sfbasar.de

Literatur-Blog

MENSCH KATINKA. UM GOTTESWILLEN, KATINKA! – Shortstory von Martina Müller und Ottmar Holdersen

MENSCH KATINKA. UM GOTTESWILLEN, KATINKA!

Shortstory

von

Martina Müller und Ottmar Holdersen

Anmerkung der Autorin:

Als ich die Story MEIN GOTT ARNOLD – MEIN GOTT, ARNOLD? – Shortstory von Irene Salzmann las, träumte ich die vorliegende Geschichte und möchte Sie hier als Gegenbeispiel präsentieren, dass nicht nur der Fall eines Mannes, der sich unmöglich darstellt, eintreten kann, sondern auch das Beispiel einer unmöglichen Frau denkbar wäre. Es würde mich und meinen Co-Autoren freuen, wenn Leser sich nach dem Lesen darüber im Kommentarteil auslassen würden.

Lieber Freddy,

wollte dir kurz deine Mail beantworten: Vielen Dank für die geilen Fotos vom Treffen der Motorradfans in Augsburg. Deine beiden Maschinen sind ja wirklich gut in Schuss. Ich hätte nicht gedacht, dass du für das Treffen beide fertig bekommen würdest. Dein Kumpel Benny hat sich sicher gefreut, dass er deine M4 fahren durfte. Es ist noch gar nicht so lange her, wie du weißt, dass ich selbst auf zwei bzw. auf 3 Rädern unterwegs war, bis zu meinem tragischen Unfall, als mich der blöde Sprinterfahrer vom Paketdienst auf die Hörner genommen hat und ich seither nicht mehr in der Lage bin, ein Zwei- oder Dreirad zu fahren. Na ja, das Schicksal schlägt manchmal wirklich grausam zu. Ohne mein Trike fühle ich mich schon recht unvollständig. Jetzt sitze ich die meiste Zeit nur in der Bude rum und weiß nicht recht was mit mir anzufangen.

#

Viel Neues habe ich eigentlich nicht zu erzählen. Du weißt ja, dass ich seit her von meiner Invalidenrente lebe, ich mich ziemlich zurücknehmen musste, was meinen Lebensstil angeht. Zudem habe ich den ganzen bürokratischen Mist mit der Versicherung, den Ärzten, der Rentenversicherung und den täglichen Mühen mein Leben neu auf die Reihe zu kriegen, viel Mist eben, wenig Vergnügen.

Wie du ja weißt hat mich zu allem Überfluss Hannelore verlassen. Ich habe Ihr gleich meine beiden verbliebenen Maschinen überlassen, das sie für ihr Leben gern auf einem heißen Ofen sitzt und ihre Maschine es nicht mehr tut. So weit ich weiß, ist sie wieder mit einem Biker zusammen. Der hat übrigens auch drei eigene Maschinen und wie ich vormals ein Schrauber vor dem Herrn. Sie hat sich jedenfalls für meine beiden Maschinen herzlich mit einer Runde Pizza bedankt, die sie beim letzten Besuch, bei der sie ihre restlichen Klamotten abgeholt hat, von einem Lieferdienst liefern lassen hat. Leider war auf beiden Pizzen Pilze mit drauf, die ich ungern esse. Aber egal, Hannelore hat sich ja zu meinem Glück nur die neuesten elektronischen Geräte genommen und mir den ganzen Plunder da gelassen. Weil das ja gut zum Rest der Einrichtung passen würde, war ihre Anmerkung darauf.

Vorige Woche hat sich mein liebes Schwesterchen Melina gemeldet, du hast sie einmal gesehen – ist seitdem der Ansicht, sie müsse ein gutes Werk vollbringen und mich mit einer Freundin (die sonst keiner haben wollte) verkuppeln, echt! Sie meinte, dass eine entfernte Freundin von ihr wegen einer Familienangelegenheit nach Berlin fährt und eine Übernachtungsmöglichkeit bräuchte. Na gut, dachte ich, die meisten Freundinnen meiner Schwester, die ich so kenne, sind ganz nett, und für eine Nacht, was soll’s.

Zugegeben, ein bisschen neugierig war ich schon – man kann ja nie wissen! Und als es dann klingelte, öffnete ich voller Spannung die Tür. „Hallo, ich bins Katinka!“, hörte ich, sah aber erst mal nur die Knöpfe von einem geblümten Kleid. Bauchrednerin? Nee, ZweiMeter-Frau. Beim Eintreten drückte sie mir ein kleines Präsent in die Hand, ein Taschenbuch über Selbstfindung und so einen Quatsch. Ich müsse es unbedingt lesen, meinte sie, es hätte ihr schon so oft geholfen, schwierige Situationen zu meistern. So sah sie übrigens auch aus! Blümchenkleid, rosa Söckchen, Schuhe wie aus der Altkleidersammlung …

Aber weiter! Wir unterhielten uns eine Weile, dann schlug ich vor gemeinsam etwas zu kochen, sie war einverstanden betonte aber dass sie Veganerin sei und außerdem keine Weizenprodukte vertragen würde. Sie fragte nach dem Badezimmer und in der Annahme, sie würde sich vor dem Kochen noch was passendes anziehen, sich waschen oder vielleicht eine Dusche nehmen wollen, da sie nach der langen Bahnfahrt ziemlich durchgeschwitzt war, richtete ich ihr schnell das Bad, aber sie war so schnell wieder draußen, ich wette, sie ließ lediglich das Wasser wieder ab. Umgezogen hatte sie sich auch nicht, und, ganz nebenbei, sie roch auch fürchterlich nach Mottenkugeln.

Ich zeigte ihr die Küche und verteile die Aufgaben so, dass sie hoffentlich nicht überfordert werden würde.

Ich fragte sie, ob sie nicht angst haben würde, sich beim Kochen das Sommerkleid zu verschmutzen, obwohl, bei genauerem Hinschauen zeigte sich, dass das Blümchenkleid auch schon bessere vor allem sauberere Tage gesehen haben dürfte.

Jeden falls meinte sie nur kurz: „Du hast recht, gute Idee …“ Und zog kurzerhand das Kleid von unten nach oben über ihren Kopf aus. Ich musste schlucken, denn damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Sie fragte mich, wo sie ihr Kleid hinhängen könne, und ich hätte beinahe gesagt „in die Waschmaschine“, konnte mich aber gerade noch bremsen. Ich zeigte auf die Garderobe im Flur und schnurstracks ging sie dort hin und hing ihren verdrecken Lumpen, ähm, ihr Sommerkleid auf den Haken.

Als wir uns am Küchentisch gegenüber saßen und die Zutaten schnippelten hatte ich die Gelegenheit, mir ihren BH anzuschauen. Der war nun wirklich nicht mehr von der neuen Sorte, sondern ziemlich verschlissen und die Schließe, das bemerkte ich zuvor, offenbar beschädigt und notdürftig zusammengeflickt. Der starke Geruch von dem Ding irritierte mich derart, dass ich mir beinahe in den Finger geschnitten hätte. Ich bot ihr spontan an, dass sie ihre Klamotten mit meinem Waschtrockner säubern könnte, worauf sie dankend ablehnte, da sie nur mit selbst zusammen gemischten Waschmitteln agieren würde, die die Umwelt schonten. (Und dabei die Klamotten nicht richtig sauber bekommen würden, war mein Gedanke, den ich aber nicht aussprach.) Stattdessen nickte ich bloß.

Nach dem Essen und dem anschließendem Duschen stellte ich fest, dass ich vergessen hatte, neue Zahnpasta zu kaufen, und die alte Tube hatte ich schon vor drei Tagen so platt gemacht, dass nun beim besten Willen nichts mehr herauswollte. Ich fragte Katinka, ob sie welche hätte. Natürlich, im Kulturbeutel. Wofür sie den eigentlich braucht, ist mir schleierhaft, denn um Wasser und Seife machte sie echt einen großen Bogen. Ich fand schließlich die Zahnpasta und, Freddy, rate mal, was noch? Nein, keinen alten Stinksocken, schlimmer, eine Großpackung Präservative! Ich hab’ mich ausgeschüttelt vor Lachen, was die sich wohl erhofft hatte … Mir tut es jetzt noch leid, dass ich nicht auf die Idee kam, einen aufzublasen und zu rufen: „Guck mal, was ich für einen tollen Luftballon gefunden habe!“ Ob sie dann mit roten Ohren im Boden versunken wäre? Aber ich fürchte, die hätte den Spaß noch mitgemacht und mit aufgeblasen.

Soweit, so gut. Du kennst ja mein Appartement, nur ein großes Zimmer. Zum Schlafen habe ich mein Bett, Katinka bekam die Luftmatratze. Als sie das Bad verließ (was hat sie da nur gemacht?), stellte ich mich schlafend. Sie nörgelte halblaut an der Matratze herum, von wegen schädlicher Kunststoff, dann hörte sie irgendwann auf zu rumoren. Mitten in der Nacht wurde ich allerdings wieder wach, sie hatte die kleine Lampe angeschaltet. Und jetzt kommt’s! Also, links war die Lampe, dann kam Katinka, mein Bett und an der Wand ihr Schatten. Ich traute meinen Augen kaum, da saß doch die Dame tatsächlich im Bett, fummelte an ihrem Schlüpfer herum bei dem mir jetzt erst auffiel, dass er vorne alte Blutflecken zeigte, die wohl mit ihrer Biowaschpulvermischung offenbar nicht ganz herausgingen. Bäh, was habe ich mich geekelt!

Danach machte sie das Licht wieder aus, es raschelte ein wenig, und ich dachte, sie würde schlafen. Irrtum! Plötzlich legte sich eine kalte, feuchte Hand auf meine Schulter, und ich spürte ihren Atem an meinem Ohr. Viel hat nicht gefehlt, und ich wäre senkrecht wie eine Rakete hochgeschossen, um sie zur Rede zu stellen. Aber wer weiß, wie sie darauf reagiert hätte, darum blieb ich erst einmal ruhig und überlegte, wie ich den Spieß gefahrlos umdrehen könnte. Ihre Schmierfinger grabschten nach meiner Schlafanzughose, woraufhin ich mich schnell auf den Bauch drehte und so tat, als würde ich erst jetzt aufwachen. „Katinka“, murmelte ich, „wie bist du aufregend! Komm, ich brauche dich, ich habe so lange darauf verzichten müssen, aber jetzt ist auch der Tripper schon so gut wie ausgeheilt … Ich kann nicht länger warten.“ Prompt begann sie es sich anders zu überlegen. „Öh“, sagte sie, „ich … öh … wollte eigentlich nur wissen, wo … öh … Klopapier ist, die Rolle ist leer.“

Du kannst Dir sicher denken, wie happy ich war, als sie am nächsten Tag ihr Blümchenkleid und ihre Reise-Tasche nahm und abzog. Da ich ihr die Hand geben musste, habe ich sie anschließend drei Mal mit viel Seife gewaschen, bäh, bäh, bäh. Dann sagte sie auch noch, sie würde sich freuen, mich bald wieder besuchen zu dürfen, sie verstünde es nicht, dass ein so netter Mann wie ich keine Freundin hat (brrr!). Dann wünschte sie meinem Leiden noch gute Besserung, und endlich war sie weg.

Ich sag’ Dir eins, mein Schwesterlein bringe ich bei nächster Gelegenheit um! Diese Katinka war zu viel, von so einer bekommt man ja Albträume. Katinka … huh!

#

Lass bald mal wieder von Dir hören, und grüße an alle von mir.

Tschüss
Dein Kumpel Paul

-ENDE-

Copyright (C) 2015 by Martina Müller und Ottmar Holdersen

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

 

 

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Summe über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

 

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!


BUCHTIPP DER REDAKTION:

Nestflüchter – Das Handbuch (Kartoniert)

Jetzt alles selber machen / Umziehen / RENOVIEREN / Basics kochen / Waschen / Bügeln / Reparieren / Nähen / Flicken / Ordnen / HAUSHALTEN / Aufbewahren / Vorräte / Mietverträge / Einrichten / Aufräumen / Putzen etc

von Paxmann, Christine / Koschkar, Marion
.

Verlag:
Medium:  Buch
Seiten:  120
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  August 2015
Maße:  251 x 198 mm
Gewicht:  599 g
ISBN-10:  3772475647
ISBN-13:  9783772475641

 

Beschreibung
Wenn Mama mal nicht zu erreichen ist, hilft dieses Buch garantiert in allen Lebenslagen weiter! Sei es das Studium, die Ausbildung oder der erste Job, der einen in die Ferne zieht und man das erste Mal vor der Herausforderung steht seinen Alltag weitestgehend alleine zu managen. In diesem Buch hat man den perfekten Begleiter – die ultimative Gebrauchsanleitung für jeden Nestflüchter.
Wie organisiere ich einen Umzug, packe geschickt die Kartons und was muss ich in Sachen Mietvertrag beachten? Wie führe ich ein Haushaltsbuch, koche ich gut und günstig und schaffe es dass mein Pullover und meine restlichen Klamotten auch ohne Perwoll sauber werden und wie neu aussehen? Wieviel Handwerkerpotenzial steckt in mir? Was ziehe ich zum Bewerbungsgespräch an? Auf all diese Fragen und noch mehr findest du Antwort in diesem Buch! Und falls es mal ganz schnell gehen sollte findest du auch hilfreiche Übersichtsseiten mit lebensrettenden „Do s“ und „Don ts“ für den Alltag.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

2 Comments

Add a Comment
  1. Anmerkung der Autorin:

    Als ich die Story MEIN GOTT ARNOLD – MEIN GOTT, ARNOLD? – Shortstory von Irene Salzmann las, träumte ich die vorliegende Geschichte und möchte Sie hier als Gegenbeispiel präsentieren, dass nicht nur der Fall eines Mannes, der sich unmöglich darstellt, eintreten kann, sondern auch das Beispiel einer unmöglichen Frau denkbar wäre. Es würde mich und meinen Co-Autoren freuen, wenn Leser sich nach dem Lesen darüber im Kommentarteil auslassen würden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme