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Literatur-Blog

Interview mit Anjès Pees von Velvet Dreams Fashion geführt von Petra Weddehage

Interview mit Anjès Pees von Velvet Dreams Fashion

(geführt per Email von Petra Weddehage für „Rattus Libri“ am 29.04.2012/23.02.2014)

Anjès Pees (24) hat ihr kleines Label „Velvet Dreams Fashion“ mit 17 gegründet und stellt seither Korsetts, historische Mode, Gewandung und Gothic-Kleidung her. Wo bei der Nähmaschine oben und unten ist, hat sie von ihrer Oma gezeigt bekommen.

PW: Liebe Anjès, Du bist eine junge Designerin, deren Hauptaugenmerk auf dem Herstellen von Korsetts liegt. Ist das richtig? Erzähl doch ein wenig über Dich und Deine Arbeit.

AP: Stimmt, meine Passion sind einfach die Korsetts. Das mache ich schon seit ich 16 bin, und es handelt sich dabei zweifelsohne um mein liebstes Werkstück. Das ist ein bisschen wie mit Schuhen: Man kann immer ein neues Korsett gebrauchen, es macht ja schließlich eine tolle Figur!

Ich bin da übrigens ein ziemlicher Workaholic. Wenn ich einmal anfange zu arbeiten, dann ist das meistens eine Schicht ohne Pausen; da sind zehn bis zwölf Stunden keine Seltenheit. Oder eine durchgearbeitete Nacht. Ein Korsett lege ich normalerweise nicht weg, sondern nähe es von Anfang bis Ende. Und das eben am Stück :-).

Bei anderen Sachen – Kleidern, Röcken oder Taschen – beweise ich etwas mehr gesunden Menschenverstand und mache sogar Pausen, um zu essen oder zu schlafen.

PW: Wie genau bist Du auf die Idee für Deine Korsetts gekommen bzw. wer ist Deine Muse/Inspiration?

AP: Auf die Idee bin ich eigentlich gar nicht selbst gekommen. Als ich noch ein Teenager war, habe ich mich bei dem ‚dunkelbunten‘ Nähforum „Natron und Soda“ (www.natronundsoda.net) angemeldet. Da habe ich in einem Beitrag mal darüber sinniert, dass ich einfach keine Taille habe, und man hat mir prophezeit, dass ich sicher mal das Korsett für mich entdecken würde. Und dem war auch so. Nun habe ich nicht nur eine Taille, sondern auch Kurven, und die verpacke ich gerne mit Stoff und Stahl!

Meine Inspirationen ziehe ich aus historischer Mode und der Steampunk-Bewegung. Und natürlich inspirieren die Menschen um mich herum, sie wissen es vielleicht nur noch nicht!

PW: Gibt es Vorbilder denen Du nacheiferst?

AP: Nein, nicht wirklich. Es ist meiner Meinung nach wesentlich schwerer, man selbst zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen. Das Vertrauen zu mir selbst aufzubauen und mich zu finden, hat Jahre gedauert, und das ist mir viel mehr wert, als jemandem nachzueifern.

PW: Cosplay und Du – gibt es da Überschneidungen?

AP: Seit einiger Zeit habe ich mich im Bereich Science Fiction eingelebt und bin ein Whovian (Fan von „Doctor Who“) geworden. Und nun steht mein erster Cosplay an: Ich werde die Tardis.

PW: Erstellst Du die Korsetts auch nach Maß?

AP: Nicht auch, sondern nur. Generell halte ich gar nicht von Korsetts von der Stange. Nehmen wir einmal Unterbrustkorsetts als Beispiel. Meist ist hier etwa das gleiche Maß für Unterbrust wie für die Unterkante zu finden. Und welche Frau hat eine Hüfte so schmal wie ihr Unterbrustumfang? Richtig: gar keine! Das hat zur Folge, dass die Korsetts schlecht sitzen, teilweise abstehen und schief geschnürt sind. Das sieht blöd aus und ist unbequem.

Und wenn ich schon ein Korsett anfertige, dann kann ich ruhig ein bisschen extra Zeit investieren und die Maße anpassen. Das ist nebenbei gar nicht schwer; das sollte jede mal versuchen. In meinen Korsettworkshops lernt jede auch, wie sie ihr Korsettschnittmuster auf ihre Maße bringt – und das klappt hervorragend!

PW: In welcher Preislage liegen diese Korsetts, und wie kann man sich als Kunde mit Dir in Verbindung setzen?

AP: Ein Korsett in Standardverarbeitung gibt es bei mir schon ab EUR 149,99 für ein Taillenkorsett; Halbbrustkorsetts kosten EUR 10 mehr, und wer nochmal EUR 10 dazu investiert, bekommt ein Vollbrustkorsett.

Die Preise sind fair, und ich versuche, die Produkte immer erschwinglich zu halten, ohne dass die Qualität darunter leidet. Davon profitieren alle. Kontaktieren kann man mich auf sehr vielen Wegen: über meine private Facebookseite (https://www.facebook.com/anjes.pees) oder per Email (mail@velvet-dreams-fashion.de). Um nur ein paar wenige Möglichkeiten zu nennen ;-).

Und nun ist auch endlich meine Homepage wieder online: www.velvetdreamsfashion.de, und der Onlineshop steht zur Verfügung.

PW: Wie sieht es mit anderen Kleidungsstücken aus?

AP: Grundsätzlich kann man über alles reden. Ich entwerfe auf Wunsch auch Abendmode, Röcke, Gothic-Kleidung und einiges mehr. Seit einiger Zeit entwerfe ich auch erschwingliche Gewandung.

PW: Wenn Du eine Zeitreise machen könntest, wohin würde diese Dich führen?

AP: Da warte ich wohl auf den verrückten Mann mit der blauen Box! Aber ich wäre überhaupt gar nicht in der Lage, mich zu entscheiden. Ich würde gerne die viktorianische Mode am eigenen Leib erleben und Rumänien im 18. Jahrhundert besuchen, Marie-Antoinette kennenlernen, und statt mittelalterlichem Spektakulum wäre echtes Mittelalter sicher eine Herausforderung für den wohlfühlorientierten Bürger unserer Zeit.

PW: Nimmt das Nähen viel Zeit in Anspruch? Was machst Du, wenn Du einfach mal ausspannen möchtest?

AP: Eigentlich habe ich kaum Zeit für etwas anderes. Das passiert wohl, wenn man das Hobby zum Beruf macht. Ich habe schon fast immer auch einen Extra-Raum für meine Arbeiten gehabt. Was nicht heißt, dass ich meine Arbeit nicht überall hin mitnehmen und verstreuen würde. Ich habe sogar eine kleine Nähmaschine in meinem Gepäck, wenn ich länger weg bin und nicht weiß, wie ich meine komplette Zeit füllen soll.

Auspannen muss ich mir verordnen, und das habe ich auch getan. In den kommenden Urlaub nehme ich nicht mal Nadel und Faden mit, um einen Knopf anzunähen. Wenn einer abgehen sollte, gebe ich das zum Schneider …

PW: Welchen Rat kannst Du anderen geben, die ebenfalls gerne solch tolle Kleider für sich selber nähen möchten?

AP: Trau dich! Das Internet ist voller Anleitungen, und Nähen ist gar nicht schwer. Man sollte sich niemals davon abhalten lassen, dass etwas zu schwer sein könnte, auch nicht dann oder besonders dann, wenn man es gesagt bekommt!

Mein erstes Teil war ein Stufenrock aus weißem Leinen, mein zweites ein Korsett aus Satin, bezogen mit Spitze. Und das hat beides geklappt. Aber Meister fallen nicht vom Himmel, und die Sachen waren nicht perfekt. An eine Hose habe ich mich zum Beispiel erst letztes Jahr getraut! Es zählt hauptsächlich der Wille, sich etwas anzueignen, nicht die Erfahrung.

PW: Vielen Dank für das freundliche Gespräch! Wir wünschen Dir weiterhin viel Freude beim Nähen und viel Erfolg mit Deinem Shop! (PW)

Copyright © 2012/2013/2014 by Antjès Pees und Petra Weddehage

Nähen für den alltäglichen Gebrauch und fürs Liverollenspiel – bis zur Gründung des eigenen Modelabels:


Barnfield, Jo / Richards, Andrew
Schnittvorlagen entwerfen und abwandeln

Verlag :      Haupt Verlag
ISBN :      978-3-258-60068-0
Einband :      gebunden
Preisinfo :      29,90 Eur[D] / 30,80 Eur[A] / 38,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 13.03.2013
Seiten/Umfang :      192 S., durchgehend farbige Abbildungen und Illustrationen – 19,0 x 25,0 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 2013 13.03.2013

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

Dieses Buch ist ein zuverlässiger und unentbehrlicher Ratgeber zum Thema Schnittkonstruktion. Wer selbst Schnittvorlagen erstellen, anpassen und abändern möchte, findet hier die Grundlagen und weiterführende Informationen. Die klaren Anleitungen und die vielen Illustrationen führen Schritt für Schritt an den Fallstricken der Schnitterstellung vorbei zum passenden Schnittmuster.

Mit Informationen zu den folgenden Themen:

– Werkzeug und Ausstattung
– Nähte und Abnäher
– Stoffe verarbeiten
– Maß nehmen
– Teile abtrennen und verbinden
– Schnitte anpassen
– Schnitte abnehmen
– Teile erweitern und raffen
– Ärmel, Kragen, Bund und Manschette
– Öffnungen und Verschlüsse
– Säume, Belege und Futter
– Taschen
– Gründung des eigenen Labels

www.haupt.ch

http://house-of-jo.blogspot.com


Buchbesprechung von Birgit Scherpe:

Das Buch „Schnittvorlagen entwerfen und abwandeln“ beschäftigt sich, wie der Titel schon sagt, mit dem Entwerfen eigener Schnittmuster für Damenmode und soll damit der versierten Hobbyschneiderin oder dem angehenden Profi eine Alternative zu den Fertigschnitten der üblichen Verlage bieten.

Die Autoren Jo Barnfield und Andrew Richards sind beide seit Jahren professionell in der Modebrache tätig; Barnfield als Freiberuflerin und Dozentin für Schnitttechnik an der Bath Spa University und Richards als Designer und Experte für Schnitttechnik in der Modeindustrie.

Zunächst werden auf knapp 40 Seiten noch einmal kurz die Grundlagen des Nähens (Begriff-Definitionen, Zubehör, grundlegende Handgriffe etc.) erläutert, eine kleine Stoffkunde ist hintenan gehängt, die aber wirklich nur das Nötigste beschreibt. Eine Anleitung zur Verarbeitung spezieller Stoffe (Jersey, Kunstfell, Leder etc.) fehlt völlig, was aber eventuell der Tatsache geschuldet ist, dass die Autoren sich sowieso nicht an Anfänger richten, sondern von Lesern ausgehen, die bereits einige Erfahrung mit der Schneiderei haben.

Nach der Einleitung geht es dann endlich ans Eingemachte: Das Buch erläutert sowohl die Konstruktion einfacher Grundschnitte für Oberteile und Röcke, sowie deren Abwandlung. Hierzu werden u. a. verschiedene Ärmel-, Taschen- und Kragenlösungen aufgezeigt, das Verschieben der Taillenlinie und natürlich auch verschiedene Techniken zum Falten, Raffen und Erweitern. Ein kurzes Kapitel zum Korrigieren und Anpassen von typischen Passformfehlern und -Problemen ist natürlich ebenfalls dabei.

Besonders für Hobbyschneiderinnen interessant dürfte die Anleitung zum Abnehmen von Schnitten von fertigen Kleidungsstücken sein. Hier werden zwei verschiedene Techniken anhand von einfachen Zeichnungen gut verständlich dargestellt: das flache Abnehmen von Schnitten und das Schnittabnehmen durch Drapieren an einer Schneiderbüste. Auch die ausführlichen Erklärungen zum Verschieben von Nähten und Abnähern ist sehr lehrreich und in dieser Form in anderen Büchern für Nähanfänger und –Fortgeschrittenen nicht unbedingt  zu finden.

Ein Kapitel am Ende des Buches richtet sich dann an jene Leser, für die das Nähen nicht nur Hobby sondern auch Beruf werden soll. Hier wird zumindest kurz auf die Schaffung eines eigenen Modelabels eingegangen und was bei der Entwicklung einer eigenen Kollektion und deren Vermarktung beachtet werden sollte.

Was „Schnittvorlagen entwerfen und abwandeln“ leider völlig fehlt, ist ein Kapitel zum Erstellen und vor allem auch zum Anpassen von Hosenschnitten. Hierzu wird leider gar nichts gesagt. Für ein Buch, das sich nicht an Anfänger, sondern eher an Studierende der Modebranche und zukünftige Profis richtet, ist dies ein absolutes Minus, zumal das Nähen gut sitzender Hosen für Nicht-Standard-Figuren auch für fortgeschrittene Näherinnen eine Herausforderung ist.

Während also Anfängerinnen mit einen Buch wie „Nähen leicht gemacht“ aus dem Burda Verlag besser bedient sind, kann man „Schnittvorlagen entwerfen und abwandeln“ getrost allen Hobbyschneiderinnen, die sich an der Nähmaschine schon sicher fühlen und die sich einmal an das Entwerfen eigener Modelle heranwagen wollen, ans Herz legen. Für angehende Profis und Designstudenten ist es jedoch inhaltlich nicht ausreichend. Diese sollten lieber zu einem umfangreicheren Werk wie der „Schnittkonstruktion in der Mode“-Reihe greifen. (BS)

Linke Hände, etwas Mut – und tolle Kleider – Erfahrungsbericht von Birgit Scherpe:

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich mit Handarbeiten nie viel am Hut. Schon als Kind bewies ich beim Stricken und Häkeln ein übergroßes Maß an Ungeschick und auch meine in der Schule genähten Objekte waren, trotz all meiner Bemühungen, eher haltbar als schön zu nennen. Hätte mir damals jemand gesagt, ich würde mich mal als Erwachsene zur begeisterten Hobbyschneiderin entwickeln, hätte ich  ihn sehr, sehr lange und gründlich ausgelacht.

Dass es am Ende dann doch dazu gekommen ist, daran ist das Liverollenspiel schuld. Zum Hobby gekommen bin ich durch Freunde, die schon seit Jahren zur LARPER- (Live Action Role Playing)-Szene gehörten und immer so begeistert und mitreißend von ihren besuchten Cons erzählten, dass ich irgendwann beschloss: Das musst du auch mal machen!

Gesagt – getan!

Ich war angemeldet und musste mich plötzlich dem einen Problem stellen, dass uns Frauen immer wieder wie aus heiterem Himmel überfällt: Hilfe, ich habe nichts anzuziehen! Denn, das wusste ich aus allen Berichten, ohne anständige Gewandung geht man nicht auf einen Con.

Erstaunlicherweise löste sich dieses Problem dann erst mal wie von selbst. Obwohl weder ich noch die anderen nähen konnten, fand sich bei jedem im Fundus eine Kleinigkeit, die er oder sie entbehren konnte, und so wurde aus mir, der Studentin, eine kleine zusammengeliehene Barbarin in Lederhose und Plüschfellweste. Das ging auch eine Zeit lang ganz gut.

Doch da ich nicht dauerhaft als Gewandungsschnorrerin unterwegs sein wollte, mein Kontostand dann als Berufsanfängerin auch noch keine großen Sprünge zuließ, wurde mir irgendwann klar, dass, wenn ich mit dem Liverollenspiel wirklich weiter machen will, ich – ja, ausgerechnet ich – nähen lernen müsste. Ein Gedanke, der mir wenig behagte, sah ich mich doch wieder als 14-jährige im Schulnähkurs verzweifelt vor der ständig streikenden Nähmaschine und krummschiefen Nähten sitzen, hinter mir die kopfschüttelnde Lehrerin, die irgendwas von hoffnungslosem Fall murmelte.

Und so haderte ich … und haderte ich …, bis ich irgendwann einer Freundin von meinem Nähkummer erzählte und die spontan sagte: „Lass uns doch zusammen nähen lernen. Ich will das auch schon lange machen, hatte aber alleine nie Lust. Und zusammen kann es schon nicht so schlimm werden.“

Der Nähkurs war schnell gebucht, und 4 Wochen später saßen wir dann zusammen mit einem weiteren Freund in einem etwas rummeligen Nähatelier der Hamburger Volkshochschule und ließen uns Grundlegendes zur Stoffkunde und vor allem alle wichtigen Funktionen einer Nähmaschine erklären. Ausführliche Lektionen zum Lesen, Anpassen und auch Umwandeln von Schnittmustern folgten, und schon bald hatte ich zumindest theoretisch eine Ahnung, wie man ein Kleidungsstück näht.

Mein erster Versuch – ein einfacher Rock – wurde dann aber trotzdem ein Riesenflop: zu lang, zu weit und ungefähr so kleidsam wie ein Kartoffelsack, obwohl ich mir wirklich alle Mühe gegeben hatte. Enttäuscht versenkte ich das Ding sofort in einer Altkleidertüte.

Die Lektion jedoch habe ich behalten, nämlich dass die Größenangaben von Schnittmusterherstellern ungefähr genauso verlässlich und einheitlich sind wie die Größenangaben der vielen unterschiedlichen Modefirmen. Ohne sorgfältiges Nachmessen, Anprobieren und Anpassen kommt man also auch beim Nähen nicht weiter.

Immerhin motivierte mich die Tatsache, dass ich mit der Nähmaschine ein echtes Kleidungsstück produziert hatte, wenn auch leider nicht für mich. Nach einigen Modifikationen am Schnitt wurde Rock Nummer 2 dann tatsächlich tragbar; ein echter Meilenstein für mich!

Meiner ersten selbstgenähten Gewandung stand also nichts weiter im Weg. Es war ein einfaches Bahnenkleid nach einem „Burda“-Anfängerschnitt. Ein bisschen schief, ein bisschen krumm, aber immerhin von mir selbstgemacht und mit Stolz getragen, erntete es sogar ein paar Komplimente die mich motivierten mit dem Nähen weiterzumachen.

Voller Enthusiasmus deckte ich mich also mit ich weiß nicht mehr wie vielen Metern Stoff und mehr als 10 verschiedenen Schnittmustern ein. Nach einigem Rumprobieren stellte ich jedoch schnell fest, dass ich eigentlich nur mit einem der Schnittmuster so richtig zufrieden war. Ein einfacher Grundschnitt der Firma „Neue Mode“ (Nummer 22453), der zwar auf den ersten Blick nach wirklich nichts aussieht, sich aber dank seiner simplen Schnittführung ganz wunderbar abwandeln lässt und somit Grundlage für die meisten meiner Gewandungsteile wurde.

Für Kleid Nummer 1 hatte ich lediglich die Rocklänge, die Form des Kragens und die Ärmelweite ein wenig geändert. Dazu noch eine Schnürung statt des geplanten Reißverschlusses und voila – fertig war die LARP-Gewandung.

Nachdem sich meine Änderungen als so problemlos erwiesen hatten, hatte mich das Nähfieber nun endgültig gepackt. Ich recherchierte mögliche Ärmel- und Schnürungsformen, meldete mich in zwei Kostümforen an, um mir Rat und Hilfe von erfahreneren Hobbyschneiderinnen zu holen, und nähte in relativ kurzer Zeit mehrere Kleider mit verschiedenen Ausschnitts-, Ärmel- und Schnürungsvariationen.

Da mit der Zeit das Kleidernähen jedoch ein wenig langweilig und der Schrank auch immer voller wurde, kam mir irgendwann der Gedanke, dass man aus dem Schnitt doch eigentlich auch was anderes machen könnte, einen Mantel zum Beispiel.

Denn zwei Kleidvariationen, eine mit Kapuze und eine mit zusätzlicher Naht in der Front, hatte ich ja schon gemacht, und so war der Schritt zu meinen zwei nächsten Werken dann nicht mehr weit. LARP-taugliche Mäntel, die eine nette Abwechslung zu den üblichen Umhängen darstellen.

Mit dem Liverollenspiel habe ich mittlerweile leider weitestgehend aufgehört – das Nähen ist mir aber als Hobby erhalten geblieben. Und auch im Alltag findet das alte Grundschnittmuster immer noch Verwendung. Denn aus der Grundlage für die beiden LARP-Mäntel wurde mit nur wenig Anpassungen des Schnitts ein alltagstauglicher Wintermantel.

Danach kamen dann ein paar radikalere Änderungen. Ich kürzte den Schnitt, fügte an der Vorder- und Rückseite Längsteilungsnähte ein, konzipierte einen Blazerkragen und schon wurde aus dem alten Grundschnitt eine kurze Cordjacke.

Deren Schnitt wurde dann für das nächste Projekt wieder verlängert und mit einer Kapuze versehen.

Und so geht es immer weiter.

Selbstverständlich nähe ich nicht nur nach dem einen Schnittmuster – ein paar weitere sind im Laufe der Zeit dann doch dazugekommen. Ich habe es mir aber zur Gewohnheit gemacht, soweit es geht, mit einfachen Grundschnittmustern zu arbeiten, die ich, je nach Bedarf, abwandle. Und je einfacher der Schnitt, desto mehr Freiheiten hat man hierbei.

Welche Möglichkeiten einfache Grundschnittmuster insgesamt bieten können, wird z. B. auch anhand des Buches „Schnittvorlagen entwerfen und abwandeln“ von Jo Barnfield und Andrew Richards deutlich. Hier zeigen die Autoren anhand verschiedener Techniken, wie durch einfaches Einfügen oder Verschieben von Nähten, Weiten oder Raffen, verschiedene Taschen- und Kragenlösungen simple Grundschnitte zu ganz verschiedenen Kleidungsstücken werden können.

Copyright © 2013 by Birgit Scherpe (BS)

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Updated: 5. März 2014 — 20:52

6 Comments

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  1. Wer möchte zu diesem Interview mit anschliessender Buchrezension zum Thema Mode seine Meinung abgeben?

  2. Der buchtipp passt hervorragend zum Thema.

  3. Der war Irenes Idee, Petra! 😉

  4. @ Detlef

    ich probier’s mal:


    … per Email (mail@velvet-dreams-fashion.de

    Dem href-Attribut habe ich noch mailto: vorangestellt, also:

    <a href=“mailto:mail@velvet-dreams-fashion.de“ … >

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