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MORGENGRAUEN – eine Kurzgeschichte von little_wonni

Morgengrauen


eine


Kurzgeschichte


von


little_wonni


Es war noch früh am Morgen, Tau lag auf den Grashalmen der Wiese und die ersten Sonnenstrahlen brachen sich golden ihren Weg durch das dichte Blätterdach. Sie trafen auf die Tautropfen, die daraufhin glitzerten wie Diamanten und das Licht in allen Farben des Regenbogens aufleuchten ließ. Die ersten Frühblüher reckten ihre Köpfe über das Gräsermeer und öffneten ihre Blüten der aufgehenden Morgensonne. Insekten erwachten mit Brummen und Flügelschlagen und begannen die Wiese zu beleben. Vogelgezwitscher wurde von Baumkronen heruntergetragen zusammen mit kleinen weißen Blütenblättern, die nun einen Teppich über der Wiese ausbreiteten. Sie sog die Luft ein, die so wunderbar nach Frühling roch und schon den Gedanken an einen heißen Sommer aufkeimen ließ. Ihr Blick erreichte nicht den Himmel sondern streifte das grüne Gräsermeer, das nun immer lebendiger wurde. Das Rascheln im Gras bemerkte sie über dem Schlagen der Insektenflügel nicht.

Dies war der mit Abstand grauenhafteste Mordschauplatz, dem sie sich jemals hatte stellen müssen. Dies lag aber nicht an der Leiche oder am Geruch von  Blut, der kupfrig frisch zu ihr herübergetragen wurde, sondern schlicht und ergreifend an der Szenerie, die sich vor ihr auftat. Den Blick abgewandt steckte sie Metallstäbe durch die grüne Grasdecke, verankerte sie in der Erde rund um den Tatort und befestige daran das flatternde gelbe Absperrband der Polizei. Erst dann raffte sie sich dazu auf, mit ihrem Kollegen das Mordopfer zu begutachten.

Sie war wunderschön in ihrem weißen Kleid, wie sie dort im Gras lag, umgeben von Frühlingsblumen, die gerade erst ihre Blüten geöffnet hatten. Ihr schwarzes Haar lag, wie ein dichter schwarzer Fellteppich hinter ihr ausgebreitet im grünen Gras. Ihre Hände waren unter ihren Kopf gebettet und sie lag auf der linken Seite in Embryonalstellung. Wenn man das Ganze von der anderen Seite betrachtete hätte man meinen können, sie hätte sich dort zu einem Schläfchen in das morgendliche Sonnenlicht gebettet. Aber von dieser Seite aus sah man, dass ihre grünen Augen weit offen standen und alles Leben daraus gewichen war. Sie blickte nur noch mit dem stumpfen Blick der Toten in die Ferne und ihre Haut glich weißem Marmor, durchzogen mit leuchtend blauen Linien. Überall hingen kleine rote Tupfer. In ihrem Gesicht, auf ihrem Kleid und auf den umliegenden Grashalmen. Dort leuchteten die roten Blutstropfen wie Rubine in der Morgensonne.

Ihr Kollege Sam fing ihren Blick auf und hielt in fest. Nun durfte sie keine Schwäche zeigen. Dies war zwar nicht ihr erster Tatort, aber die Kollegen warteten bei einem weiblichen Opfer immer noch darauf, dass sie in Tränen ausbrach oder sich erbrach. Also schluckte sie den Klos in ihrem Hals herunter und begann mit der Bestandsaufnahme.

Das Opfer war noch sehr jung. Laut dem Ausweis, den sie in ihrer Handtasche fanden, war sie gerade erst sechzehn geworden. Ihr Name war Eva Dawn und sie lebte nicht weit entfernt in einem dieser entzückenden kleinen Häuschen mit den weißen Gartenzäunen im Dahlienweg. Noch nie war es in dieser Gegend zu einem derartigen Vorfall gekommen. Vielmehr galt hier alles als sehr ruhig und idyllisch. Sie betrachtete die Wunde des jungen Mädchens und wandte sich an den herbeigerufenen Kollegen aus der Gerichtsmedizin.

“Todesursache und Zeitpunkt?”, fragte sie den weißhaarigen Kollegen, der gerade mit der Begutachtung der Leiche fertig geworden war.

“Nun ja liebe Kollegin, der vordere Teil ihrer Kehle fehlt gänzlich. Ich kann ihnen aber nicht sagen, ob sie verblutet oder erstickt ist. Auf jeden Fall hat sie noch gelebt, als man ihr die Kehle aufgerissen hat. Im umliegenden Gras sind viele kleinen Blutstropfen verspritzt. Sie hat wohl versucht weiterzuatmen und …”.

“Ich werde das Ganze ja dann in ihrem Bericht lesen“
, unterbrach sie in rüde, „Todeszeitpunkt?”

“Das Blut ist noch nicht eingetrocknet, also ist es nicht lange her. Auf einen Zeitpunkt möchte ich mich aber noch nicht festlegen. Die Wunde sieht aus, als hätte sie ein Tier gerissen. Allerdings kann es kein einheimisches Tier gewesen sein. Dazu ist die Wunde zu groß. Wir haben hier gerade mal Füchse, wenn’s hochkommt. Die rennen eher weg, wenn sie Menschen sehen”, stellte der Gerichtsmediziner mit einem Schulterzucken fest.

Stöhnend rieb sie sich die Schläfen. Dieser Fall würde komplizierter werden, als sie vermutet hatte …

WIRD FORTGESETZT…

>> Zum nächsten Teil <<

Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Fremdwesen01-100-minus101-100.jpg” (Originaltitel: TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 27.03.2012
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Auch Träumen kann gefährlich sein …

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Meg Cabot stammt aus Bloomington, Indiana, und lebt mit ihrem Ehemann und ihren zwei Katzen in New York City und Key West. Nach dem Studium hoffte sie auf eine Karriere als Designerin in New York und arbeitete währenddessen u. a. als Hausmeisterin in einem Studentenwohnheim. Mit großem Erfolg, denn immerhin ließ dieser Job ihr genügend Zeit, ihr erstes Buch zu schreiben. Inzwischen hat Meg Cabot mehr als 40 Romane verfasst und ist eine der erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen der Welt. Ihre Plötzlich-Prinzessin-Romane wurden von Hollywood verfilmt.

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Updated: 2. Dezember 2015 — 02:57

18 Comments

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  1. Christa Kuczinski

    Hallo little_wonni,

    Von einigen kleinen Logikfehlern abgesehen, zeichnest du einen Tatort, der durchaus einen Reiz besitzt. Die Gegensätzlichkeit: dieser friedliche Ort und die Brutalität der Tat…eine tolle Idee, die mir gefällt. Ich bin gespannt wie es weiter geht. 😉

  2. Martina Möchel

    Beginnt wie eine wunderbare Betrachtung der Natur und biegt dann ab auf eine Krimi-Nebenstrasse. Könnte aber auch noch als Horrorgeschichte enden… Ich denke, das weiß nur die Autorin, die leider genau in dem Moment aufhört zu erzählen, wenn einem die Geschichte so richtig neugierig gemacht hat. Wie nennt man das nochmal? „Cliffhanger“? Ich finde das echt unfair! 🙁

  3. @ Martina: weshalb denn unfair? Es gibt hier doch viele Autoren die erst einmal das erste Kapitel ihrer Story veröffentlichen um zu schauen wie der Plot ankommt und ob der Schreibstil gefällt.

    @ Christa: verrätst du mir die Logikfehler? Dann kann ich sie vielleicht noch ausmerzen …

  4. Christa Kuczinski

    Huhu little_wonni

    Sie sog die Luft ein, die so wunderbar nach Frühling roch.
    das beißt sich mit:
    Dies lag aber nicht an der Leiche oder am Geruch, der zu ihr herübergetragen wurde.

    Die Leiche dürfte noch keinen Geruch verströmen, außer es richt nach Blut, da sie ja erst vor kurzem getötet worden ist. Wenn es aber schon einen Tag her ist (wenn der vorherige Tag heiß war, könnte sie vielleicht riechen. (So genau weiß ich es leider nicht), müssten die Bluttropfen schon getrocknet sein und können nicht in der Morgensonne funkeln.

    Ist sie schon seit Stunden am Tatort?
    …Gräsermeer, das von Stunde zu Stunde lebendiger wurde.

    Durch das Gräsermeer habe ich das Bild einer großflächigen Wiese vor Augen. Die frische Erde rund um den Tatort passt da irgendwie nicht so recht ins Bild. Sie ist doch nicht vergraben worden? Hier könnte ich mir nieder getretenes Gras vorstellen.

    Wenn ihre Kehle aufgerissen wurde, müsste es dann nicht mehr als Blutspritzer geben?
    Bei diesem Satz könnte ich mir vorstellen, das ihr schwarzes Haar, der wie ein dichter schwarzer Fellteppich hinter ihr ausgebreitet im grünen Gras liegt, dunkel vom Blut ist.

    Laut dem Ausweis, den sie in ihrer Brieftasche fanden…. dieses Mädchen in ihrem weißen Kleid… in meinem Kopf sehe ich eine zarte Person…Das Wort Brieftasche empfinde ich da sehr hart. Vielleicht eine Handtasche? (Meine persönliche Empfindung*)

    Wie gesagt, ansonsten gefällt mir deine Leseprobe sehr gut und ich wüßte gerne, wer denn un der Täter ist. Ich tippe hier auf keinen Menschen… 😉

    Liebe Grüße
    Christa

  5. Du hast recht! Klarer Fall von uneindeutiger Formulierung. Ich habe probiert deine Anmerkungen einzuarbeiten. Ich hoffe nun wird das Ganze etwas klarer 😉

  6. So nun an alle Anderen – Butter bei die Fische: Anmerkungen zum Schreibstil und dem Plot? Wie würdet ihr euch wünschen, dass es weitergeht? Habt ihr Tipps, Tricks und weitere Anregungen für die Story? Nach dem 15ten (sinnvollen) Kommentar schalte ich euch den zweiten Teil frei 😉

  7. Bei Krimis fällt mir eine Beurteilung immer etwas schwer. Ich habe mit so manchen Kimis meine Probleme. Vor allem eine befriedigende Auflösung ist mir wichtig. Was den Stil angeht, erscheinen mir zu klausulierte (nennt man das so?) Formulierungen nicht besonders atraktiv beim lesen. Das kommt hier ja zum Glück kaum vor.

    Was bei Krimis für mich immer nervig ist: der Unterschied zum Thriller ist ja der, das die Protagonisten meist erst nach einer Tat diese kommentieren oder beurteilen. Beim Thriller hingegen kann der Text sehr nah an der Aktion ablaufen. Dieser Umstand ist dann der Grund, warum für mich Krimistory nicht so spannend sind, da muß der Autor mehr leisten um den Leser bei der Stange zu halten.

    Da finde ich es gut, so wie du es machst, dass du Dialoge mit Handlung und Gedanken der Personen mischst. Ich finde das sollte man noch mehr verstärken, das düfte garnicht abreissen. Ein Krimi, bei dem nur berichtet wird, kaum Dialoge stattfinden und Gedanken so gut wie keine vom Autor dargestellt werden, langweien sehr schnell.

    Also mein Tip: den aktiven Wechsel dieser Darstellungsweisen nicht abreißen lassen und sich nicht auf eine dieser Darstellungsweisen einpendeln oder begnügen.

    Hat dir das irgendwie geholfen?

  8. „(…) Wenn man das Ganze von der anderen Seite betrachtete, (…)“ Von hinten oder von unten(!)? Ganz klar ist mir das nicht. Hinten sähe man auch die Blutspritzer auf dem Kleid usw. und von unten … eine seltsame Perspektive, oder nicht? 😉

    Insekten summen und brummen, das ist ok, aber deren Flügelschlag habe ich noch nie gehört ;-). Das ein oder andere Komma könntest du vielleicht auch noch einstreuen.

    Von der Geschichte ist ja noch nicht viel zu erkennen :-(. Da bin ich noch voller Erwartung 🙂 Wenn du schon weiter geschrieben hast (das hörte sich so an), warum machst du dann den Auftakt so winzig?

  9. „Butter bei die Fische“? Bei dir möchte ich nicht ins Aquarium schauen ;-).

    Wenn du so viel an Kommentaren einforderst, halte dich nicht zurück, deine Tipps und deine Meinung zu den anderen Geschichten zu schreiben. Ich denke, jeder Autor freut sich über Resonanz 😀

  10. Da muß ich Micha recht geben, also, Frau Autorin, bitte auch die anderen kommentieren! (Vor allem die von Micha!, Hihi!) 😉

    Und „Butter bei die Fische“, ist ein Ausdruck aus Hamburg und bedeutet, dass man zum warmen Fisch ein Stück butter gibt, damit das ganze noch leckerer wird! Aber sich wußtest du das und wolltest nur deinen Gag bringen, richtig? 🙂

  11. Bisher liest sich das ganz gut. Aber ich warte erst einmal das fertige Stück ab, bevor ich mir ein Gesamturteil bilde. 🙂

  12. Günther, meintest du das jetzt obligatorisch oder ob du diesen Teil in deine Anthologie aufnehmen möchtest?

  13. Hier gibt es ja kein Weiterleitungslink? Kommt der noch?

  14. Ist schon da …

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