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DIE LISTE DER GEHASSTEN – ein Gedicht von Felis Breitendorf / Buchtip der Redaktion: Hallgrímur Helgason: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen.

DIE LISTE DER GEHASSTEN

Ein Gedicht

von

Der Mann wacht auf und wähnt sich in einem Krankenzimmer.

Der Mann sieht, dass er durch Kabel und Schläuche verbunden an einigen Maschinen angeschlossen ist, die plötzlich hektische Geräusche von sich geben.

Der Mann schaut sich in dem Zimmer um und erkennt, dass es sich um ein 2-Bettzimmer handelt.

Der Mann erkennt, dass das Laken des Nachbarbettes unberührt scheint.

…………………………….

Die Tür öffnet sich und eine Krankenschwester erscheint im Zimmer, welche zuerst die Geräte zum Schweigen bringt um anschliessend seine Kissen aufzuschütteln und die Laken glatt zu streichen.

Die Tür öffnet sich erneut und ein wichtig dreinschauender junger Arzt erscheint um ihn zu begrüssen und ihm mit einer kleinen Taschenlampe in die Augen zu leuchten, was schmerzhaft ist.

Die Tür öffnet sich erneut und ein älterer Arzt im weissen Kittel erscheint um ihm zu eröffnet, dass das Glück auf seiner Seite gestanden habe um ihm anschliessend einige Fragen zu stellen, die der Mann allesamt nicht zu beantworten weiss.

Die Tür öffnet sich erneut und eine ihm fremd erscheinende ältere Frau in Strassenkleidung stürzt sich freudestrahlend auf ihn, um ihn mit Küssen zu bedecken und ihn dabei bei einem Namen zu nennen, den er nicht kennt.

…………………………….

Die Verwunderung ist groß als der Mann der  älteren Dame eröffnet, dass er sie nicht kennt.

Die Verwunderung der Ärzte ist groß als der Mann den Ärzten erklärt, dass er sich an keinen Unfall erinnern kann.

Die Verwunderung aller im Zimmer herumstehenden Personen ist groß als der Mann äussert, sich an überhaupt nichts zu erinnern.

Die Verwunderung des Mannes ist groß als er merkt, dass er sich nicht mal an seinen eigenen Namen erinnern kann.

…………………………….

Die Ärzte scheinen nicht zu wissen, was sie jetzt noch tun können, und versichern dem Mann, dass in den allermeisten Fällen irgendwann die Erinnerung zurückkehren würde.

Die ältere Dame verspricht den Ärzten, dass sie sich im Falle einer Entlassung des Patienten um diesen kümmern würde.

Die Schwester weiss nicht recht wie sie jetzt noch nützlich sein kann und verläßt daher das Zimmer.

Der Mann ohne Erinnerung ist stark verunsichert und hofft, dass die Zukunft ihm seine Erinnerungen zurückgeben wird.

…………………………….

Die ältere Dame pflegt den Mann in ihrer Wohnung, bekocht ihn, hilft ihm bei den täglichen Dingen und lächelt ihn ständig dankbar an.

Die ältere Dame erzählt dem Mann alles aus dessen Leben, was die Frau weiß, die sich seine Mutter nennt.

Seine Mutter schafft es, dem Mann ohne Erinnerung ein Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und Behaglichkeit zu geben.

Seine Mutter ist hocherfreut und überglücklich als der Mann anfängt, sich an einige Dinge zu erinnern, die er von seiner Mutter vorgetragen bekam.

…………………………….

Als der Mann mit langsam Stück für Stück zurückkehrenden Erinnerungsfetzen von seiner Mutter in seine eigene Wohnung gefahren wird, beschleicht ihn ein eigenartiges Gefühl beim Anblick seines Wohnhauses.

Als der Mann das Treppenhaus betritt, öffnen sich einige Türen und seine Nachbarn, an die er sich nur ganz dunkel erinnert, beglückwünschen ihn, den unverschuldeten Verkehrsunfall so gut überstanden zu haben, bei dem ihn ein Autofahrer umgefahren hatte, als der Mann – damls noch mit allen Erinnerungen – mit dem Fahrrad unterwegs war.

Als der Mann seine Wohnung betritt, kehren weitere Erinnerungen zurück und das eigenartiges Gefühl beim Anblick seines Wohnhauses kehrt zurück, stärker noch als zuvor und evoziert ein Gefühl einer bösen Vorahnung.

…………………………….

Nachdem der Mann sich langsam wieder eingelebt hat und weitere Erinnerungen zurückkehren, bemerkt er eine Erinnerung im hintersten Winkel seines Ichs, die er einfach nicht zu fassen bekommt.

Nachdem ihm einige Nachbarn erklären, dass es in der Nachbarschaft zu einer ganzen Reihe von Todesfällen gekommen war, die von der Polizei nicht aufgeklärt werden konnten, und dass er wohl Glück gehabt habe, genau zu diesem Zeitpunkt seinen Unfall erlitten zu  haben, da es sich bei den Todesopfern allesamt um Feinde des Mannes mit den zurückkehrenden Erinnerungen gehandelt habe, hat der Mann das Gefühl einen Pflock in den Bauch gestossen bekommen zu haben.

Nachdem der Mann sich wieder erinnert wie alles gekommen war und warum die Leute gestorben sind beschleicht ihn jetzt doch ein Gefühl von Schuld und Reue, denn diese Leute kamen durch den Mann mit den zurückgekehrenden Erinnerungen zu Tode.

Nachdem der Mann seine Kontoauszüge durchgeschaut hat, wobei eine immer wiederkehrende grössere Überweisung von ihm bislang immer wieder zurückgebucht wurde, wird ihm jetzt die Tragik der Sache klar, dass er diesmal den Tötungsauftrag seiner Feinde nicht aufhalten könnte, da er sich ja ohne Bewusstsein befand und auch hätte tot sein können, wofür dieser Dauerauftrag eine Versicherung war, dass im Falle seines Todes durch einen seiner Feinde, alle diese durch einen Auftragskiller erledigt werden.


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Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Buchempfehlung der Redaktion:

Hallgrímur Helgason
Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

Roman

Übersetzt von Magnusson, Kristof
Verlag :      Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta
ISBN :      978-3-608-50108-7
Einband :      gebunden
Preisinfo :      19,90 Eur[D] / 20,50 Eur[A] / 31,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 270 S.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      3. Aufl. 17.05.2010

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Eine einzigartige Mischung aus Spannung und Humor:

Es läuft nicht gut für Toxic. Um seiner Verhaftung zu entkommen, muss er einen Mann umbringen und dessen Identität übernehmen. Dummerweise handelt es sich dabei um einen amerikanischen Fernsehprediger … Hallgr¡mur Helgasons neuer Roman ist noch schneller, noch spannender und noch witziger als seine Vorgänger.

Eigentlich ist er Kroate, eigentlich lebt er in New York und eigentlich ist er kein Priester, sondern ein Auftragskiller mit 66 erfolgreich ausgeführten Morden. Doch einmal in Island angekommen, bleibt Toxic nichts anderes übrig, als die Rolle des Predigers zu spielen.

Mehr schlecht als recht absolviert er einen Auftritt in einer TV-Show und verliebt sich auch noch in die Tochter seiner Gastgeber. Bald schon droht er aufzu fliegen … Hallgr¡mur Helgason hat eine schräge Geschichte an den Rändern Europas geschrieben. „Der isländische Sommer ist wie ein Kühlschrank, den man sechs Wochen offen lässt. Das Licht ist die ganze Zeit an und das Gefrierfach taut, aber richtig warm wird es nie.“

Hallgr¡mur Helgason, geboren 1959, Studium der Malerei in München, Paris und New York, mehrere Ausstellungen. Arbeit als Zeichner eine Comic-Serie für eine isländische Zeitung. Danach Veröffentlichungen, auch Bühnenstücke. Sein Roman „101 Reykjav¡k“ (auch verfilmt) erhielt 1998 den Nordic Council Prize. Sein Roman „Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein“ erhielt den Isländischen Literaturpreis sowie den Literaturpreis der Isländischen Buchhändler.

Kristof Magnusson, geb. 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Universität Reykjavik. Seine Komödien ‚Der totale Kick‘ und ‚Männerhort‘ wurden in Berlin, Dresden, Köln und Bonn aufgeführt.

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4 Comments

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  1. Wer hat nicht so eine Liste, zumindest im Kopf?

    Auf meiner Liste steht eigentlich nur noch ein Name, der – unwissend – auf seine gerechte Strafe wartet. Alle anderen haben sie schon bekommen.
    Und das Beste ist: Alles ohne mein Zutun.

    Ist das Schicksal, Chisma, Voodoo, Vorhersehung, oder einfach der Lauf der Dinge?

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl

  2. Ich hatte vor 20 Jahren auch mal so eine Liste mit einem Dutzend Namen drauf und alle diese Menschen sind dann innerhalb von 1 Jahr irgendwie bestraft worden auf die eine oder andere Weise. Fast die Hälfte von ihnen sind in diesem einem Jahr verstorben, und ganz sicher nicht an Altersschwäche. Ist schon wirklich sehr merkwürdig das Leben manchmal…

  3. Dieses Gedicht ist ganz schön hart, finde ich!

    Es gefällt mir ausserordentlich, streckenweise sogar sehr spannend, wenn man an manchen Stellen auch erahnt, was passieren wird!

    Trotzdem für mich das beste Gedicht auf dieser Seite!

    Wer ist meiner Meinung und wer nicht? Und wenn, warum?

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