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HEILE WELT – eine Science-Fiction-Story von Wilfried Hary

HEILE WELT

Science-Fiction-Story

von

Wilfried Hary

Raimond Scott stand breitbeinig In der Zentrale seines gigantischen Raumschiffs. Zu seinen Füßen befand sich der Panoramaschirm. Als öffnete sich dort ein Loch in die Unendlichkeit. Ein Planet war zu sehen Scott betrachtete den Planeten und wog ab, ob sich eine Landung lohnte.

Raimond Scott war unermeßlich reich. Er war in wallende Stoffe gekleidet, von erlesener Art. Auf Brust und Rücken waren die Embleme seines Wirtschaftsimperiums von Hand eingestickt. Er regierte diese Machtballung mit der Härte eines römischen Imperators. Außer ihm waren nur noch zehn Männer der Besatzung anwesend. Sie waren seine besten Freunde, wenn er Freunde brauchte, und seine ergebenen Sklaven, falls ihn danach gelüstete. Niemand würde es wagen, sich ihm zu widersetzen oder ihm auch nur zu Widersprechen. Er war der unumschränkte Herr über Leben und Tod.

„Landung!“ befahl er knapp. Seine Wangenmuskeln spielten. Er gefiel sich in der Rolle des Mächtigen, der eisenhart regierte. Die Natur hatte ihn mit beeindruckender Größe und enormen Kräften ausgestattet. Seine körperliche Konstitution war die eines Supermanns. Ein Umstand, den er gern und bei allen Gelegenheiten betonte. Raimond Scott prahlte – und alle anderen klatschten Beifall. Daran hatten sie sich gewöhnen müssen, sonst wären sie nicht mehr am Leben.

Sein Befehl wurde befolgt. Das gigantische Schiff senkte sich der Planetenoberfläche entgegen. Raimond Scott war zum ersten Mal in diesem  Winkel der Galaxis und darum besonders neugierig. Normalerweise landete niemand mit einem solchen Schiff direkt auf einem Planeten. Das war nicht nur aufwendig und kostspielig, sondern auch gefährlich. Nicht für Scott, aber für die Planetarier.

Einer seiner Offiziere näherte sich in unterwürfiger Haltung.

„Was dienerst du?“ fragte Raimond Scott theatralisch. „Straffe deinen gebeugten Körper, erhebe dein stolzes Haupt. Bedenke, daß dich das Schicksal und Raimond Scott zum Kommandanten des größten und besten Raumschiffs gemacht haben, das es im Universum gibt. Das sollte dich nicht mit Demut, sondern mit Stolz erfüllen.“

Der Kommandant strahlte. Er freute sich offensichtlich über das besondere Wohlwollen seines Herrn und Meisters. „Mit Verlaub, ich wollte melden, daß der Präsident des Planeten persönlich zu Eurem Empfang kommt. Seine Tochter befindet sich in Begleitung erlauchter Gesellschaft, die für Euch eine Empfangsdelegation bildet. Ich soll Euch nach Sonderwünschen befragen und auch danach, ob alles in Eurem Sinne geschieht.“

Raimond Scott lachte überheblich. „Richte den Planetenläusen aus, daß sie tun sollen, was sie für richtig halten. Ich werde danach erst urteilen, ob es mir gefällt oder nicht, und wehe, wenn sie in Ungnade fallen.“ Er spuckte aus. „Herrscher über einen Planeten. Als ob das etwas wäre.“ Er runzelte die Stirn. „Hm, sagtest du etwas von Tochter? Wie sieht die denn aus?“

Der Kommandant antwortete so leise, als wäre es nur für die Ohren seines Herrn bestimmt. Er beugte sich dabei vor und blickte vorsichtig in die Runde. „Sie gilt als das schönste Mädchen dieses Planeten, und das soll schon was heißen, mächtiger Scott.“

„Verdammt, gehe er mir aus den Augen. Ich kann es nicht leiden, wenn er mich mächtigen Scott nennt. Es galt vorhin noch, aber von nun an bin ich der ehrenwerte Gönner oder so. Verstanden?“

Der Kommandant verbeugte sich tief und bewegte sich rückwärts von Scott weg. Als er über die Projektion schritt, sah es so aus, als würde er den Planeten mit Füßen treten.

Aber das war ja einzig und allein einem Raimond Scott vorbehalten.

Das Raumschiff senkte sich nieder. Brüllend wich die so vergewaltigte Atmosphäre dem Ungetüm, dessen Flug von Antigravfeldern stabilisiert wurde. Die Luftmassen donnerten und röhrten und entfachten einen Sturm, der über die Oberfläche raste und vielerorts Dächer abdeckte oder Bäume entwurzelte.

Raimond Scott kümmerte das nicht. Er registrierte es nur am Rande. Viel interessanter war der Gedanke, daß es jetzt wohl niemanden mehr gab, der nichts von seiner Ankunft bemerkt hatte. Er liebte den Aufwand, das Theater und die spektakulären Auftritte.

Der riesige Raumhafen war in aller Eile für ihn geräumt worden. Andernfalls wäre es nicht möglich gewesen, mit einem so großen Raumschiff hier zu landen. Normalerweise blieben Schiffe von dieser Größenklasse im Raum und entsandten kleinere Beiboote. Raimond Scott jedoch wäre es niemals eingefallen, mit einer für ihn viel zu kleinen Landeeinheit irgendwo zu erscheinen. Man sollte gleich sehen und spüren, mit wem man es zu tun hatte.

Wenige Meter über der Fläche aus gehärtetem Betonplastik verharrte das Schiff freischwebend in der Luft. Noch immer wurde es von den Antigravfeldern stabilisiert. Bevor Raimond Scott ausstieg, warf er einen Blick auf die Panoramagalerie. Auf dem weiten Feld stand eine einsame, irgendwie verloren wirkende Gruppe von Menschen: die avisierte Delegation. Raimond Scott rümpfte die Nase: Wo waren denn die jubelnden Massen?

Kaum hatte er daran gedacht, stürmten auch schon Tausende von Menschen aus den umliegenden Gebäuden, gewaltsam den Absperring der Polizei sprengend. Der stabile Umgrenzungszaun des Raumhafens wurde ebenfalls von der Menschenmasse niedergetrampelt. Es dauerte nicht lange, und schon gab es eine Ansammlung, die erst am fernen Horizont ein Ende nahm. Der gesamte Planet schien auf den Beinen zu sein.

Raimond Scott lächelte. Er wandte sich zum Ausgang. Ein paar hündisch ergebene Offiziere begleiteten ihn.

Als Raimond Scott in der offenen  Schleuse sichtbar wurde, brandete  orkanartiger Beifall auf. Die Menschen waren völlig außer sich.

Ein einziger Ruf kristallisierte sich  heraus und wurde von Millionen  Kehlen  wiederholt: „Göttlicher!  Göttlicher! Göttlicher!“ Der Ruf brauste so übermächtig heran, daß Raimond Scott beinahe Gefahr lief, davon hinweggefegt zu werden. Aber er war ein Mann, der sich in einem solchen Ruf höchstens sonnte und sich keineswegs unter dermaßen demonstrierter Macht der Masse ängstlich duckte.

Mit geschwellter Brust und angewinkelten Armen trat er vor. Seine Offiziere blieben unschlüssig zurück. Da er ihnen kein Zeichen gab, folgten sie ihm auch nicht.

Raimond Scott wurde von einem separaten Feld ergriffen, das er mit seinen Gedanken lenken konnte. Er schwebte in der Luft und stieß die Arme in die Höhe. Es war weithin sichtbar.

„Göttlicher!“ Das wollte nicht mehr verebben.

Bis Raimond Scott die Arme langsam sinken ließ. Die Millionen gehorchten. Es kehrte wieder Ruhe ein. Das Antigravfeld ließ Raimond Scott zu Boden schweben. Zu Fuß ging er der Delegation entgegen. Es machte ihm Spaß, die Muskeln seiner nackten Oberarme spielen zu lassen und damit Blicke darauf zu lenken. Raimond Scott lachte in den Wind, der dieses Lachen zu den Ohren seiner grenzenlosen Bewunderer trug. Aber der Wind tat noch etwas, und das erregte Scotts Aufmerksamkeit: Er zauste an den Haaren einer blonden Schönheit, die inmitten der Delegation stand.

Scott verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen. Trotz der Entfernung war es ihm möglich, Einzelheiten auszumachen. Es war die schönste Frau, die er jemals gesehen hatte. Sie war schön und – stolz. Mit einer energischen Bewegung warf sie das Haar in den Nacken. Ihr Blick erfaßte die Gestalt des „Göttlichen“. Was sie sah, schien ihr zu gefallen.

Scott wunderte sich nicht darüber. Dies also war die Tochter des Weltpräsidenten? Sie würde in seinen Armen schmelzen wie Butter in der Sonne. Raimond Scott hatte es noch niemals erlebt, daß ihn eine Frau abwies. Auch diese Frau würde ihm gehören. Er brauchte es nur zu verlangen.

Dies war jedoch der Augenblick, wo es sich zeigte, daß Raimond Scott unter all den Millionen, die ihn hier empfingen, nicht nur Freunde hatte. Es gab auch Feinde – zumindest einen einzigen. Mit ohrenbetäubendem Lärm raste ein kleines Fluggefährt über die versammelte Menschenmasse hinweg. Gewaltsam durchbrach das Gefährt die Schallmauer und erzeugte eine Druckwelle, die die Wartenden umwarf. Das Fluggefährt hielt genau auf Raimond Scott zu.

Der „Göttliche“ blieb lässig stehen. Er stemmte die Arme in die Seite und blickte dem Fluggefährt mißbilligend entgegen. Schon war das Ding heran. Ein sonnenheller Energiestrahl löste sich von der Bugspitze, raste mit Lichtgeschwindigkeit auf Raimond Scott zu – und traf auch mit großer Präzision. Raimond Scott war sich seiner Sache zu sicher gewesen. Raimond Scott hätte niemals mit einem solchen Frevel an seiner Person gerechnet. Und Raimond Scott konnte diesem Energiestrahl nicht mehr ausweichen. Dazu war er zu langsam.

Aber Raimond Scott hatte auch gar kein Interesse daran, auszuweichen. Er wurde in eine Gluthölle gehüllt, heiß wie im Innern einer Sonne. Dieser Hölle konnte kein Lebewesen entrinnen – kein gewöhnliches Lebewesen. Raimond Scott indessen breitete die Arme aus. Heiliger Zorn erfüllte ihn. Das Fluggefährt donnerte über ihn hinweg. Doch es kam nicht mehr weit. Raimond Scott steuerte mit seinen Gedanken die Supertechnik seines überlegenen Raumschiffs, das ihn nicht nur vor dem Tode bewahrte, sondern ihm sogar half, die furchtbaren Energien zu beherrschen. Sie strahlten von ihm weg und holten den Flüchtenden ein.

Das Flugboot wurde getroffen. Es widerfuhr ihm genau das, was der Pilot Raimond Scott zugedacht hatte. Der Ansturm der vernichtenden Energien riß es höher in den Himmel, damit es für jeden der Millionen sichtbar wurde. Ein Raunen ging durch die Versammelten, als sich das Fluginstrument mitsamt seinem Piloten in eine künstliche Sonne verwandelte. Sie expandierte rasch, schickte ihre sengenden Strahlen auf die Millionen hinab, war tausendmal heller als die natürliche Sonne am Himmel und fiel wieder in sich zusammen.

Die Luft flimmerte noch von der ungeheuren Hitze, eine Schockwelle raste nach allen Seiten, hoch über die Köpfe der Menschen hinweg und ohne großen Schaden anrichten zu können, aber von dem Fluggefährt war nichts mehr zu sehen. Sekundenlang herrschte atemlose Stille, als das Inferno verklungen war. Doch dann begann ein unbeschreiblicher Jubel – lauter noch als zuvor. Im Orkan des frenetischen Beifalls schritt Raimond Scott weiter auf die Delegation zu.

Der Weltpräsident löste sich von der Gruppe und taumelte Raimond Scott entgegen. Er schien am Ende zu sein und erwartete die furchtbare Strafe des „Göttlichen“. Scott betrachtete ihn ungerührt. Als er dem Präsidenten gegenüberstand, hob er die Arme und ließ die Massen verstummen.

„Für – für diese Schande gibt es keine Entschuldigung“, murmelte der alte Mann. „Göttlicher, wähle die furchtbarste Strafe, die dir in den Sinn kommt. Ich werde für diese Gemeinheit büßen.“

„Wer war der Attentäter?“ fragte Raimond Scott knapp.

„Der – der Verlobte meiner Tochter. Er drehte durch und wußte nicht mehr, was er tat. Hätte ich es doch nur vorausgesehen und…“

„Er hat für sein Vorhaben gebüßt. Aber wie steht deine Tochter dazu?“

Raimond Scott blickte an dem Präsidenten vorbei, der keine Worte mehr fand. Er hatte das Schlimmste erwartet, und nun sah es so aus, als würde ihn der „Göttliche“ verschonen. Er konnte es nicht fassen. Oder hing es jetzt von seiner Tochter ab?

Raimond Scott schob den zitternden Mann einfach beiseite und näherte sich der Frau, die allein schon mit ihrem Anblick seine Sinne berauschte. Hatte er es jemals für möglich gehalten, einem solchen Geschöpf zu begegnen? Und der Stolz, den sie zeigte, machte sie zu etwas Besonderem. Und nur er, der göttliche Raimond Scott, würde diesen Stolz brechen können.

Dieser Verlobte hatte gezeigt, daß auch er aus einem besonderen Holz geschnitzt war. Kein Duckmäuser, kein Jammerlappen wie dieser Weltpräsident, der jeden Augenblick in Ohnmacht fallen konnte. Der Verlobte war nur an den Falschen geraten. Nur logisch, daß eine so schöne und so stolze Frau sich dem Sieger zuwandte. Und Raimond Scott hielt sich für den besten Sieger aller Zeiten, weil er sich für den Größten hielt.

Da spürte er ihren bewundernden Blick. Sie hatte ihren Verlobten vergessen, nutzte sein Vorgehen und Scheitern vielleicht nur, um ihr Selbstbewußtsein noch zu steigern. Ja, das war eine Frau genau nach Scotts Geschmack. Eine, die genau wußte, was gut für sie war.

Er hatte sie noch nicht erreicht, und schon schmolz sie förmlich dahin. Er lächelte sie an, und dieses Lächeln brachte sie um den Verstand. Sie hatte nichts dagegen, als er sie in die Arme schloß. Ganz im Gegenteil. Sie klammerte sich an ihn, bog ihren Kopf zurück und sah ihn mit glutvollen Augen an…

Raimond Scott vergaß alles um sich herum. Das Universum begann sich um den kirschroten Mund zu drehen – immer schneller und schneller. Ein feuriges Rad, in dem Gestirne explodierten und die Welt im Inferno verging. Nur noch der Funkenregen spritzte nach allen Seiten, in seinem Zentrum die Schwärze des absoluten Untergangs erzeugend. Die Schwärze überfiel Raimond Scott, und diesmal war er nicht gegen das Ende gefeit.

Es war ein furchtbares, marterndes, quälendes, himmelschreiendes Ende, als alle Herrlichkeit verschwand. Mit aller Gewalt hielt er zwar an seinem Leben als der mächtige, reiche, herrliche Raimond Scott fest. Er spürte noch die Schöne in seinen Armen. Ihr Körper war so weich, so warm – und schmolz zu einer unförmigen Masse, die keinerlei Bedeutung mehr hatte – wie alles.

Aus  der  sich  ausbreitenden Schwärze der Apokalypse drangen plötzlich schrille Geräusche. Sie kreischten in seinem Innern, ließen noch einmal Wellen von Schmerz durch seine Adern jagen. Die Pein drängte Schreie über seine Lippen, bis sämtliche Wahrnehmungen wie eine Seifenblase zerplatzten. Was blieb, war die nüchterne Wahrheit. Was blieb, war die Erkenntnis der eigentlichen Existenz.

Raimond Scott blickte sich um. Die Überlebensmaschine hatte sich geöffnet, und der Traumzylinder hatte seinen Schädel freigegeben. Er richtete sich auf. Die Schwindel vergingen rasch, nachdem das kreislaufstabilisierende Medikament seine Wirkung voll entfaltet hatte. Abgesehen von den furchtbaren Entzugserscheinungen, die sich augenblicklich einstellten, fühlte er sich gesund und munter und ausgeruht. Dafür hatte die perfekt konstruierte Überlebensmaschine gesorgt, die nicht nur für seine körperliche Erholung, sondern auch für seine umfassende Ernährung gesorgt hatte – während der langen Traumphase. Das war auch dringend erforderlich, damit er die Strapazen der noch längeren Wachperiode überhaupt lebend überstehen konnte.

„Bitte verlassen!“ schnarrte die Automatenstimme. „Bitte verlassen, Traumzeit ist abgelaufen. Bitte verlassen, Traumzeit ist abgelaufen. Beginn der Wachperiode… jetzt!“

Die Worte wurden so oft wiederholt, bis Raimond Scott ganz aufgestanden war. Die Wand teilte sich. Alles sträubte sich in ihm dagegen, doch er hatte keine Wahl. Er mußte die Traummaschine verlassen. Seine Zuteilung war abgelaufen. Den nächsten Traum mußte er sich erst mühsam verdienen.

Und gemeinsam mit all den anderen, deren Traumzeit abgelaufen war, schlurfte er gebeugt seinem eigentlichen Alltag entgegen. Es ging durch endlos erscheinende Gänge, über Förderbänder, durch Lifts. Er fand den Weg im Schlaf, wenn es sein mußte. Man hatte ihn zu einem gutfunktionierenden Weltbürger erzogen, der genau wußte, wie man es schaffte, das nötige Geld zu verdienen, um die nächste Traumzeit antreten zu können.

Er war wie alle anderen süchtig nach den Träumen. Raimond Scott war Minenarbeiter. Das war einer der härtesten Berufe, die es gab. Aber dafür war die Bezahlung so gut, daß er eine viel größere Zeit seines Lebens in einer Traummaschine verbringen durfte. Viel größere Zeit im Verhältnis zu anderen. Zunächst jedoch warteten Wochen schlimmster Strapazen in der Hölle unter der Erde auf ihn.

Er ließ sie verstreichen, wie er es immer getan hatte, ließ sich am Ende der Periode Samen für die Samenbank entnehmen, um den Nachwuchs für die Weltbevölkerung zu sichern, und erlebte den bedeutsamen Tag, da sich die Tür der Traummaschine erneut vor ihm öffnete – und hinter ihm schloß.

Er hatte den Alptraum mit Namen reales Leben hinter sich. Der Traum, der auf nun ihn wartete, war längst zum WAHREN Leben für ihn geworden.

Halbwegs belustigt gedachte er vergangener Tage, da der Alltagsmensch noch auf die Entspannung durch Kino, Fernsehen, Computer, Theater und Bücher angewiesen gewesen war. Inzwischen gab es längst etwas, was viel perfekter war. Besser sogar als sämtliche Drogen zusammengenommen. Weil die einen zerstörten, aber die Traummaschine ließ einen gesunden. Zumindest körperlich, damit man die schwere Arbeit packte – dort, wo man als Mensch immer noch billiger und effektiver als Automaten war. Weil man nicht mehr für Geld fleißig arbeitete, sondern nur noch… für Traumeinheiten.

Raimond Scott legte sich nieder und wartete voller Ungeduld auf den Traumzylinder, der sich selbsttätig über seinen Schädel stülpte. Und dann war es wieder soweit: Raimond Scott war mächtig und reich, unermeßlich reich. Und er vergaß, daß im Grunde genommen nur die reich und mächtig waren, denen seine Arbeitskraft und… die Traummaschinen gehörten!

ENDE

Erstveröffentlicht in anderer Fassung:
Pabel Verlag 1984
Reihe: TERRA ASTRA Nr. 598


Copyright (C) 2010 by Wilfried Hary

Bildrechte: “Virtuelle Welten” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/virtuelle-welten-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen20110122082624-7f63d0a3-100-30-100.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchvorschlag des Autors:

Tödliche Träume

GAARSON-GATE 8

Band Nr. 8

Autor: Alfred Wallon und W. A. Travers

Titelbild: Gerhard Börnsen

Preis: 12,95 Euro

Bestellen

Updated: 26. Januar 2013 — 00:07

20 Comments

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  1. Klasse! Zuerst dahcte ich: „Oh nein!“ Doch nach einer Weile ahnte ich, worauf es wohl hinauslaufen würde. Ich finde die Story richtig klasse! Was meinen denn die anderen Community-Autoren zu dieser Geschichte?

  2. Tut mir leid Jungs, aber mir hat sie nicht gefallen.

    Ob nun geträumt oder nicht: Raimond Scott ist ein dummes, arrogantes Arschloch. Wenn das vom Autor so gewollt ist, OK. Aber warum sollten ihn Millionen zujubeln? Weil er ihre Welt besucht? Mit seinem Glanz erfüllt? Er missachtet primitivste Gepflogenheiten im oribtalen Verkehr und der Diplomatie, auch als gottgleicher Superheld mus er seine Untertanen bei Laune halten, sonst schicken sie ihn in die Wüste. Er läßt einen Sturm Bäume entwurzeln und Dächer abdecken. Die Planetenschönheit schmilzt dahin weil er … ja was? – so toll ist? Durch was? Er zeigt nicht, dass er was kann, sondern nur, dass er einen gigantischen Metallhaufen aus Penisersatz vor sich herschiebt. Sie sieht ihn und läßt ihren Verlobten eiskalt fallen? Tolle Frau, die bleiben, wo der Pfeffer wächst. Warim sollte ihr Verlobter den ach so mächtigen Raimond Scott anfallen und zu ermorden versuchen? Scott kannte die Maid ja noch nicht mal, Also, warum sollte deren Verlobter sooo einversüchtig sein, dass er einen chancenlosen Angriff und seinen Tod riskiert?

    Dann gleich zu Anfang STEHT Scott auf einem Panoramaschirm. Sehr unpraktisch für alle, die darauf etwas sehen und beobachten wollen, wenn ständig Füße im Weg sind. Auch bei aller Träumerei und Futuristik ist das extrem unwahrscheinlich und unübersichtlich. Diesen Raumschiffskonstrukteur schicke ich zurück an die Uni.

    Und das Millionen Planetenbewohner kommen, um Scott zu huldigen? Entweder sie wurden gepreßt oder bezahlt, doch zu welchem Zweck? Scott hat nichts für sie getan, nichts geleistet, sondern sonnt sich in seinem Superman-Dress, ist narzistisch veranlaßt und schlichtweg dumm, wenn er glaubt, die Anhimmelei sei wirklich ihm zu ehren. Wie gesagt, ob Traum oder nicht, der Plot hinkt gewaltig.

    Das Einzige, was mir dazu einfällt ist: Hary hat das bereits vor 26 Jahren geschrieben. Aber er hätte es wohl beser noch mal überarbeitet.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl :-I

    P.S. Vielleicht habe ich mir damit keine Freunde geschaffen, aber was gesagt werden muss, darf gesagt werden. Ich bin auch nicht perfekt, aber solche offenssichtlichen Logikfehler kann man sich ersparen. Ich hoffe, das Hary noch was Besseres hat.

  3. Galaxy, bedenke, dass die Story aus den 80ern stammt und natürlich seit dem der Standart sich ziemlich erhöht hat, was das schreiben von Geschichten angeht.

  4. Galaxykarl: Ich muss dir nochmal widersprechen: kennst du den Film Riddick – Chroniken eines Kriegers (2004) = http://www.ofdb.de/film/54082,Riddick—Chroniken-eines-Kriegers

    Dort passiert genau das, was du der Story von Hary vorwirfst!

    Schau dir den mal an!

  5. War auch unglaubwürdig! Ein Muskelmann besiegt den Herrscher eines Imperiums. Und der hatte sogar noch die Fähigkeit, sich rasend schnell zu bewegen. Das ist der uralte Plot, dass man nur mit Muskelkraft himmelweit über sich stehende Technik schlagen kann. Bei „Avatar“ hat das ja schon indianerhafte Züge angenommen (nicht das wir uns falsch verstehen: Avatar war obergeil).

    Doch die Realität würde wohl so aussehen: Die gigantische Militärmaschinerie würde alles platt machen, den Lebensbaum zerstören, Millionen Lebewesen vernichten und hinterher sich das nehmen, was sie braucht.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl 🙂

  6. Und was ist mit Arnold Schwarzenegger in Kalifornien?

  7. Der vereinigt beides. Er ist der Muskelmann und hat die Macht in seinem Staat.
    Ich weiß schon, warum ich nicht in die Vereinigten Staaten reisen werde….

  8. Meine Lieben,

    wie naiv seid ihr denn? Schwarzenegger ist doch nur eine leicht beherrschbare Marionette!

    Ich verweise hier auf eine „kulturhistorisch herausragende“ US-TV-Serie aus den Achtzigern (oder warn´s schon die Siebziger? Egal): Die Serie hieß „Reich und Arm“, in einer der Hauptrollen Peter Strauß als der reiche Bruder. Irgendwann in der Serie haben ihn amerikanische Wirtschaftsbosse die Präsidentschaft angeboten. Auf einem Barbeque, zwischen Spare-Rips und cold Beer. Auch die glaubten, ihn steuern zu können, eine Lichtgestalt, welche Wählerstimmen fangen kann, die Massen begeistert … und das tut, was die Bosse wollen! Die Figur, die Strauß spielte hat dankend abgelehnt. Was ihn – glaube ich – später das Leben gekostet hat.

    Was mich damals noch mehr beeindruckt hat, war die Behauptung eines dieser Bosse, dass niemand ihn kennt, weltweit kein einziges Foto von ihm existiert, keine Versicherungsnummer, kein Pass, keine Führerschein, nicht, nothing, zero, null! Der Typ war so mächtig, das er IM NACHHINEIN (als er den Status eines Mächtigen erreicht hatte) alle Kinderfotos und Unterlagen von ihm aus allen Datenbanken, Karteien usw. stehlen, vernichten, löschen ließ. Und das mit Hilfe von Spitzeln in den Geheimdiensten. Das ist die wahre Macht! Nicht die Gallionsfigur, die in die Kamera lächelt.

    Und Arni ist ein echt netter Kerl, mit dem Kennedy-Clan verheiratet, aber trotz allem eben nur die Frontfresse, die von den Hintermännern ablenkt.

    Und ich sage euch nocht etwas: Deutschland ist definitiv nicht anders!

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl :-I

  9. Du meinst wie beim Kasperltheater hat jemand die Hand drin bei der Merkel?

    Doch wer ?

    Und wer hat die Hand beim Guido drin??

  10. Also ich finde die Geschichte gut, hat mir sehr gefallen. 🙂

  11. Felis Breitendorf

    beim guido, na wer schon?

  12. Also ich finde die Geschichte auch gut.
    Er träumt ja seine Welt und hier macht er eben die Gesetze und kann sie so machen, wie er will. Und wenn er als arrogantes Arschloch auftreten will, dann kann er das natürlich auch, denn in seinem Traum ist er ja die Allmacht.
    Und wenn die Geschichte aus den 80ern stammt:
    Toll. Dann war das doch ein schöenes Voraussehen. Denn heute sind wir ja gar nicht mehr so weit davon entfernt. Wir wollen doch gerne dem Alltag und dem Intrigenspiel der Politik und den ‚Mächtigen‘ und der Gier und … entkommen. Im Traum geht das noch relativ gefahrlos. Auch wenn es letztlich nur eine weitere Droge ist und nichts bringt. Aber als Geschichte find ich es gut.

  13. Der Autor wird in Zukunft wieder mehr Storys hier zum Lesen zur Verfügung stellen, schreibt doch mal, wie ihr den hier vorliegenden Beitrag für den Storywettbewerb findet, was meint Ihr?

  14. Ich finde das wunderbar!

  15. Christa Kuczinski

    Mir gefällt die Geschichte ebenfalls. In einem Traum ist alles möglich oder eben auch unmöglich. 😉
    Ich stelle mir eine solche Person einmal im wirklichen Leben vor. Das könnte einem tatsächlich Unbehagen verursachen, wie würde wohl ein anständiger braver Bürger einen solchen Status nutzen, in wie weit würde sich seine Persönlichkeit wandeln und er sich zum Schlechten verändern?

  16. Ich wirklich gestaunt am Ende.

  17. Ich denke, in jedem steckt ein solcher Träumer und wir alle haben unsere Leichen (sinnbildlich!) im Keller.

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