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Literatur-Blog

Manfred Spitzer: Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. – DREIMAL IM PREISRÄTSEL!

Manfred Spitzer
Digitale Demenz
Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

Droemer, 2012
Sachbuch, Technologien, Psychologie, Medizin
ISBN 978-3-426-27603-7
Umschlagabbildung und –gestaltung: Tobias Wüstefeld
Umfang: ca. 367 Seiten

www.droemer.de

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Der Autor:

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, geboren 1958, studierte Medizin, Psychologie und Philosophie und habilitierte sich anschließend für das Fach Psychiatrie. Zweimal war er Gastprofessor an der Harvard University. Er leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, darunter die Bestseller “Lernen” und “Vorsicht Bildschirm!”. Auf Bayern Alpha moderiert er wöchentlich die Sendereihe “Geist & Gehirn”. Manfred Spitzer ist einer der bedeutendsten deutschen Gehirnforscher. Kaum jemand kann wissenschaftliche Erkenntnisse derart unterhaltsam und anschaulich präsentieren.
(Verlagsinfo)

Vorwort:

Ich hab von dem Buch und dem Autor aus einem Radio-Interview erfahren und wusste es sofort: Ja, auch ich leide an Digitaler Demenz. Zu meiner eigenen Beruhigung kann ich gottseidank sagen: Es ist nur das Anfangsstadium und ich rege die Hoffnung, diese Krankheit schon bald ad acta legen zu können. Ich befand mich gerade auf einer Dienstfahrt und hatte mein Navi an. Aber dazu später mehr. Bevor ich aber auf das Buch und seinen Inhalt eingehe, möchte ich meinen Dank dem Radiosender Bayern 2 und selbstverständlich dem Autor ausdrücken, der mir die Augen geöffnet hat.

Zum Buch:

Was ist Digitale Demenz? Demenz an sich, also schleichender Gedächtnisverlust über Monate und Jahre hinweg, schwebt über jedem von uns als höllisch scharfes Damoklesschwert. Wie sich davor schützen? Wie sich gegen eine Krankheit wappnen, die unsere wesentlichste Eigenschaft, ja, überhaupt den Grund für unsere Entwicklung zur dominierenden Spezies auf diesem Planeten ermöglich hat? Keine Ahnung, ich bin kein Arzt. Aber gegen Digitale Demenz können wir alle etwas tun. Sofort. Umfassend. Nachhaltig. Und vor allem: wirkungsvoll! Und unsere Kinder? Hhm, schon schwieriger, weil mit sozialen Problemen belastet. Aber auch dazu später mehr.

Zurück zum Navi(gationscomputer) in meinem Auto. Millionen besitzen eines, und auch andere Vehikel werden zunehmend mit elektronischer Unterstützung gesteuert. Warum auch nicht? Wer kann sich denn schon alle Wege von A nach B, von B nach C, von X zu K und L zu R merken? Niemand. Irrtum! Die Londoner Taxifahrer (und höchstwahrscheinlich Tausende anderer Taxifahrer) können das. Diese müssen 3-4 Jahre über 25.000 Straßennamen und Orte besonderen Interesses (Freizeit, Tourismus u.v.m.) auswendig lernen, wenn sie die Chance haben wollen, die Prüfung zur Taxilizenz zu bestehen. Sie brauchten jahrzehntelang keine Computer, um ihre Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Auf dem kürzesten Weg. Nur mit dem Kopf, äh, ich meine, mit dem was darin gespeichert ist.

Oder KellnerInnen in Gaststätten. Sie haben – oder hatten es zumindest mal früher: – ein hervorragendes Kurzzeitgedächtnis. Der Herr mit der grünen Krawatte an Tisch 7 hat das Steak, die Dame neben ihm den Fisch, die Tochter den Salat und am Nachbartisch der dicke Junge das übergroße Eis … usw. usw. Und heute? Der Landessprache nicht mächtige Bedienungen tippen Nummern in ein Gerät und dann, wenn sie mit vollgeladenem Tablett ankommen, stehen sie am falschen Tisch und blicken verwirrt um sich, um herauszufinden, wer verdammt noch mal, das Cordon bleu bestellt hatte. Verstehen Sie, was ich meine?

Ich fahre sehr viel auf deutschen Straßen und hatte bei dichtem Nebel eine Begegnung der wirklich unheimlichen Art: Ein PKW fuhr recht unsicher durch die Schwaden und hielt an einer Kreuzung. Ich stieg aus, klopfte an sein Fenster und fragte ihn, warum er ohne Licht (geschweige denn Nebelleuchte) durch die Gegend geistert. Er guckte mich an und meinte im breitesten Sächsisch: „Nu, dös machd doch meen Gombjuder!“ Nicht sein Hirn, nicht sein Licht einschalten, sondern sich blind auf Technologie verlassen. Wie viele Nachrichten von Fahrzeugen haben Sie schon im TV gesehen, wo Leute in U-Bahn-Schächten, Baugruben und Gewässern gelandet sind? Na, na? Hätten die Augen und Hirn benutzt, wären sie nicht dort gelandet.

Dergleichen Beispiele finden sich Tausende und sicher haben Sie selbst das schon erlebt. DAS ist Digitale Demenz. Wir verlassen uns bei Schritt und Tritt mehr und mehr auf elektronische Helfer und vernachlässigen in geradezu sträflicher, verhängnisvoller Weise die Möglichkeiten, die unser Gehirn uns bietet. Wie verblöden im wahrsten Sinne des Wortes und merken es nicht einmal.

– Navigationsgeräte nehmen uns unseren natürlichen Orientierungssinn.
– Handys kennen alle relevanten Telefonnummern, wir nicht mehr! Es lebe die Kurzwahltaste.
– Smartphones übernehmen unsere Organisation (oder sollen es zumindest) und manche sind schon völlig hilflos, wenn bei dem das Sch…ding schon wieder der Akku leer ist. Genauso leer wie unser Hirn. Früher sagte man: „Das weiß der Kuckuck.“ Heute ist es der Gockel, sorry Google, usw. usw.

Lern-, Sprach- und Hirnforscher haben längst nachgewiesen, dass die Gewinnung von Informationen aus dem Internet längst nicht zu einem vergleichbaren Wissenserwerb und Lernumfang – und befriedigender Nachhaltigkeit – führt, wie es kombiniertes Hören, Lesen, Schreiben, Wiederholen und Praktizieren schaffen. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, das alles nur noch oberflächlich durchgeführt wird. Und je mehr wir uns elektronischen Geräten ausliefern, desto schwächer werden die Gehirnregionen angeregt, die dafür von der Natur vorgesehen sind. Noch einmal: Wir verblöden, ohne es zu merken. DAS ist Digitale Demenz.

Fazit:

Ich könnte hier noch Dutzende Beispiele bringen, die den Inhalt von Spitzers Buch und seiner ernüchternden und erschreckenden Botschaft untermauern. Ach ja, unsere Kinder: Sie sind fasziniert von XBox, PC, Playstation und weiß-der-Kuckuck-für Konsolen. Ich will hier bei Weitem nicht pauschalisieren und betone, dass die Verheißungen elektronischer Wunderkisten auf jeden anders wirken. Aber ich kenne erwachsene Männer, die Hemmungen haben, vor einer Gruppe zu sprechen. Ich kenne Kinder, die keinen vernünftigen Satz formulieren können und jede Woche zum Logopäden rennen müssen. Ich kenne Leute, die sich nicht organisieren können, nichts „auf die Reihe“ bekommen und generell keinen Termin einhalten können.

Jetzt schreien sicher einige auf und bezeichnen den Autor – oder auch mich – als technikfeindlich, ewig Gestrigen und dem Fortschritt ablehnend eingestellt. Völliger Blödsinn! Es sollte uns nur bewusst sein, was der exzessive Gebrauch solcher Geräte in unserem Hirn bewirkt, wie es uns schleichend verändert und einlullt und teilweise abhängig macht. Ich behaupte: Digitale Demenz geht einher mit Digitaler Sucht.

Die einzige Chance, neue Technik sinnvoll zu nutzen, ist, unseren immer noch unausgeschöpften Supercomputer, den die Natur uns gegeben hat, einzuschalten und so intensiv zu nutzen, wie es nur geht: unser Gehirn!

Copyright © 2012 by Werner Karl

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Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Zu welchen drei Haupthemenbereichen ist dieses Buch hinzuzurechnen? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Eine alternative Teilnahme per Kommentar findet sich hier

DIE GEWINNER LAUTEN: Marquard Baireuther, Inke Göttker und Claudio Wilemsen. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

Updated: 28. August 2012 — 16:57

4 Comments

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  1. Wer möchte neben dem Rezensenten zu diesem Buch oder Themenkreis etwas sagen?

  2. Hier möchte ich mal kurz Sokrates zu Wort kommen lassen, der vor nunmehr über 2.000 Jahren folgende Gedanken zur Einführung der Schrift von sich gab:

    1. Die Schrift schwächt das Gedächtnis und somit das Denken;
    2. Die Leser glauben zu verstehen, was sie gelesen haben. Ihr Wissen ist bloßes Scheinwissen;
    3. Derjenige der Fragen hat, sieht sich immer nur denselben Sätzen gegenüber;
    4. Ein Buch hat keinen speziellen Adressaten. Es kann sich nicht gegen Missverständnisse schützen.

    Demnach müssten wir längst verdummt sein, denn ähnliche Aussagen findet man, bei entsprechender Recherche, sicher auch zur Einführung des Radios und mehr noch bei der des Fernsehens.

    Ein neues Medium bietet immer unendliche Möglichkeiten, diese zu verallgemeinern, indem man behauptet, dass ein bestimmtes Medium verdummt, finde ich ziemlich abstrus. Wie bei allen anderen Neuheiten auch, muss man einfach lernen, wie man sich das Internet nutzbar machen kann, Ich jedenfalls habe eine Menge neuer Dinge gelernt und mein Wissen wurde durch das Internet bereichert.

    Es gibt Studien, die dem widersprechen, was der Titel des Buches suggeriert. Wie überall im Leben kommt es auch in diesem Bereich darauf an, was man selber daraus macht. Wir sollten unseren Kindern vermitteln, wie man das Beste aus dem Internet herausholt, ohne sich darin zu verlieren. Extreme gab es schon zur Steinzeit, es wird sie immer geben. Vor Verallgemeinerungen sollten wir uns jedoch hüten, denn jedes Ding hat mindestens zwei Seiten, das Internet jedoch hat viel mehr davon.

  3. Was sagen die anderen dazu?

  4. DIE GEWINNER LAUTEN: Marquard Baireuther, Inke Göttker und Claudio Wilemsen. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

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