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GESCHICHTE AUS EINER ZEIT … – Eine Kurzgeschichte von Daniel Sand

GESCHICHTE AUS EINER ZEIT …

Eine Kurzgeschichte

von

Daniel Sand

Es wusste nicht, wo es sich befand, aber es verspürte intensive Angst. Nie zuvor hatte es solche Farben gesehen und noch nie zuvor konnte es sich nicht frei bewegen. Was war hier geschehen? Hatte man ihn aus dem Kreis der Freien verbannt? Es konnte nicht aufstehen… doch es ging, aber nur unter größter Anstrengung. Es raffte sich auf und sah sich um.

Überall herrschte eine gleißende Helligkeit und grüne Haare wiegten sich um ihn herum. Von irgendwoher kam ein Geräusch, ein leises Pfeifen und das Unsichtbare Etwas blies im kühle Luft ins Gesicht.

Die Älteren unter den Freien nannten es: „den Fluch einer Ebene“, aber die durfte es draußen im Raum nicht geben. Sie konnte nur in den engen Grenzen eines Felsenballes existieren. Diese Bälle hatten die unterschiedlichsten Größen und Farben und drehten sich in einem endlos langsamen Kreis um die Gründer der Freien.

Die Gründer schienen diese Bälle zu versorgen und man vermutete, dass es der Wille der Gründer war, die sich nie zu erkennen gaben, dass die Freien sich von den Bällen fern halten sollten. Die Gründer! Sie standen in der schwarzen Leere und strahlten mit ihrem Geist in die Dunkelheit und verkündeten ihre Macht in der Welt der Freien. Es gab seltsamer weise mehr Gründer als Freie, doch das machte nicht. Vielleicht war es gut so, denn sie konnten gut für sie sorgen.

Aber es gehörte schon immer zu den Individuen, die herauszufinden versuchten, was jenseits ihrer Welt aus Schwärze lag. Genau das brachte ihm diese Situation ein. Verloren in der unbekannten Welt der Fremde. Noch nie war eines der Freien hier gewesen, wo immer dies auch war.

Es versuchte sich daran zu erinnern, was ihn hierher geführt hat und warum es an diese seltsame Oberfläche gebunden war. Die Farben aus Grün und Braun und die verschiedenen Anhebungen und das Zelt aus blauem Nichts über seinem Kopf machten es ganz konfus.

Aber es konnte sich nur wage an das erinnern, was geschah, als er in dieses Alptraumland gefallen war. Es trieb wie immer durch die Weiten seiner Region , als einer der bunten Bälle auf es zukam. Anders als die Male zuvor wagte er sich näher an diesen Ball heran, der ihn irgendwann anzog und nicht mehr los ließ. Mit unglaublicher Grausamkeit und Kraft zog griff der Ball nach ihm und die Ältesten der Freien nannten das den Griff des Todes. Dann verlor es die Fähigkeit zu sehen und verlor die Kontrolle über seinen Geist und stürzte in ein Loch, welches offensichtlich der Ball aufgetan hatte, um ihn zu fressen. Es verlor seine Besinnung und fand sich in dem Bett aus grünen Haaren wieder.

Der Ball hatte es gefressen; die Alten hatten Recht. Diese Kugel aus geheimnisvollen Farben verschluckten die Freien und gaben sie nicht mehr her. Dabei hatte es nie auf die Ratschläge der Führer seiner Bewegung gehört und gemeint, dass die Kugeln die Kinder der Gründer waren und ihnen nichts anzutun vermochten. Das alles ein Kreislauf sei; die Gründer, deren Kinder, der schwarze Himmel und die Freien. Welchen Irrtum hatte es begangen. Nur weil es einmal zu wissensdurstig war und sich von der Farbenvielfalt hatte anlocken lassen.

Der Zweitälteste sagte einmal, die Bälle würden diese List dazu verwenden, den Drang nach Buntheit der Freien zu stillen und sie in eine bösartige Falle locken. Er hatte scheinbar Recht.

Wieder versuchte es, sich in den seltsam blauen Himmel zu erheben und diese Situation zu verlassen, aber es ging nicht. Plötzlich schien alles so weit weg zu sein und fern. Sogar der Himmel, der seiner Entität sonst Schutz gewährte, war so weit weg. Es konnte nicht in ihn eindringen und sich in seiner Energie suhlen, wie es das immer mit dem schwarzen Bruder tat. Sein Körper wurde unter der Last des Balles schwer und träge und es schnürte seine Organe zusammen. Es fürchtet, es würde sterben und es hatte wohl auch Recht damit. Gefangen in der grausamen Umarmung des Balles stand es da und trauerte um sein Zuhause. Es wusste, dass es seine Heimat nie wieder sah und auch nicht das beruhigende Schwarz seiner Welt. Die Stiche im Mantel aus Nichts, die gelben Löcher in dem Zelt aus Schwarz, die zum Teil die Gründer waren, aber auch eben diese Bälle.

Vor langer Zeit dachten die Freien, dass es sich bei den gelben Punkten um Löcher handelte, durch die man aus der Freien Welt heraus fiel und in eine andere Dimension gelangte, die nur aus Schrecken und Tod bestand. Nun, zumindest zum Teil hatten sie Recht behalten auch im Bezug auf die Gründer. Sie ließen nicht zu, dass sich ihnen ein Freier näherte. Sie verbrannten ihn auf der Stelle zu Staub und das war auch ihr gutes Recht. Denn schließlich lenkten sie die Welt und erschufen alles Leben in ihren Regionen.

Es trauerte. Es war nun ausgestoßen, selbst wenn es sich aus dem Griff der Hässlichkeit und Pein befreien konnte. Es galt nun als Ausgestoßener, denn es hatte das Territorium der Gründer betreten, welche die Bälle zu ihrem persönlichen Vergnügen erschaffen hatten.

Nein, es gab keinen Ausweg und der Ball wollte ihm noch mehr weh tun. Denn ab und zu verschwand das kalte Blau des Firmamentes und es erschien seine Welt. Der Ball zeigte ihm die Schönheit und die Erhabenheit seiner Welt und es versuchte seine Hände auszustrecken und die Chance zu ergreifen. Es wollte seine Welt umarmen und sich nach oben ziehen, aber es erreichte sein Ziel nicht. Entweder die schwarze Welt entfernte sich von ihm, oder das gemeine Gehirn des Balles suggerierte ihm nur das Vorhandensein seiner Welt. Sie war zu weit weg. Damit sagte der Ball: Ich habe die Macht, du bist meine Geißel!

Es stand also nur so da und betrachtete das Spiel, welches immer das Gleiche war. Die Welt um es herum wurde dunkel und hell und es fieberte jeder Dunkelperiode nach, denn dann sah es seine Welt in vollem Glanz. Langsam spürte es die Auswirkungen seiner Gefangenschaft. Sein Körper versagte ihm die Dienste und sein Geist schwand. Es marschierte über die Oberfläche des Balles und suchte nach einer Türe, um die Umarmung zu verlassen, aber es gelang nicht. Immer schneller ging sein Zerfall, denn es hatte die schwarze Materie nicht als Nahrung und es mochte sich nicht ausdenken, was geschah, wenn es die giftigen Früchte dieser Welt aß und es verstand auch nicht, welchen Zweck dieser Ball erfüllte. Denn außer den Freien konnte nichts existieren, oder? Was für einen Sinn erfüllten die Haare, die es auf seinem Weg durchwandert? Welchen Sinn erfüllten die braunen Stämme, die aus dem Boden dieser Fall herauswuchsen. Sie trugen kleine grüne Blätter, manche blühte bunt, manche trugen andere rätselhafte Subjekte an ihren Verzweigungen. Je länger es sich hier aufhielt, desto mehr fragte es nach dem Sinn dieser Vielfalt. Was hatte alles zu bedeuten? Warum weinte der Himmel ab und zu? Klagte die Freien um sein Verschwinden oder war die Welt an den Tränen Schuld?

Doch es würde alle dies Fragen nicht mehr klären können, denn es wurde zunehmend schwächer und es war ihm auch langsam egal. Es verurteilte sich dafür, Interesse für eine Welt zu zeigen, die es tötete. Seine Beine, die es noch nie gebraucht hatte, wurden schwerer und schwerer und es wusste, dass es nicht mehr lange dauern konnte.

Dann legte es hin und schaute nur noch dem Schwarz Blauen Wechsel zu. Sein Herz brannte und es schmerzte in seiner Brust bei dem Anblick. Seine Welt war so nah und doch so fern und es schämte sich dafür, nicht auf die Alten gehört zu haben. Es war alles seine Schuld. Es hätte niemals die Sicherheit des Schwarzen Himmels aufgeben dürfen. Hier im Exil zu sein, schien die gerechte Strafe zu sein und so starb es mit all den Fragen, die es sich nie beantworten konnte.

Das Wesen aus einer anderen Welt starb, weil seine Neugier über seinen Verstand siegte und es starb mit den Fragen, die es sich nicht beantworten konnte. Es wusste nicht, dass es sich auf einem fremden Planeten befand und es wusste auch nicht, dass die Gründer, riesige Sonnen seinen Körper verbrannten und die Winde, die ihm ins Gesicht bliesen , seine veraschten Überreste in alle Regionen der jungfräulichen Welt bliesen und die dann des Wesens die ersten Lebewesen auf dieser neuen Welt erschufen. Es hatte keine Ahnung, dass sein Tod eine neue Welt mit neuen Wesen, die ihr eigenes Leben führten erschuf und es somit zum Erschaffer des Lebens auf dem Planeten wurde, den seine Kinder einmal Terra, oder auch Erde nannten.

PS.: Es geschieht nicht oft, dass eines der Freien Wesen seine Furcht ablegt und seine Neugier überwindet, um in der Anziehungskraft eines Planeten zu sterben und mit seiner Asche primitive Lebewesen zu erzeugen und den Grundstein für ein intelligente Zivilisation zu legen. Doch es geschieht… Ab und Zu. Und es ist jedes Mal anders, jedes Mal Neu. Jedes Mal sehen die Kinder dieser Fusion anders aus und handeln anders… Und es ist jedes Mal ein Geschenk, und wir dürfen den Tod des Freien Wesens nicht umsonst werden lassen, indem wir sein Opfer vergessen und das Leben missachten. Denn es hat Leben gekostet, Leben zu erschaffen.

DER AUTOR

-ENDE-
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Copyright © 2015 by Daniel Sand (um auf die Homepage des Autoren zu gelangen, einfach auf das Adlerbild unten klicken!)

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Und sie dreht sich doch! (Gebunden)
50 Antworten auf die Frage, wie alles begann
von Bangert, Kurt

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Verlag:  Theiss, Konrad
Medium:  Buch
Seiten:  368
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  April 2015
Maße:  223 x 210 mm
Gewicht:  776 g
ISBN-10:  3806230293
ISBN-13:  9783806230291

Beschreibung
Seit über 2000 Jahren sind die Menschen auf der Suche nach Antwort – auf die eine, alles bestimmende Frage: Woher kommt das alles? Immer wieder gelangen wir zu der schmerzhaften Erkenntnis, dass die Wahrheit über das, was „die Welt im Innersten zusammenhält“ trotz jahrzehntelangen Studierens im Verborgenen bleibt.

Zahlreiche Schöpfungsmythen dienten den Menschen in Ur- und Vorzeit als Erklärung unserer Welt. In der Zwischenzeit ist viel passiert, die Wissenschaften entwickeln sich rasant, unser Wissen über die Welt ist beeindruckend. Nähern wir uns endlich dem Ziel?

Kurt Bangert gibt allgemeinverständlich und umfassend Einblick in unsere zahlreichen Erklärungsversuche der Welt: von vorwissenschaftlichen Schöpfungsmythen der Vorzeit über den Big Bang bis zur „Theorie von allem“.

Kritik
„Ein unbedingt lesenswertes Buch, das Kompliziertes verständlich erklärt, sich nicht im Dickicht der Details verheddert und ganz zum Schluss sogar die Frage beantwortet, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Sonntagsblatt – Evangelische Wochenzeitung für Bayern

Autor
Kurt Bangert ist Forschungsberater beim World Vision Institut Deutschland, Theologe und Publizist.

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Updated: 5. Dezember 2015 — 02:17

3 Comments

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  1. Eine Geschichte, die wegen der Fremdartigkeit des Geschilderten die volle Konzentration des Lesers erfordert. Und ein in der SF, in der es meist um die „Eroberung“ fremder Welten durch den Menschen geht, (leider) meist vernachlässigtes Thema: Was erleben und empfinden absolut fremdartige Intelligenzen beim Zusammentreffen mit dem Menschen bzw. (hier) mit der Welt, die uns allen so vertraut ist, dass wir kaum auf den Gedanken kommen, alles könne anders sein …

  2. Was wir als so selbstverständlich und beiläufig ansehen, ist für fremde ein Wunder des Lebens.
    Die Story ist uralt, da war ich Mitte zwanzig oder so. Vielleicht könnte ich ihr heute noch mehr Tiefgang verleihen, aber Miguel, du hast zumindest erkannt, was ich aussagen wollte. Danke <3

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