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Literatur-Blog

Monika Geier – Neapel sehen. Bettina Boll 2.

Monika Geier
Neapel sehen
Bettina Boll 2

Argument Verlag, Hamburg, 2001, 4. Auflage: 09/2008
TB, Ariadne Krimi 1136, 349/1990
ISBN 978-3-88619-866-5
Titelgestaltung von N. N.

www.argument.de
www.ariadnekrimi.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Selten entdeckt man Romane einheimischer Autoren in den Verlagsverzeichnissen – die Masse stammt aus dem englischsprachigen Raum –, und so freut man sich, dass mit Monika Geier ein deutscher Stern am Krimihimmel erschienen ist. Die Pfälzerin siedelt ihre Handlung in der vertrauten, heimatlichen Umgebung an. Daraus ergibt sich ein ganz besonderes feeling: Man liest (der gleichfalls pfälzischen Rezensentin) bekannte Namen wie Kaiserslautern, Neustadt, Landau usw. oder auch mal ein paar Brocken geläufigen Dialekt. Das macht die Geschichte reizvoller und realistischer als die übl(ich)en Amerikanismen oder exotischen Schauplätze, auf die andere Autoren setzen (ein gestörtes Heimatidyll ist z. B. auch das Erfolgskonzept des „Bullen von Tölz“).

Kriminalkommissarin Bettina Bolls Schwester ist todkrank. An ihrem Geburtstag ist sie urplötzlich mit den beiden Kindern, Bettinas Auto und deren Kreditkarte verschwunden. Nur eine knappe Notiz wurde hinterlassen, aber keine Adresse, kein Zielort genannt. Etwas Ablenkung von Bettinas privaten Sorgen bringt die Leiche der Lehrerin Aurelie Loor, die in einem Steinbruch entdeckt wurde. Zunächst sieht es nach einem Unfall aus, aber ein paar merkwürdige Kleinigkeiten veranlassen Bettina, die simpelste Lösung zu verwerfen und das Umfeld der Toten zu überprüfen. Nach und nach lernt sie die Personen kennen, die Aurelie nahe standen. Obwohl zunächst niemand schlecht über sie reden will, scheint jeder seine Konflikte mit ihr gehabt zu haben und bestrebt zu sein, die Ermittlungen zu behindern. Nur, wer hatte ein ausreichendes Motiv, um den Mord zu verüben?

Als sich die Indizien mehren und der Fall kurz vor seiner Aufklärung steht, empfängt Bettina einen dringlichen Anruf ihrer Schwester, die in Neapel weilt. Etwas in deren Stimme veranlasst die Kommissarin, alles stehen und liegen zu lassen, um so schnell wie möglich bei ihr zu sein. Das Verschwinden der Schwerkranken ist eigentlich nur eine Rahmenhandlung, die aufzeigt, dass auch die Polizisten ein anstrengendes Privatleben haben, dass die Hauptfigur nicht immer souverän den Fall löst, dass nie etwas glatt geht, die Realität stattdessen Tragödien bereit hält – ganz anders, als es die gängigen Filme und Romane vorgaukeln. Im Zentrum stehen die Ermittlungen, die kreuz und quer laufen. Es gibt mehrere Tatverdächtige; alle, einschließlich der Toten, haben seltsame Neigungen, ihnen unangenehme Probleme oder gar etwas mehr zu verheimlichen – wie blutige Obsessionen, ein Reißer, den das Buch gar nicht nötig gehabt hätte, zumal der erfahrene Krimileser gleich davon ausgeht, dass es sich hier um eine falsche Fährte handeln dürfte.

Regelmäßig wechseln die Perspektiven, so dass die Ereignisse nicht allein aus der Sicht der Kommissarin geschildert werden und ein rundes Bild des Szenarios entsteht. Der Leser hält eine gewisse Distanz zu allen Figuren, die zu bizarr gezeichnet sind, um sich zur Identifikation anzubieten; es gibt keinen einzigen wirklich gefälligen und bequemen Charakter. Auch kommt der Roman gänzlich ohne romantische Szenen um seine Hauptfigur aus – ein reiner Krimi, kein Love-Story-Verschnitt. „Neapel sehen“ impliziert eine Redewendung, die sich in diesem ungewöhnlichen Konglomerat an dubiosen Gestalten und Szenarien einfach erfüllen muss. So gibt es auch kein Happy-End, sondern nur eine sinnvolle, unerwartete Auflösung und einen frustrierenden Schluss für die Kommissarin, der kaum überrascht. Das Buch ist etwas unkonventionell, spannend, überzeugend und bitter – einmal etwas ganz anderes als die populären Action-Thriller mit ihren Retorten-Helden.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

BESTELLUNGEN WERDEN GERNE ENTGEGENGENOMMEN UND ERHÖHEN DIE PREISGELDER FÜR UNSERE AUTOREN BEI UNSEREM STORYWETTBEWERB – EINFACH HIER KLICKEN:

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Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Als sich die Indizien mehren und der Fall kurz vor seiner Aufklärung steht, empfängt Bettina einen dringlichen Anruf ihrer Schwester, die in welcher Stadt weilt? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Eine alternative Teilnahme per Kommentar findet sich hier!


Gewonnen hat: Claudia Chulskiy, Dawid Domingo und Pinar Mayer. Herzlichen Glückwunsch! Wir danken unserem Sponsoren und auch allen Teilnehmern!

Updated: 8. Dezember 2011 — 18:36

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  1. Gewonnen hat: Claudia Chulskiy, Dawid Domingo und Pinar Mayer. Herzlichen Glückwunsch! Wir danken unserem Sponsoren und auch allen Teilnehmern!

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