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Literatur-Blog

Harald Welzer war am 25. November 2010, 19.00 Uhr im Haus am Dom, Domplatz 3, in Frankfurt a. M. mit Friederike Bauer im Gespräch über sein neues Buch – Bericht von Detlef Hedderich.

Harald Welzer ist zusammen mit Claus Leggewie Autor des Buches „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie“. Themen des Buches sind Finanz- und Wirtschaftskrise, Klimawandel, schwindende Ressourcen und der Raubbau an der Zukunft der kommenden Generationen. Harald Welzer spricht mit Friederike Bauer, ehemaliger FAZ-Redakteurin und Referentin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Seit 2007 ist sie für die KfW (Kreditbank für Wiederaufbau) Entwicklungsbank tätig. Autor Harald Welzer ist Direktor des „Center for Interdisciplinary Memory Research“ am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten-Herdecke.

Auf Fragen von Friederike Bauer stellt Harald Welzer seine kontroversen Thesen zur Diskussion. Mittels Analyse der sich auftürmenden Krisen zeigt er, wie Demokratien unter die Räder kämen, wenn sie nicht radikal erneuert würden und den Weg aus der Leitkultur der Verschwendung fänden.

Bei Klimawandel, schwindenden Energievorräten, Umweltverschmutzung, Ernährungskrisen oder dem Bevölkerungswachstum werde nur an den Wirkungen herumgedoktert anstatt die Ursachen für diese Übel zu beseitigen, so Welzer. Bauer stellt Welzer daraufhin die Frage, ob denn kleine gute Taten nicht auch ihre Berechtigung und ihren Sinn hätten. Welzer weist darauf hin, dass viele hier im Westen durch ihre komfortablen Lebensumstände der Meinung seien, es werde doch durch die bereits geleistete Hilfe schon irgendwie gut gehen.

Auf Bauers Frage, ob man auf das Wenige, was man dagegen leiste, ganz verzichten solle, antwortet Welzer, dass es darum im Grunde gar nicht gehe. Er sei der Meinung, dass die Menschen in den westlichen Kreisen den Luxus besäßen, neue nie gedachte Ideen entwickeln und ausprobieren zu können. Einen Luxus, den all die Generationen vorher niemals gehabt hätten. Es wäre einfach unsere verdammte Pflicht, diese Freiheiten und Möglichkeiten auch zu verwenden und auszureizen. Dabei ginge es nicht darum zu verzichten, sondern einfach nur anders mit den Dingen umzugehen. Daraufhin gibt er einige Beispiele von Leuten und Unternehmen, wie einer Textilfirma in der Schweiz, die den Mut zu solch einem Paradigmenwechsel gehabt habe und nun gar nicht so schlecht dastünde.

Bauers Einwand, dass viele sich diesen Luxus ja gar nicht leisten könnten, aus den täglichen Normen auszubrechen, entkräftet Welzer durch seine Bemerkung, dass es schon reiche, wenn diejenigen es täten, denen es möglich sei. Alle anderen könnten einfach mal unvoreingenommen ihr tägliches Leben betrachten, um dieses nach Innovationen im Kleineren abzuklopfen. Das Wertesystem für unsere Gesellschaft müsse nach und nach vom wirtschaftlichen Interessen entkernt werden und nur daran bemessen werden, was sie tatsächlich für einen Wert für jeden Einzelnen bringen könne. Letztlich sei es aber nötig, Wege zu finden, die Gerechtigkeit und Lebensqualität für die gesamte globalisierte Welt möglich machen würden, ohne dass die Idee der Demokratie dabei auf der Strecke bleibe. Somit seien also auch alle nichtdemokratischen politischen Systeme der Welt – einschließlich des aufstrebenden Chinas – nicht in der Lage, eine Lösung darzustellen.

Zum Schluss wird das Publikum mit einbezogen, das entsprechende Fragen und Thesen vortragen kann, die dann vom Autor beantwortet werden. Dann war es noch möglich, die 2009 erschienene Hardcoverausgabe des Buches von Harald Welzer zu erwerben, wovon es im Frühjahr 2011 eine preisgünstigere Taschenbuchausgabe beim S-Fischer Verlag geben wird.

Copyright (C) 2010 by Detlef Hedderich

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Leggewie, Claus / Welzer, Harald
Das Ende der Welt, wie wir sie kannten

Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie

Verlag :      Fischer, S
ISBN :      978-3-10-043311-4
Einband :      gebunden
Preisinfo :      19,95 Eur[D] / 20,60 Eur[A] / 34,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 288 S. – 20,5 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      3. Aufl. 02.09.2009

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Wie sollen Demokratien auf die Krisen in Ökonomie und Ökologie gerecht und nachhaltig reagieren?

Finanz- und Wirtschaftskrise, Klimawandel, schwindende Ressourcen und der Raubbau an der Zukunft der kommenden Generationen bilden einen beispiellosen sozialen Sprengstoff. Die Analyse der sich auftürmenden Krisen zeigt, wie Demokratien dabei unter die Räder kommen, wenn sie nicht radikal erneuert werden und den Weg aus der Leitkultur der Verschwendung finden.

Claus Leggewie lehrt Politikwissenschaften an der Universität Gießen. Buchveröffentlichungen.

Harald Welzer, geboren 1958, ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke.

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Updated: 8. Dezember 2010 — 19:22

4 Comments

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  1. Interessantes Thema.
    Wird in dem Buch auch die Rolle der Institutionen beim Wertewandel mit berücksichtigt?

  2. Keine Ahnung, habe es ja nicht gelesen, sondern nur die Veranstaltung besucht. Man hat mir aber das Teil zur Rezension in die Hand gedrückt, mal sehen, wann ob ich das zu lesen schaffe, bei der Menge Bücher, die ich bislang angefangen habe und die meine Aufmerksamkeit verlangen…

  3. Ich bin gespannt wie der Autor die Leitkultur genauer definiert.

  4. Ich würde sagen: „Wir alle sind die Leitkultur“!

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