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Literatur-Blog

LEGENDEN – Shortstory von Petra Weddehage

LEGENDEN

Shortstory

von

Petra Weddehage

 

Der Himmel war so hell und klar wie schon lange nicht mehr. Dieser fantastische Blauton hätte jeden Künstler in Ekstase versetzt. Die Strahlen der Sonne brachten die Blumen zum Blühen und die Wiesen glänzten in einem saftigen Grün. Endlich war der Frühling gekommen.

Die Sonnenstrahlen drangen auch durch das dichte Blättergewirr des Tausend-Jahre-Waldes. Der Waldkönig hatte seine Gemahlin und seine Kinder um sich versammelt. Sie befanden sich auf einer wunderschönen Lichtung. In der Ferne war das Rauschen eines Wasserfalles zu hören, der dem kleinen Teich durch sein Wasser neues Leben einhauchte.

Die Nixen, die wie immer aus ihrem Wasserschloss gekommen waren um mit dem König und seinen Untertanen den Beginn des Frühlings zu feiern, sangen: „Neues Wasser, bringt neues Leben. Neues Leben bringt neue Seelen.“

Aus allen Teilen des Waldes waren sie zusammengekommen, die Einhörner und die Waldfeen, die Elfen und die Faune. Hoch oben aus der Luft sanken Pferde, mit Flügeln wie aus schimmerndem Glas, zu Boden. Bald waren alle Bewohner des Waldes eingetroffen und eine andächtige Stille legte sich über den Wald.

„Wann kommt den jetzt endlich die Geschichte, Mama“, fragte ein kleiner Pegasus voller Ungeduld. „Jetzt mein kleiner Untertan.“ ertönte die Stimme des Herrschers und er begann seine Erzählung:

„Es war einmal der Mensch, es war das schrecklichste Wesen auf dieser Welt. Diese Monster waren teilweise sehr schön anzusehen, doch brachen sie immer wieder die Verträge mit uns Naturgeschöpfen. So waren wir vom Aussterben bedroht. Unsere letzte Hoffnung lag in einer der anderen Dimensionen. Wir flohen in die Welt der Fantasie, nur dort konnten wir überleben. Die Magie war fast gänzlich aus der Welt der Menschen, die der Technik den Vorzug gaben, verschwunden. Nur mit einer letzten, gemeinsamen Kraftanstrengung überwanden unsere Vorfahren den hauchzarten, jedoch kaum zu durchdringenden, Schleier in diese Welt. Diese Dimension war abhängig von den Träumen und Wünschen der Menschen und das erwies sich für unser Überleben als wahrer Glücksfall. Umso mehr ihre eigene Welt in Rauch, Feuer und Maschinen voller technischer Raffinessen versank, desto mehr sehnten sich die Menschen nach einer anderen Lebensweise. Vor allem die Kinder waren ein kaum zu zügelnder Quell fantastischer Ideen. Sie wollten auf Drachen reiten und mit magischen Pferden durch die Lüfte segeln. Die männlichen Kinder wollten auf die höchsten Bäume steigen, als Piraten das Meer überqueren oder einfach nur an einem Strand hohe Sandburgen bauen. Die Mädchen träumten von Feen, Elfen und Waldtieren, die ihnen freundlich gesinnt seien und die Sprache der Menschen verstehen. Sie träumten von Palästen, wunderschönen Gewändern und wünschten sich Fahrten in einer goldenen Kutsche. Sie wollten im Prinzessinnengewand auf einem Ball tanzen. Die Wünsche wurden umso zahlreicher, je grausamer und hoffnungsloser ihr eigener Alltag sich gestaltete.

Eines Tages geschah folgendes:

Jasper war ein Junge von vierzehn Jahren. Er lebte in einem Hochhaus im vierzehnten Stock mit vierzehn weiteren Bewohnern. Seine Welt war alles andere als schön zu nennen. Überall gab es Fabriken, in denen die Menschen sich zu Tode schufteten. Es gab zahlreiche Computer und noch effektivere Maschinen, die dem Boden ihre Schätze entrissen. Mit Raumschiffen wurde hin und wieder ein Versuch gestartet eine zweite Erde zu finden. Diese Hoffnung zerplatze wie eine Seifenblase, da die Entfernungen zu den nächsten bewohnbaren Sternensystemen zu groß waren, um sie zu überwinden. Auch die Urbarmachung der Planeten in der näheren Umgebung scheiterte durch die Gier der Diktatoren und Menschen in Machtpositionen. Die Überbevölkerung der Welt war nicht mehr zu stoppen. Im Laufe der Jahrhunderte hatten sich die Religionen vermischt und es entstand: DIE EINE NEUE KIRCHE

.

Durch einen gerissenen Schachzug, indem sie sich die Verzweiflung der Menschen zu Nutze machten, gelang es ihnen auch die weltlichen Belange an sich zu reißen. So brachen Chaos und Anarchie, vermischt mit einem furchtbaren Irrglauben noch schneller über die Menschheit herein.

Verbote waren an der Tagesordnung. Es war verboten zu verhüten, Abtreibung war ebenfalls verboten. Es gab immer mehr Krankheiten und durch den Nahrungsmangel wurden Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen geboren, denen keine schöne Zukunft bevorstand. Die Folge davon waren immer mehr Kinder, die irgendwo ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen wurden. Es gab nie genug Waisenhäuser um die Kleinen aufzunehmen oder die hungrigen Mäuler zu füttern. Dann beschlossen die Kirchenoberhäupter, dass alle Menschen das Gleiche erhalten sollten, egal ob sie arbeiteten oder nicht. Es gab einen Kleidungstil je für Männer und Frauen. Die Männer trugen einen sackartigen Kaftan und einen Kapuzenumhang, wobei sie damit ihre Köpfe bedecken sollten. Die Farben wurden verbannt und so gab es nur ein tristes Grau das alle trugen. Frauen wurde wieder einmal alles, was in der Welt schief lief, angekreidet. Ihr verderbter Einfluss sollte schuld daran sein, dass es den Menschen so schlecht ging. Sie mussten ihre Figur und ihre Haare unter langen klobigen Gewändern und Tüchern verbergen. Jeder machte mittlerweile die gleiche Arbeit und bekam das gleiche zu essen. Es waren katastrophale Zustände. Die Sterblichkeitsrate der Neugeborenen erreichte einen traurigen Rekord. Nur auf dem Schwarzmarkt konnte man zu unglaublichen Preisen noch Zigaretten, Alkohol oder Medikamente bekommen.

Die einzigen die im Luxus hausten waren die Oberhäupter der mittlerweile EINEN KIRCHE, die es ja ach so gut mit den Menschen meinten. Das Böse findet immer einen Weg um sich zu bereichern. Chaos war vorprogrammiert.

Es gab immer neue Krankheiten die dafür sorgten, dass ab und an die Weltbevölkerung reduziert wurde, aber es gab immer noch zu viele Menschen. Gegen die rasante Vermehrung der Erdenbewohner schien es kein Mittel zu geben. Für Jasper gab es nur noch graue Gestalten, die sich durch die Gegend bewegten. Die Menschen wirkten wie seelenlose Roboter, unbelebt und mechanisch. Sie beteten dreimal am Tag. Doch der einzig wahre Gott hatte seine Augen verschlossen, die Ohren bedeckt und seine Lippen fest aufeinandergepresst. Auch ein Gott kann irgendwann den Wahnsinn seiner Kinder nicht mehr ertragen und beginnt sich abzuwenden.

Jasper saß vor seinem Computer und tauchte in eine unreale Welt ein. Dank eines Helmes und eines Handschuhs konnte er in Welten reisen, die er selbst mit ein paar Tastenbefehlen erstellt hatte. Darin war er ein wahrer Meister. Sein Talent hielt er wohlweislich vor allen verborgen, sogar vor seinen Eltern. Es gab noch andere Kinder wie ihn, die mit ihm in der anderen Welt zahlreiche fantastische Abenteuer erlebten. Sie erträumten sich große Wälder, feenhafte Mütter und nette Väter, Königen gleich. In dieser Welt ernährten sich die Menschen von Früchten und lebten mit allen Tieren und Fabelwesen in Frieden.

In der Welt der Menschen geschah es, dass eine kleine Gruppe eine große, gefährliche Waffe entwickelte. Sie waren so fanatisch, das sie diese Waffe eines Tages einsetzten, mit verheerenden Folgen. Damit hatten sie nicht gerechnet, doch es war zu spät. Die Welt zersprang und so wurde der Planet namens Erde vollständig zerstört. Von einem Moment zum anderen war die Welt verschwunden, aufgelöst als hätte sie nie existiert. Denn die Wahrscheinlichkeit für eine Welt ohne Hoffnung wurde immer geringer, sie wäre also über kurz oder lang auf jeden Fall verschwunden. Die Menschen hatten ihr Ende selber beschleunigt.

Dann geschah das große Wunder. Unsere Traumwelt war durch die Wünsche der Kinder so real geworden, dass sie den Platz der anderen Welt einnehmen durfte. Alle Kinder, der nun nicht mehr existierenden Welt, leben nunmehr hier bei uns. Ihr denkt bestimmt das müssen doch sehr viele gewesen sein. Nein, da irrt ihr. Durch eine Krankheit wurden die Männer und Frauen steril und es gab immer weniger Geburten. Nur ein paar hundert Kinder lebten noch auf der Welt, bevor sie zerbarst. Nun leben sie alle hier bei uns, vom kleinsten Säugling bis zum vierzehnjährigen Jasper. Doch leben sie hier nicht in der Gestalt der Menschen, da sich viele vor diesengrausamen Wesen gefürchtet hätten. Und da wo Furcht gesät wird sind auch der Hass und die damit eingehende Zerstörung nicht mehr weit. Der eine wahre Gott gab ihnen die Gestalt der Feen und Waldelfen.“

Damit beendete der Waldkönig seine Geschichte und ein ehrfurchtsvolles Schweigen breitete sich unter den Zuhörern aus. Alle dachten, wie gut sie es doch hatten in dieser paradiesischen Welt.

Auf einmal ertönten liebliche Klänge und wunderschöne Wesen in hauchzarten Gewändern wurden sichtbar. Sie leuchteten voller Farbenpracht und ihre Flügel glänzten schimmernd im Sonnenlicht.

Da rief der König erfreut: „Seht liebe Kinder dort kommt der eine wahre Gott, mit seinem Feenvolk, um mit uns zu feiern. Den hier ist wahrlich das Paradies.“

Sein prächtiges Geweih ruckte herum und alle sahen ihren neuen Freunden entgegen. Das Kind das den Neuankömmlingen voranschritt war wunderschön und eindeutig göttlich.

Copyright (C) 2013 by Petra Weddehage.
Eingangsgrafik Copyright (C) 2013 von Künstler Nils Thorsten Fiesler (Mit freundlicher Genehmigung!)

 

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Beer, Anika
Wenn die Nacht in Scherben fällt

Verlag :      cbj
ISBN :      978-3-570-40202-3
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 03.04.2013
Seiten/Umfang :      416 S. – 20,6 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      B504
Erscheinungsdatum :      13.05.2013

Bildgewaltig, unglaublich atmosphärisch und absolut mitreißend.

Schon immer waren Träume für Nele etwas ganz Besonderes, denn sie besitzt die Fähigkeit, sie zu steuern, wie es ihr gefällt. Doch als sie mit ihren Eltern von München nach Erlfeld zieht, taucht auf einmal jemand in ihrem Traum auf, den sie selbst nicht erschaffen hat: Seth, ein junger Mann, den sie unheimlich und zugleich anziehend findet. Aber was macht er in ihrem Traum? Als Nele sich in der neuen Schule mit Jari anfreundet, hofft sie, in ihm jemanden gefunden zu haben, dem sie sich anvertrauen kann. Doch dann verschwindet Jari wie vom Erdboden verschluckt. Nele macht sich auf die Suche nach ihm, und findet heraus, dass nicht nur er in Gefahr ist – sondern die gesamte Traumwelt zu zerbrechen droht …

Anika Beer ist ein Herbstkind des Jahres 1983 und wuchs in der Bergstadt Oerlinghausen am Teutoburger Wald auf. Die Welt der fantastischen Geschichten begleitet sie seit frühester Kindheit: Sie lernte mit 3 Jahren lesen, im Alter von 8 bekam sie eine Schreibmaschine und fing an, erste Geschichten zu schreiben. Anika Beer begeistert sich für Kampfkunst und fremde Kulturen und lebte nach dem Abitur einige Zeit in Spanien, bevor sie in Bielefeld eine Stelle an der Universität annahm. Nach „Als die schwarzen Feen kamen“ ist „Wenn die Nacht in Scherben fällt“ ihr zweiter Jugendroman.

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5 Comments

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  1. Hi ihr Lieben,
    bitte lasst doch mal hören wie Euch die Idee gefällt.

  2. So eine schöne neue welt, alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wäre das erstrebenswert? Oder können wir Menschen nicht ohne Konflikte leben?
    Da ich den starken Verdacht habe Richtig zu lieben, mit meiner vermutung, sind diese in meiner Geschichte auch verwandelt worden.

  3. Richtig zu lieben oder richtig zu liegen? Das fragt sich wahrscheinlich sowieso wohl jede zweite Frau, wenn sie ihren Mann neben solch schnarchen hört. Oder auch „richtig zu liegen um richtig u lieben“? 8)

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