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MEIN HOHLES HOLOGRAMM – Eine Reflexion über das Menschsein von Mona Mee

MEIN HOHLES HOLOGRAMM

Eine Reflexion über das Menschsein.

von

Mona Mee

Der Urmensch läuft am Strand entlang, er ist auf der Suche nach etwas Eßbarem. Vielleicht Muscheln, vielleicht irgendwelches andere Getier oder Meeresfrüchte. Er ist gekleidet in Fellen und Schnüren, Teile aus Knochen, Steinen und Gehölz sind integraler Bestand dieses Äußeren. Es gibt ja keine Stoffe, es gibt keine Mode, es gibt auch keine Reflektion darüber, wie das Ganze auf andere wirken mag. Das wäre eine Sicht, die dieser Mensch nicht nachvollziehen kann. Ihm geht es darum, Nahrung zu finden, zu überleben, was kümmert es ihn, was andere von seinem Äußeren halten?

Er blickt zur Sonne, schützt sich mit der rechten Hand. In der Linken hält er einen Speer. Er läuft weiter, bis er einen Krebs erspäht und diesen mit dem Speer aufspießt…

*

Was ich mich frage, ist, warum solche Millionstädte, die umringt sind von alten Behausungen, dermaßen versifft aussehen. Warum nehmen sich die Bewohner nicht mal einen Eimer Farbe und streichen ihr Haus? Stattdessen kaufen sie sich einen Satelliten-Receiver, einen Sattelitenempfänger und einen neuen Flachbildschirm. Geht´s noch? Da würde ich doch drauf scheißen, mir so einen Mist ins Haus zu holen. Ich habe so was nicht zu hause, ich will es auch gar nicht.

Wenn mein Haus von außen so aussehen würde, ich würde auf die Palme gehen!

Wenn wir Bilder von verslamten Großstädten sehen, dann sehen wir Europäer darin nur Romantik. Ich finde so was nur verdreckt. Jetzt soll mir keiner kommen und sagen: „die haben kein Geld, ihre Umwelt zu verschönern.“ Ich halte dagegen: die Leute empfinden ihr Leben im Dreck als normal, als gegeben. Lieber ein schönes neues Auto vor der Tür oder wenigstens einen Motorroller. Für die Häuserwand will man kein Geld ausgeben, warum auch?

Das ist mir so fremd wie das Leben in Abflußrohren. Warum ich nicht in solche Städte reisen will? Na, ist doch klar, ich müßte kotzen, wenn ich dazu noch die ekeligen Gerüche wahrnehmen müßte. Wovon ich davon weiß? Von einigen Nachbarn meiner Freundin, die wohnt in einem Haus mit Menschen, die sind nur laut, unhöflich und produzieren Gestank jeder erdenklichen Art und halten das noch für normal. Keine Spur von Scham.

*

Der Krieger schaut sich um, seine Position ist die des Herrführers, er will seine Strategie nicht leichtfertig aufs Spiel setzten. Der Wind bläst durch sein langes Haar. Er schaut von seinem hohen Aussichtsplatz auf das ihn umringende Gebirge, er schaut auf die Wolken, die in Windeseile herbeigeflogen kommen. Sein Heer wartet am Fußes des Berges, bereit in die Schlacht zu stürmen. Der Gegner ist ihnen zehn zu eins überlegen, jedoch nicht an Entschlossenheit, nicht an Kraft, nicht an Wendigkeit und nicht an Todesmut. In der Ferne sieht man das gegnerische Heer den Paß entlang reiten, weit weg noch aber so unendlich groß, dass es einem Angst einjagen könnte. Der Krieger ist sich seiner Sache dennoch sicher. Er wird seine Kameraden in den Sieg führen.

*

Padutzke lenkt den VW-Käfer den Waldweg entlang. Hier ist irgendwo die Hütte versteckt, so hat es ihm Hans auf seinem Sterbebett verraten. Die zwei Mädchen im Fond des Wagens schauen furchtsam um sich. Sie wissen, hier wird es keine Heimkehr mehr geben. Es knackst und raschelt bei jedem Meter, den der Käfer über den Waldboden rollt. Langsam verliert sich das Licht, das geschwächt durch das Blätterwerk der Bäume in den Wald dringt. Padutzke will nicht darüber nachdenken, was er zu tun gedenkt, wenn er am Ziel angekommen ist.

Als ein Vogel auf die Scheibe klatscht, fangen die Mädchen an zu kreischen und legen sich die Hände vor die Münder. Sie wissen nicht, was sie erwarten wird. Aber sie haben ein Gespür dafür, dass es endgültig sein wird. Das Leben ist für sie an einem Scheideweg angelangt, so wie auch der Wagen, der ruckartig zum Stehen kommt. Padutzke öffnet die Tür, klappt seinen Fahrersitz nach vorne und ergreift die lange Kette, die zu den Handschellen führt, die die Mädchen an ihren Handgelenken tragen.

Während er sie aus dem Auto zerrt, weinen sie, doch Padutzke kennt keine Gnade. Er muß sein Vorhaben in die Tat umsetzten. Er zerrt die Mädchen in Richtung einiger Büsche hinter denen in leichten Umrissen ein Holzhaus zu sehen ist. In seiner anderen Hand trägt er eine Taschenlampe mit der er den Weg beleuchtet, der sich hinter den Büschen auftut, durch die er die beiden Mädchen zerrt. Die blutigen Striemen und Risse ins Fleisch ihrer nackten Beine spüren sie kaum, weil das Adrenalin in Ihren Adern sie davor bewahrt, diesen Schmerz wahrzunehmen. Ihre Sommerkleider sind eindeutig zu kurz um durch das dornige Gebüsch vorzudringen, ohne sich derartige Blessuren zu holen.

Nach einigen Metern bleibt Padutzke stehen. Hebt die Lampe um sie auf eine der Scheiben des Holzhauses vor ihnen zu richten. Doch diese sind so verdreckt, dass der Lichtstrahl sie nicht durchdringen kann. Die weinenden Stimmen der Mädchen verstummen als der Schein der Lampe auf eine Tür trifft, die so eine  durchdringliche Endlichkeit besitzt, dass sich die Mädchen auf die Knie fallen lassen und zu flehen und zu wimmern anfangen. Padutzke knotet die Kette an den Stamm eines dünnen Baumes und begibt sich zur Tür um sie zu öffnen. Nach dem Knarren beim Herunterdrücken der Klinke bewegt sich die Tür und gibt ihr schwarzes Inneres preis. Die beiden Mädchen schweigen und blicken in das Angesicht dessen, was das Ziel ihres letzten Ganges sein wird…

*

Der Mann schaut seiner Frau hinterher, die versucht den Drachen zum Steigen zu bringen, begleitet von ihrem Sohn, der freudig neben ihr her hüpft. Doch der Sand unter ihren Füssen macht es unmöglich, die nötige Geschwindigkeit zu erreichen, damit sich der Drachen in die Lüfte erhebt. Als sein Black Berry zu fiepen anfängt, löst er sich von der Beobachtung seiner Familie um auf dem Display Meteorsichtung bestätigt! zu lesen, eine Information, die ihm zeigt, dass es sehr wichtig ist. Darum nimmt er das Gespräch an. Er erfährt, dass der entdeckte Meteor die Erde nicht nur streifen, sondern komplett treffen wird. Die Menschheit darf sich also einreihen in die Liste der ausgelöschten Arten, in der sich ja schon die Dinosaurier befinden. Er zieht seine Waffe aus dem Halfter, steht auf und begibt sich zu seiner Frau und seinem Sohn…

Copyright (c) 2012 by Mona Mee

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Besinnliche Momente und Reflexionen” (BESINNLICHE MOMENTE-SUBCOVER-100-minus-40-0.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Kaufempfehlung der Autorin:

Grimm, Bernhard A.
In den Armen des Lebens

Reflexionen zum Mensch.sein

Verlag :      Pro Business
ISBN :      978-3-86386-216-9
Einband :      Paperback
Preisinfo :      19,90 Eur[D] / 20,50 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 25.04.2012
Seiten/Umfang :      402 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 24.04.2012
Gewicht :      524 g

LEBEN ist Abenteuer – mit Anfang und Ende … Glück, was auch immer darunter zu verstehen sein mag, ist nicht unbedingt erstrebenswert, auf die Erlernung von LEBENS. KUNST kommt es an, und das ist die Haltung, ein er.fülltes und bejahens.wertes Leben zu führen – die ganze überbordende Fülle des Lebens umfasst jedoch die positiven Erfahrungen ebenso wie die negativen Widerfahrnisse. Die menschliche Existenz ist und bleibt nun mal verletzlich, und niemand kann uns sagen, wohin die Reise führt.

Nur eines wissen wir, dass wir nämlich – entlang an Freude, Gesundheit und Erfolg – doch an Schmerz und Trauer, an Krisen, Pannen und Verlusten und schließlich am Tod nicht vorbei kommen.

Das herrlich buntfarbene MOSAIK UNSERES LEBENS, in dem durchaus schicksalsgefügte Steine aus Erbgut und sozialer Umwelt eingelassen sind, gilt es, aktiv mitzugestalten, es gilt, die gesamte Bandbreite des Lebens auszuschöpfen im Entscheiden und Verantworten, in der Orientierung hin auf ein breites Spektrum von Werten, die uns sinn.voll zu leben erlauben.

Das Leben voll und beherzt in die Arme nehmen, ja, jedoch stets im Blickkontakt zur letzten Grenze, die einen endgültigen Abschied einfordert – nicht widersinnig festhalten ist angesagt, sondern gelassen und heiter loszulassen.

Dr. phil. Bernhard A. Grimm ist Philosoph, Theologe und Althistoriker und beschäftigt sich – nach seiner Tätigkeit in Lehre und Forschung an der Universität München und im Management eines mittelständischen Unternehmens – seit 25 Jahren als selbständiger Dozent in Seminaren, Kolloquien, Vorträgen und Publikationen mit Fragen der Persönlichkeitsbildung, Führungsethik, Sinnfindung, Wertorientierung (Logotheorie) und Spiritualität. Er ist Autor von sieben Sachbüchern (so z.B. „Ethik des Führens“, „Macht und Verantwortung“, „Die Frau – der bessere Mensch“, „Lust auf Leben – Leben braucht Sinn“, „Älter wird man in jedem Alter“).

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Updated: 15. Oktober 2012 — 16:59

3 Comments

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  1. Was willst Du für eine Geschichte erzählen oder ist mir da etwas entgangen?

    Herzliche Grüße
    Rüdiger

  2. Ich denke unsere kleine Mona hat sich einfach mal ausprobiert und dafür ist unser Blog ja nicht die verkehrteste Adresse. Im Moment ist Mona ja als Austauschschülerin in den USA. Ich denke, wenn sie zurückkommt werden wir sehen, ob ihre anfänglichen Ambitionen, schreiben zu wollen, tartsächlich noch vorhanden sein werden. Als sie diesenText geschrieben hatte, war sie glaube ich, gerade mal 15 Jahre alt. Dafür finde ich ihre Fähigkeiten nicht schlecht. Am besten gefällt mir ihre beiden Storys „EINE GESCHLECHTSIDENTITÄTSSTÖRUNG IST KEIN ZUCKERSCHLECKEN! – eine Kurzgeschichte von Mona Mee (sfb-Preisträger Platz 2 im Storywettbewerb 2/2012)“
    und: „PATCHWORKFAMILIENGLÜCK – Eine Kurzgeschichte von Mona Mee“

    Schau dir die doch mal an, bin gespannt, was du zu denen sagst, Rüdiger?

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