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VERLINKT – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman „Die Geister des Landes – Das Erwachen“ von Judith C. Vogt

VERLINKT

Leseprobe aus dem Fantasy-Roman

“Die Geister des Landes – Das Erwachen”

von Judith C. Vogt

Die Geister des Landes – Das Erwachen ist der erste Teil einer Phantastik-Trilogie für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene aus einem Land voller wilder Tiere, dichter Wälder und grimmiger Ureinwohner: Der Eifel.

Musterschülerin Fiona träumt eigenartige Dinge – von vergessenen Mythengestalten und Menschen, an deren Gesichter man sich nicht erinnern kann. Sie vertraut sich Dora an, die sich selbst für eine Hexe hält und diese wiederum zieht Rollenspieler Gregor und Öko-Nerd Edi in eine Sache hinein, die für vier Abiturienten aus der Eifel eine Nummer zu groß zu sein scheint …

Leseprobe:

Fiona fuhr den Computer hoch. Sie hatte den ganzen Tag wie besessen Harfe geübt, ihre Hausaufgaben lagen noch unerledigt auf einem Stapel auf dem Schreibtisch. Jetzt taten ihr die Finger und die Sehnen weh, und sie merkte, dass sie ihre Gedanken nicht noch länger von sich schieben konnte.

Die Konferenz. Es würde eine Konferenz geben. Die Frage war nur, konnte sie daran teilnehmen?

Sie nahm ihr Handy und rief noch einmal Edis SMS auf.

Fritten lachen nicht über andere fritten. Tu nichts was wir nicht auch tun würden. Ruf uns an wenn irgendwas ist UND MACH NICHTS ALLEINE!!! Das bringt unglück.

Fiona wusste gar nicht so richtig, ob sie an die Konferenz glauben sollte oder nicht. War sie nur übernächtigt? Oder war es eine von diesen seltsamen Botschaften gewesen?

Auf jeden Fall musste sie es herausfinden. Und erst dann würde sie den anderen Bescheid sagen.

Mit einer Hand tastete sie nach dem Handy und schaltete es aus. Diesmal würde sie nicht gestört werden.

Sie ging wieder auf die Website der Musikschule, dort war auch beim letzten Mal ihr Ausgangspunkt gewesen. Noch unbeholfen klickte sie auf die ersten Links, versuchte sich auf jeder Seite daran zu erinnern, für welchen Weg sie sich am vergangenen Abend entschieden hatte – doch irgendwann wurde das nicht mehr wichtig. Irgendwann übernahmen der klickende Finger, die Maus, der Browser die Kontrolle. Sie machte stets weiter. Klickte. Seiten entrollten sich vor ihr. Klickte. Server gaben ihr ihre Geheimnisse preis. Klickte. Menschen stellten sich ihr dar, anonym und doch öffentlich. Klickte. Gedanken, in virtueller Schriftform, rauschten vorbei. Klickte. Klickte. Klickte.

Sie klickte sich durch ganze Leben, durch binären Urwald, durch nie stattgefundene Unterhaltungen, bis sie irgendwann wieder dort ankam, wo sie auch beim ersten Mal gestanden hatte. Sie nahm sich selbst kaum noch wahr – dafür spürte sie, dass sie an einen Rand gelangt war. Es war ein bisschen wie das Ende der Welt. Hier ging es runter, und unzählige Datenfluten ergossen sich ins schwarze All, als wäre das Internet eine Scheibe.

Und hier konnte sie es finden. Noch ein Klick – es war da.

Ihren Bildschirm füllten fünfzehn kleine Bildschirme, auf jedem ein Mann. Fiona konnte sich keines der Gesichter merken, keine Augenfarbe, kein Kinn, keine Nase. Keiner von ihnen trug einen Bart oder eine Brille. Alle trugen die Haare kurz und den Anzug eines Geschäftsmanns.

Sie unterhielten sich.

„… einem Mädchen nicht ins Bockshorn jagen lassen“, sagte der in der rechten Ecke.

„Ich denke nicht, dass es sich nur um ein Mädchen handelt, Herr Mayer. Ich denke, sie hat noch andere Unterstützung. Sonst hätte sie gar nicht diese umfangreichen … Ressourcen und dieses präzise Wissen, wo unsere Fixpunkte sind.“

„Sehe ich das richtig, dass wir bereits vier Aktivposten an sie verloren haben?“, fragte ein Mann, der sich eher in der Mitte befand. Selbst ihre Stimmen waren durch und durch unauffällig, und Fiona hatte immer Mühe, denjenigen zu finden, der gerade sprach.

„Nach den ersten Testballons haben wir ja gerade erst angefangen, die Förderung vorzubereiten. Es besteht keinerlei Grund zu der Annahme, dass das Projekt gefährdet ist. Die Finanzierung ist gesichert, der Zeitplan ist nicht zu straff. Ich würde sagen, es besteht kein Grund zur Sorge“, ergriff der zweite Sprecher wieder das Wort.

Fiona fiel auf, dass sie nicht einmal mit Sicherheit sagen konnte, dass er Deutsch sprach. Das war die einzige Sprache, die sie fließend beherrschte, dennoch glaubte sie irgendwie, dass es auch jede andere Sprache hätte sein können.

„Dennoch“, fuhr er fort, „denke ich, dass Vorsicht angebracht ist. Wenn der Zugriff auf die Älteste, die hiesige Kategorie-5-Kreatur, stattfindet, sollte gleichzeitig etwas vorbereitet werden, um jegliche Intervention zu verhindern. Sie ist nicht nur ein weiteres WMU, geschätzte Kollegen, sie ist das Reservoir in diesem Quadranten.“

Einer erhob das Wort, der bisher geschwiegen hatte, während alle anderen beflissen nickten.

„Ich schlage vor, dass Sie das in die Hand nehmen, Herr Mayer. Der Aufsichtsrat gewährt Ihnen alle Freiheiten, solange die Sache damit von Tisch ist. Damit wären wir auch schon beim nächsten Thema. Die Evaluation sollte allmählich abgeschlossen sein, mit dem Zugriff auf Kategorie 5 können wir dann in die nächste Phase übergehen. Es gibt noch einiges … ja, bitte?“

Einer der Männer in der unteren Reihe meldete sich zu Wort.

„Eingehender Anruf auf Leitung 16.“

„Wer ist es?“

„Unbekannte Rufnummer. Soll ich annehmen?“

„Ja, schalten Sie durch.“

Es entstand eine kurze Pause. In dieser Pause sah Fiona, dass die unauffälligen Männer sehr unterschiedlich reagierten. Einer lehnte sich vor und schien seinen Bildschirm zu mustern. Mehrere andere runzelten die Stirn. Einer sprang auf, sie konnte nur noch die Spitze seiner Krawatte sehen. Der Wortführer hingegen schien zu lächeln.

„Nun, wer ist denn das? Haben Sie sich verwählt, junge Dame?“

„Ist sie das?“, flüsterte jemand von irgendwoher.

Fiona sackte die Erkenntnis, dass sie selbst der unbekannte Anrufer war, wie ein heißer Klumpen aus geschmolzenem Stein in die Magengrube. Das konnte nicht sein – sie hatte nicht mal eine Webcam – das war nicht möglich!

„Sie sehen so erstaunt aus. Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte der Wortführer mit milder Stimme.

„Nein, das ist sie nicht“, murmelte ein anderer zurück. „Das ist eine andere. Zwei Mädchen!“ Er lachte heiser und humorlos.

Fiona wollte den Computer ausschalten, doch ihr Körper wollte ihr nicht gehorchen. Sie versuchte, wenigstens die Zähne zusammenzubeißen, und schließlich gelang es ihr auch.

„Ich … habe mich verwählt“, brachte sie hervor und merkte, dass ihr Körpergefühl mit einem Prickeln in ihren Schädel zurückkehrte und von dort in ihren Körper hinunter tropfte.

„Das glaube ich kaum“, sagte der Wortführer mit einem kalten Lächeln. Er drückte eine Taste, die sie nicht sehen konnte, und sein Bild füllte ihren ganzen Bildschirm und schob alle anderen Unauffälligen zur Seite. Es war, als säße sie ihm ganz nah gegenüber, und sein Blick bohrte sich in ihren. Sie schluckte hart. Warum konnte sie immer noch nicht ihre Arme bewegen?

Mit einem Zähneknirschen gelang es ihr, mit den Fingern zu wackeln. Millimeter für Millimeter schoben sich ihre Finger über die Tastatur. Auch sie drückte eine Taste.

„Sie müssen schon ein ganz besonderes Telefon haben, um sich in unsere Unterhaltung einmischen zu können. Vielleicht sind Sie ja bekannt mit einer anderen jungen Dame. Lassen Sie doch einmal sehen.“

Sie hörte, wie die Festplatte ihres Computers zu rattern begann. Was machte er da? Hackte er ihren Computer? Sein Blick war unverändert auf sie gerichtet, was bei einer Unterhaltung mittels einer normalen Webcam ja überhaupt nicht möglich war. Es war, als säße er ihr gegenüber hinter einer Scheibe und versuche, ihre Gedanken zu lesen. Noch einmal presste sie die Taste. Dann, mit einer fast übermenschlichen Anstrengung, warf sie sich zur Seite, vom Stuhl der Länge nach auf den Boden und langte nach dem Kippschalter der Stromverbindung. Mit schier unmenschlicher Kraft presste sie ihren Finger darauf – das rote Licht darin erlosch; mit einem traurigen Wuuuuu kapitulierte der Computer und war aus.

Copyright (C) 2012 by Judith C. Vogt. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Ammianus-Verlags.

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Bildrechte: “Virtuelle Welten” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/virtuelle-welten-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestelllinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen! Anbei zur Orientierung noch eine Buchrezension:

Judith C. VogtCover von Die Geister des Landes
Die Geister des Landes – Teil 1: Das Erwachen

Ammianus, 2012
ISBN 978-3-981228-54-0
Fantasy, Jugendbuch, Horror
kartoniert
Umfang 328 Seiten
Umschlaggestaltung: Thomas Kuhn

www.ammianus.eu
www.jcvogt.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Rezension von Buchrezicenter.de:

Etwas Seltsames geht vor in der Eifel, denn fast vergessene Sagengestalten erwachen aus ihrem Schlaf und treiben ihr Unwesen. Doch niemand glaubt der Schülerin Fiona, die immer wieder von prophetischen Alpträumen geplagt wird, bis diese sich, recht widerwillig, an die Außenseiter der Schule wendet: die Rollenspieler und Nerds Dora, Edi und Gregor.

Die Drei sind zunächst etwas skeptisch, stellen jedoch sehr schnell fest, dass die hübsche und beliebte Fiona sich nicht einfach nur wichtigmachen will und dass die Geister des Landes wirklich erwacht und nicht gut auf die Menschen, die sie stören, zu sprechen sind. Und so versuchen sie mit allen Mitteln zu helfen, dem Spuk ein Ende zu setzen. Doch was können vier Teenager allein gegen Hövelmänner, die Wilde Jagd oder einen waschechten Riesen ausrichten? Bei ihrer Suche nach Hilfe stoßen sie auf die rätselhafte Frau Wolter, die mehr über die Geschehnisse zu wissen scheint, als sie selbst zugeben will. Schon bald müssen die vier ungleichen Teenager nicht nur herausfinden, was ist der Eifel eigentlich vor sich geht, sondern auch, wem sie wirklich trauen können.

„Das Erwachen“ ist der Auftaktband der „Geister des Landes“-Jugendbuch-Trilogie der jungen Autorin Judith Vogt, die bereits einige Romane zur Rollenspielwelt „DAS“ („Das Schwarze Auge“) veröffentlich hat. Das Buch entführt die Leser in die Heimat der Autorin, das Gebiet der Nord-Eifel, deren wunderbare Landschaft und Geschichte dank Judith Vogts detaillierter Beschreibungen beim Lesen sofort lebendig wird. Für Kenner der Gegend wird es sicher einiges wiederzuerkennen geben und für den eifelunkundigen Leser, der mit Hövel- und Hinzmännern wenig anfangen kann, gibt es einen kurzen Mythenführer am Ende des Buches, der alles einmal vorstellt.

Doch nicht nur die Beschreibungen der Eifel überzeugen. Auch die Charaktere – die Möchtegernhexe Dora, der spleenige Mittelalterfan Gregor, der stille Edi und die beliebte Fiona – sind liebevoll beschrieben und mit ihren kleinen Macken so wunderbar normal, dass sie sofort vertraut wirken. Ein kleines Schwarzweiß-Bild am Anfang des Buches hilft außerdem, die vier Helden direkt beim Lesen vor sich zu sehen.

Die Geschichte selbst entwickelt sich nach einem etwas hektischen Anfang in mehreren, sich nach und nach steigernden Spannungsbögen. Diese werden immer wieder durch alltägliche Teenager-Probleme wie Schule, nervigen Eltern oder Liebeskummer unterbrochen, so dass die Geschichte immer wieder zur Ruhe kommt und nicht zu sehr aufdreht. Die ruhigen  Phasen nutzt die Autorin außerdem, um sich auf die Charaktere und deren zu Beginn doch etwas wackeligen Freundschaft zu konzentrieren und diese weiterzuentwickeln. So kommt es, dass man sich am Ende schnellstens den zweiten Band herbei wünscht, allein schon um zu sehen, wie es mit den vier Freunden weitergeht.

Alles in allem ist „Die Geister des Landes 1: Das Erwachen“ also ein sehr gelungener Auftakt der Trilogie, der  sowohl Jungen als auch Mädchen ab 12 Jahre, die gerne Mystery- und Fantasy-Literatur lesen, gefallen dürfte. Und auch der eine oder andere Erwachsene könnte Gefallen an dem gutgeschriebenen Jugendbuch finden, zumal die Geschichte erfrischen neu und zudem gut erzählt daherkommt.

Copyright by 2013 © Birgit Scherpe (BS) (buchrezicenter.de)

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Updated: 3. Juli 2013 — 12:10

4 Comments

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  1. So, unser erster Beitrag auf eurer Seite … Vielen Dank und: gerne ändern, wenn irgendwas so nicht in Ordnung ist. 🙂 Der zweite Teil von „Die Geister des Landes“ (Gesichtslos) erscheint übrigens in wenigen Wochen.

  2. Gut gemacht. Jetzt ist alles richtig! Prima, ich stelle es noch in eine Anthologie und in den Leseprobenaward.

  3. Christa Kuczinski

    Oh, eine neue Autorin* Herzlich Willkommen!!! Die Leseprobe gefällt mir 😉

    Lg Christa

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