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MORD IM MÖBELLAND – Eine Science Fiction-Kriminal-Satire von Petra Weddehage

MORD IM MÖBELLAND

Eine Science Fiction-Kriminal-Satire

von

Petra Weddehage

Das Sternensystem Fantasia lag in einem sehr ungewöhnlichen Teil des Universums und war vor einigen Generationen von Menschen entdeckt worden, die der Übervölkerung des Planeten Erde und der damit einhergehenden Ressourcen-Knappheit entgehen wollten.

Ein Planetensystem mit einer rosafarbenen Sonne, um die sich sieben Planeten drehten, wurde zur neuen Heimat für Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe, sexuellen Ausrichtung und ihrem Mut, den Mund aufzumachen verfolgt wurden. Zudem hatten sie es gewagt gegen die aufkommende Diktatur des Planeten zu protestieren, so dass sie nun um ihr Leben fürchten mussten. Mehrere Milliardäre, die zu diesen Gruppierungen gehörten, und sich mit ihnen solidarisch erklärt hatten, beschlossen ihr Vermögen einzusetzen um sich selber und weitere hunderttausend Gleichgesinnte zu retten.

Von den sieben Planeten waren drei davon für die Besiedelung geeignet, doch auch hierher hatten im Laufe der Zeit Konsumsucht und Machtstreben ihren Weg gefunden. Auf dem Planeten Paradies konnten sich Menschen gehörig austoben, da ihnen dort verschiedene Szenarien in Vergnügungsanlagen geboten wurden. Meistens blieben diese Menschen eine kleine Weile, um sich ihre Sehnsüchte zu erfüllen. Gestärkt konnten sie sich nach diesem kleinem Urlaub wieder dem eigentlichen Leben auf den anderen zwei Planeten zuzuwenden. So blieb Paradies eine Welt, in der Rollenspiele großgeschrieben wurden. Doch schließlich passierten auch hier Dinge, die die unschöne Wirklichkeit zur abstrusen Wahrheit werden ließen.

Julchen stand, mal wieder, an der Kasse. Sie war in der Firma ´Billig, Billiger am Billigsten` auf Paradies die Verantwortliche und heute total genervt. Ihr Chef, Herr Tröter, der im Moment in Beta, Salomo Cuprin weilte, einer Stadt die für ausschweifende Vergnügungen bekannt war, ließ sich dort alles massieren, was von Verspannungen betroffen sein konnte, Genüsslich hatte er ihr vor seiner Abreise noch einmal gehörig den Kopf gewaschen.

Folgendes musste sie sich anhören: „Der Umsatz muss gesteigert werden, und was soll das überhaupt heißen, die Schwebewagen sind defekt. Sorgen Sie gefälligst dafür, dass der Laden läuft. Die Mitarbeiter mit der Supergrippe mal hart an die Kandare nehmen, die sollen sich ja nicht erlauben, in diesem Jahr noch einmal einen Unfallbericht oder Krankenschein abzugeben. Was die Viren angeht, da können sie sich ja überall mit angesteckt haben. Unverschämtheit uns die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen. Das wird noch ein Nachspiel haben……“

So war es eine ganze Weile lang gegangen. Die stellvertretende Filialleiterin kannte das ja schon von ihrem Chef doch es war jedes Mal sehr Nerv tötend, sich die ewig gleiche Laier anhören zu müssen.

Julchen sagte dem hauseigenen Mechaniker Bescheid, der sich gerade damit auseinandersetzen durfte, mit seinen gerade mal 110 Jahren zum ersten Mal Opa zu werden. Dabei war seine Prinzessin, sein Augapfel, doch gerade einmal 21 Jahre alt. Aber darauf konnte und wollte Julchen keine Rücksicht nehmen. Jetzt hing, mal wieder, alles an ihr. Sie sagte ihm eindringlich, dass er die Reparaturen schnellstens erledigen solle. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass der Chef selber nach dem Rechten sehen wolle, genügte, um den grimmigen Gesellen dazu zu bewegen, seine Pausenzeit zu beenden und wieder an die Arbeit zu gehen. Tss, dachte Julchen, was die privat so haben, interessiert mich doch nicht.

Dass sie sich da selber belog, war ihr relativ egal. Klatsch und Tratsch wurden ihr seit jeher von einigen Mitarbeitern zugetragen. Sie waren ihr Garant, dass der Job, den sie innehatte, der ihre blieb. Sie sorgte mit gemeinsamen Aktivitäten dafür, dass der exklusive kleine Club, in dem sich nur auserwählte Mitarbeiter befanden, ihr die Treue hielt.

Gabriel, der sie eigentlich unterstützen sollte, polierte akribisch seine Fingernägel, fuhr sich durch sein blondgefärbtes Haar und tratschte mit einer Bekannten über Gott und die Welt. Einer der wartenden Kunden fing schon an, mit dem Fuß nervös zu tippen. Dies entging Gabe – so kürzte sie den Namen Gabriels ab – natürlich völlig.

Julchen spürte ein vertrautes Gefühl, und ihr Auge begann zu zucken. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich selber um den Kunden zu kümmern. Danach bekam Gabe zu hören, er möge doch seine Unterhaltungen ein wenig auf die laufenden Kunden ausrichten. Dieser schmollte nun in seiner Ecke, seufzte unüberhörbar beleidigt und war superfreundlich zu allen Leuten. Dabei schaute er so traurig aus, dass die Kunden schon fragten, ob er etwas hätte.

Gott, dachte Julchen, was für ein Sensibelchen.

Als die beiden Damen zur Spätschicht erschienen, die sich erdreistet hatten, die Supergrippeviren und die damit einhergehende Grippe dem Unternehmen anzulasten, konnte sie ihre schlechte Laune nutzen, um diesen gehörig den Kopf zu waschen.

Sie teilte ihnen folgendes mit: „Sie werden zu jeder Schutzimpfung, die das Unternehmen für nötig hält, erscheinen. Ihre Kleidung sollte auch zum Wohle ihrer Gesundheit dementsprechend angemessen ausfallen. Also, bitte, nicht mehr halbnackt hier herumlaufen, dann erkältet sich auch niemand.“ Dabei schaute sie missbilligend auf die kurzen Röcke und die ausgeschnittenen Blusen, die ihre Kolleginnen trugen.

Zufrieden, ihren Frust an die betreffenden Individuen weitergegeben zu haben, entfernte sich Julchen und betrat das Büro, das nun ihr Reich war. Wenigstens bis der Oberchef, hoffentlich gut durchgeknetet und in guter Stimmung – sie wartete schon lange auf eine Gelegenheit, eine Lohnerhöhung anzusprechen -, wieder das Kommando übernahm.

Weil sie nichts zu tun hatte, außer mal wieder die Arbeitspläne zu erstellen, bestellte sie Gabriel zu sich.

Dieser betrat das Büro und erhoffte sich, dass seine Vorgesetzte nun bessere Laune hatte. Eventuell gab es ja einen Kaffeeplausch mit Julchen. Immerhin verstanden sie sich, bis auf kleinere Querelen, ganz gut. Schwungvoll riss er die Tür auf. Hier war fast alles im Stil des angehenden 20sten Jahrhunderts gehalten, um die Kunden in nostalgische Stimmung zu versetzen. Daher gab es keine automatischen Türen, die sich öffneten. So mussten die Menschen schon selber tätig werden, aber darin lag ja der Reiz dieser Einrichtung.

Ein berstendes Geräusch ließ das Grinsen auf seinem Gesicht zu einer entsetzen Maske gefrieren. Julchen sah gerade noch, wie der Boden, auf dem Gabe stand, einstürzte. Das heißt: Er leuchtete auf, und ein Teil war einfach verschwunden. Ein entsetzter Schrei löste sich von Gabes Lippen, und er verschwand in der Öffnung.

Die Ermittlungen ergaben später, dass Gabe einige tausende Kilometer Richtung Planet Paradies gefallen war, da sich alle Böden an dieser Stelle gleichzeitig aufgelöst hatten.

Immerhin befand sich das Einkaufszentrum im Herzen von Monopolycity. Dies war, dank der geringen Schwerkraft, bis in die Stratosphäre gebaut worden.

Die technischen Details waren Julchen nicht so geläufig. Hauptsache, es funktionierte. Fassungslos saß sie am Tisch und schaute zu, wie das Loch wieder verschwand und festem Boden Platz machte. Wie war so etwas möglich? Erste Berichte gingen ein, und ihr Telefon fing schrill an zu läuten. Sie nahm mit zitternden Händen den nostalgisch geformten Griff in die Hand.

Es war ein Vorläufer der modernen Kommunikationsgeräte. Sie hörte ein Schnaufen, und dann rezitierte jemand mit gruseliger Stimme: „Einer ist gesprungen, der hat zu laut gesungen, werde erst wieder gehen, wenn ich hab alle zehn.“

Dann hörte man ein Klicken in der Leitung, und kurz darauf kamen Leute der Sicherheitsabteilung in ihr Büro. Ehe sie auch nur mit der Wimper zucken konnte, eilte eine hübsche Brünette vom Oberkommando auf sie zu und zeigte auf einen Gegenstand neben ihrem Schreibtisch. Die Agentin drehte sich zu ihren Kollegen um und sagte:

„Sie war es eindeutig, alles was unser Informant erzählte stimmt.“

Überrascht betrachtete Julchen den Gegenstand, auf den die Frau zeigte. Es handelte sich um einen Wandauflöser. Das Gerät wurde benutzt, um die Wände im Markt zu verschieben und neu zu gestalten.

„Gestehen Sie, sonst wird es nur umso schlimmer für Sie werden. Wieso haben Sie Ihren Kollegen ermordet? Hat er sie zurückgewiesen, war das ihr Motiv?“ Die Ermittlerin bombardierte sie förmlich mit Fragen.

Jetzt war Julchen völlig aufgelöst und versuchte, sich zu rechtfertigen: „Nein, so war es nicht, ich weiß nicht was geschehen ist. Auf einmal war der Boden fort, und Gabe fiel … und der Schrei … Wie furchtbar!“

Die Ermittlerin schüttelte resigniert den Kopf und gab dem inzwischen eingetroffenen Arzt einen Wink. Der gab Julchen etwas zur Beruhigung, da die Frau einen Schock erlitten hatte. Milena vermutete, dass die Fingerabdrücke auf dem Werkzeug die DNA der Beschuldigten enthielten, doch konnte es wirklich so einfach sein?

Die Ermittlerin würde wohl tiefer im Privatleben aller Angestellten graben müssen.

„Milena“, der Ruf ihres Kollegen veranlasste die Frau sich ihm zuzuwenden. „Hier, hören Sie mal, das Gespräch von dem geheimnisvollen Anrufer ist aufgezeichnet worden.“

Milena Komore spürte, dass ihr Bauchgefühl sie nicht getäuscht hatte, als sie Julchen für ein Opfer hielt. Mike, der technische Assistent und ein echter Überflieger, wenn es darum ging, technische Gerätschaften aller Art zu sichern oder aufzuspüren, deutete mit seiner Hand auf ein leuchtendes Signal. Er drückte die entsprechende Taste, und sofort hörten sie die Worte des Anrufers.

Julchen hatte sich derweil wieder beruhigt und ging ihrer Pflicht nach. Sie versuchte vergeblich, ihrem Chef von den Vorkommnissen in der Firma zu erzählen. Wahrscheinlich ist er mit einer üppig proportionierten Brünetten oder Blondine unterwegs, dachte sie. Es war ein offenes Geheimnis, dass ihr Boss auf Frauen abfuhr, die gut im Futter waren – um es mal deutlich auszudrücken.

Entnervt wollte sie schon aufgeben, als ihr Privathandy klingelte. Das neumodische Gerät war eigentlich in den Räumen der nostalgisch geführten Ladenkette streng verboten. Aber was der Chef nicht weiß, dachte Julchen entnervt, macht ihn nicht heiß. Sie meldete sich:

„Julia hier, wer da?“

Ein Stöhnen am anderen Ende jagte ihr eine Gänsehaut über den Körper.

„Einer weg, da bleiben Neun, dich trifft es jetzt, hast keine Zeit mehr etwas zu bereuen“, erklang die Stimme, die ihr noch wohlbekannt war.

Noch ehe sie reagieren konnte, jagten Stromstöße durch ihren Körper. Dieser zuckte unkontrolliert. Die Schläge waren so stark, dass die Frau, als sie auf dem Boden aufschlug, schon tot war.

Milena hörte einen sirrenden Ton und dann … Etwas fiel, das sich verdächtig nach einem menschlichen Körper anhörte.

Verdammt, dachte sie. Vorsichtig näherte sie sich dem Ort, der die Ursache des Geräusches war.

Wie befürchtet fand sie Frau Julia Gummersbach tot auf. Ein Pfeil, der elektrische Stromstöße aussenden konnte, hatte sich durch ihr linkes Auge direkt ins Gehirn gebohrt.

„Verdammter Mist, das gibt es doch nicht, wieso habe ich diese Falle übersehen?“

Ratlos schüttelte Mike mit dem Kopf. Er war nicht nur in der Technik ein absolutes As, außerdem konnte er Sprengfallen und ähnliches wittern. Jedenfalls behaupteten das seine Kollegen. Der siebte Sinn des Mannes hatte ihnen schon manchmal den Arsch gerettet.

Seufzend machte sich Mike daran, das Rätsel zu lösen.

* * *

Milena war sauer, nicht nur dass ihr Täter nun das Opfer war, zudem hatte sie ebenfalls den Verdacht, dass Frau Gummersbach sehr wohl gewusst hatte, von welcher Seite die Gefahr drohte. Hatte sie sich zu sicher gefühlt?

Jetzt hieß es, in eine andere Richtung zu ermitteln.

Im Büro traf sie auf Peter Wunderwinkel. Dieser erzählte ihr eine interessante Story.

„Ja, die Gummersbach. Tragisch, und das wo sie schon so viel Pech hatte vor allem mit diesem Ex von ihr“, säuselte der charmante Mann Milena zu.

Diese reagierte leicht genervt und fragte etwas streng: „Wovon reden sie eigentlich?“

„Die Sache verhält sich so“, ereiferte sich der Büroangestellte, „Julia lernte einen Studenten in diesem Unternehmen kennen. Es war Liebe auf den ähem sagen wir mal ersten Blick bei ihr und dritten bei ihm. Detlef studierte damals Sozialwissenschaften. Es machte ihm wohl kaum Spaß, und so kam es, dass er lieber eine volle Stelle in unserem Unternehmen antreten wollte. Leider gibt es kaum einmal freie Jobs bei uns. Also versuchte Detlef sich auf andere Weise einen Job zu sichern. Immer wieder geriet dabei eine Kollegin von uns ins Visier. Wir nahmen die Sprüche von Detlef erst nicht so ernst, aber immer wenn Luci ein geringfügiger Fehler unterlief, hat er das sofort seiner Verlobten erzählt und total aufgebauscht. Zudem immer diese Sprüche in Frau Weros Richtung.“ Milena hakte nach: „Was für Sprüche?“

Herr Wunderwinkel berichtete: „Inhaltlich immer sowas wie, ja, Chef geben Sie mir doch die Stunden von Frau Wero, und ich höre mit dem Studium auf. Alles immer im halben Spaß mit ernstem Unterton hervorgebracht.“

Als ich dann vor ein paar Jahren Hilfe im Büro brauchte, hatte Frau Wero Glück und bekam die Stelle. Sie und ich harmonieren gut miteinander, und sie brachte ja auch das nötige Knowhow mit, um sich schnell einzuarbeiten. Eine andere Mitarbeiterin bekam Frau Weros Stunden. Diese war glücklich, da sie ansonsten woanders angefangen hätte. So ersparte sie sich eine erneute Einarbeitung. Also, die Situation war absolut positiv für unser Unternehmen.

Nach ein paar Wochen allerdings bemerkte Frau Wero, dass Frau Gummersbach immer wieder so tat, als würde die Einarbeitung zu langsam verlaufen, und versuchte auch, ihr das Gefühl zu geben, sie sei nicht kompetent und schnell genug. Eben immer das Haar in der Suppe. Als Frau Wero mich fragte, was da los sei, sagte ich ihr die Wahrheit.

Detlef, der Verlobte von Frau Gummersbach, meinte, die Stelle stände ihm zu, doch das wollte unser Chef auf gar keinen Fall. Also fing die Gummersbach an, Julia zu triezten und sie unter Druck zu setzen. Wahrscheinlich hoffte diese Luci würde resignieren, so dass ihr Verlobter die Stelle doch noch übernehmen konnte.

Die Beiden haben auch noch geheiratet, aber als Detlef dann versuchte, Frau Wero bei der anschließenden Feier umzubringen, war es aus.“

Milena glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen: „Wie war das? Umbringen? Wann und wie und wo?“, fragte sie völlig elektrisiert.

Herr Wunderlich erzählte: „Bei dem Empfang nach der Hochzeitsfeier ist es passiert. Die Feier fand außerhalb der Stadt auf einem riesigen Schlossgelände statt. Frau Wero, also, unsere Luci, wurde von mir gefunden. Sie hatte einen allergischen Schock. Wenn ich sie nicht gefunden hätte, wäre sie erstickt. Später sagte Luci aus, dass der Bräutigam ihr ein Getränk aufgedrängt hätte. Es war wohl ein sehr dunkler Rotwein. Da wir das Glas sicherstellen konnten, fand die Polizei dort Spuren von Walnussextrakt. Dagegen ist meine Kollegin hochallergisch. Das Ganze wurde ad acta gelegt und als Unfall abgetan. Allerdings war zu dem Zeitpunkt schon ein Riss in der Beziehung von Detlef und Julia Gummersbach. Schließlich fand sie heraus, dass er noch eine geheime Beziehung zu einer unserer Praktikantinnen führte und sie selbst nur Mittel zum Zweck war, um ihm einen guten Lebensstandard zu garantieren.

Das ehemalige Traumpaar trennte sich einvernehmlich, aber seither gab es immer noch Spannungen zwischen Luci und Julia.

Luci, also, Frau Wero, ist kein nachtragender Mensch, doch Julia, also, Frau Gummersbach, leider schon. Außerdem hatte sie wohl ein schlechtes Gewissen wegen der ganzen Angelegenheit und auch das sie selbst tätig wurde, um Frau Wero loszuwerden.“

„Wo ist Frau Wero denn nun überhaupt?“ erkundigte sich Milena.

„Ach, die ist im Moment bei ihrer Tochter mit der ganzen Familie, sie wird bald Großmutter, die weiß noch nichts von diesem Desaster hier“, antwortete der Büroangestellte sogleich.

Jetzt war Milenas Jagdinstinkt erst so richtig erwacht. Die Filiale wurde bis auf weiteres geschlossen, die Mitarbeiter verhört, die Aussagen protokolliert, und unter der Voraussetzung der Verschwiegenheit durften schließlich alle Mitarbeiter nach Hause gehen.

* * *

Milena hatte Mike inzwischen darauf angesetzt, in den Retrogeräten der Firma sowie Notizheftern nach brisanten beziehungsweise relevanten Informationen zu suchen. Immerhin konnte es ja sein, dass sie sich irrte und Detlef der Ex von Frau Gummersbach nicht der Killer war.

Mike fand interessante Verträge. Herr Tröter hatte für alle Mitarbeiter kurz vor seinem Urlaub eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen.

Nutznießer war er selbst. Ob die Angestellten überhaupt wussten, was ihr Chef da veranstaltet hatte?

Es wurde immer verrückter.

Interessanterweise war das Fax an die Versicherung aber von Frau Wero gesendet worden. Nun, auch das konnte man vortäuschen, Datenklau war ja sehr beliebt, und da hier jeder Mitarbeiter auch ein fast identische Passwort besaß und sie seinen Kollegen sogar zur Verfügung stellte, wenn es mal schnell gehen sollte….

Ihr sträubten sich die Nackenhaare.

„Ring …tüdeldidü … ring …“, machte ihr Handy.

„Hallo, Frau Komore, sehr schön wie Sie die Spuren verfolgen, ja, ich habe ihnen ein wenig Arbeit abgenommen. Die Täter bestraft, sozusagen. Irgendwann werden wir uns treffen, aber damit ihnen die Lorbeeren zugesprochen werden, gehen Sie bitte zu folgenden Koordinaten…!

Milena war noch schockiert das jemand offensichtlich als Stalker fungierte und sie auserkoren hatte, seine Neigungen auf sie zu übertragen.

Als erstes rief sie ihre Kollegen in Beta, Salomo Cuprin noch einmal an. Diese hatten versucht, Herrn Tröter zu finden. Letztendlich war es ihnen auch gelungen.

„Das war echt gruselig“, sagte Harybaldi Song zu ihr. „Er lag völlig entspannt in einem Massagesessel, war aber mausetot, Herzinfarkt. Ein Bekennerschreiben lag neben ihm.

Daraus geht hervor, dass er mit einem Herrn Gummersbach gemeinsame Sache machte und er sich durch die Lebensversicherungen seiner Mitarbeiter sanieren wollte. Sein Komplize muss sich noch der Nähe ihrer Filiale aufhalten.“

Milena dankte für die Auskunft und bat ihn, alle relevanten Unterlagen auf ihr Revier zu senden, damit sie den Fall abschließen konnte.

Mike hatte mittlerweile noch ein paar Fallen gefunden und diese entschärft. Unter anderem waren Zigaretten, Aschenbecher und Toiletten betroffen. Im Nichtraucherraum lagen Kekse die sofort zum Tode geführt hätten.

Mike sagte seufzend: „Solche perfiden Methoden lassen eine riesige Wut und eine bemerkenswert hohe kriminelle Energie vermuten.“

Milena machte sich nun auf, den Ex von Frau Gummersbach zu suchen. Im Lager wurden sie fündig. Doch auch hier war alles zu spät. Der Mann hatte sich selber mit Gift gerichtet. In einem Bekennerschreiben, das die Ermittler neben seiner Leiche fanden, ging hervor, dass er den Chef hereingelegt hatte und ihm die Unterschriften für die Verträge der Lebensversicherung unterschob. Mit Hilfe einer halluzinogenen Droge hatte Herr Tröter alles getan, was Detlef verlangte.

Durch den Tod seiner Ex-Frau und den verdammten Mitarbeitern, die ihn um seinen Job betrogen hätten, und vor allem Frau Wero, die seiner Meinung nach zu inkompetent war, um seinen Job zu erledigen, wollte er sich rächen. Darum hatte er alles so arrangiert, dass Frau Wero als Mörderin hingestellt wurde.

Milenas Handy klingelte erneut: „Nun, Frau Komore, oder darf ich schon Milena sagen? Nein …? Dann später. Das Gute hat gesiegt, und Frau Wero ist in Sicherheit. Ich gratuliere Ihnen zu ihrem ersten gelösten Fall. Bisher hatten sie da ja eher nicht so viel Erfolg. Wir werden uns garantiert irgendwann einmal persönlich treffen. Seien Sie jetzt ein braves Mädchen, genießen sie den Erfolg und lassen Sie erst einmal alles andere auf sich beruhen. Bis bald einmal.“ Mit einem hörbaren Klick endete das Gespräch.

Milena war fassungslos. Ja, der Erfolg war bitter nötig für sie. Bisher fehlten ihr immer wieder einige Puzzleteile, doch eines war sicher: Dieses Mal hätte sie vermutlich auch alleine alles herausgefunden, obwohl … die Leichen von Gummersbach und Tröter waren sehr offen präsentiert worden.

Mit einem unguten Gefühl machte sich die junge Ermittlerin auf den Rückweg in ihre Dienststelle, um das Lob für ihren Erfolg entgegenzunehmen. Zudem hatte sie ja durch ihre Ermittlungen weitere Personen vor einem furchtbaren Tod bewahrt, tröstete sie sich selber. Allerdings dachte sie nicht im Traum daran, ihren geheimnisvollen Stalker zu erwähnen.

* * *

An einem weit entfernten Ort:

„Glaubst Du, dass es richtig war, ihr so sehr zu helfen?“, fragte ein Lebewesen ein anderes.

„Ja, ich bin davon überzeugt, dass sie ab jetzt akribischer arbeitet und Beweise sichert. Ihr Vorgehen bei Ermittlungen dürfte daher wesentlich gezielter ablaufen. Du bist Dir bewusst, was auf dem Spiel steht?“, erkundigte sich das andere Wesen.

Als dieses zustimmend nickte, jubilierte das andere Geschöpf innerlich, es hatte gewonnen.

Jedenfalls für den Moment.

© Copyright März 2015 Petra Weddehage (PW)

„Von meinem besonderen tag“ mit freundlicher Genehmigung von http://www.wolfgangsigl-grafiken.de

Bildrechte: DIE FRÜHEN FÄLLE DER MILENA HIMIKO KOMORE” (milena-antho-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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.
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Medium:  Buch
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Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  März 2015
Maße:  305 x 215 mm
Gewicht:  664 g
ISBN-10:  378435372X
ISBN-13:  9783784353722

Beschreibung
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12 Comments

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  1. Sehr schön! Das trifft genau mein Humorzentrum! Klasse Frau Weddehage! 😉

  2. Wollte schon fragen, ob die schnelle Abhandlung des Falls nicht etwas unrealistisch sei oder weshalb die Geschichte parktisch im Eiltempo ein Ende finden sollte.

    Aber dann wurde mir der Satire Faktor sozusagen vorgelegt und ich erkannte, dass wohl alles stimmig war.
    Abgesehen von kleineren Schreibfehlerche oder einer falschen Kommasetzung.

    Prinzipiell brachte mich dieses Amüsement durchaus zum schmunzeln, besonders die Namen von orten oder Charakteren haben mich sehr erheitert.

    Nette Geschichte; ich muss sie wohl noch einmal lesen um zu erfahren, wer die beiden erwähnten „Wesen“ am Ende waren. *grins*

  3. Lieber Daniel, kannst du mal die wenigen Fehler, die du hier gefunden hast, in den Kommentar posten. Da ich weiss, dass die Autorin diesen Text extra von einer Profi-Autorin hat überarbeiten lassen? Dann kann die sich das nochmal anschauen, was sie vielleicht überseehen hat. Und vielen Dank, Daniel, dass du hier so aktiv bist und anderen durch dein Feedback hilfst ihre Texte besser einzuordnen! 🙂

  4. Übrigens das Palettenbuch passend zum Möbelmarkt, findet das überhaupt jemand so richtig witzig? Das war nämlich mein Anteil an diesem Post.

  5. …konnte, Genüsslich… denke nach dem Komma wäre das Wort klein zu schreiben

    …Chef doch… fehlt da nicit ein Komma?

    …Dass sie sich da selber belog… Das am Satzanfang mit 2 s? Weiß nicht, ob das richtig ist.

    …Gefühl, und ihr Auge… Komma / und?

    …Hier war fast alles im Stil des angehenden 20sten Jahrhunderts gehalten, um die Kunden in nostalgische Stimmung zu versetzen…
    Angehendes Jahrhundert? Es soll doch nostalgisch eingerichtet sein? Als nicht Zukunft, sondern Vergangenheit, oder?

    …Hauptsache, es funktionierte… Denke mal, ein komma wäre hier nicht nötig, glaube aber, es ist nicht grundsätzlich falsch.

    …Schnaufen, und…
    …in der Leitung, und…
    wieder Komma / und. Schwierig zu sagen, ob das immer so passt, kommt sehr häufig in der Kombination vor in der Geschichte.

    …As… Ist Ass gemeint?

    …, hat er das sofort seiner Verlobten erzählt und total aufgebauscht… SICH total aufgebauscht?

    …Alles immer im halben Spaß mit ernstem Unterton hervorgebracht.“

    Als ich dann vor ein paar Jahren Hilfe im Büro brauchte,… Die Gänsefüsschen am Absatzende beenden den Dialog, er spricht im folgenden jedoch weiter.

    …Wahrscheinlich hoffte diese Luci würde resignieren… hoffte SIE diese Luci würde resignieren?

    …also, Frau Wero…
    …also, Frau Gummersbach…
    Da würde ich auf die Kommas verzichten; nur so ein Gefühl.

    …und Detlef der Ex von Frau Gummersbach… hier würde ich zB nach Detlef & Gummersbach ein Komma setzen.

    … Nun, auch das konnte man vortäuschen, Datenklau war ja sehr beliebt, und da hier jeder Mitarbeiter auch ein fast identische Passwort besaß und sie seinen Kollegen sogar zur Verfügung stellte, wenn es mal schnell gehen sollte…… Das erste UND würde ich weglassen, sonst wird der Satz meinem Verständnis nach nicht stimmig.

    …und da hier jeder Mitarbeiter auch ein fast identische Passwort besaß… indentischeS

    Das ist nicht alles, aber daas markanteste, was mir spanisch vorkam. Mir macht das aber nicht wirklich Freude, denn ich will ja ne geschichte lsen und nicht zerrupfen. Bei einigen Milena Geschichten fällt es mir ohnehin schwer, den Inhalt zu speichern, da oft mit Sätzen in Sätzen gearbeitet wird, sich deren Inhalt für meine Augen somit häufig verliert und ich die Passage dann mehrmals lesen muss.
    Und schließlich bin ich kein Spitzen Grammatiker oder gar Lektor. *seufz*

  6. Ja Martina, es besitzt einen gewissen Witz 🙂

  7. Vielen Dank Daniel, ich werde der Autorin bescheid geben, dass sie das in ihrer Veröffentlichung berücksichtig.

    Liebe Grüsse
    Martina

  8. Hi Martina,
    hab erst jetzt Zeit gehabt zu schauen. Ja das Palettenbuch ist Spitze. 🙂
    LG Deine Petra

  9. Finde die Geschichte gut gelungen und spannend. Der Schluss ist jedoch zu abgehakt. Die Rätsel waren eine gute Idee, hätte man mehr draus machen können. Den Dialog zwischen den Kreaturen zum Schluss habe, ich auch nicht verstanden, ich nehme aber an, dass es dazu noch weitere Geschichten gibt.

    vlg

  10. Lieber Daniel,
    Sorry das ich erst jetzt dazu komme Dir für dein Feedback zu danken. Ich bin immer froh wenn überhaupt Kommentare kommen. Also danke an Alle, die sich die mühe gemacht haben.
    So zurück zu Daniel. 🙂
    Ich hab noch mal alles gelesen und gemerkt, Du hast vollkommen recht. Die Fehler werde ich beim überarbeiten der Story ausmerzen. Zudem ist die Erwähnung der beiden Wesen dazu da, das Milena-Versum zu bereichern. Wer die Storys der weiterentwickelten Milena kennt dürfte eventuell herausfinden wer oder was die Wesen sein könnten.
    Zu den Rechtschreibfehlern: Bin erstaunt das das doch so viele waren, da ich eine befreundete Lektorin bat noch einmal drüber zu schauen.
    Da sieht man wieder einmal das wir alle nur Menschen sind. 🙂

    Also danke noch einmal an alle die meine Story gelesen haben. Bitte gebt mir weiter Feedback nur so kann man sich weiterentwickeln.

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