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Literatur-Blog

Messetagebuch Leipziger Buchmesse 2011 von Barbara Wegener

Die Leipziger Buchmesse. Schon seit Oktober freue ich mich darauf. In diesem Jahr habe ich einen besonderen Grund aufgeregt zu sein. Ich habe vor, Aileen P. Roberts zu „überfallen“.

Freitag

Zunächst ging alles los, wie in jedem Jahr. Die Taschen sind gepackt, mein Mann Lutz steht vor dem Berg an mitzunehmenden Taschen, Tüten, Beuteln etc., runzelt die Stirn und gibt das übliche: Wo soll das alles untergebracht werden, von sich.

Ich setzte noch einen drauf. Das Gepäck meiner Freundin Dana muss auch noch in den Wagen.

13 Uhr 30 am Freitag. Dana kommt. Zum Glück hat sie nur eine kleine Tasche, einen Rucksack und den unvermeidlichen Laptop dabei.

Alles wird in den Wagen geladen und ab geht’s zu Svens Schule. Hier müssen wir noch eine viertel Stunde warten. Mein Kleiner hat Sport in der letzten Stunde. Das dauert also, bis er endlich im Wagen sitzt.

Dann schnell wieder nach Hause, die Schultaschen ins Haus gebracht (Sven will einfach nicht vier Stunden lang sein Gepäck auf dem Schoß halten) und dann ist es soweit. Leipzig – wir kommen.

Das Wetter ist durchwachsen, die anderen Autofahrer nach Aussage meines Mannes Trottel, das Navi gibt seinen Geist auf, trotzdem erreichen wir um kurz nach 18 Uhr das Hotel Carl von Clausewitz in Liebertwolkwitz. Ein kleines, feines Hotel, sauber, preiswert und für unsere Zwecke ideal.

Es wird eingecheckt und das Gepäck auf die Zimmer getragen. Mein Magen meldet sich. Er braucht input. Zum Glück sind alle schnell fertig und ab geht’s zum Brauhaus Napoleon. Das ist schon Tradition bei uns. Die Speisen sind ausgezeichnet und preiswert, wenn man Glück hat, wird man von einem Herrn in einer originalgetreuen Uniform der Befreiungskriege begrüßt. Diesmal trug er eine Preußische Uniform. Auf Wunsch der Gäste werden Informationen zu den Uniformen und zur Völkerschlacht beantwortet.

Bekannt ist das Restaurant Napoleon für seine selbstgebrauten Biere, seine ausgezeichneten Liköre und der Möglichkeit an Bierseminaren teilzunehmen.

Mein Magen gleicht einem schwarzen Loch. Eine halbe (kleine^^) Ente, zwei Knödel und ein Salatteller finden darin Platz. Auch meine Leute kommen auf ihre Kosten.

Mein Mann ersteht noch eine CD mit Marschmusik aus der Zeit der Befreiungskriege, Sven – wie in jedem Jahr – eine Musketenkugel.

Dann geht’s wieder ab ins Hotel. Wie sind vollkommen erledigt und fallen in unser Betten.

Samstag

Es ist halb sechs. Schon seit einer Stunde kann ich nicht mehr in meinem Bett liegen, weil mein Rücken so langes Liegen nicht gewohnt ist.

Ich ziehe mich also leise an und gehe vors Hotel. Probleme gibt’s hier nicht. Selbst für Leute, die nicht sehr gut zu Fuß sind. Man kann sich überall abstützen.

Die erste Zigarette des Tages^^

Auf meinem Weg zur Hoteltür habe ich gesehen, dass im Frühstücksraum schon gedeckt wurde. Meine Chance auf einen Kaffee.

Ich liebe dieses Hotel. Kaffee Zigarette, nette Bedienung, was will der Schriftsteller zu nachtschlafender Zeit mehr^^

Zurück ins Zimmer. Geduscht, ordentlich angezogen, meine Männer und meine Freundin aus den Betten getrieben und kurz die Mails gecheckt.

Dann geht’s zum Frühstück.

Frühstück in einem Mittelklasse Hotel. Vollkommen ausreichend, lecker, freundliche Bedienung, Gäste verschlafen… Wir beeilen uns. Mein Mann will heute eine Stadtrundfahrt machen, während wir die Messe besuchen. Die Stadtrundfahrt beginnt um 10:30 Uhr. Eine viertel Stunde vorher muss er seine Karte holen.

Wir werden also relativ früh am Messegelände abgeladen.

8 Stunden Messe liegen vor uns. Wir werden erst abgeholt, wenn Lutz die Rundfahrt beendet und dann die Bundesligaspiele gesehen hat. 8 Stunden Messe. Ein Traum^^

Wir lösen die Eintrittskarten und begeben uns gleich zu den Hallen.

Noch ist relativ wenig los. Aber die ersten Cosplayer sind schon unterwegs. Es ist erstaunlich, mit wie viel Liebe zum Detail einige der Kostüme gearbeitet sind.


Zunächst geht es in Halle 3. Wir bleiben einige Minuten ergriffen stehen. Der Geruch von frisch bedrucktem Papier steigt uns in die Nase.

In Halle 3 hat der Mecklenburger Buchverlag aus Neubrandenburg einen kleinen Stand. Ich hatte versprochen kurz Hallo zu sagen und kann ein signiertes Exemplar vom „Zwangstagebuch“ von Beatrice Kietzmann ergattern.

Dann arbeiten wir die Liste ab, die wir vor der Messe erstellt haben. Heyne, Piper, Bastei-Lübbe etc. werden angesteuert und die Neuheiten ausgiebig studiert.

Am Stand des Goldmann-Verlages treffen wir auf Aileen P. Roberts.

Wir versprechen, um 16:30 Uhr zur Fantasy-Leseinsel zu kommen und uns ihre Lesung anzuhören.

Hunger. Sven will endlich etwas essen. Also begeben wir uns in die Glashalle.

Es ist voll. Wir können uns aber einen Tisch beim Pastastand ergattern und verschlingen unsere Penne Arabiata. Meine beiden Begleiter atmen auf, als sie ihre müden Füße ausruhen können.

Danach geht es erst einmal an die frische Luft. Hier treffen wir auf meine Freundin Steffi aus Dresden, die mit einer Brieffreundin auch die Messe besucht.

Zusammen machen wir, nach einer kleinen Pause, wieder die Messe unsicher.

Sven drängt darauf, die Messebuchhandlung zu besuchen. Ich ahne Fürchterliches. Und das geschieht auch. Mein Girokonto wird fürchterlich geplündert.

Voll bepackt mit Büchertaschen geht’s dann zur Leseinsel.

Aileen liest wunderbar. Sven ist hin und weg.

Nach der Lesung kaufe ich noch zwei ihrer Bücher und lasse sie mir signieren.

Nun wird es Zeit zu gehen. Wir haben uns mit Lutz um 18 Uhr auf dem McDonalds-Parkplatz verabredet und müssen uns sputen.

Pünktlich sind wir da. Nur kein Lutz in Sicht. Mittlerweile ist es sehr kalt geworden und wir frieren fürchterlich. Um 18:20 Uhr biegt der Wagen endlich um die Ecke.

Schnell wird der Rollstuhl eingeladen und die Büchertaschen verstaut und ab geht’s zum Abendessen ins „Napoleon“.

Ich habe mich für einen Brotzeitteller entschieden. Aber auch diese Portion ist riesig. Die Hälfte muss ich schweren Herzens zurück gehen lassen.

Im Hotel angekommen fallen wir alle in unsere Betten. Es war ein anstrengender Tag.

Sonntag, 06:10 Uhr.

Ich bekomme meinen Kaffee, den ich zusammen mit einer ersten Zigarette vor dem Hotel genießen kann.

Heute wird die gesamte Familie zur Messe fahren. Wir wollen allerdings schon um 12 Uhr wieder los, da ein langer Heimweg vor uns liegt.

Um 10 Uhr können wir unsere Eintrittskarten erstehen und stürmen das Messegelände.

Lutz möchte sich nach Krimis umsehen, Sven lieber mit uns Frauen zusammen bleiben. Klar. Mutti hat ja die EC-Karte und niemand kann seinem treuen Hundeblick widerstehen, den er aufsetzt, wenn er etwas haben möchte. Der Kleine wird es noch weit bringen im  Leben.^^

Nachdem wir noch einmal die Stände abgeklappert haben, essen wir in der Glashalle schnell eine Pizza und müssen schon zurück zum Ausgang. Dort wartet Lutz schon.

Das Wetter ist herrlich.

Bei strahlendem Sonnenschein geht’s zurück nach Neubrandenburg. Die Fahrt ist für mich sehr kurz. Schon zehn Minuten, nachdem wir Leipzig verlassen haben, schlafe ich ein und wache erst auf, als wir in unsere Straße einbiegen.

Hier angekommen, wird meine Freundin von ihrem Vater abgeholt.

Jetzt geht die Arbeit los. Taschen ausgepackt, Bücher auf einen Stapel gelegt, Wäsche sortiert, die erste Waschmaschine angeschmissen.

Dann setze ich Teig für eine Pizza an. Pizza geht schnell. Für etwas Aufwendigeres fehlt mir heute die Kraft.

Nach dem Abendessen, Spülmaschine einräumen und Katzen füttern habe ich endlich Ruhe.

Der Fernseher bleibt aus. Ich will nur noch etwas lesen und dann lange schlafen.

Der Bücherstapel steht auf dem Wohnzimmertisch. Ich entscheide mich, mit Aileens Büchern anzufangen.

Und suche und suche und suche….

Beide Bücher sind verschwunden.

Ich durchsuche noch einmal alle Taschen. Sehe in jede Ecke. Nichts.

Mittlerweile ist es halb elf. Ich schleppe mich also leise die Treppe hoch. In Svens Zimmer ist es dunkel. Er soll ja auch schon lange schlafen.

Durch die Glasscheibe in der Tür sehe ich einen verräterischen Lichtschein.

Leise öffne ich die Tür.

Mein Zwerg (1,88 m) liegt in seinem Bett, hat Aileens Bücher unter der Bettdecke und liest im Schein einer Taschenlampe. Er ist so vertieft, dass er gar nicht bemerkt, dass ich die Bettdecke zurück geschlagen habe.

Als ich endlich auf mich aufmerksam machen kann und ihm die Bücher und die Taschenlampe wegnehme, kommt nur ein „Och Mensch.“

Aber er schläft schnell ein.

Die beiden Bücher werde ich wohl erst in einigen Tagen zurückbekommen. Ich musste meiner Leseratte versprechen, dass er sie erst lesen darf.

Jetzt geht das große Warten los.

Ab dem 14.10.2011 werden wir die Frankfurter Buchmesse unsicher machen.

Copyright (c) 2011 by Barbara Wegener
Copyright (c) 2011 Bilder by Dana Hermann

2 Comments

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  1. Ach ja, die Buchmesse. War schön, nach Jahren mal wieder hinzufahren.

    Schade, dass ihr Sonntag schon so zeitig weg musstet. Allein macht die Messe nicht so wirklich Spaß 🙁
    Aber ich muss gestehen, dass ich froh war, nachdem ich am Sonntag spätnachmittags zu Hause war. Die Zugfahrt ist immer so gräßlich. Man sollte meinen, dass Leipzig näher an Dresden liegt…

    Aber eines hatte ich in den 2 Tagen auf jedenfall: viel Spaß mit euch allen 🙂

  2. Wow, super Bericht. Daumen hoch! 🙂

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