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Literatur-Blog

HILFE, ICH WILL MICH DOCH BLOSS ERNÄHREN! – Eine Kurzgeschichte von Felis Breitendorf

HILFE, ICH WILL MICH DOCH BLOSS ERNÄHREN!

Eine Kurzgeschichte

von

Felis Breitendorf

Ich hatte mich darauf gefreut. Mir war es gelungen, eine Zuschauerkarte für eine TV-Talksendung zu erhaschen. Es ging um Ernährung, mein Thema.  Als gute Mutter von drei Kindern und einem Mann der aus allen Nähten platzt, muß ich mich darum sorgen. Eingeladen wurden ein Vertreter der Lebensmittelindustrie, der sagt: „Wir Menschen sind noch nie so gut ernährt worden wie heute. Wir hatten zu keiner Zeit dermaßen viele Lebensmittel zur Auswahl und können wegen dieser guten Ernährung wesentlich älter werden als die Menschen zu früheren Zeiten.“

Dagegen steht die Aussage eines Vorsitzenden einer Lebensmittelschutzorganisation: „Die Lebensmittelindustrie lügt und betrügt und macht den Menschen etwas vor. Unsere Ernährung ist nicht die beste aller Zeiten. Die Nahrungsmittelindustrie will uns, vor allem unsere Kinder, eßsüchtig machen, damit ihre Erträge gesichert sind. Die Anzahl der Kinder mit Übergewicht steigt und steigt. Daran sind die Lebensmittel schuld!“

Auf der anderen Seite steht die Aussage eines Arztes und Journalisten, ebenfalls selbsternannter Fachmann für Ernährung: „Das ist alles Blödsinn. Die Kinderfettleibigkeit geht in Deutschland sogar leicht zurück. Und Beweise gibt es weder für noch gegen die Lebensmittel als Ursache. Alle Aussagen haben keinerlei wissenschaftlichen Beweis. Das alles ist nur Mache der Medien!“

Eine bekannte TV-Starköchin und Restaurant-Besitzerin hält dagegen: „Der Bürger hat keine Möglichkeiten mehr an natürliche Lebensmittel zu kommen. Alle Produkte werden mit künstlichen Zusatzstoffen angereichert. Der Geschmack der Verbraucher wird auf die künstlichen Aromen trainiert, so dass er natürliche Lebensmittel nicht mehr als angenehm empfindet. Das passiert bereits mit Kindern, die lieber einen Joghurt mit künstlichem Erdbeergeschmack bevorzugen, als einen neutralem Joghurt mit natürlichen Erdbeeren. Die mit künstlichen Zusätzen versehenen Lebensmittel sind gefährlich für unsere Ernährung!“

Hier widerspricht ein Lebensmittelchemiker, der nicht nur auf Grund seiner Übergewichtigkeit zu schnaufen anfängt, sondern auch, weil man ihn nicht zu Wort kommen lassen will. Als er endlich etwas sagen darf, haut er uns eine Unmenge von Fachbegriffen um die Ohren und antwortet auf die Frage der Moderatorin: „Stimmt es, dass alle diese Lebensmittel mit künstlichen Zusätzen ungesund sind?“

„Natürlich nicht! Alles ist eine Frage der Menge und jeder Mensch sollte das essen worauf er Appetit hat. Der Appetit eines Menschen ist der Regelmechanismus, der uns sagt, was unserer Körper braucht. Die Hysterie der Diätbefürworter ist unbegründet. Schauen sie mich an. Auch ich habe leichtes Übergewicht! Was sie aber wissen sollten: Eine Studie hat ergeben, dass nicht die Menschen mit Untergewicht am längsten leben, sondern die Normalgewichtigen und die mit leichtem Übergewicht.“

Darauf springt eine Buchautorin und Trainerin für Ernährung an und sagt: „Das mit der Selbstregulierung hat vielleicht Jahrtausende funktioniert, doch als die Menschen seßhaft wurden, Lebensmittel anbauten und Tiere züchteten, hat sich das geändert. Von da an hatten sie es nicht mehr nötig, auf die Jagd zu gehen und sich dabei ständig zu bewegen. Seit dem ist die Nahrung, was Energiegehalt, wie Fett und Kohlenhydrate angeht, immer dichter und konzentrierter geworden. Zusammen mit dem einhergehenden Bewegungsmangel unserer heutigen Gesellschaft sind die Lebensmittel nicht mehr zeitgemäß. Wir sollten heute auf leichte Ernährung setzen und uns sehr viel bewegen. Anders geht es nicht.“

Als die Sendung fertig war, drohte mein Hirn zu platzen. Ich war vollgestopft mit Informationen, die widersprüchlicher kaum sein konnten. Was war bloß passiert? Ich hatte mich so darauf gefreut, die Gäste dieser Sendung zu hören. Wann immer eine Talksendung zu diesem Themenkreis im Fernsehen lief und einer der Teilnehmer dieser Runde hier daran beteiligt war, war ich von dessen Meinung beeindruckt. Doch jetzt, wo sie gemeinsam in einer Sendung auftreten, bekämpfen sie sich und machen den anderen auf beleidigende Weise als Dummkopf runter.

Ich bin jetzt derart verunsichert, dass ich mich kaum noch traue, einen Supermarkt zu betreten. Was soll bloß werden? Wie kann ich noch guten Gewissens einkaufen gehen wenn ich nicht mehr weiß, was richtig und was falsch ist? Wer kann mir helfen..?  HILFE!

-Ende-

Copyright 2012 by Felis Breitendorf

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Alltag-100-minus80-0.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Edith Gätjen ist Ökotrophologin und Mutter von vier Kindern. Sie arbeitet seit über 25 Jahren im Bereich Säuglings- und Kinderernährung; u. a. ist sie Dozentin an der UGB-Akademie und leitet dort den Ausbildungsbereich für FachberaterInnen für Säuglings und Kinderernährung. Seit 2010 arbeitet sie in der Arbeitsgruppe „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ des AID, gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

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13 Comments

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  1. Menschen bei Maischberger. Sara Wiener kommt immer mit ihren Erdbeeren und dem Joghurt. In dieser Runde hatte jeder seine eigenen Interessen vertreten. Transparenz und Objektiv war da nix.

    Die Story erinnert mich irgendwie an die Artikel aus dem Spiegel, in denen ein Journalist die Talkshow vom Wochenende wiederkäut – einfach ein langweiliges Abbild der Realität. Wo ist denn da die Story, der Twist, die Handlung?

    Hm, vielleicht nehme ich die Ausgangsbasis mal als Thema für einen Krimi. 😉 🙂

  2. Wieder einen ohne echte Auflösung? 😉

  3. Sie haben alle ein Ende und eine Auflösung. Manche Krimis schreibe ich aber so, dass der Leser die Auflösung selbst herausfinden kann oder muss, oder sich das genaue Ende nach seiner Vorstellung denken kann. Ich appelliere sozusagen an die Vorstellungskraft unserer Leser, da ich einfach davon ausgehe, dass hier niemand bloßer Konsument ist, sondern jeder auch einen wachen Geist besitzt. 🙂

  4. Ein Rätselkrimi? Und was gibt’s zu gewinnen? 😉

    Ein Duplo? (hihi)

  5. Vielleicht ein Duplo-Tower mit vielen leckeren Überraschungen! 😀

  6. also für mich war das auch eher Spiegel der Gesellschaft denn Story… Ich meine die Problematik ist hinreichend bekannt. Dutzende Experten mit unterschiedlichen Ansichten und keiner weiß, wem oder vor allen Dingen, was er glauben soll. Aber vielleicht ist die Sache ja ganz simple: bei sovielen Ansicht sucht man sich am besten einfach die heraus, die dem eigenen Lebensstil am nächsten kommt ^^.

  7. Hhmmm, ja Felis … irgendwie fehlt hier was. Wie meine Vorkommentatoren schon angemerkt haben, ist es eine Aufzählung ohne irgendeine Aussage, einen Plot, einen Gag. Im Grunde ist es keine Story, eher eine Situationsbeschreibung. Meine Deutschlehrer haben uns mit so was gequält. Und schon damals habe ich mich gefragt: Was soll das?

    Wenn du schon solche Szenen aufgreifst, dann solltest du ein sinnvolles Finale, ein Ende, irgend etwas bringen, was uns Dumpfbacken von Lesern erkennen läßt, warum du diese Story hier bringst.

    Ist irgendwie wie Sex ohne Orgasmus. Sorry, seit der Rezi über die „Bösen NachtGeschichten“ bin ich irgendwie äh … erotisch eingestellt.

    mgg
    galaxykarl 😉

  8. Martina Möchel

    Ich bin komplett anderer Meinung! Ich finde eine Geschichte muß nicht immer eine Heilsbotschaft transportieren. Eine Situationsbeschreibung hat meiner Meinung nach genauso viel Existenzberechtigung wir eine Story, die eine These vertritt. Wenn das anders wäre, dann würden viele Schriften, die als Literatur gelten alle diesen Status verlieren!

    Mal davon abgesehen, hat das ganze doch etwas ungemein komisches, oder nicht? Vielleicht schon einen Hang zum Parodistischem oder wenigstenz zum Komödiantischem, wenn die Protagonistin so hilflos am Ende darsteht. Ich mag sowas! Klasse Felis, schreib bitte mehr solcher Sachen! Du hast hier mindestenz einen Fan für diese Art Literatur!

  9. Christa Kuczinski

    An sich ein interessantes Thema und gut umgesetzt.
    Am Ende könnte ich mir gut vorstellen, dass sie sich seither nur noch für wenige Lebensmittel entscheiden kann…ziellos durch die Gänge streift…Das perfekte Mittel zum Abnehmen* und die Wiederholung der Sendung ihren Freundinnen empfiehlt… 😉

    Lg Christa

  10. Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Und eure Schlussinterpretationen habe ich nicht so sehen können. Schon erstaunlich, was man alles in einen Text hineinprojizieren kann, ob durch irgendeinen Satz angedeutet oder nicht.

    mgg
    galaxykarl 😉

  11. Felis Breitendorf

    Christa liegt da nicht mal so schlecht. Ich wollte das mit der TV-Sendung eigentlich nur als Aufhänger verwenden und die Protagonistin anschliessend verwirrt durch die Gänge eines Supermarktes irren lassen, komplett fertig mit den Nerven. Aber irgendwie schien mir das dann zu aufgesetzt.

    Vielleicht mache ich das ja noch irgendwann, dann aber als einzelnen Beitrag, in welchem sich die arme Frau fragt, was sie denn nun guten Gewissens in den Einkaufswagen legen kann.

    Das ganze sehe ich übrigens nicht so sehr als Story denn als Comedienbetrag an, wollte aber natürlich es hier als Story gewertet wissen, denn ein Artikel oder Bericht ist es ja nun wirklich nicht. Dazu ist es dann wieder zu unjournalistisch.

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