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LUNA VOM STAMM DER BOOGIE – Shortstory von Ottilie von Schottenburg

LUNA VOM STAMM DER BOOGIE

Shortstory

von

Ottilie von Schottenburg

Hallo Freaks! Mein Name ist Luna und ich gehöre zum Stamm der ausgeflippten, aber dennoch wunderschönen Boogie-Elfen.

Vor einigen Monden ist mir wirklich was Irres passiert. Ich bin in einer mir namentlich unbekannten Stadt gelandet.

Doch was sah ich da?

Einen Jahrmarkt!

Wohw!, dachte ich so bei mir und zügelte mein pinkfarbenes Pony. Es stammt aus einer unserer Sonderzüchtungen. Als Tochter des Oberhäuptlings der Boogies muss ich schließlich mein Image aufrechterhalten.

Vor einem Spiegelkabinett stieg ich von Pinky, so nenne ich mein Pony, und band es an einem Pfosten fest. Einige seltsame Gestalten hatten sich schon vor der Attraktion versammelt. Doch ich war mit Abstand die farbenprächtigste Erscheinung.

Ich entdeckte einen Mann mit der Ausstrahlung eines Straßenköters. Seine Begleiterin, ein kleines Mädchen, nannte ihn Urino, passend aber eklig. Dann war da noch ein Waldläufer mit vielen Muskeln, aber wenig Hirn, wie sich später herausstellen sollte. Eine weibliche Samurai, auch Samurine genannt, mit einem sehr langen und komplizierten Namen, war ebenfalls mit von der Partie. Ein trollgesichtiger Mann lud uns ein, ihm ins Spiegelkabinett zu folgen, um das aufregendste Abenteuer unseres Lebens zu bestreiten.

Ganz ehrlich, hätte ich geahnt, was daraufhin alles auf mich zukommen würde, hätte ich dankbar auf meine Teilnahme verzichtet. Da ich aber von Natur aus fruchtbar neugierig bin, betrat ich, gefolgt von den anderen Teilnehmern dieser Exkursion, die Attraktion.

Diese Spiegel waren wirklich der reinste Horror, sie verunzierten meine makellose Gestalt aufs Gröbste. Mal sah ich übergroß aus, wie eine Riesin und ein anderes Mal fett wie ein Troll. Einmal war ich so dürr, das ich durch jede Ritze hätte durchrutschen können, wäre ich wirklich so eine Gestalt. Brrr, nein, nein, nein, meine wohlgeformte Figur gefiel mir so wie sie war. An allen Stellen die richtigen Proportionen, eben perfekt. Ein Spiegel erschreckte mich aufs tiefste, dort starrte mir ein uraltes Weib entgegen. Etwas das Elfen wie mir nie, aber auch nie passieren wird, da wir unsterblich sind und natürlich immer wunderschön. So rief hingegen das männliche Pendant von mir, das im nächsten Spiegel erschien, das reinste Entzücken in mir hervor. Ja, wenn ich ein Mann wäre, würde ich genauso aussehen. Muskulös, attraktiv – hach! Eben ein Traum von einem Boogie-Elfen.

Dieser letzte Spiegel brachte uns dann zu einem weiteren Spiegel. Durch diesen sollten wir hindurchtreten, da dies der Ausgang sein sollte. Wie immer schritt ich forsch voran, meine Anhänger folgten mir auf dem Fuße. Ehrlich mal, ich bin die geborene Anführerin.

Doch als wir aus dem Spiegel heraustraten passierte etwas Seltsames. Der Jahrmarkt war verschwunden und alle Attraktionen mit ihm. Verwundert sahen wir uns um, doch – oh, Schreck! – auch das Spiegelkabinett existierte nicht mehr. An seiner statt stand ein riesiger Spiegel mit einer festen Oberfläche vor uns. Bevor einer von uns reagieren konnte, zerschlug der irre Waldläufer diesen Spiegel mit seinem Schlagstock. Ich wollte ihn gerade anschreien, als ich etwas ungeheuerliches bemerkte. Der Waldläufer sah aus wie ein sehr hässlicher, weiblicher Pedant seiner selbst.

Erschrocken befühlte ich meinen Körper und sah an mir herab. Hier gab es eindeutige, nicht zu übersehende Veränderungen. Wir Boogies tragen immer Lederkleidung, diese liegt sehr eng am Körper an. Mein Outfit besteht aus lila Leder, das so fein ist, das es zart auf der Haut liegt. Zudem hatte ich darauf bestanden, meine Kleidung mit rosa Fransen zu versehen, womit ich einen neuen Trend in der Boogiewelt setzte. Kaum ein Elf war nicht begeistert von meinem guten Geschmack. Nun, um zum Punkt zu kommen, oben herum saß das Leinenhemd, das ich unter meiner Lederjacke trug, wie auch dieselbe, recht locker. Dies konnte ich von meiner Schrittgegend nicht gerade behaupten. Hier spannte sich der Stoff der Hose recht unangenehm und sehr eng über einen sehr prallen männlichen Penis.

Verwirrt hob ich eine Spiegelscherbe auf, um mich zu betrachten. Bei den Waldfeen, was für ein hübscher Jüngling mir da entgegensah! Langsam dämmerte mir, dass ich mich in einen Mann verwandelt hatte. Meiner Gruppe erging es ebenso. Wir alle waren zum Pedant unserer weiblichen oder männlichen Originalkörper geworden. In meinem Fall war es mir fast egal, ich sah halt immer supercool und hübsch aus. Dies erregte sogleich die Aufmerksamkeit eines hübschen Mannes des Menschenvolkes.

Natürlich war ich geschmeichelt, ist doch klar. Immerhin, aufregen brachte doch gar nichts. Die Situation war zwar kurios, aber noch schien nichts verloren zu sein. Mir meines guten Aussehens vollauf bewusst, flirtete ich ein wenig mit dem Typen und vertröstete ihn auf ein späteres Treffen.

Die Zerstörung des Spiegels hatte allerdings ein Nachspiel. Bevor wir uns weitere Informationen besorgen konnten, schüttete sich der Zorn des Spiegelliebenden Herrschers des unbekannten Reiches über unseren Köpfen aus. Wir wurden gefangen genommen und – welche Schmach! – ins Gefängnis geworfen. Dies war für mein gutes Aussehen absolut kontraproduktiv. Nach einer Nacht im Kerker wurden wir vor ein Gericht gestellt.

Da meine Begleiter endlich einmal den Mund hielten, damit sie sich überlegen konnten, wem sie die Schuld an allem geben sollten, gelang es mir schnell und effektiv, die Beteiligung an der Tat abzustreiten und uns als unschuldige Opfer einer Verschwörung hinzustellen. Immerhin, wir waren die Neuankömmlinge, dem böse, finstere Typen Schaden zufügen wollten. Ach, bin ich gut!

Ja wenn es ums Reden geht, macht mir keiner etwas vor. Ich verkaufe Essig als Gold – scheint ein Erbe meiner Großmutter väterlicherseits zu sein, die einst als Händlerin tätig war und in das Königshaus der Boogie-Elfen eingeheiratet hatte.

Doch weiter zum Prozess: Die Klage wurde wegen Mangel an Beweisen fallen gelassen. Hurra! Ich bin so toll! Obwohl ich den Verdacht hatte, das der König über das Ergebnis doch recht unzufrieden wirkte.

Allerdings gab es ein uraltes Gesetz, das der hübsche Jüngling, der sich freiwillig als unser Verteidiger gemeldet hatte, irgendwo ausgegraben hatte. Dies besagte, dass das Königshaus fremde Besucher wie königliche Gäste zu behandeln hatte. Eine Zeit der Dekadenz brach für uns an. Wir wurden in ein Badehaus geleitet, und zum ersten Mal konnten wir unsere neuen Körper bestaunen. Ich war einfach perfekt. Nicht zu dünn, sondern drahtig und mit Muskeln an der richtigen Stelle und einem Geschlecht, das die Frauen und auch einige Männer zum Sabbern brachte. Hach, war ich gut!

Natürlich enthielt dieses Gesetz auch eine Klausel. Die Gäste waren dazu verpflichtet, den Herrscher zu unterhalten. Also musste unsere trollgesichtige Waldläuferin einen Schleiertanz vorführen, bei dem wir anderen uns köstlich amüsierten. Bei einem königlichen Mahl erzählte ich Johann, den ich Jon-Jon nennen durfte, von unserem erstaunlichen Abenteuer, das uns in seine Welt geführt hatte. Der König brach ob dieses Dilemmas in lautes, grölendes Gelächter aus. Dies hob seine Laune. Er wurde wesentlich gefälliger als vor unserem Gespräch. Im Gegenzug erzählte er uns von einem Mann, der vor vielen Jahren hier ankam und behauptete eine Frau zu sein.

Dank meiner Schmeicheleien und Komplimente gewährte uns der König gnädiger Weise jenen Mann aufzusuchen. Meinen Gefährten und mir fehlte allerdings ein wenig Werkzeug. Die Einheimischen waren jedoch so nett uns zu helfen: So schien es Messer beim Metzger Heinz oder bei OPI zu geben, eine Axt beim Schmied Hannes oder bei OPI. Nach einigen Umwegen zum geeignetem Equipment, erstanden wir schließlich alles bei OPI. Ich sage Euch, der alte Sack hatte wirklich alles. Allerdings versuchte er, uns gnadenlos übers Ohr zu hauen, um uns das wenige Gold, das wir dabei hatten, abzunehmen. Erst mein dezenter Hinweis darauf, dass wir Gäste des Herrschers seien, klärte ihn über unseren gehobenen Status auf. So erstanden wir die benötigten Dinge zu einem einigermaßen akzeptablen Preis.

Geschwind ließen wir Jon-Jon und sein Schloss hinter uns und machten uns auf den Weg zu dem Mann, der eigentlich eine Frau war. Das Dorf, in dem besagter Mann (Frau) wohnte, erreichten wir dann zu unserer allgemeinen Überraschung ohne größere Hindernisse. Nun, bis auf den einen Vorfall.

 

Wir wurden im Wald von einer Horde Kaninchen überfallen. Ja, so ist es. Die waren riesig und hatten lange Ohren und furchtbare Klauen an ihren süßen Pfoten. Doch ihre kugelrunden Augen glühten rot auf. Die Samurine legte sich ins Zeug und vollbrachte mit ihrem Schwert wahre Wunder. Zum guten Schluss hatten wir reichlich Kaninchen erlegt.

Wir aßen uns satt. Das Fell der Kaninchen, die wir gegessen hatten, nahmen wir natürlich mit. Nach diesem Vorfall fanden wir das Dorf recht schnell und konnten uns einige Goldmünzen mit unserer Beute verdienen. Die brauchten wir auch dringend, wer weiß, wen wir bestechen mussten.

***

Den Mann fanden wir recht zügig da ihn jeder im Dorf kannte. Er erzählte uns wie wir wieder in unsere eigene Welt gelangen konnten, allerdings wollte er nicht mehr dorthin zurück. Mittlerweile hatte er sich ein beachtliches Vermögen angehäuft, nannte einen kleinen Harem sein eigen und lebte recht dekadent. Auch Nachkömmlinge gab es, so dass seine Geschäfte auch nach seinem Ableben weiterhin in fähigen Händen waren.

Das Gold konnten wir also getrost unter uns aufteilen. Schön, dass wir dadurch Souvenirs hatten, denn auf den Münzen waren Symbole eingraviert, wie ich sie in unserer Welt noch nie gesehen hatte.

Wir erreichten die kleine Stadt, die in einem anderen Teil des Königreiches lag. Vorsichtigerweise beschlossen wir den Herrscher nicht noch einmal aufzusuchen, immerhin war der doch recht launisch, man weiß ja nie.

Diese Stadt war die exakte, spiegelverkehrte Kopie der ursprünglichen Stadt, aus der wir kamen. An einer Mauer lehnte ein Spiegel. Wir traten hindurch, – und sofort hatte ich meine eigene, unvergleichlich schöne weibliche Gestalt wieder. Hach bin ich hübsch!

Der Waldläufer hatte nichts dazugelernt, – Krach! Bumm! – schon lag auch dieser Spiegel in Scherben. Der Besitzer des Spiegelkabinetts hob zu lautem Wehklagen an, da er nun dazu verdammt zu sein schien, in unserer Welt gefangen zu sein.

Unser Mitleid hielt sich allerdings in Grenzen. Sollte er doch versuchen, einen Spiegel zu finden, um wieder in seine Welt zurück zu gelangen.

Ich ging zu Pinky, meinem Pony, das geduldig, aber voller Sehnsucht auf mich zu warten schien. Erstaunt bemerkte ich, dass in unserer Welt nur etwa zwei Stunden vergangen waren, denn ansonsten wäre Pinky entweder verhungert oder entwendet worden. Weil die anderen Mitglieder dieser Exkursion und vor allem die weibliche Samurine sehr erschöpft wirkten, beschloss ich meine gute Tat für den heutigen Tag zu vollbringen. Ich lud alle ein, mir ins Dorf der Boogie-Elfen zu folgen. Erfreut schlossen sich die neuen Freunde meinem Vorschlag an.

Gemeinsam ritten wir zu meinem Dorf, wo wir mit freudigem Jubel empfangen wurden. Sogleich wurde ein Fest ausgerichtet, das über mehrere Tage andauern sollte. Immerhin, erwähnte ich schon, dass ich die absolute alleinige, wunderschöne Prinzessin meines Vaters, des Königs, war? Nein? Mit meinem wehendem langen, silberweiß glänzendem Haar, dessen Stirnhaar blau eingefärbt und mit rosa Strähnen durchzogen war, bot ich ja auch einen tollen Anblick. Wie ich da so auf meinem rosa Pony stolz und aufrecht voranritt, muss ich einfach unglaublich gut ausgesehen haben. Wer könnte mir schon wiederstehen? – Hach bin ich Gut!

-ENDE-

Copyright © 2015 by Ottilie von Schottenburg

Bildrechte: Eingangsgrafik „ELFE-LOTHAR-BAUER“ und Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Naturgeister (Kartoniert)
Wahre Begegnungen mit Elfen und Zwergen
von Puhle, Annekatrin / Lück, Marita


Verlag:  Aquamarin- Verlag GmbH
Medium:  Buch
Seiten:  144
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erscheint:  Januar 2015
Maße:  130 x 200 mm
ISBN-10:  3894276886
ISBN-13:  9783894276881

Beschreibung
Die volkskundliche Überlieferung Europas, vor allem seiner nördlichen Länder, enthält seit Jahrhunderten Zeugnisse vom wundersamen Wirken der Naturgeister. Während in Island oder Schweden diese Tradition bis heute lebendig ist, geriet sie im deutschsprachigen Raum, trotz der vielen Zeugnisse in der Dichtkunst, weitgehend in Vergessenheit. In ihrem lebendigen, von Humor und Weisheit geprägten Buch haben Annekatrin Puhle und Marita Lück Erlebnisberichte von Menschen gesammelt, die in unseren Tagen Begegnungen mit dem Reich der Kleinen Leute hatten. Darin zeigt sich, dass das Reich der Naturgeister und die Welt der Menschen nicht wirklich voneinander getrennt sind. Immer wieder spannt sich ein Band der Sympathie zwischen den beiden Reichen. Eine Sammlung von Augenzeugenberichten, die aus unmittelbarer Erfahrung schildern, wie und warum Elfen und Zwerge Kontakt zu Menschen aufnehmen!

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1 Comment

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  1. Die Story liest sich recht lustig und erscheint wie eine Parodie auf Elfen und Co. mit dem Flair einer Barbie. 🙂 Eine coole Idee sind auch die Spiegel. Die Story liest sich angenehm und spannend und es gibt reichlich Gelegenheit zum Schmunzeln.

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