sfbasar.de

Literatur-Blog

“Murphy reist ins Jenseits” Murphy – Der Kämpfer des Lichtes – Band 21 als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen von W. A. Hary (Teil 9)

„Murphy reist ins Jenseits“

Murphy 21
als Fortsetzunggeschichte in 12 Teilen bei sfbasar.de

von W. A. Hary

Teil 9

Stundenlang hatten sie sich versteckt. Als sie es endlich wagen konnten, sich wieder einigermaßen frei zu bewegen, zog es sie wie mit magischer Gewalt zur Landstraße – zu der Stelle, an der die ganze Misere begonnen hatte. Doch sie kamen nicht weit. Eine Gruppe Polizisten suchte die Umgebung ab.

»Wahrscheinlich wird mein Doppelgänger verhört«, sinnierte Dietrich Borodin. Er hatte sich mit den Tatsachen bereits weitgehend abgefunden.

Anders Jane und David. Die beiden hatte es hart getroffen, dass ihre Realkörper ums Leben gekommen waren. Sie unterhielten sich darüber.

David vertrat die Ansicht, dass durch das Auftreten der ungeheuren Verzerrungskräfte der Wagen den »Sprung« mitgemacht hatte und ihre beiden Realkörper in den Wald geschleudert worden waren. Was danach geschehen war, stellte er sich lieber nicht vor. Tatsache blieb, dass die Sache für sie beide tödlich geendet hatte.

Es gab noch einen wichtigen Punkt, das war die Kleidung. Dietrich Borodin nahm an, dass auch ehemals belebte Dinge, aus denen ja Kleider hergestellt wurden, noch immer eine Art Astralkörper besaßen, wenn vielleicht auch nur mit verminderter Intensität. Das hieß, dass auch hier eine Verdoppelung stattgefunden hatte. Das Gespräch endete letztlich in einer Sackgasse – wie jedes mal. Trotzdem waren sie den Hintergründen der Vorgänge wieder ein wenig mehr auf die Spur gekommen, wenn es auch immer noch genug Ungeklärtes gab.

Kurz spielte David Murphy mit dem Gedanken, Meister Darenius zu kontaktieren. Vielleicht konnte ihm der Oden weiterhelfen? Aber dann fiel ihm ein: Ich bin ein Werwolf! Ich stehe nicht mehr auf der Seite des Guten! Ich bin kein Adept des Lichtes mehr, sondern… Ja, was war er ansonsten? Zumindest keiner mehr, der… lebte!

Nein, unter diesen Umständen konnte er vom Orden des Lichtes wohl kaum Hilfe erwarten.

*

Es war später Nachmittag, als sie sich endlich zu einem Entschluss durchgerungen hatten. Inzwischen hatte die Polizei ihre Arbeit an der Landstraße beendet. Zwei Zivilisten setzten ihre Ermittlungen im Dorf fort. Es wäre für die drei Schicksalgefährten interessant gewesen, zu erfahren, wie diese verliefen, doch dafür hatten sie keine Zeit. Sie mussten so schnell wie möglich aus der Umgebung verschwinden.

Dietrich Borodin erzählte ihnen, dass er schon häufig diese Strecke befahren hätte. Er war Londoner, wenn auch russischer Abstammung und hatte oft in Schottland zu tun. Den überraschten Flitterwöchnern berichtete er, dass ein Freund von ihm irgendwo in den Bergen zwischen Gateshead und Carlisle eine Blockhütte besaß. Das waren zirka fünfzig Meilen von ihrem jetzigen Standort entfernt. Er schlug vor, sich vorerst einmal dorthin zu begeben und alles weitere abzuwarten.

Die beiden Jungvermählten stimmten zu. Ihre Urlaubspläne hatten sie längst schon aufgegeben. Sie bedauerten nur, dass es ihnen nicht möglich war, einen Teil ihres Gepäckes mitzunehmen. Vorderhand aber bestand nun erst einmal das Problem, die riesige Entfernung von fünfzig Meilen zu überwinden. Zu Fuß würde das kaum möglich sein. Deshalb stellten sie sich an die Landstraße, die nicht gerade häufig frequentiert wurde und warteten auf ein geeignetes Beförderungsmittel.

Jane Murphy machte von allen dreien den besten Eindruck. Sie zeigte sich am Straßenrand, während sich die beiden Männer im Hintergrund hielten.

»Ich komme mir vor wie ein Straßenräuber«, murrte David. »Reiner Wahnwitz, mit Hexenkräften ein Fahrzeug anhalten zu wollen und das auch noch mit MEINER Unterstützung – ausgerechnet!«

Als wäre dies ein Signal gewesen, brauste ein Wagen heran.

Um jedes Risiko von vornherein auszuschalten, hatten die drei das Dorf im weiten Bogen umgangen und befanden sich nun mehrere Meilen von der Stelle entfernt, an der ihnen das Missgeschick widerfahren war. Jane stand mitten auf der Fahrbahn und winkte, David sah an ihrem Mienenspiel, dass sie sich konzentrierte, um den Fahrer des Wagens in ihre Gewalt zu bringen. Der Wagen näherte sich mit unverminderter Geschwindigkeit. In David krampfte sich alles zusammen. Funktionierten Janes Hexenkräfte nicht mehr? War der Fahrer dagegen immun?

Der Mann hinter dem Steuer, auf die Entfernung nur sehr undeutlich erkennbar, reagierte nicht. Ja, er schien Jane gar nicht zu sehen und hielt direkt auf sie zu.

Mit einem erstickten Laut wollte Jane zur Seite springen, aber es war bereits zu spät. Borodin und David Murphy hielten unwillkürlich den Atem an. Wie in Zeitlupe sahen sie, wie sich die Kühlerhaube des kleinen Wagens an Jane heran schob. Verzweifelt ruderte die junge Frau mit den Armen und wollte sich in Sicherheit bringen. Sie war viel zu langsam.

Die Kühlerhaube stieß sie mit einer Geschwindigkeit von mindestens fünfzig Meilen in der Stunde an. Metall kreischte auf. Es war ein seltsam singender Laut. Von Janes Lippen löste sich ein furchtbarer, qualvoller Schrei. Das Bild des Fahrzeuges war plötzlich seltsam verschwommen. Janes Körper wurde von ungeheuren Kräften hin- und hergeschleudert. Dann war der Wagen durch sie hindurch! Jane wirbelte wie ein welkes Blatt im Herbstwind durch die Luft und klatschte auf die Straße.

David hörte nur noch ihr Wimmern. Er stöhnte gequält auf und sprintete los, nicht mehr sehend, was hinter ihm vorging.

Dietrich Borodin hatte sich mit totenbleichem Gesicht dem davonbrausenden Wagen zugewandt. Seine Augen schienen Blitze zu verschleudern. Seine Haltung war leicht gekrümmt, sein Körper wie eine Stahlfeder gespannt.

Plötzlich verlangsamte der Wagen sein Tempo, blieb schließlich sogar stehen.

Borodin sah nicht ein einziges Mal zu seinen beiden Leidensgenossen hinüber. Mit hölzernen Schritten folgte er dem Fahrzeug, erreichte es, schaute hinein. Eine eiskalte Faust griff nach seinem Herzen. Für einen Moment verlor er die Kontrolle über sich und sank auf die Knie. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder erheben und überwinden konnte, einen zweiten Blick in das Wageninnere zu werfen. Mit einem gurgelnden Laut griff er sich an die Kehle und lehnte sich gegen das Fahrzeug.

Sein Blick irrte umher, heftete sich auf die Szene, die sich weiter hinten auf der Straße abspielte.

David hatte Jane aufgeholfen. Sie lebte, war unverletzt, litt aber unter einem Schock. David redete ihr ununterbrochen zu. Es schien zu helfen. Sie überwand ihre Lethargie. Zu zweit stolperten sie schließlich näher.

»Wie – wie konnte das passieren?« stammelte David verwirrt.

Der große, starke Mann erschien in diesem Augenblick wie ein hilfloses, verängstigtes Kind. Doch es sollte noch viel schlimmer für ihn werden.

Dietrich Borodin wollte etwas sagen, brachte aber keinen Laut über seine bebenden Lippen. Stumm deutete er in den Wagen.

David und Jane taumelten näher, sahen die hinter dem Steuer zusammengesunkene Gestalt und – erkannten sie. Beide prallten erschrocken zurück. Ihre Blicke irrten zwischen Dietrich Borodin und dem Fahrer des Wagens hin und her. Sie konnten es nicht fassen und doch gab es keinen Zweifel: Der Fahrer war mit Dietrich Borodin absolut identisch!
(Wird fortgesetzt!)

Copyright © 2010 by W. A. Harry


Der gesamte Roman ist auch käuflich zu erwerben:

Als eBook bei www.sofortlesen.de
Titel bestellen bei www.HaryPro.de
Titel suchen bei Booklooker.de

Lesen Sie auch die Besprechung von Petra Weddehage:

W. A. Hary
Murphys Reise ins Jenseits…
MURPHY – Der Kämpfer des Lichtes 21

HARY-PRODUCTION, Neunkirchen, 08/2005
Roman-Heft, Horror
ISSN 16143345
Titelillustration von Christel Scheja
Comic von Hary/Bone

Als eBook bei www.sofortlesen.de
Titel bestellen bei www.HaryPro.de
Titel suchen bei Booklooker.de

David und Jane Murphy befinden sich auf ihrer Hochzeitsreise. Sie fahren mit dem Wagen nach Schottland, um dort ihre Flitterwochen zu verbringen. Während eines heftigen Gewitters verliert Murphy die Kontrolle über sein Auto und kommt von der Straße ab. Das Paar verliert das Bewusstsein. Doch kurz bevor David die Sinne schwinden, sieht er eine merkwürdige Gestalt mit rot glühenden Augen.

Dietrich Borowin, ein Handelsreisender, ist ebenfalls in dieser Nacht unterwegs. Er entdeckt das Auto der Bewusstlosen, das mitten auf der Landstraße quer steht, zu spät. Um nicht mit dem anderen Auto zu kollidieren, vollführt er hektisch ein Ausweichmanöver und rast in dichtes Gestrüpp. Auch er verliert das Bewusstsein. Kurze Zeit später trifft er auf David und Jane Murphy. Entsetzt bemerken die drei Pechvögel, dass sie nur noch als Astralwesen auf der Erde wandeln. David Murphy und seine Begleiter setzen nun alles daran, ihre Körper zu finden und den unheimlichen Situationen, in die sie geraten, zu entkommen.

Dem Autor gelingt es mit dem Einstieg in ein neues Abenteuer, die Leselust seiner Fans zu wecken. Die einzelnen Figuren werden gut in die Serie eingeführt und erhöhen die Spannung. Das Ende des Heftes steigert die Erwartung auf den nächsten Band. Christel Schejas Bild einer mondbeschienenen Landschaft ziert den 21. Band über den „Kämpfer des Lichtes“. Damit beweist sie wieder einmal ihre Stärke für phantasievolle Bilder. Die kalten Farben lassen eine mystische Atmosphäre entstehen.

Wer als Einsteiger diesen Band in die Finger bekommt, wird eine Weile brauchen, um sich in Murphys Welt zurechtzufinden. Es empfiehlt sich also, auch die anderen Bände zu besorgen. Wer Romane wie „Professor Zamorra“ oder „John Sinclair“ liebt, wird hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen Leser, die Horror-Geschichten mit einer dicken Portion phantastischer Elemente lieben, stellt diese Serie auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)

Als eBook bei www.sofortlesen.de
Titel bestellen bei www.HaryPro.de
Titel suchen bei Booklooker.de

Updated: 1. Mai 2010 — 23:58

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme