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MEERWEIBCHENUHR UND KLABATTERKATT AUF DEM ALLMERSHOF (Teil 2) – Phantastischer Besuch in Rechtenfleth an der Unterweser (Neue Version) von Ollivia Moore

In dieser Phantastischen Geschichte erzählt Ollivia Moore eine Begebenheit aus ihrer Heimatregion, der märchenhaften Wesermarsch.

Lorelei und ihre Freundin Brigid besuchen mit ihrem Zauberschiff ‚Azimut‘ den Heimatdichter Hermann Allmers auf seinem Künstlerhof und  erfüllen so die alte Rechtenflether Chronik mit neuem Leben.

Der Allmershof, von seinen  Künstlerfreunden liebevoll ausgeschmückt, liegt in Rechtenfleth, in der alten Landschaft Osterstade der Wesermarsch und ist heute ein wunderschön gepflegtes Heimatmuseum der Region.

Grafik (Feder/Aquarell) Copyright © 2013 by Ollivia Moore

MEERWEIBCHENUHR UND KLABATTERKATT AUF DEM ALLMERSHOF (Teil 2)

Phantastischer Besuch in Rechtenfleth an der Unterweser (Neue Version)

von Ollivia Moore

Meerweibchenuhr:

Die Meerweibchenuhr ist eine antike nautische Kostbarkeit, ein Zeitmesser mit dem Gehäuse einer Weserkogge und einer hübschen Meerjungfrau als Galionsfigur. Auf einen Befehl verwandelt sie sich in ein Zauberschiff.

Brigid:

Windsbraut. Sie ist Loreleis Studienkollegin, unzuverlässig und unberechenbar.

Lorelei:

Nymphe. Die Wasserleute dürfen sie nicht erblicken, denn dann hegen sie nicht nur unzüchtige Gedanken, sondern werden so tief ins Herz getroffen, wie es nur die wahre Liebe kann. Ich-Erzählerin.

Håke Nick Ekkemann:

Wassergeist und Philosoph. Kann die Liebe erkennen, wenn er sie findet.

Klabatterkatt Fellmotte:

Weserkatze – geboren aus einer Wettererscheinung. Krabauter und Seeheinzelmann. Er snackt Plattdütsch, die norddeutsche Haus- und Herzenssprache.

Hermann Allmers:

Marschendichter, Volkserzieher, revolutionärer Liberaler, Patriot, schrieb in dem ‚Marschenbuch’ über Kultur und Landschaft seiner norddeutschen Heimat, Wegbereiter der demokratischen Zivilgesellschaft.

Hermanns Freunde und Besucher, Schriftsteller, Künstler, Gelehrte:

Heinrich Vogeler und Otto Modersohn, Worpsweder Maler

Heinrich Freiherr von Dörnberg, malte sechs umlaufende Historische Marschenbilder

Arthur Fitger, malte auch

Georg Müller vom Siel, Gründer der Dötlinger Malerkolonie

Ludwig Franzius, Wasserbauingenieur der Weserkorrektion

Hoffmann von Fallersleben, ‚Gesellschaft zur Hülfe’ politisch Verfolgter

Hauptmann Heinrich Böse:

Zuckerfabrikant, Agitator, Bremer Freiheitskämpfer, mehr wohlwollender Patriarch als Militär, gründete das freiwillige Bremer Jägerkorps.

Professor Otto Knille:

Berliner Historienmaler mit Lehrauftrag.

Bund der Männer vom Morgenstern:

Historisch-geselliger Verein. Erkundung von Tradition der Marschen in mit ‚Alterthümern’ und launiger Reimchronik geschmücktem Gasthof ‚Schloß Morgenstern’ zu Bremerhaven.

Wierich:

Feinsinniger friesischer Historiker und Volksschullehrer.

Ubbo:

Marschenbauernsohn.

Dede:

Sohn aus einem friesischen Häuptlingsgeschlecht, Pirat, von aufbrausendem Temperament.

(Zurück zum 1. Teil)

 

Heuerscher Kolk

Wir gingen an Land. Unterwegs entdeckte ich versteckt hinter einem sanft schwingenden Laubvorhang einen stillen Teich mit Sumpf und Binsen, helle Sonnenflecken tanzten auf der Wasseroberfläche und darüber huschte ein zitterndes Spitzenmuster aus Licht und Schatten, gewebt von den zierlichen Zweigen einer an der feuchten Kante wurzelnden Erle. Schlanker Butomus richtete seine schönen Blütenschirme in die Höhe und ganze Büschel gelber Ranunculus säumten die Böschung am Ufer. Angezogen durch die märchenhafte Stimmung, ließ ich mich am Rand des Wasserkolks nieder, der geheimnisvoll verwunschene Ort machte mich seltsam froh. Ich warf meine Schuhe beiseite und tauchte die Zehenspitzen ins Wasser, die Oberfläche kräuselte sich. Auf einmal raschelten die Blätter.

»Wer ist da?«, rief ich erschrocken.

Die Äste einer Bruchweide teilten sich und ein Mann stieg aus dem Tümpel, er schüttelte lässig die Wasserlinsen von seinem moosfarbenen Umhang, einige Wassertropfen blieben zurück und  leuchteten wie winzige grüne Edelsteine. Er hatte grün schimmernde Haut und Haare und ein sehr kluges Gesicht mit einer goldenen Brille. Er lächelte mich freundlich an.

»Wenn ich mich vorstellen darf?«, fragte er mit einer höflichen Verbeugung: »Håke Ekkemann, von Beruf Philosoph mit analytischem Sachverstand. Ich wohne hier.«

»So einsam und allein?«

»Nun ja, die Einsamkeit ist ein verlässlicher und sicherer Ort, mit ihren eigenen Vorzügen und Freuden, doch nun scheint mir, ist es an der Zeit, diesen Zustand zu verändern.«

Er zog den Zettel, den ich in die Weser geworfen hatte, aus seiner Tasche, schüttelte einen Schwall Wasser heraus und glättete ihn.

»Ich glaube, Madam, Sie haben das hier verloren?«

Ich seufzte. »Meine Familie verlangt nachdrücklich, dass ich mich verheirate, denn angeblich verlören wir sonst unsere Zauberkräfte, aber ich hoffe, noch eine Weile unverheiratet zu bleiben.«

»Das hoffe ich auch«, sagte er seltsamerweise und betrachtete mich ernsthaft mit seinen goldgesprenkelten Augen hinter den dicken Brillengläsern. Überaus sorgsam barg er dann wieder das geknitterte nasse Papier in dem altmodischen samtgrünen Wams an seiner Brust und setzte sich neben mich, er krempelte die Hosenbeine hoch und paddelte mit seinen gestreckten Füßen wie mit Schwimmflossen neben meinen Zehen. Schleie, Karauschen und Schlammpeizger fächelten in dem kühlen Kolk um unsere Beine, wohlriechende Spiräa erfüllte die Luft mit duftenden Wolken, das hohe Schilf nickte und lispelte leise. Dann ergriff Håke meine Hand und hielt sie gefangen mit seinen langgliedrigen grünlichen Fingern, die überraschend warm und trocken waren. Augenblicklich begann mein Herz zu schwirren. Wir saßen beide wie verzaubert, abgeschieden von der Welt schweigend nebeneinander mit den Füßen im Wasser und dieser heimliche Augenblick war sehr süß.

»Ach, und ehe ich es vergesse …« Håke holte noch ein Schreiben hervor.  »Ich habe auch eine Einladung von Hermann erhalten … wir sollten die Herren nicht warten lassen …«

Er gab meine Hand wieder frei, der Zauber verflog und ich fühlte ein fast schmerzhaftes Bedauern. Wir brachen auf, um den Reisegefährten zu folgen, nur zwei nasse Fußspuren blieben zurück.

Gunnera

Der Marschenhof mit seiner holländischen Gartenanlage kam in Sicht, eine Graft rings um den Garten, eine Reihe geschorener Linden und ein schnurgerader Gang.

Hermann empfing uns mit Gläsern und einer Flasche seines Hausweins, einem halbtrockenem ‚Burg Saaleck’, an der Zugbrücke. Er hatte eine kräftige Adlernase und schwer verständliche Sprache als Folge einer Kieferspaltenerkrankung seit seiner Geburt. Mit schnarrender Stimme begrüßte er uns, ließ aber seine Versehrtheit sogleich vergessen durch die allergrößte Liebenswürdigkeit.

Die anderen Gäste waren bereits anwesend. Der bekannte Kunstmaler Professor Otto Knille stand unter der Pergola neben einer Statue der Göttin der Gastfreundschaft und deklamierte heiter eine Parodie auf Hermanns üblichen Willkommensvers:

»O kommt herbei so tönt mein Schrei

zu zweit, zu drei mir einerlei

hier ist Natur und sehr viel Flur,

hier wächst das Gras ohn’ Unterlass

Der Wind weht barsch in meiner Marsch

Die Tafel steht fertig der Gäste gewärtig …«

Hermann erklärt uns Haus und Anlage seiner Marschenheimat am Weserstrand, von der aus er zu jeder Zeit ins Wasser gucken konnte.

Wir erkundeten den Garten. Am Waschhaus gefiel mir am besten der Delphinwasserspeier an einem kleinen Lavabobrunnen, dem ‚Soot’.

In einer Efeunische wohnte in einer steinernen Herme der Windgott Äolus, er blinzelte Brigid zu, ein straffer Durchzug zauste seine unordentlichen Haar- und Bartzotteln und über sein Gesicht zog ein ziemlich schurkisches Grinsen. Ubbo blickte grimmig an ihm vorbei. »Verkommenes Subjekt«, presste er durch die Zähne.

Einer neuen Mode entsprechend, plante Hermann, die holländische formale Gestaltung in einen englischen Landhausgarten umzuwandeln. Stolz führte er uns zu der fremdländischen Pflanze Gunnera manicata, einer mächtig imposanten mannshohen Staude mit bestachelten Stielen und Blättern von der Größe eines Regenschirmes.

In der Laube lockte auf der Kaffeetafel eine blinkende Kanne, und wir verspeisten einen großen Berg leckerer Butterkuchenstücke, üppig bestreut mit Zucker und Mandelscheiben. Fellmotte lobte die vielen Butterlöcher und leckte seine klebrigen Pfoten.

Unser ‚Klönschnack’ wurde sehr vergnüglich, Hermann pflegte gesellige und herzliche Umgangsformen und entdeckte uns den reichen Schatz kurzer Schlagwitze und Sprichwörter der Marschenleute.

Brigid meinte, Männergesang sei doch so schön, sie hätte gehört von einem ‚Friesensang’, ob sie nicht auch singen wollten, aber Wierich antwortete:

»Frisia non cantat, Friesen singen nicht, weil es keine plattdeutschen Volkslieder gibt.«

Die Halle des Hauses war möbliert mit schwarzen Eichenholztruhen und Stühlen mit Adlerwappen, oben am Kronleuchter hing ein Lüsterweibchen, es entstammte dem gleichen Nixenvolk wie unser Meerweibchen am Bugspriet der ‚Azimut‘.

»Seute Deern.« Fellmotte strahlte, als er es erblickte.

Ein Maler Fitger aus Bremen pinselte an einem Bild über dem Kamin, es zeigte Heinzelmann mit Drache und den Kampf gegen die Gewalten des Feuers. Professor Knille beugte sich mit seinem hohen steifgestärkten Hemdkragen nach vorn, begutachtete Fitgers Arbeit und fand sie wenig gelungen. Er hielt ihm einen Vortrag über ‚Das Wollen und Können in der Malerei’.

Der gesamte Marschenhof, ursprünglich ein niedersächsisches  Hallenhaus, war verwandelt in ein Kunst- und Künstlerheim. Hermann betrieb geschichtliche und topographische Studien und hatte künstlerische Interessen; er pflegte die Gastlichkeit, Belehrung seiner Landsleute und Bewahrung der Traditionen.

»Das Haus zu schmücken, den Freund zu beglücken …«, schmunzelte er und dann noch: »… mein ganzes Herz wurzelt und haftet darin.«

Er hatte auch seinen Wahlspruch an die Wand geschrieben. Dieser gefiel mir so gut, dass ich ihn auswendig lernte und nahm mir vor, ihn zukünftig immer zu beherzigen:

‚Starkes Herz in Not und Streit

Weiches Herz beim fremden Leid

Frisches Herz für alles Schöne

Treues Herz zu jeder Zeit’.

Alter Äolus

Am nächsten Morgen las Otto im Antikensaal das ‚Niederdeutsche Heimatblatt’. Hermann hielt Zeitungen für ein hochwichtiges Bildungsmittel, aber Fellmotte widersprach:

„Immer wat Nees un selten wat godes.“

Håke lehnte lässig am Kachelofen, ich musste einfach zu ihm gehen. Wie immer, wenn wir beisammen waren, war mir, als wären wir allein auf der Welt. Er empfing mich mit schelmischem Lächeln.

»Ubbo leidet«, sagte er gedämpft. »… angeblich hat Brigid heute Nacht das Lager mit dem alten Äolus im Gartenhain geteilt.«

»Ah.«

»Beider wundervoller Körper hätten sich mit ungehemmter Grazie umfangen, es war von Orgeln, Brausen und Stöhnen überirdischer Wonnen die Rede«, meinte er anzüglich.

»Oh.«

Håke gab vor, ein Lachen zu verbergen, aber seine Augen hinter der goldenen Brille blinkten vor Heiterkeit. Ich heuchelte Ahnungslosigkeit, lauschte aber erheitert seinen Schilderungen, es war sehr lustig.

Wierich murmelte noch so etwas wie »… die mit dem Wind reitet …« und  »…  ja, wenn du mich fragst, sie haben es ziemlich doll getrieben.«

Wir amüsierten uns herrlich. Otto horchte animiert auf und hob den Kopf von seiner Zeitung.

Ubbo zog mich beiseite.

»Habe ich Brigid denn beleidigt? Oder sonst irgend etwas verkehrt gemacht?«, fragte er mit gekränkter Stimme. Ich blickte in sein bekümmertes junges Gesicht. Man sah wie sehr verletzt er war.

»Nein, rein gar nicht. Manche Dinge passieren einfach so.«

Ich klopfte ihm behutsam auf den Arm – es gab Erscheinungen zwischen Himmel und Erde, die konnte man eben mit Worten nicht erklären.

Ich spazierte zum Vorplatz. Fellmotte hatte in die Holzbank vor dem Haus in Runenschrift ‚Sett di dal’ mit seinem scharfen Messer eingeritzt. Håke kam mir hinterher und stellte sich nah neben mich, noch ein kleiner Schritt und unsere Körper hätten sich in voller Länge berührt, ich konnte den Duft von Wasserminze riechen und spürte seinen warmen Atem an meinem Hals.

»Liebste«, murmelte er und seine Augen wurden dunkel, ich konnte das Begehren in ihnen sehen. Die anderen blickten neugierig zu uns herüber. »Vielleicht«, wehrte ich ab und setzte mich auf die Bank, um ein wenig Abstand zu wahren. Håke beugte sich dicht zu mir, er zog ein grünes Bändchen mit einer kunstvoll durchbrochenen großen goldenen Perle aus der Tasche, und mit leiser beschwörender Stimme sagte er:

»Dies ist ein Pfand für eine Welt, in der Dinge geschworen, Versprechen gehalten und Herzen nie gebrochen werden.«  Das Geschmeide glitt in meinen Schoß, mit zitternden Fingern schlang ich die wunderhübsche grüne Fessel um meine Haare.

Otto sah den Schmuck und fragte mich, ob ich ihm damit für ein Bild Modell stehen wolle.

Märzeiche

Die Freunde ließen sich nieder auf dem Rasen unter Hermanns Freiheitseiche, die er in Deutschlands Frühling gepflanzt hatte, daran ein umgehängtes Schild:

»1848, darüber Hoffnungssternlein, darunter ein böser Querstrich.«

Politik wurde gekannegiessert, die Männer verlangte es, mit ‚Herz und Politik’ einzutreten für demokratische Rechte und landesgemeindliche Freiheit. Echtes Feudalwesen gab es nicht, in den Marschen waren der ärmste Tagelöhner und der reichste Bauer gleich frei und unabhängig. Deshalb besaßen sie einen gewissen Stolz und Selbstwertgefühl, sie schätzten ihre Freiheit und berieten sich selbst über allgemeine Angelegenheiten. Gültig war das altfriesische, im Rustringer Asegabuch enthaltene Landrecht. Das alte einfache Asegabuch war viele Jahrhunderte lang unerschüttert, von echt demokratischer Anlage. Aber die goldene Freiheit der Marschen und damit der Unabhängigkeitssinn der Bewohner wurden später durch immer neue Willküren verändert.

Hauptmann Böse meinte bedächtig:

»Eine besondere Plage ist die zu zahlreiche Vornehmheit, eine Bureaukratie, die sich vom Bauern und Bürger unterhalten lässt.«  Insgesamt auch herrsche im jungen Deutschland politische Trägheit und Indifferentismus, lediglich die Forderung nach Pressefreiheit und Vereinsrecht wurde von den Abgeordneten gebilligt, nicht aber die allgemeine Volksbewaffnung zum Schutz des Vaterlandes gegen den äußeren und inneren Feind, denn sie fürchteten die Drohung von brennenden und sengenden Bauernmassen.

Die Männer studierten die vaterländische Geschichte, waren Stolz auf ihre fruchtbare Heimat und die demokratischen Traditionen der Marschländer. In der Epoche des deutschen Vormärz begeisterten sie sich für politische Romantik und patriotische Phantasien.

Ein Pokal ging um und Hermann summte ‚Auf der Rudelsburg’, ein Lied von ihm, welches die Studenten sangen.

Derb und schwer war die Kost – Fellmotte erspähte in der Küche ein Bündel Smortaale, eine Spezialität geräuchert im ‚Speckwiem’, einer Feuerstelle ohne Schornstein.

»Bin schon op wege.« Eilfertig flitzte er hin und her, wartete bei Tisch auf und legte den köstlich fetten Räucheraal auf das Zinngeschirr.

Sorgfältig entfernte er die lederige Haut mit seinem langen Seemannsdolch und häufte sie zusammen mit den Köpfen in seine Schale.

Hermann schnitt ‚knigte’ dazu eigenhändig für jeden eine daumendicke Schnitte Schwarzbrot.

Später hörten wir von draußen Knallen und Schüsse. Böse lehrte Brigid mit einer Pistole umzugehen, sie veranstalteten Schießübungen im Garten. Er staunte, Brigid lenke die Kugel treffsicher und geschwind, schade dass sie nicht in sein Jägerkorps eintreten könne, stattdessen lud er sie ein zum Schützenfest daheim.

Tannhäuser und Venus

Ich stieg in den Oberstock und betrat den Marschensaal, dort hingen Bilder mit Motiven aus der deutschen Märchen- und Sagenwelt, die Kassettendecke war ausgemalt in leuchtendem Oldenburger Blau mit Rot, und ringsum an den Wänden illustrierte Heinrich von Dörnberg mit kraftvoll runder Formensprache in sechs herrlichen Friesen die Geschichte der Marschen.

Otto Knille war versunken in Grübeleien eines Malers über die Kunst. Er betrachtete ein Wandbildnis, es zeigte eine das Vaterland versinnbildlichende triumphierende Germania, die eine Krone emporhob und eine trauernd verhüllte, einen Kranz niederlegende Germania.

»Das Thema finde ich ganz gut getroffen, aber sonst …«, brummte er.

Otto malte mich nackt. Ich spielte seine schmachtende Venus, das grüne Band verschlungen in meinen offenen blonden Locken, über den rechten Arm gelegt zog ich eine bauschige Schleppe mit kunstvollem Faltenwurf  hinter mir her. Tannhäuser stand halb abgewandt, um der Versuchung zu widerstehen. Venus legte hingebungsvoll einen Arm an seine Schulter.

Meine Rückenfront war unbekleidet, man konnte meinen Hintern und den Beinansatz sehen. Ein Spiegel lag achtlos auf dem Boden. Es war eine wunderbar fein ausgeführte Künstlerarbeit der romantischen Schule.

Der Tag neigte sich, von den Fenstern hatte man einen schönen Ausblick auf die Weser und am Abend sah ich im goldenen Westen die roten Abendwolken leise verglühen. Otto vollendete das Bild, es war schamlos und wunderschön.

Alle Herren kamen herein und zündeten ihre fachmännischen Kommentare.

»Grübchen am Heck«, konstatierte Hauptmann Böse seemännisch. Klabatterkatt half auch mit: »Beten lierlütt unanständig.«

»Alles Genießer hier«, sagte Hermann gleichmütig. Er wandte sich wieder zu seinem Freund und stütze sich auf dessen Schulter.

Håke starrte auf das Bild und die Augen quollen ihm aus dem Kopf, seine langen Finger griffen vor Ottos Gesicht in die Luft, als ob sie ihn würgen wollten. Er wurde weiß vor Wut und heiß wie ein gekochter Frosch. Aufgebracht fuhr er Otto an und verstreute dabei allerhand Entenflott und kleine Wasserpfützen auf dem Dielenboden.

Otto strich sich konsterniert über seinen kurz getrimmten Professorenbart. Um des Friedens willen übermalte und dekorierte er schließlich die schlimmste Stelle meiner anstößigen Blöße notdürftig mit einem hauchdünnen durchsichtigen Schleier.

Meer erleben

Einen Tag später wehte am Fahnenmast des Marschenheims Hermanns Wappentuch mit Rose und halbem Adler. Die Flagge dippte auf und nieder, ein Gruß zum Abschied und ‚Gute Reise’.

Fellmottte wollte zur See- und Handelsstadt an der Nordseeküste.

Zum Abschied bekam ich eine Ausgabe von Hermanns ‚Römischen Schlendertagen’, die Otto während unseres Aufenthaltes illustriert hatte.

Mit Blick auf die tiefe Weserflussmarsch zogen wir den segeltragenden Strom hinab, vorüber an Platen, kleinen Inseln, Sandbänken und rauschenden Schilfgürteln aus wiegendem Rohr.

Hermann Allmers hat über diese wunderschöne Landschaft geschwärmt, sie von Herzen geliebt – ein Bild, das manchem noch lange vor der Seele stehen mag.

Im letzten Licht des Tages segelte die Meerweibchenuhr mit kleiner Bestückung in den Sonnenuntergang, der salzenen See entgegen.

ENDE

Copyright © 2013/14 by Ollivia Moore

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Letzte Preisänderung am 23.10.2013
Produktform :      C: Karte (gefaltet)
Produkttyp :      Landkarten / kartographischer Inhalt
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