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Interview mit Daniel Loy zu seinem bei Lübbe erschienenen Titel „Die Speere Gottes“

Interview mit Daniel Loy zu seinem bei Lübbe erschienenen Titel „Die Speere Gottes“

Im Interview: Daniel Loy
Ausflüge in fremde Welten zählt der deutsche Fantasy-Autor Daniel Loy zu seinen Hobbys. In seinen zahlreichen, bereits veröffentlichten Erzählungen und Romanen nimmt er die Leser gern dorthin mit. DIE SPEERE GOTTES ist bereits sein zweiter Roman rund um das zerrüttete Reich Omukchar. Im Interview erzählt der studierte Historiker von seinen Inspirationen und der ganz eigenen Magie fantastischer Welten.

Was genau war es, das Sie zum Schreiben gebracht hat?

Ich denke mir Geschichten aus, solange ich zurückdenken kann. Das ist einfach ein Teil meiner Persönlichkeit, und seit ich schreiben kann, schreibe ich sie auch auf.

An der Fantasy schätze ich vor allem die Freiheit: Man kann interessante Situationen schaffen und einfach sehen, wohin sie führen – ob es nun um eine Herausforderung geht, in die eine Figur gerät, oder um große „historische“ Zusammenhänge. „Was wäre, wenn …?“, das ist im Grunde die Frage, auf die ich beim Schreiben eine Antwort suche.

Sie sind studierter Historiker. Wie schaffen Sie es, als Belletristik-Autor und nicht als Wissenschaftler zu schreiben? Gibt es dabei manchmal Konflikte?

Ich glaube, dass ich von meinem Studium vor allem profitieren kann. Die Historie ist ein hervorragender Steinbruch, in dem man vieles findet, was eine Geschichte bereichern kann. So habe ich für die DIE SPEERE GOTTES viel über historische Kriege und Schlachten gelesen und mich davon inspirieren lassen. Einen Vorteil hat es ja, wenn man sich an reale Ereignisse anlehnt: Wenn etwas schon mal tatsächlich geschehen ist, weiß man, dass es passieren kann. Das macht eine Geschichte realistischer.

Die Gefahr ist natürlich, dass man sich in den Einzelheiten verzettelt. Oder dass man seine literarische Freiheit aufgibt, weil man sich zu sehr der realen Historie verpflichtet fühlt. Da muss man schon aufpassen, dass man sich aus dem „Steinbruch der Geschichte“ kein Gefängnis mauert.

Ich persönlich stelle immer die Story in den Vordergrund. Die reale Geschichte ist eine gute Inspiration – aber sie muss dem Schreiben dienen und nicht umgekehrt. Daraus entsteht im Einzelfall immer ein Konflikt, aber eben auch die Chance zu einer besseren Geschichte, wenn man sich auf diesen Konflikt einlässt und den richtigen Mittelweg findet.

Wie lassen Sie fiktive Welten entstehen?

Der Hintergrund ist für mich von entscheidender Bedeutung. Ich selbst liebe Fantasy, bei der man merkt, dass der Autor die Welt nicht nur für die Geschichte entwickelt hat – notdürftig so zusammengepflastert, wie es gerade zum Text passt -, sondern wenn man ein wenig mehr Tiefe findet, eine Welt, die lebt und atmet und bei der man merkt, dass noch etwas Größeres hinter der Geschichte steht: andere Ereignisse, die gleichzeitig ablaufen, und eine Vorgeschichte, die den Text und die Figuren berührt und beeinflusst, auch wenn sie im Text selbst nur beiläufig angedeutet wird.

Darum investiere ich auch viel Zeit in den Weltenbau. Für den gegenwärtigen Zyklus habe ich zahlreiche Karten erstellt, nicht nur über die Welt, wie sie wirklich ist, sondern vor allem auch regionale Karten: Karten, die die Welt so zeigen, wie sie von einzelnen Völkern wahrgenommen wird, mit allen Fehlern und Vorurteilen. Dasselbe gilt für die Vorgeschichte, für Begriffe und für Kulturbeschreibungen.

Tatsächlich ist mein Verhältnis zu der fiktiven Welt am Ende dasselbe, wie ich es oben für die reale Historie beschrieben habe: Ich musste schon darauf achten, in dem ganzen Material den Überblick zu wahren, und oft genug habe ich genauso lange in meinen eigenen Aufzeichnungen wie in Geschichtsbüchern geblättert, wenn es darum ging, den Wert einer bestimmten Währung, eine höfischen Titels oder ein militärisches Abzeichen im Text zu verifizieren.

Was inspiriert Sie dazu?

Wie ich oben schon gesagt habe – oft genug inspiriert mich die reale Geschichte unserer Welt. Aber auch alles andere, was ich sehe und erlebe, seien es nun Menschen oder Ereignisse. Selbst wenn ich Fantasy schreibe, schreibe ich im Grunde über die Wirklichkeit. Aber ich beschreibe selten die Wirklichkeit, wie ich sie tatsächlich vorfinde – „Was wäre passiert, wenn es anders gekommen wäre?“, aus dieser Frage ziehe ich eigentlich die größte Inspiration.

Welche Vorbilder gibt es für Ihre Figuren?

Ich verwende selten konkrete Personen als Vorbilder für Figuren – vielmehr sind es konkrete Eigenschaften, interessante Charakterzüge, um die herum ich meine Figuren entwickle. Es ist die Auseinandersetzung zwischen diesen Charakterzügen und ihrer Umwelt, was die Figuren formt – und was letztendlich auch den aus meiner Sicht interessantesten „Motor“ für die Dramaturgie eine Geschichte aus-macht.

Und wie viel von Ihnen selbst steckt in Ihren Figuren?

Ich fürchte, ein wenig vom Autor steckt in jeder Figur. Denn egal, wie die Figur beschaffen ist und wie sehr sie sich von meiner Person unterscheidet, es bleibt doch immer meine Perspektive und Wahrnehmung, aus der heraus ich diese Eigenschaften einer Figur beschreiben muss. Andererseits fließt so vieles mehr in jede Figur ein, vor allem auch Eigenschaften, die ich gerade darum interessant finde, weil sie mir fremd sind. Darum bleibt am Ende wohl die Stimmung und die Perspektive in der Beschreibung der Figur das Einzige, was unmittelbar auf den Autor verweist.

Entwickeln Ihre Figuren beim Schreiben eine Art Eigenleben, oder wissen Sie immer haargenau, wie es weitergeht?

Im Großen und Ganzen habe ich jedes Detail des Romans im Kopf, sobald ich mich hinsetze und den ersten Satz schreibe. Es ist also nicht so, dass die Figuren frei durch die Geschichte spazieren und mich immer wieder überraschen, während ich nur hilflos hinterherlaufe und versuche, die Fäden wieder zusammenzubringen. Ich kenne die Figuren schon recht gut, bevor die Geschichte beginnt, und kann die daraus entstehende Dynamik schon im ersten Entwurf mit einbeziehen.

Das verhindert im Einzelfall nicht, dass die ein oder andere Szene eine überraschende Wendung nimmt. Meist liegt das an Details, deren Auswirkungen ich vorher übersehen habe und die dazu führen, dass ich auf den vorausgeplanten Weg einer Figur schaue und feststelle: „Nie und nimmer macht die das jetzt so.“

Wenn das allerdings passiert, ist damit meist wiederum eine klare Vorstellung verbunden, wie es danach weitergeht und was für Folgen diese „Eigenmächtigkeit“ der Figur für die gesamte Geschichte hat.

Meist sind diese Folgen eher positiv und dynamischer, konfliktreicher als das, was ich ursprünglich im Sinn hatte.
Wenn eine Figur mal „aus der Reihe tanzt“, kommt das also selten als Problem daher, sondern eher als eine „gute Idee“. Und für so was will ich beim Schreiben auch immer offen bleiben und freue mich darüber.

Wer DAS SCHWERT DES SEHERS kennt, wird in DIE SPEERE GOTTES nicht nur neue Protagonisten kennenlernen, sondern auch alte Bekannte wie Meris und Aruda wiedertreffen.
Wie haben sich diese Charaktere weiterentwickelt?

Die alten Bekannten aus dem ersten Teil erscheinen im neuen Roman eher als Nebenfiguren. Eine besonders deutliche Entwicklung wird man noch bei Meris beobachten können. Sie war immerhin eine der Hauptfiguren im ersten Teil, und eine Geschichte, die ihre Hauptfiguren unberührt lässt, ist es nicht wert, erzählt zu werden.

Meris hat im ersten Teil alles verloren, was für sie von Bedeutung war. Sie hat versucht, das abzuschütteln und weiterzumachen, mit derselben Professionalität, die man ihr als Agentin des kaiserlichen Geheimdienstes eingedrillt hat. Im neuen Roman wird sie erkennen, dass es so einfach nicht ist.

Meris ist also auf der Suche nach ihrem neuen Platz in der Welt, und es ist keinesfalls sicher, ob sie überhaupt wieder Halt findet oder was am Ende aus ihr wird.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, mit DIE SPEERE GOTTES eine eigenständige Geschichte mit neuer Haupthandlung und neuen Hauptcharakteren zu schaffen, anstatt die Geschichte um Dauras und Aruda fortzusetzen?

DAS SCHWERT DES SEHERS war im Grunde die Geschichte eines Superhelden, der seine Kräfte verliert und zu sich selbst finden muss. Und diese Geschichte war zu Ende erzählt – auch wenn die Rahmenhandlung und viele Konflikte, in die Dauras verstrickt wurde, weiterliefen. Es gab also genug lose Fäden, die noch verknüpft werden mussten und die eine Fortsetzung erforderten. Aber es war genauso folgerichtig, für diese Fortsetzung andere Hauptfiguren zu wählen – nämlich solche, denen der entscheidende Konflikt und der große Wendepunkt in ihrem Leben noch bevorsteht. Am spannendsten ist es doch, eine Geschichte aus dem Blickwinkel einer Figur zu erzählen, für die alles auf dem Spiel steht – und nicht nur einen Helden zu beobachten, der ein weiteres Abenteuer und eine bloße Episode unter vielen auf seinem Lebensweg erlebt.

In DIE SPEERE GOTTES treffen mit den Protagonisten Bregar von Leutenfeld und Hragaud an Dantuir zwei absolut gegensätzliche Charaktere aufeinander. Was steckt dahinter?

Bregar und Hragaud sind weniger Gegensätze als vielmehr die „seitenverkehrten Spiegelbilder“ voneinander, oder die zwei Seiten einer Medaille. Auf der einen Seite Bregar als Sohn aus fürstlicher Familie, der immer das Gefühl hat, sich seinen Platz in der Welt der Ordensritter erkämpfen und sich beweisen zu müssen; auf der anderen Seite Hragaud, der als Spross einer alten Ritterfamilie in genau diese Welt hineingeboren wurde und seine Rolle ganz selbstverständlich ausfüllt, der aber immer das Gefühl hat, hinter dem „höher geborenen“ Bregar zurückzustehen. Daraus speist sich eine Rivalität, die zugleich für beide einen lebenslangen Antrieb darstellt und sie zu dem hat werden lassen, was sie sind.

Sie waren einmal Freunde, sie wurden zu Rivalen, und es wäre leicht, sie als Gegner zu sehen. Aber wichtig vor allem ist die Frage, was von dem einen überhaupt noch übrig bliebe, wenn es den anderen nicht gäbe.

Bregar und Hragaud sind Veteranen – Krieger, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich haben. Haben Sie sich bewusst für zwei alternde Helden anstelle von jungen Männern entschieden?

Es war wichtig, dass Bregar und Hragaud eine Geschichte hatten. Eine gemeinsame Geschichte wie auch einen Lebensweg, in dem sie schon etwas erreicht haben, bevor sie an der Schwelle zu ihrer letzten und größten Errungenschaft stehen. Meinem Gefühl nach lag dort das größte dramaturgische Potenzial. Beide haben sich etwas aufgebaut und stehen nun an der Schwelle zwischen unsterblichem Ruhm und Untergang – und das ist der richtige Zeitpunkt, um die beiden mit ihren jeweiligen Zielen gegeneinander antreten zu lassen.

Ich wollte Bregar und Hragaud an einer Stelle ihres Lebens zeigen, wo keiner von beiden einfach zurückweichen und sagen kann: „Okay, egal. Wenn das nicht klappt, versuch ich halt etwas anderes.“ Sie müssen weitermachen, egal was geschieht und was es sie kostet, weil sie wissen, dass sie keine zweite Chance bekommen werden – und weil alles, was sie bisher in ihrem Leben getan haben, sinnlos wäre, wenn sie jetzt nicht zupacken. Und das ist eine Triebfeder, die den Roman vorantreibt.

Arbeiten Sie bereits an einem neuen Romanprojekt? Wird es noch mehr Romane über das Reich Omukchar und seine Helden geben?

Der Bürgerkrieg im Omukchar und der Kampf um die Kaiserkrone sind noch nicht vorbei, und auch im zweiten Band sind ein paar neue Handlungsfäden hinzugekommen. Da wollte ich auf jeden Fall noch einen dritten Roman anschließen, in dem alles, was in beiden ersten Bänden angefangen wurde, zu einem großen Finale zusammenläuft. Und das beinhaltet insbesondere all jene bedeutsamen Figuren, deren Geschichte nicht eigens ein Thema in den jeweiligen Büchern war – Meris und Ritter Lacan, Linos und Niki und all die Schurken und Thronanwärter, die in den bisherigen Büchern genannt werden, ihre Geschichte werde ich in einem dritten Band noch abschließen, und dort werden sie dann auch ihre wichtigste Rolle spielen.

Darüber hinaus kann ich mir weitere Romane im Omukchar vorstellen. Vor allem für Dauras hätte ich schon ein neues Abenteuer im Sinn – aber das wäre ein ganz neuer Roman und ein neuer Handlungsbogen, keine Fortsetzung der bisherigen Geschichten mehr.

Können Sie sich vorstellen, auch Romane aus anderen Genres zu schreiben oder haben Sie vor, der Fantasy treu zu bleiben?

Tatsächlich habe ich schon in ganz anderen Genres geschrieben, beispielsweise im Bereich Thriller. Aber ich habe natürlich ein spezielles Interesse an der Fantastik – und das umfasst durchaus mehr als die „historisierende Fantasy“, wie man sie jetzt bei den SPEEREN GOTTES findet. Ich kann mir also durchaus vorstellen, noch weitere Romane über das Omukchar zu schreiben – aber ich bin auch offen für andere Ideen.

Denn am wichtigsten ist mir immer eine gute Geschichte – ein Konflikt, eine dramatische Konstellation, ein Ereignis, das die Figuren, die dort hineingeraten, für immer verändert. Mir würden viel zu viele gute Geschichten entgehen, wenn ich andere Genres von vornherein ausschließe.

Mit freundlicher Genehmigung der Bastei Lübbe AG · Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Sarah Fußhoeller.

Die Speere Gottes (Kartoniert)
von Loy, Daniel

Verlag:  Lübbe
Medium:  Buch
Seiten:  525
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2014
Maße:  139 x 216 mm
Gewicht:  641 g
ISBN-10:  3404207769

ISBN-13:  9783404207763

Beschreibung
Der Kaiser ist tot, und der Westen des Landes versinkt im Bürgerkrieg. Die mächtigen Ritterorden des Ostens wittern ihre Chance und wollen das Reich unter einem König im rechten Glauben vereinen. Unerkannt lauert die wahre Gefahr jenseits der Grenzen: die gefürchteten Steppentrolle. Ritter Hragaud an Dantuir ist der einzige, der ihnen entgegentritt. Die Rettung des Reichs hängt von ihm ab. Doch die Trolle sind nicht nur unglaublich stark, sondern auch noch in der Übermacht …

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Updated: 1. Dezember 2014 — 12:57

4 Comments

Add a Comment
  1. Daniel Loy ist das Pseudonym “eines erfahrenen deutschen Fantasy-Autors”

    Na, wer das wohl sein wird? 🙂 Wer weiß es? Wen vermutet ihr?

  2. ??? Sach doch …

  3. Daef ich nicht sagen! Ihr sollt ja mal raten. Also, der Autor ist gelernter Historiker!

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