

Petra Weddehage

„Rabää“! wie jeden Morgen wurde Linda durch den Schrei ihrer süßen Tochter Micelia aus dem Schlaf gerissen. Also stand sie gähnend auf und rieb sich ihre Augen. Dann eilte sie zum Gitterbett der Kleinen, die gerade einmal vier Wochen alt war. Sie holte sie heraus und setzte sie in ihren Bauchbeutel. Die junge Mutter hörte wie ihre kleine Tochter wohlig seufzte und spürte dann wie sie an ihrer Beutelwarze zu saugen begann. Linda war froh, dass sie genug Milch hatte. Nur ungern hätte sie Micelia zu einer Amme gegeben wie es leider viel zu vielen Frauen erging, die nicht genug Milch besaßen. Sie dachte aber auch an die armen Unglücklichen, die keinen Bauchbeutel besaßen, ihnen war das Glück einen eigenen Säugling auszutragen somit verwehrt. Ein genetischer Rückfall in zwanzigste Jahrhundert. Leider passierte dies ab und zu. Manchmal bekamen diese Frauen gegen alle Wahrscheinlichkeiten dennoch ein Kind aber sie konnten es nicht selber großziehen.

Micelia war vollkommen auf die Welt gekommen, ebenso ihr vierjähriger Bruder Alex. Linda ging ins Bad und machte sich „City fein“, wie sie es nannte. Alex und Micelia bekamen ebenfalls farblich passende Kleidung. Dies war ein Tick von Linda, damit alle sahen, dass sie zusammengehörten. Dann stieg die kleine Familie in ihr, mit Sonnenenergie betriebenes, Auto. Einen Buggy brauchte sie im Moment noch nicht, da Micelia dafür noch zu klein war, Alex aber lieber zu Fuß ging.

Sie parkte in der Stadt und ging mit ihren Kindern in den Supermarkt. Die riesigen Gänge waren hell erleuchtet und sie fand schnell was sie suchte. Ihr elektronischer Einkaufszettel lotste sie sicher zu den richtigen Regalen und Produkten. Sie kannte sich gut genug um zu wissen, wenn sie nur mal so durch den Markt schlenderte kaufte sie doch mehr als sie wollte. Das war aber nicht fair anderen Menschen gegenüber und so verschenkte sie sehr viel an andere Leute, was sie nicht selber verbrauchte. Im Gegenzug bekam sie von ihren Nachbarn gut erhaltene Kleidung für die Kinder. Vor allem Alex Konsum an Hosen steigerte sich im Moment enorm, da er sehr gerne auf den Knien herumrutschte. Eine ganz normale Angewohnheit und fürs körperliche Wohlbefinden und die Entwicklung des Kindes sehr willkommen.

Auf einmal, sie hatte nur einen Moment nicht richtig aufgepasst, war Alex verschwunden. Linda rief ihn zwar, doch er antwortete nicht. Linda eilte panisch rufend durch die Gänge, von Horrorvisionen verfolgt. Da hörte sie ein Kichern, das war ihr Alex. Sie entdeckte den kleinen Ausreißer wie er gerade eine kunstvoll aufgestapelte Dosenpyramide bestaunte. Doch bevor sie ihn erreichte zog der kleine Racker eine Dose ganz unten aus dem Stapel heraus und die Pyramide begann gefährlich zu kippen. Mit einem fürchterlichen Krachen fiel die Dosenpyramide in sich zusammen.

Lindas beide Fangarme, die jeder Mutter aus den Hüften wuchsen, entfalteten sich blitzschnell und sie konnte ihren Sohn rechtzeitig aus der Gefahrenzone herausziehen. Auf einmal war sie von Leuten umringt, die teils aus Sensationslust herumstanden oder ihre Hilfe anboten. Dankend lehnte Linda ab und versicherte, dass es ihnen allen gut ging.

Der herbeigeeilte Geschäftsführer geleitete die zitternde junge Mutter und ihre Kinder in sein Büro. Alex bekam einen Saft und Linda auf den Schreck eine Tasse Kakao, für Kaffee war sie viel zu aufgeregt. Kurze Zeit später konnte sie schon wieder mit Herrn Meier, so hieß der Leiter des Supermarktes, über das Geschehene lachen. „So ein kleiner Schlingel“, schmunzelte er. Linda und er regelten die geschäftliche Seite und er bekam die Nummer ihrer Haftpflichtversicherung.

„Es ist nur gut, dass ihr Mütter so lange Arme habt“, meinte Herr Meier. „Ja, stellen sie sich vor wie es den armen Frauen früherer erging. Gut das wir im vierzigsten Jahrhundert leben. Die Evolution unserer Rasse ist ein wahrer Segen.“

Linda sinnierte: „Wahrscheinlich ist die genetische Veränderung unserer Körper dafür verantwortlich, dass es nun weniger Kinder gibt, allerdings sind diese auch immer geistig und körperlich gesund. Ich fühle mich dabei richtig wohl. Es ist schön, sein Kind sicher verwahrt zu wissen und diese zusätzlichen Armpaare sind ein echtes Wunder. So kann ich gleichzeitig alles erledigen, von der Hausarbeit bis zum Tele-Rounding mit meinen Freundinnen. Immer hab ich die Sicherheit, dass ich meine Kinder im Griff habe.“

„Die armen Väter früher tun mir leid, sie hatten doch kaum etwas von ihren Kindern,“ antwortete Herr Meier, „Meistens mussten sie bis spät in die Nacht schuften, dann kamen sie müde zu Hause an und waren froh ein wenig ausruhen zu können. Nein, ich hab es da viel besser.“ Bei diesen Worten holte er seinen Sohn Werner aus seinem Bauchbeutel und präsentierte ihn Linda voller Stolz. „Sehen sie, so kann ich meine Frau ein wenig entlasten und mein Kind mit zur Arbeit nehmen. Früher war so etwas undenkbar, wie grausam so etwas gewesen sein muss, sein Kind nur ab und an für ein paar Minuten oder Stunden zu sehen.“ Dabei schüttelte er seinen Kopf.

„So etwas Schreckliches mag ich mir gar nicht vorstellen“, antwortete Linda, „Nein, ich denke wir haben uns so sehr von unsern Vorfahren gelöst, auch im Denken, so dass wir die früheren Zeiten schlecht nachvollziehen können. Früher haben die eigenen Eltern ihren Kindern die schlimmsten Dinge angetan, nein darüber darf ich nicht nachdenken. Überlegen sie nur, heute kann man jedem Menschen sein Kind anvertrauen, es würde einfach nichts passieren.“

„Heute sind wir auch aufgeklärter, körperlich und geistig gesund und wir alle haben genug zu essen. Die Wohnungen sind groß genug und auf die Bedürfnisse der einzelnen Leute zugeschnitten. Jede Familie, mit einem oder mehr Kindern, hat ein Haus mit Garten. Unsere Autos haben alle nur erdenkliche Sicherheitsmaßnahmen. Dazu kommt noch, das wir alle Tätigkeiten ausüben können die uns gerade interessieren. Bis vor wenigen Wochen hab ich noch auf der Bühne gestanden und gesungen. Ich wollte mal einen anderen Tätigkeitsbereich ausfüllen und etwas Neues lernen. Sonst rostet man doch nur ein. Aber das allerbeste sind die Video-Realspiele. Hier dürfen wir uns richtig auslassen und Wut und Agonie ausleben. Ab und an macht es mir doch Spaß, etwas in die Luft zu jagen.“ Beide kicherten bei dem Gedanken. Sie redeten noch eine Weile über die besseren Lebensbedingungen. Dann wurde es für Linda an der Zeit, nach Hause zu fahren. Sie ging zum Auto, die Lebensmittel waren schon verstaut worden und ihre Verzehrkarte entwertet. Sie stieg ins Auto, erst dort ließ sie Alex aus ihren langen Armen in seinen Kindersitz gleiten. Liebevoll strich sie ihm über den Kopf. Micelia musste während der Fahrt ebenfalls ihren warmen Platz im Beutel verlassen und kam in eine Babyschale. Linda startete den Wagen und schaltete das Radio ein. Der Babysitter-Boogie von Ralf Bendix erklang und Alex sang eifrig mit. „Wirklich gut“, dachte Linda, „dass wir Mütter so lange Arme haben.“

Copyright (C) 2013 by Petra Weddehage.

Bildrechte: Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Pierlot, Holly
Für Mütter

Mit Gott den Alltag meistern – Deutsche Ausgabe mit Praxiskommentaren

Übersetzt von Macova, Katja
Verlag :      fe-medienvlg
ISBN :      978-3-86357-045-3
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,80 Eur[D] / 13,20 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 07.03.2013
Seiten/Umfang :      310 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 07.03.2013

Seelenfrieden statt Nervenzusammenbruch:
Holly Pierlot beschloss, das alltägliche Chaos daheim zu bändigen. Dabei machte die Mutter von 5 Kindern eine unerwartete Entdeckung: Ordensregeln können auch für Mütter eine Kraftquelle sein. Sie ließ sich von der Lebensregel der Schwestern der seligen Mutter Teresa von Kalkutta inspirieren, um einen harmonischen Lebensstil zu finden. Tatsachenbericht und praktische Anleitung zugleich, unterhaltsam und voll geistlicher Tiefe: Hier findet (nicht nur) jede Mutter wertvolle Tipps.

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8 Comments

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  1. Hallo liebe Leser,
    wäre dankbar für Input.

  2. Ab und an, so beim Einkaufen wünsche ich mir ein Ersatzpaar Arme. Eins um den Einkaufswagen zu halten und das andere um die Einkäufe im Kofferraum zu verstauen. bei der Arbeit wäre das auch ganz nett. So hab ich den Telefonhörer unterm Kinn oder in der Hand, damit ich endlich einen Kollegen erreiche um eine Artikelnummer zu bekommen, mit der anderen Hand scanne ich weiter. Dazu noch die dummen Kommentare anhören. Nerv.

  3. Das alles soll ja bereits in der Steinzeit angefangen haben, weshalb Frauen ein breites Becken bekommen und Männer sich zu Läufern entwickelt hatten. Der Popo der Frau soll damals schon hauptsächlich zum sitzen und Kinderwiegen und der der Männer zum Rennen und jagen sich manifestiert haben. Aber ob das wirklich so war? 😉

  4. Lustige Idee 😉

    Ich hätte mir aber einen anderen Schluss gewünscht. Ich habe immer darauf gewartet, dass du die Keule schwingst und dem Leser eins über ziehst? 😉 Eine kalte Dusche nach den ganzen Lobhudeleien auf das 40.Jahrhundert. Auch im 40.JH kann nicht alles gut sein und genau da den Finger in die Wunde legen, das wäre doch cool gewesen.

  5. tolle Geschite^^

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