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Jessica Kremser: Frau Maier fischt im Trüben – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Jessica Kremser
Frau Maier fischt im Trüben

Pendragon Verlag, Bielefeld, 07/2012
TB, Chiemgau-Krimi
ISBN 978-3-8653-2340-8
Titelgestaltung von Ute Zeißler, Bielefeld

www.pendragon.de/

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Frau Maier lebt allein und zurückgezogen am Ufer des Chiemsees. Dass heißt, so ganz allein ist sie eigentlich nicht, denn eine Katze leistet ihr ab und zu Gesellschaft. Frau Maiers Leben verläuft in ruhigen, geordneten Bahnen, und eigentlich ist sie recht zufrieden mit sich und ihrer Welt, obwohl die lastende Einsamkeit und ihre Vergangenheit ihr manchmal schwer auf dem Gemüt lasten. Die Eintönigkeit wird jäh unterbrochen, als Frau Maier eines frühen Montagmorgens am Ufer des Chiemsees, zwischen dem Schilf, eine Frauenleiche findet. Noch am Fundort der Leiche, die Frau Maier als Anita Graf identifiziert, hat die ältere Dame den Eindruck, beobachtet zu werden, doch niemand gibt sich zu erkennen.

Als die Polizei endlich eintrifft, die Frau Maier in Ermangelung eines Telefons erst umständlich über ihre Bekannte Elfriede Gruber, Filialleiterin der örtlichen Sparkasse, rufen lassen musste, ereilt sie der Schock ihres Lebens: die Leiche ist verschwunden. Kommissar Brandner zeigt wenig Begeisterung über diesen ‚Scherz‘ einer schrulligen alten Dame, die offensichtlich auf der Suche nach Aufmerksamkeit ist. Also hetzt er ihr den jungen, etwas unbeholfen wirkenden Polizeipsychologen Frank Schön auf den Hals, dem Frau Maier aber nur die kalte Schulter zeigt. Sie weiß, was sie gesehen hat, und sie ist fest entschlossen, den Fall auf eigene Faust zu lösen. Immerhin ist Anita Graf, die kürzlich erst aus den USA zurückgekehrt ist, um ihre Schwester zu besuchen, seit jenem Montagmorgen spurlos verschwunden. Und kurz nachdem Frau Maier begonnen hat, eigene Recherchen anzustellen, erhält sie nächtlichen Besuch von einem Unbekannten, der ihr unmissverständlich zu verstehen gibt, was die ältere Dame erwartet, wenn sie die Sache nicht auf sich beruhen lässt …

Krimis müssen nicht immer blutig und ernst sein. Sie müssen nicht mal gesellschaftliche Missstände aufdecken. Sie können auch einfach gut durchdacht und unterhaltsam sein. Wichtig ist eine sympathische, glaubhafte Protagonistin. Da stört es nicht einmal, wenn die Hauptfigur ihren Vornamen nicht preisgibt und einfach Frau Maier genannt wird. So geschehen im Krimi-Debüt der angehenden Schriftstellerin Jessica Kremser, die bislang als Redakteurin für diverse Zeitschriften gearbeitet hat. Wie viele gute Krimis, so beginnt auch der vorliegende Roman mit dem Fund einer Leiche, und ehe es sich Frau Maier versieht, ist sie selbst mitten drin in den Ermittlungen. Ältere Frau, die von der Polizei nicht ernst genommen wird und auf eigene Faust auf Mörderjagd geht. Klingt ein bisschen nach „Miss Marple“, oder? Aber weit gefehlt. Frau Maier fühlt sich nicht zur Hobby-Detektivin berufen, sondern will einfach nicht als schrullige und senile alte Frau hingestellt werden.

Obwohl der Roman durchaus seine amüsanten Momente hat und vor allen Dingen in den Dialogen mit dem Polizeipsychologen Frank Schön einen feinen Sinn für Humor besitzt, ist Frau Maier keine Witzfigur. Im Gegenteil, Jessica Kremser hat die alte Dame sehr einfühlsam geschildert, insbesondere ihre tiefe Zuneigung zu der Katze, deren Name ebenfalls nicht genannt wird, sofern sie denn einen besitzt. Als Frau Maier sich der Bedrohung durch den unbekannten nächtlichen Besucher bewusst wird, hadert sie bisweilen auch mit ihrem Schicksal, vor allem mit der Einsamkeit. Dadurch wird Frau Maier von einer  oberflächlichen Romanfigur zu einem Menschen mit Sorgen und Nöten. Tatsächlich nimmt die Hauptfigur derart viel Raum ein, dass die Handlung um Frank Schön im Mittelteil des Romans fast gänzlich zum Erliegen kommt, ehe er am Ende wieder stärker in Aktion tritt. „Frau Maier fischt im Trüben“ ist ein herrlich minimalistisch und lebendig geschriebener Dorfkrimi, der erfrischend zeitlos ist und gänzlich ohne modernen, technischen Schnickschnack auskommt. Frau Maier verzichtet auf Handy und Internet, ja, sie besitzt nicht einmal ein gewöhnliches Telefon. Dadurch wird sie nur noch bodenständiger und liebenswerter.

Dieser Krimi ist perfekt, um in unserer übertechnisierten und hektischen Gesellschaft einen Augenblick inne zu halten. Das Etikett „Chiemgau-Krimi“ ist allerdings lediglich ein Zugeständnis an den derzeitigen Regional-Krimi-Trend. Um an dem Roman seine Freude zu haben, muss man den Chiemsee nicht gesehen haben. Das erste Mal in der Verlagsgeschichte ziert ein Tier das Titelbild eines Krimis aus dem Pendragon Verlag. Frau Maiers Katze spielt zwar keine tragende Rolle, bringt den Fall aber letztendlich ins Rollen und ist für das emotionale Gleichgewicht der Heldin eine wichtige und unerlässliche Stütze. Ein schönes Titelbild, das wirklich hervorragend zum Titel passt.

„Frau Maier fischt im Tüben“ bietet ein ruhiges und gut durchdachtes Krimi-Debüt mit einer liebenswerten Heldin. Trotz der Etikettierung ‚Chiemgau-Krimi‘ ist der Roman kein weiteres Produkt der Regional-Krimi-Welle, sondern ein zeitloser und bodenständiger Unterhaltungsroman.

Copyright by 2013 © Florian Hilleberg (FH)

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GEWINNER: Rosina Siemowit, Karina Vollstedt, Bartolome Willmann – HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

Updated: 29. Mai 2013 — 14:04

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