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HANNAS BROT – Fantasy-Story von Simone Wilhelmy (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2010)

Hannas Brot

Eine Fantasy Kurzgeschichte

von

Simone Wilhelmy

Die Düfte der Nacht tragen ihm die Gefühle und Sehnsüchte der Menschen im Dorf zu. Sie liegen in der Luft, kriechen in seine Nase und kitzeln auf seiner Zunge. Die feinen Nuancen zwischen der Süße des Flieders und dem erdigen Aroma des erhitzen Bodens flüstern ihm ihre geheimen Ängste und Gelüste zu. Er kann sich nicht erklären, wie es sein kann, dass er so viel mehr riecht und schmeckt. Den Dorfbewohnern ist er unheimlich. Sie glauben, er könne ihre Gedanken lesen und meiden ihn. Deshalb ist er meist allein.

In der Nacht schleicht er durch die Gassen des Dorfes, auf der Suche nach etwas Essbarem. Am liebsten ist er bei der kleinen Bäckerei, weil die Reste des Tages immer in einem Körbchen auf der Fensterbank liegen.
Schon als er über den Zaun klettert, schmeckt er Trauer und Verzweiflung, die über dem Haus hängen. Vor dem Fenster bewegen sich die dichten Vorhänge im Nachtwind und Licht dringt hindurch. Das ist ungewöhnlich. Das Bäckerpaar liegt um diese Uhrzeit gemeinhin im Bett. Er lauscht gern den sanften Atemzügen der freundlichen Frau, bevor er sich etwas aus dem Körbchen stibitzt. Aber heute hört man leises Gemurmel und ein tiefes Schluchzen. Die Neugierde treibt ihn näher heran. Er möchte nur einen kurzen Blick hinter die Vorhänge werfen, denn.er macht sich Sorgen um die Bäckerin. Sie ist so zart gebaut. In letzter Zeit erschien sie ihm besonders zerbrechlich und ihr Duft hat sich verändert. Durch das Fenster lässt sich nichts erkennen. Um die Frau des Bäckers zu entdecken, versucht er sich am Fenster hochzuziehen. Als er die Tür hört, schreckt er zurück und fühlt sich ertappt. Der Bäcker steht vor ihm und betrachtet ihn mit geröteten Augen, doch in Gedanken ist er bei seiner Frau und dem Glück, dass er für eine kurze Weile hatte spüren dürfen.

*

Lorenz schenkte seiner Frau ein Lächeln. Sie war so wunderschön mit dem runden Bauch. Bald schon würden sie zu dritt sein.
Sie war etwas schwach und konnte kaum noch in der Bäckerei mithelfen, aber dieses glückliche Strahlen in ihrem Gesicht, erzeugte eine wohlige Wärme in ihm. Langsam ging Lorenz auf seine Frau zu und schmiegte sich an ihren Rücken. Seine Hand lag auf dem kleinen Babybauch, den er fürsorglich streichelte. „Wenn es ein Mädchen wird, nennen wir sie Hanna, nach dir.“
Hanna lächelte. „Und nach Mutter, das würde sie freuen.“ Matt lehnte sie sich gegen ihren Mann und schloss die Augen. Sie versuchte das Ziehen zu ignorieren, denn sie mochte Lorenz nicht beunruhigen. Tapfer lächelte sie. Doch ihrem Mann entging die plötzliche Blässe nicht.
„Macht dir die Hitze zu schaffen? Du hast es heute in der Backstube übertrieben.“
Er drehte sie an den Schultern zu sich herum. „Du musst mehr auf dich, auf euch, aufpassen.“ Zärtlich küsste er erst den Bauch und dann seine Frau.
„Leg dich ein wenig hin und ich bringe dir etwas Wasser.“ Mit ernstem Gesichtsausdruck sah er ihr nach, wie sie sich langsam aufs Bett legte. Dann ging er aus dem Haus, um frisches Wasser zu holen. Die Pumpe war nicht weit weg. Noch bevor der Topf mit Wasser gefüllt war, hörte Lorenz den Schrei seiner Frau. Er ließ den Kessel fallen. Scheppernd fiel dieser zu Boden, wo das Wasser in der staubtrockenen Erde versickerte.

„Hanna!“
Lorenz rannte so schnell er konnte. Gehetzt und mit hochrotem Kopf stürmte er durch die Tür und sah wie seine Frau sich wimmernd in die Kissen krallte. Und da war Blut. So viel Blut. Es färbte die Bettwäsche Furcht einflößend rot. Die
Angst ließ ihn für einen Augenblick erstarrt im Türrahmen stehen, dann handelte er so schnell er konnte. Er musste die Amme holen, denn er selbst konnte nicht viel mehr als zusehen, wie seine Frau starb. Als er mit der Hebamme zurück kam, lag seine Frau still, sie war bleich und matt. Während die weise Frau tat was nötig war, konnte er nur Hannas Hand halten und ihren Namen flüstern.
„Hanna, Liebes, bleib bei mir… ich bitte dich.“
Die Amme entfernte die blutige Decke und Lorenz Blick fiel auf ein regloses Bündel. Der Schock verhinderte, dass er erkannte, was es war. Doch das Blut gefror in seinen Adern zu Eis. Die Amme zuckte zusammen, dann packte sie Lorenz am Kinn. Sie zwang ihn, ihr ins Gesicht zu sehen. „Geh hol Hilfe, sofort.“ Als der Mann sich nicht bewegte und er weiter auf die Totgeburt starrte, schrie sie ihn an. „Nun verschwinde schon, ich schaff das nicht allein!“

*

Lorenz betrachtet den verwahrlosten Burschen in seinem Garten.
„Wir haben heute nichts für dich, Junge.“ Er schüttelt traurig den Kopf. „Geh nach Hause.“
Zaghaft macht der Junge einen Schritt auf ihn zu. Durch die geöffnete Tür fällt etwas Licht auf sein kummervolles Gesicht. „Ist sie, ich meine… eure Frau, ist ihr … etwas passiert?“
Lorenz nickt. „Du bist dieser Junge, für den Hanna immer das Körbchen raus gestellt hat, nicht wahr? Wie ist dein Name, Bursche?“ Lorenz Stimme ist brüchig und schwach, der Gedanke an seine Liebste ist fast mehr, als er ertragen kann.
Der Junge senkt den Blick und murmelt leise: „Ferreck.“

*

Ferreck erinnerte sich nicht gern an seine Eltern. Der Hof, auf dem sie lebten, war klein. Überall liefen Tiere herum und hinterließen ihren Dreck. Hunde bellten aggressiv. Aber am besten erinnerte er sich an den Gestank nach Unrat und Verbitterung, besonders im Sommer. Und Alkohol. Der Alkohol war überall, in der Luft, auf seiner Kleidung und vor allem in den Gedanken seines Vaters. Völlig benebelt verbrachte dieser die meiste Zeit des Tages in irgendeiner Ecke, um seinen Rausch auszuschlafen. Doch wenn er morgens aus der Schenke kam, hatte er so viel getrunken, dass er Wochen hätte schlafen müssen, um nüchtern zu werden. Wenn er nicht trank oder schlief, dann polterte er brüllend über den Hof und schlug alles, was nicht schnell genug von ihm weg kam. Die Hunde, seine Frau, die Vogelscheuche, es war ihm egal. Selbst vor seinem dreijährigen Sohn machte er nicht Halt. In dunklen Nächten sieht Ferreck noch immer die riesigen Pranken seines Vaters auf ihn niederprasseln. Seine früheste Erinnerung galt jedoch seiner Mutter. Sie stand in der Küche am Herd und die gesamte Stube roch nach frischem Brot und glücklichem Lachen. Aber das war sehr lange her. Als sein Vater anfing ihn zu schlagen, war das Glück schon verschwunden. Sie hat ihn nie verteidigt. Stattdessen benebelte sie ihre Sinne mit dem süßlichen Geruch, der aus ihrer Pfeife kam.

Als Ferrecks Kindheit noch nicht nach Angst und Galle roch, hatte er einen anderen Namen. Aber daran erinnert er sich nicht mehr, sondern nur an die schweren Stiefel und die lallende Stimme seines Vaters, die hinter ihm her brüllte, als er davon rannte. „Verreck doch, verreck!“

*

„Was ist denn das für ein Name?“ fragt Lorenz, doch Ferreck zuckt nur mit den Schultern. Das Schweigen zwischen ihnen wird von einem leisen Wimmern aus dem Haus begleitet. Eine Weile stehen beide da, als würden sie auf etwas warten. Jemand ruft nach Lorenz.
„Hast du Hunger, Junge?“ Lorenz bringt es nicht übers Herz, Ferreck weg zu schicken. Seine Frau hat sich immer Sorgen um ihn gemacht. Mit einem Seufzen winkt er den Jungen heran.„Na komm rein.“

Zögerlich folgt Ferreck dem Bäcker.
„Setz dich, Bursche.“
Etwas eingeschüchtert sucht sich Ferreck einen Platz. Seine Hände liegen auf den Knien und sein Blick flattert unruhig umher. Die Stube ist stickig und riecht so stark nach dem Salz vergossener Tränen, dass er Hanna kaum bemerkt, die hinter Vorhängen von der Amme umsorgt wird.
Lorenz stellt ihm Wasser, etwas Brot und Wurst auf den Tisch. Auf Ferreck wirkt der große, stämmige Bäcker gebeugt vor Kummer, obwohl dieser aufrecht fast die Zimmerdecke berührt.
Er folgt dem abwesenden Blick des Mannes auf die geschlossenen Vorhänge.
„Wenn ich sie auch noch verliere….“

Die ungesagten Worte schweben zwischen den beiden und verdichten sich zu einem Kloß, der Ferreck im Halse stecken bleibt. Er möchte sie sehen. Sie anfassen und sich vergewissern, dass sie noch am Leben ist. Erschrocken stellt er fest, wie wichtig ihm der Gedanke ist, dass sie lebt. Wie kann ein flüchtiger Blick, ein sachtes Lächeln und der Duft von Keksen sein Misstrauen überwinden und ihn an eine Frau binden, die er gar nicht kennt. Aber sie riecht einfach so gut nach Frohsinn und etwas, was er früher einmal kannte.

Langsam schiebt er die Vorhänge beiseite. Hanna liegt bewegungslos und furchtbar klein in dem Bett. Sie ist so blass wie das Leintuch, das sie einhüllt.
Ferreck sinkt auf die Knie und greift nach ihrer Hand. Sie ist ganz
kalt. Mit ihrem Geruch stimmt etwas nicht. Eine Nuance fehlt. Die schwere Hand des Bäckers zieht ihn zurück. Er kann gerade noch sehen, wie die Amme Hannas Stirn abtupft, bevor der dichte Vorhang ihm die Sicht verdeckt.
„Lass uns schlafen, Junge. Wir müssen morgen früh raus. Weißt du, wie man einen Teig knetet?“

*

Lorenz muss etwas tun, irgendetwas um sich abzulenken. Das Warten zermürbt ihn. Er ist kein Mann, der sich hinsetzt und die Hände in den Schoß legt. Deshalb ist er auch Bäcker. Wie der Teig in seinen Händen nachgibt, sich an ihn schmiegt und durch harte Arbeit geschmeidig wird, das liebt er.
„Du musst etwas Mehl auf den Tisch tun.“ Lorenz nickt. „Dann klebt er nicht so.“
Etwas unheimlich ist ihm der Kleine schon. Allein schon der Name, Ferreck, ist mehr als nur seltsam. Und dann erwischt Lorenz den Burschen immer wieder, wie dieser gebannt auf die meist verschlossenen Vorhänge starrt, hinter denen seine geliebte Hanna um ihr Leben kämpft. Aber wenn er allein in der Backstube wäre, würde er den Schmerz nicht ertragen können. Und er stellt sich geschickt an, dieser Junge, gescheit und flink mit den Händen. Lorenz gefällt, wie Ferreck an den Zutaten riecht um ihr Aroma aufzunehmen. Das hat er früher selbst getan und tut es sogar noch heute hin und wieder.
Wenn er beobachtet, wie Ferreck voller Begeisterung und Hingabe seine Erklärungen folgt, ertappt er sich sogar bei einem kleinen Lächeln.

„Was tust du denn da?“ Lorenz sieht entsetzt, wie der Junge in eine kleine Mulde im Brotteig zartrosa Blüten streut. Ferreck hat bisher kaum Fehler gemacht, doch der Bäckermeister kann nicht zulassen, dass dieser mutwillig Rohstoffe verschwendet. Als Lorenz nach Ferrecks Hand greifen will, zuckt der Junge heftig zusammen, weicht mit weit aufgerissenen Augen zurück und verbirgt sein Gesicht hinter seinen Armen.
„Nein… nein.“ Fassungslos macht Lorenz zwei Schritte rückwärts. „Es tut mir leid. Ich werd dir nichts tun.“
Er wartet einen Augenblick, bis Ferreck sich beruhigt hat, dann geht er langsam auf den Jungen zu und nimmt ihn ganz vorsichtig in die Arme. Der Junge hockt zitternd vor ihm und Lorenz fragt sich, was ihm wohl passiert sein mag. Mit beruhigender Stimme redet er auf den kleinen Burschen ein.
„Ich möchte, dass du eines weißt. Ich werde dich niemals schlagen. Was immer passiert, auch wenn ich böse auf dich werde. Ich werde dir nie etwas tun. Das verspreche ich dir.“
Lorenz denkt daran, wie Ferreck heimlich Hanna beobachtet, doch dann schüttelt er den Kopf und schiebt den Gedanken ganz weit weg. Er wird es nicht zulassen, dass seiner Liebsten etwas geschieht. Mit geschlossenen Augen zwingt er sich zu einem Lächeln. „Hast du das verstanden?“

Ferreck nickt langsam. Er möchte dem Mann so gern glauben, aber er hat gesehen, wie Lorenz ihn mit diesem Blick betrachtet. Wenn der Bäcker glaubt, dass Ferreck es nicht mitbekommt, dann sieht er ihn an, wie all die Anderen. Es ist eine Mischung aus Furcht und Abscheu. Gewalt wird aus Angst geboren, dass weiß Ferreck nur all zu gut.

„Sind das Blüten?“ Lorenz wendet sich wieder dem Teig zu.
Sicher meint es der Junge nur gut, aber ihm muss klar werden, dass die Arbeit hier kein Spiel ist.
„Wo hast du die her? Du kannst nicht einfach irgendetwas von den Wiesen pflücken. Einiges davon kann giftig sein.“
Ferreck nimmt ein wenig von den Blüten und zerreibt sie mit den Fingerpitzen. „Das ist Thymian.“
Das Rosa ist so zart, dass es fast weiß aussieht. Langsam verbreitet sich das kräftige Aroma. „Ich möchte für Hanna ein ganz besonderes Brot backen.“ Unbeholfen fährt er sich durch das zu lange dunkle Haar.
„Thymian? Gegen bösen Husten?“ Verwirrt schüttelt Lorenz den Kopf.

Der Bäcker scheint die nette Geste Ferrecks nicht sonderlich zu begrüßen. Vielleicht ist es dann besser, nicht zu erwähnen, dass er das würzige Kraut aus dem kleinen Garten gleich neben der Kirche hat.
„Nicht gegen Husten, gegen die Hitze in ihr. Sie …“ Ferreck verstummt.
Er ist sicher, dass Lorenz nicht verstehen würde, dass er riechen kann, wie das Feuer Hanna von innen auffrisst. Und er kann noch mehr riechen. Da ist diese Dunkelheit. Sie schmeckt nach Brackwasser und Fäulnis. Das ist der wahre Grund, warum Hanna nicht gesund wird. Die Traurigkeit nimmt ihr die Kraft, die sie brauchen würde. Die Traurigkeit, die der Grund ist, warum sie nicht genesen möchte. Doch Ferreck hat diese wunderschön sonnigen Blüten. Damit ließe sich das Gift in Hannas Gedanken und ihrem Körper vertreiben. Das kann er schmecken.
Aber von den gelben Blüten kennt er nicht einmal den Namen. Thymian stand auf dem kleinen Schild im Kirchengarten, aber die fragilen Sonnen hat er am Waldrand gesammelt, in der Nähe des Steinbruchs. Er hat keine Ahnung, wie er das Lorenz erklären kann.

Lorenz schüttelt immer noch den Kopf. Wenigstens ist Thymian nicht giftig und die hübschen Blüten sollen Hanna bestimmt aufmuntern.
„Also gut, was möchtest du sonst noch in das Brot hinein tun? Hast du noch andere Blüten?“ Ferreck nickt vorsichtig und holt hinter einem Korb die Schüssel mit den kleinen Sonnen hervor.
„Johanneskraut.“ Erleichterung erscheint auf Lorenz Gesicht. „Das sind wirklich hübsche Blüten. Es soll vor bösen Geistern schützen.“
Und es ist nicht giftig, denkt sich Lorenz, außerdem kann jeder von ihnen ein bisschen Schutz gebrauchen.
„Ich bin ungeheuer gespannt, wie das Brot schmeckt.“ Er klopft Ferreck sachte auf die Schulter.
„Ich verstehe, dass du Hanna etwas Gutes tun möchtest, aber das nächste Mal, musst du erst mit mir reden.“
Ferreck nickt. „Ich hab da noch mehr.“ Mit einem verschmitzten Lächeln holt er aus einer anderen Ecke der Backstube ein Korb mit dunkelgrünen, stark duftenden Blättern hervor. „Die riechen so lecker und mit dem Honig zusammen schmecken sie bestimmt gut. Ich bin sicher.“
„Honig und Minze?“ Lorenz kann sich nicht vorstellen, wie aus diesen Zutaten ein Brot werden soll.

Doch Ferreck scheint genau zu wissen, was er da tut. Aus einem erstaunlichen Instinkt heraus zerstößt er die Minzblätter im Mörser zu einer feinen Paste und gibt den Honig dazu. Er hackt auch das Johanniskraut in feine Streifen und knetet es zusammen mit dem Thymian in den Brotteig. Lorenz ist fasziniert, wie leicht dem Jungen alles von der Hand geht. Die Luft in der Backstube füllt sich mit einem intensiven, angenehmen Duft. Eigentlich müsste die klebrige Minzhonigmasse den Brotteig matschig und unbrauchbar machen, aber irgendwie schafft es Ferreck einen tadellosen Laib daraus zu formen.
„Gibst du mir etwas davon ab?“
Um so mehr sich das anregende Aroma von Hannas Brot in der Stube verteilt, um so mehr läuft Lorenz das Wasser im Mund zusammen. Obwohl er anfangs nur sicher gehen wollte, dass das Brot genießbar ist, freut sich Lorenz nun wirklich auf eine Kostprobe.
„Aber nur, wenn du nicht alles auf isst.“ Ferreck grinst.

Die Sonne ist schon aufgegangen, als Lorenz mit seiner Arbeit fertig ist und auch Hannas Brot aus dem Ofen genommen werden kann. Ferreck hat Sonneblumenkerne in einer gusseisernen Pfanne mit Zucker geröstet. Sie sind köstlich und Lorenz fragt sich, wie der Junge nur auf solche Ideen kommt. Er selbst hat die Kerne schon oft in den Teig seiner Brote getan, aber noch nie geröstet, schon gar nicht mit Zucker.
Als Ferreck versucht die Körner auf das noch heiße Brot zu streuen, schüttelt Lorenz den Kopf. „So fallen sie herunter, siehst du. Du musst das Brot erst mit Wasser bestreichen. Mhhhh,.. „Lorenz schnuppert an dem Brot. „Ich bin stolz auf dich, das hast du wirklich gut gemacht.“

*

Hanna ist so fürchterlich fahl, dass es Lorenz das Herz zusammen zieht. Als er die Vorhänge beiseite schiebt, schaut die Amme müde auf. Sie sitzt jeden Tag neben Hanna. Wenn sie nicht Hannas Hand hält, ihr leise Geschichten erzählt, sie wäscht und ihr über das Haar streichelt mit ganz traurigen Augen, dann sitzt sie häkelnd an Hannas Bett.
„Für den Jungen, er braucht doch im Winter etwas anzuziehen.“, erklärt sie Lorenz, der fragend die Augenbrauen hebt. Erst jetzt wird ihm klar, dass er den Jungen nie wieder auf die Straße zurück schicken wird. Er legt der Amme die Hand auf die Schulter. „Da hast du wohl recht.“ Lächelnd ruft er nach Ferreck „Bringst du uns dein Meisterwerk?“

Stolz trägt Ferreck einen großen Teller herein, auf dem Hannas Brot in mundgerechten Stücke liegt. Lorenz nickt ihm aufmunternd zu, da er sich nicht traut, sich zu Hanna zu setzen. Sie blinzelt teilnahmslos, obwohl der Junge ihre Hand berührt, die wie ein taubes Stück Holz auf dem Bett liegt. Aber als er ihr ein Stück Brot an die Lippen drückt, öffnet sie den Mund und beginnt zu kauen. Brav isst sie ein Stück nach dem anderen. Ferreck kann riechen, wie das Minzbrot den dunklen Gestank in ihrem Körper verändert. Die letzten beiden Stücke bekommen Lorenz und die Amme.

Fast überhört Ferreck das leise Flüstern, eher ein Summen.
„Mmhhhhh…..“ Er dreht sich um und sieht in die hellgrünen Augen Hannas, in denen ein Lächeln schimmert, zu dem der Mund noch zu schwach ist. „Mhhhhhhh.“, macht sie ganz leise.

-Ende-

Copyright © 2010 by Simone Wilhelmy


Kaufempfehlung der Redaktion:

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Das Steinerne Auge
Historischer Episodenroman

Herausgegeben von Wickenhäuser, Ruben
Verlag :      Bookspot Verlag
ISBN :      978-3-937357-35-5
Einband :      gebunden
Preisinfo :      ca. 19,80 Eur[D] / ca. 20,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 366 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 21.06.2009
Aus der Reihe :      EDITION AGLAIA 2

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Kurzbeschreibung:  Ein Gott verlangt Unterwerfung im Ägypten des Echnaton, in Rom planen Christen unter Neros Augen einen Anschlag, ein jüdischer Arzt muss heimlich bei einer christlichen Geburt helfen, die Inquisition bedient sich des gemeinen Denunzianten, ein Cembalo fällt der Bönhasenjagd der Hamburger Tischlerinnung zum Opfer, eine BND-Außenstelle findet sich verraten und einem Mann wird die Identität gestohlen – durch Zeiten und Kulturen wandert der Augenstein von einem Ereignis der Bespitzelung und Intrige zum nächsten, erzählt von bekannten Autorinnen und Autoren des historischen Romans, darunter Tessa Korber, Malachy Hyde, Martina André, Sabine Ebert und vielen anderen. Ein historisch-literarisches Feuerwerk und eine erschütternde Reise durch des Menschen Lust an Intrige und Verrat.

Die Autorinnen und Autoren: Martina André, Angeline Bauer, Jörgen Bracker, Malachy Hyde, Sabine Ebert, Peter Erfurt, Klas Ewert Everwyn, Harald Gröhler, Olaf Kappelt, Beate Klepper, Tessa Korber, Lea Korte, Walter Laufenberg, Oliver Pifferi, Heidi Rehn, Alessa Schmelzer, Sabine Wassermann, Barbara Zoeke

Der Herausgeber: Dr. Ruben Philipp Wickenhäuser, geboren 1973, absolvierte ein interdisziplinäres Studium der Biologie, Geschichte und physischen Anthropologie und lebt heute als freiberuflicher Schriftsteller in Berlin. Er ist Mitbegründer des Autorenkreises Historischer Roman QUO VADIS, ebenso des Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie und Kapitän einer Jugger-Sportmannschaft. Neben zahlreichen historischen Romanen für Jugendliche gab er unter anderem drei historische Gemeinschaftsromane im Aufbau-Verlag heraus und machte sich durch pädagogische Sachbücher einen Namen.

Pressestimmen: „Bekannte Autoren historischer Romane haben sich zu einem ungewöhnlichen Projekt zusammengefunden. Ein geheimnisvoller Stein wandert durch die Jahrhunderte und wird Zeuge von Überwachung, Verfolgung, Verschwörungen, Terror und Mord. Die überaus spannenden Episoden verfaßten Martina André, Angeline Bauer, Jörgen Bracker, Malachy Hyde, Sabine Ebert, Peter Erfurt, Klas Ewert Everwyn, Harald Gröhler, Olaf Kappelt, Beate Klepper, Lea Korte, Walter Laufenberg , Oliver Pifferi, Heidi Rehn, Alessa Schmelzer, Sabine Wassermann, Ruben Wickenhäuser, Barbara Zoeke.“ Redaktion –liesmalwieder.de, August 13, 2009

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ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Updated: 5. Dezember 2014 — 07:12

13 Comments

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  1. „Völlig benebelt verbrachtet dieser die meiste Zeit des Tages in irgendeiner Ecke, um seinen Rausch auszuschlafen.“

    soll wohl heissen:

    „Völlig benebelt VERBRACHTE dieser die meiste Zeit des Tages in irgendeiner Ecke, um seinen Rausch auszuschlafen.“

    Mehr Fehler habe ich erstmal nicht gefunden, vielleicht können die anderen Community-Autoren noch mal drüber schauen.

    Jetzt zu meiner Kritik: ich finde (darüber haben wir ja am Telefn schon gesprochen) du solltest die kleinen Absätze jeweils mit einer weiteren Leerzeile auflockern, hier im Internet zu lesen ist manchmal ziemlich anstrenged, zumal man ab und zu die Zeile verliert wenn man mal wegschaut. In einem Buch kann man sich immer die ungefähre Stelle merken, auf dem Bildschirm nützt das nichts, da der sich ja selbst mitbewegt.

    Von diesen Äusserlichkeiten mal abgesehen muss ich sagen, dass von allen Storys hier bei sfbasar.de die jemals reingestellt wurden, deine Story in meiner persönlichen Wertung zu den 5 besten gehört.

    Aus diesem Grund würde ich dir dringend raten nicht zu lange mit dem Überarbeiten zu warten, damit du den Termin fürs nominieren des Schreibwettbewerbs nicht verpasst.

    Ich denke, dass in dir eine wirkich gute Autorin schlummert, die raus will. Du solltest auf jeden Fall weiterschreiben. Hoffentlich findest du auch gute Themen. Das ist aber zweitrangig. Wer so gut wie du schreiben kann, bei dem sind die Themen und Genres nicht so wichtig.

    Klasse Arbeit! Respekt!

  2. wow danke, für das dicke Kompliment. Ich bin ganz überrascht.

    Den Fehler habe ich schon bemerkt und berichtet, aber da noch ein paar andere Kleinigkeiten geändert werden müssen, werde ich hier nicht alles einzeln ändern. Ich beeil mich auch.
    Ich werde mich auch noch mal die Absätze ansehen. Danke für den Hinweis.
    Freue mich über jeden Kommentar.

  3. Hallo,

    ich habe mir grade die Geschichte durchgelesen. Insgesamt gesehen würde ich persönlich sie entweder komplett in Ist-Form oder komplett in der Vergangenheitsform schreiben – aber das ist wie gesagt, meine persönliche Meinung und muss nicht sein. In Kursen wird ja glaube ich geraten, dass man auch mal mit den Zeiten spielen soll.

    Abgesehen davon sind mir ein paar Sachen aufgefallen, die vielleicht korrigiert werden könnten.

    … hinter die Vorhänge werfen, denn.er …. – den Punkt durch ein Leerzeichen ersetzen.
    …. zu entdecken, versucht er (Komma einfügen) sich am Fenster ….
    …. durch die Tür und sah (Komma einfügen) wie seine ….
    …. mit der Hebamme zurück(Leerzeichen löschen)kam, ….
    …. Weise Frau tat (Komma einfügen) was nötig war ….
    In dunklen Nächten sieht Ferreck noch immer die riesigen Pranken seines Vaters auf ihn niederprasseln.
    Vorschlag: ‚In dunklen Nächten sieht Ferreck noch ….. auf sich niederprasseln.‘ Besser wäre es, hier aber auch die Vergangenheitsform ‚sah‘ zu nehmen.
    …. übers Herz, Ferreck weg(Leerzeichen löschen) zu (Leerzeichen löschen) schicken.
    …. an den Zutaten riecht (Komma einfügen) um ihr Aroma aufzunehmen.
    …. dass dieser (besser er) mutwillig Rohstoffe verschwendet.
    Finger(s einfügen)pitzen
    Aber von (würde ich nur Von schreiben, da gleich im nächsten Satz wieder ein aber kommt) den gelben Blüten kennt er nicht einmal den Namen.
    …. er das Lorenz (besser Lorenz das) erklären kann.
    Johanniskraut statt Johanneskraut
    …. Nicht alles auf (Leerzeichen löschen) isst.
    Sonne(n einfügen)blumenkerne
    Als Ferreck versucht (Komma einfügen) die Körner ….
    Mhhhh, ….“ Lorenz schnuppert an dem Brot.
    …. das Herz zusammen (Leerzeichen löschen) zieht.
    …. etwas anzuziehen“, erklärt sie Lorenz, ….
    …. Zurück (Leerzeichen entfernen) schicken wird.
    …. er nach Ferreck (Punkt einfügen) „Bringst ….
    …. In mundgerechten Stücke (n einfügen) ….
    …. ein taubes (besser totes) Stück Holz ….
    „Mhhhhhhh, ….“ Er dreht sich um ….
    „Mhhhhhhh“, macht sie ganz leise.

    Ansonsten hat mir die Geschichte ebenfalls gefallen.

  4. Ich glaube bei den Damen Autorinnen hier im sfbasar sind einige verkappte Lektorinnen-Talente! 😉

  5. ne – nur welche, die deine Kommentare lesen 😀

  6. Nur „meine Kommentare“?

  7. Ehrlich in Schreibkursen wird zu solchen Wechseln geraten? Ich hab sowas noch nie mitgemacht, finde aber persönlich solche Wechsel immer sehr spannend. In dieser Geschichte sollen die Absätze, die in der Vergangenheitsform stehen als eine Rückblende fungieren.
    Aber anhand deiner Liste sieht man mal, was ich trotz mehrmaligem Durcharbeiten immernoch übersehen habe. Danke schön für die Mühe.

  8. Die Bilder die Sie in der Geschichte transportieren sind sehr leicht zu fassen und bei mir war es fast schon so, als würde ich in einem Film sitzen. Ich hatte echt Lust das Brot zu probieren!

  9. DANKE schön 😀 aber bitte nicht siezen, das versuch ich noch ein paar Jahre zu vermeiden 😉

  10. Ok 😀 Merk ich mir. ABer trotzdem ist DEINE Geschichte toll^^

  11. Dickes Lob und Gratulation nochmal von meiner Seite für den 1. Platz im Storywettbewerb! 😀

  12. Gelesen…
    Habe ich gerne gemacht. Ich finde die Geschichte sehr gut. Obwohl mir die Perspektivwechsel anfangs nicht so gut getan haben. Mir wäre es lieber gewesen wenn du zuerst mehr auf dem Jungen geblieben wärst.
    Ich mag deinen Schreibstil. Er liest sich schön und es entstehen Bilder im Kopf. Manchmal übertreibst Du es aber ein wenig (Zwinker).

    Allerdings sind da schon ein paar mehr Fehler drin. Zeiten werden durcheinander geworfen und auch allgemein bin ich über den ein oder anderen Fehler drübergefallen. Das kannst Du doch bestimmt auch noch abstellen…

    Mir hats aber alles in allem ganz gut gefallen und die Story hat mit Recht gewonnen.

    Lieber Gruß
    Nicole

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