sfbasar.de

Literatur-Blog

WÖLFIN DES LICHTS – ROSEEND 1 – Leseprobe (Teil 2) des gleichnamigen Romans von Christa Kuczinski

WÖLFIN DES LICHTS – ROSEEND 1

Leseprobe (Teil 2) des gleichnamigen Romans

von

Christa Kuczinski

(Zum vorherigen Teil)

Kapitel 2

Verschlafen blinzelte Sara ins helle Sonnenlicht, das den Raum durchflutete und tastete nach dem Wecker, dessen schrille Töne selbst einen Stummen zum Fluchen bewegt hätten. Sie sank auf das zerknautschte Kissen zurück. Heute war Samstag und sie hatte alle Zeit der Welt. Wo war dieser Wolf so plötzlich hergekommen? Im Tageslicht wirkten die Ereignisse der letzten Nacht weitaus weniger Furcht einflößend. Kurz dachte sie an den Fremden, doch diese Vorstellung führte sie nicht weiter aus. Zwar war das gegenüberliegende Cottage bewohnt, allerdings war dies kein Beweis dafür, dass es sich bei ihm um ihren mysteriösen Nachbarn handelte. Ihn kannte sie ja noch nicht einmal persönlich. Verstimmt, dass ihre Gedanken erneut in diese Richtung drifteten, überlegte sie, was sie an diesem Tag erledigen könnte. Der Rasen im Vorgarten musste dringend gemäht werden, und die Arbeit an der frischen Luft würde sie mit Sicherheit auf andere Gedanken bringen.

In abgeschnittenen Jeans und einem bauchfreien knallroten Top machte sie sich nach dem Frühstück auf den Weg. Nur wenige Hundert Meter entfernt stand das Häuschen von Jafa und Mina. Diesem netten älteren Ehepaar war Sara bereits kurz nach ihrem Umzug begegnet. Sie würde das großzügige Angebot, sich deren Rasenmäher auszuleihen, annehmen. Als sie die Gartenpforte hinter sich zuzog, warf sie im Vorbeigehen einen flüchtigen Blick auf das Nachbargebäude, das wieder einen verlassenen Eindruck machte, und atmete erleichtert auf. Der Tag war zu schön, um sich unnötige Sorgen zu machen.

Hohe Büsche, wild wuchernder Löwenzahn, Spitzwegerich und zahlreiche Pflanzen, deren Namen sie nicht kannte, säumten den breiten Kiesweg zu beiden Seiten. Die wenigen Meter zu ihren Nachbarn legte sie innerhalb kurzer Zeit zurück und bog in deren Einfahrt ein. Mina hatte sie scheinbar von Weitem kommen gesehen. Mit ihrer molligen Figur füllte sie den Türrahmen aus und winkte ihr freudig entgegen. »Guten Morgen! Möchtest du eine Tasse Tee und frisch gebackene Brötchen dazu?« Eine solch herzliche Begrüßung brachte Sara für einen Moment aus der Fassung.

Während der Jahre ihrer Wanderschaft, in denen sie bereits mehrmals umgezogen war, hatte sie jeglichen Kontakt zu anderen vermieden. Bisher hatte sie sich immer für eine Einzelgängerin gehalten, die Problemen lieber aus dem Weg ging, anstatt  sich ihnen zu stellen, auch wenn dies bedeutete, auf sich allein gestellt zu sein. Ihrer neuen Nachbarin jedoch war es mit Leichtigkeit gelungen, sie schon bei ihrer ersten Begegnung für sich einzunehmen. Minas Warmherzigkeit konnte man nur schwer widerstehen. Nachdem sich Sara in Roseend niedergelassen hatte, war alles anders geworden. Die Menschen an diesem Ort waren anders. Offener, zuvorkommender und vor allem gastfreundlicher, und obwohl sie keine rechte Lust auf Small Talk hatte, nahm sie Minas Angebot dennoch gern an.

Sie streckte ihre Beine unter dem alten Gartentisch aus, blinzelte in die Morgensonne und genoss die Vielfalt der Blumen, die zu dieser warmen Jahreszeit in voller Blüte standen. Das Gespräch zwischen ihnen drehte sich ausschließlich um die nicht enden wollende Gartenarbeit. Erleichtert, dass ihr keine persönlichen Fragen ihre Herkunft betreffend gestellt wurden, fragte Sara Dinge, über die sie sich zuvor niemals Gedanken gemacht hatte. Ihre Begeisterung für die Botanik hielt sich zwar stark in Grenzen, doch dies war immer noch besser, als ihre freundliche Nachbarin anlügen zu müssen. Ihr Leben bestand aus einem einzigen, undurchdringlichen Lügengeflecht, dem sie nicht entrinnen konnte und zu dem sie einiges beigetragen hatte.

»Tut mir leid. Ich war gerade mit meinen Gedanken woanders.« »Ich sagte, wenn du möchtest, bringe ich dir in den nächsten Tagen einen Korb frischer Beeren vorbei. Sie stehen kurz vor der Reife und in diesem Jahr hängen die Büsche besonders voll.« Überrascht über ein solches Angebot, nickte Sara nach kurzem Zögern. Ihr Blick glitt über das Grundstück auf der Suche nach den Himbeerbüschen, deren vollblättrige Triebe sorgsam umgebogen entlang der seitlichen Hauswand befestigt waren. Es war offensichtlich, dass Mina im Gegensatz  zu ihr einen grünen Daumen besaß. Nicht nur die Hecken waren ordentlich gestutzt, auch die Rabatten schienen von jeglichem Fremdwuchs befreit. Das Zusammenspiel der sorgfältig aufeinander abgestimmten Farbvariationen und die sonnigen Standorte der Blumen verliehen dem Garten einen exklusiven Touch, gleichsam dem Sommerstillleben eines begnadeten Malers. Der Anblick des kurz geschnittenen Rasens brachte Sara auf ihr Anliegen zurück. »Ich hätte ebenfalls eine Frage. Ich würde mir gern euren Rasenmäher ausleihen. Mir fehlte bisher die Zeit, mich um den Vorgarten zu kümmern …« »Aber natürlich, kein Problem«, fiel ihr Mina ins Wort, offenbar froh darüber, ihr einen Gefallen tun zu können. Dass die ältere Frau wild entschlossen schien, sie zu bemuttern, entlockte ihr ein Schmunzeln. »Jafa, könntest du den Rasenmäher holen? Sara benötigt ihn, sie möchte ihren Garten in Ordnung bringen.«

Ihr Nachbar tauchte an der Tür des kleinen Schuppens auf, der an das Cottage angrenzte, und nickte ihnen zu. »Guten Morgen Sara.« Mit einem Blick auf Minas liebevoll gedeckten Gartentisch rieb er sich über seinen Bauchansatz , der unter seiner Dickies-Latzhose deutlich zu erkennen war, und verzog das Gesicht zu einem genüsslichen Grinsen. »Wie ich sehe, probierst du Minas sagenhaft gute Brötchen. Du musst wissen, meine Frau ist die beste Köchin weit und breit.« Er zwinkerte seiner Frau verschwörerisch zu, bevor sie beide in Gelächter ausbrachen. Sara ließ sich von der guten Laune anstecken und fiel in ihr Lachen ein, sie fand es erfrischend, wie dieses Ehepaar miteinander umging. Jafa schnappte sich eines der übrig gebliebenen Brötchen und verschwand in Richtung Schuppen. Kurz darauf kam er mit einem Ungetüm von Rasenmäher im Schlepptau zurück, und Sara betrachtete ihn skeptisch. Offensichtlich handelte es sich um ein altes und überaus schweres Modell. Sie hatte vor, dankend abzulehnen, besann sich aber, da sie ihre freundlichen Nachbarn nicht vor den Kopf stoßen wollte und beschloss, es mit dem Ungetüm aufzunehmen. »Vielen Dank für das Frühstück und die Ausleihe. Es wird langsam Zeit für mich, aufzubrechen, sonst sitze ich heute Abend noch hier, anstatt dem Unkraut zu Leibe zu rücken.« Nach einer herzlichen Verabschiedung und dem Versprechen, sie wieder einmal zu besuchen, brach sie auf.

Der Kiesweg entpuppte sich als völlig ungeeignet, einen schweren Rasenmäher hinter sich herzuziehen, sodass es anstrengend war. Als sie an Jacks Cottage vorüberkam, sah sie, dass das vordere Fenster weit geöffnet war. Leise Popmusik drang aus dem Inneren und ein Auto, das ihr bekannt vorkam, parkte in der Einfahrt vor dem Haus. Als sich die Eingangstür öffnete und zu Saras Überraschung ihr Chef im Türrahmen erschien, fühlte sie sich merkwürdigerweise ertappt. Bevor sie jedoch unbemerkt weitergehen konnte, was in Anbetracht des Rasenmähers kaum möglich war, entdeckte er sie und kam mit großen Schritten auf sie zu.

Im ersten Moment fühlte sie sich von seiner freundschaftlichen Umarmung überrumpelt, reagierte automatisch und drückte ihn ebenfalls kurz an sich. Statt sie loszulassen, drehte er sie mit Schwung in Richtung des Mannes, der ihnen langsam entgegenkam. Das also war Jack! In Sekundenschnelle hatte sie ihn abgecheckt. Ihr Nachbar musste um die Dreißig sein. Sein breiter, muskulöser Körper steckte in einem ärmellosen T-Shirt und verwaschenen Bluejeans, die ihm ausgezeichnet standen. Was sie jedoch faszinierte, war der Anblick seines markanten Gesichts. Eine silberne Strähne in seinem ansonsten tiefschwarzen Haar fiel ihm lässig in die hohe Stirn und erinnerte sie vage an etwas, doch was genau es war, vermochte sie nicht zu sagen. Ihr Blick wanderte über seine kornblumenblauen Augen zu seiner schmalen Nase und blieb an den vollen Lippen hängen, deren Beschaffenheit förmlich zum Küssen einlud und die sich in diesem Moment zu einem spöttischen Lächeln verzogen. Seine Reaktion auf ihre unverhohlene Musterung ließ erkennen, dass er wusste, was gerade in ihr vorging, und er schien sich darüber zu amüsieren. Vor Verlegenheit wurden ihre Wangen heiß.

Sie wandte sich Marc zu, der, zu ihrer Erleichterung, von alldem nichts mitbekommen hatte. »Jack, ich habe dir doch von meiner neuen Angestellten erzählt. Das ist sie – Sara.« So gelassen wie möglich reichte sie Jack die Hand. Mehr als »Hallo« brachte sie allerdings nicht heraus. »Nett, Sie kennenzulernen. Ich hoffe, es gefällt Ihnen in Roseend«, erwiderte er ihre kurze Begrüßung ebenso zurückhaltend wie sie, mit einer warmen, tiefen Stimme, die vor Männlichkeit nur so strotzte. Verunsichert über seine Anziehungskraft, die er auf sie ausübte, entzog sie sich seinem Griff.

»Ja, danke, hier ist es wunderschön, aber jetzt muss ich leider weiter.« Ihre Stimme hörte sich in ihren Ohren seltsam schwach an. Mit einem erklärenden Seitenblick auf den Rasenmäher machte sie sich wieder auf den Weg. Das Ungetüm hinter sich her zerrend bemühte sie sich, eine abgeklärte Haltung an den Tag zu legen. Selbst als sie hörte, wie das Auto angelassen wurde und abfuhr, drehte sie sich nicht um.

Ein attraktiver Nachbar, der sich dessen auch noch bewusst war. Na toll. Nicht, dass er ihr nicht gefiel, o nein, und genau das war ihr Problem. Ihre Reaktion auf ihn brachte sie aus dem Gleichgewicht, das sie in den letzten Jahren in mühevoller Arbeit wiedererlangt hatte. Keine Männer und schon gar nicht die Gutaussehenden! Marc bot keine Gefahr, er war mit Miranda, einer quirligen Blondine verheiratet. Beiden gehörte das Dessousgeschäft, in dem Sara seit Kurzem arbeitete. Eine impulsive, lustige Frau, die ihren Mann, der im Gegensatz zu ihr ruhig und zurückhaltend wirkte, perfekt zu ergänzen schien. Obwohl sie insgeheim glaubte, dass es eher Mirandas Geschäftsidee war, da Marc nebenbei ein gut gehendes Bodybuildingcenter betrieb und die Dessous ausschließlich seiner Frau überließ. Wie es letztendlich war, interessierte Sara nicht wirklich. Hauptsache, sie hatte einen Job, der ihr Spaß machte und eine Bleibe, die ihrer Zurückgezogenheit entgegenkam. Marc war glücklich verheiratet und Durchschnitt und somit keinerlei Gefahr für sie, da sie anscheinend schwierige Männer anzog. Bei diesem Jack allerdings klingelten alle Alarmglocken, und das gefiel ihr ganz und gar nicht.

Den restlichen Vormittag arbeitete sie wie ein Berserker im Garten. Sie häufte das gemähte Gras in einer Ecke des maroden Holzzaunes und jätete sorgfältig den schmalen Kiesweg vor ihrem Cottage. Gegen Mittag musste sie eine Pause einlegen. Die Sonne hatte im Laufe des Vormittags deutlich an Kraft gewonnen, flirrende Hitze lag in der Luft und das Top klebte mittlerweile an ihrem Körper wie eine zweite Haut. Ihre Haare waren bereits zu einem Knoten zusammengebunden, wobei sich vereinzelte Strähnen gelöst hatten und ihr wirr ins Gesicht hingen. Mit einer gekühlten Flasche Limonade setzte sie sich auf die oberste der zwei Stufen vor ihrem Cottage, nippte am Getränk und betrachtete das Ergebnis der letzten Stunden Arbeit.

Das gestutzte gelbe Gras wirkte an verschiedenen Stellen wie ein unprofessioneller Bürstenhaarschnitt, da Sara im Eifer des Gefechts einige hartnäckige Büschel übersehen hatte, aber im Großen und Ganzen hatte sie gute Arbeit geleistet. Sie lauschte der wohltuenden Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte und ihr nach dem ohrenbetäubenden Geknatter des widerspenstigen Rasenmähers überaus angenehm vorkam. Ihr Blick heftete sich auf die beiden Bäume auf ihrem Grundstück. Entschlossen, die Idee, die ihr vor einigen Tagen gekommen war, langsam in die Tat umzusetzen, stand sie auf und verschwand erneut im Haus.

Gegen Abend wurde die behagliche Stille von einem lauten Motorengeräusch gestört. Der blaue Passat ihres Chefs hielt gerade in der Einfahrt. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie ihr Nachbar ausstieg, Marc zum Abschied die Hand hob, wendete und mit quietschenden Reifen davonfuhr. Jack schien zu zögern, als ob er überlegen müsse, was er als Nächstes tun sollte. Schließlich schlenderte er lässig, die Hände tief in den Jeanstaschen vergraben an ihren Gartenzaun, stützte sich auf dem altersschwachen Holz ab und grinste zu ihr herüber. Sara hatte keine andere Wahl, als sich ihm zuzuwenden – bis jetzt hatte sie sich noch an die Vorstellung geklammert, er würde sie nicht bemerken oder umkehren – und lächelte ihn ihrerseits freundlich an. Als sich sein Lächeln daraufhin vertiefte und er dadurch noch anziehender auf sie wirkte als zuvor, stöhnte sie unmerklich auf.

»Sie scheinen selbst am Wochenende nicht ohne Arbeit auszukommen, ich muss schon sagen«, er nickte anerkennend, »hier hat sich wirklich einiges getan. Wenn Sie das nächste Mal einen Rasenmäher brauchen … also, ich habe mitbekommen, dass Sie Jafas alten benutzen, bedienen Sie sich ruhig bei mir, ich besitze einen relativ neuen und handlicheren.« Der amüsierte Funke in seinen blauen Augen forderte sie geradezu heraus. »Danke für Ihr großzügiges Angebot, aber mir liegt nicht unbedingt daran, meinen Nachbarn etwas schuldig zu sein«, konterte sie mit einer gehörigen Spur Zynismus in der Stimme. Zur Bekräftigung ihrer Worte reckte sie trotzig ihr Kinn in die Höhe. Sara war sich bewusst, dass sie fürchterlich aussah, und hielt seinem forschenden Blick, der von ihrem wirren Haar zu den Schmutzstreifen auf ihren Wangen und zu ihr zurückkehrte, dennoch stand. Die Intensität seiner Musterung ließ sie leicht zusammenzucken.

Plötzlich hatte sie den Eindruck, dass das satte Blau heller wirkte als zuvor. Sie fühlte sich merkwürdig befangen und löste verwirrt den Blickkontakt. Vermutlich hatte sie sich nur täuschen lassen, womöglich war die untergehende Sonne, die Jack in einen goldenen Schimmer hüllte, schuld daran. Um einer weiteren Begutachtung zu entgehen, ließ sie ihren Blick unauffällig an seinem Körper hinabwandern und wünschte sich, es nicht getan zu haben. Die engen Jeans schmiegten sich an seine Hüften und ließen ihrer Fantasie jede Menge Freiraum. Vor Verlegenheit schoss ihr die Hitze in die Wangen, hastig richtete sie ihr Augenmerk erneut auf sein Gesicht und wurde mit einem süffisanten Lächeln belohnt. Ärger über seine verwirrende Reaktion wallte in ihr auf. »Tja, ich habe leider zu tun, es war nett, dass Sie kurz rübergekommen sind.«

Sie wandte sich brüsk ab, überstieg die unterste Treppenstufe und verschwand durch die Tür, die leise hinter ihr ins Schloss fiel. Sie wusste, dass es einer Flucht gleichkam, und das tiefe Lachen, das ihr folgte, ließ sie wissen, dass er der gleichen Meinung war.

Die Abendstunden verbrachte sie lesend im Sessel vor dem Kamin. Obwohl es Ende Juni und eindeutig zu warm dafür war, genoss sie den Anblick und die wohltuende Wärme des flackernden Feuers. Nach einem flüchtigen Blick aus dem Fenster gen Himmel in Richtung Mond, der in dieser Nacht bedeutend schwächer schien, überlegte sie, einen erneuten Abstecher auf die Lichtung zu machen. Dank ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit, die, wie sie wusste, niemand außer ihr besaß, hatte sie völlige Entscheidungsfreiheit, was das Stromern durch die Wälder betraf. Doch sie verspürte keine große Lust, dem fremden Wolf ein weiteres Mal zu begegnen und beschloss, ihren Ausflug auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen.

Bei ihrer ersten Begegnung waren sie voneinander überrascht gewesen. Sara wusste allzu gut, dass Werwölfe in Wolfsgestalt nicht unbedingt nett und freundlich waren, zumindest hatte sie von solchen noch nie gehört, und deshalb blieb sie allem, was mit ihresgleichen zu tun hatte, gegenüber misstrauisch. Besonders männliche Wölfe neigten zu Dominanz, obwohl sie in menschlicher Gestalt durchaus anders sein konnten. Es lag einfach in der Natur des Wolfes, seine Stellung innerhalb seines Rudels behaupten zu wollen, insbesondere jemandem gegenüber, der keinem angehörte. Das war einer der Gründe, warum sie fortgegangen war, um sich hier, weit entfernt von ihrem früheren Zuhause, ein neues Leben aufzubauen. Und das bitte schön ohne einen fremden Werwolf in der Nähe, der ihr seit seinem überraschenden Auftauchen leichtes Kopfzerbrechen machte. Nicht, dass sie bisher vielen von ihnen begegnet wäre. Sie wurde in eine Familie hineingeboren, unter deren Vorfahren es durchaus Wolfswesen gegeben hatte, doch zur Zeit ihrer Geburt waren es nur noch Geschichten, die in ihrer Familie kaum erwähnt wurden. Selbst für ihre Eltern, die eine gewisse Akzeptanz an den Tag legten, musste es ein Schock gewesen sein, zu erkennen, dass in ihrer Tochter das alte Erbe auflebte. Bis sie ihr Elternhaus verließ, sprach man nie über das Offensichtliche und an bestimmten Tagen im Monat, wenn Vollmond war, ignorierte man es schlicht.

Sara war gerade auf dem Weg in ihr Schlafzimmer, als sie aus Richtung des Waldes gedämpftes Wolfsgeheul vernahm. Sogleich durchzuckte sie das Bedürfnis, mit einzustimmen, doch sie bezwang den Drang, so wie sie es früher oft hatte tun müssen. Stattdessen schlüpfte sie unter die Bettdecke, zog sich energisch das Kissen über den Kopf und zählte bis hundert und zurück. Den darauffolgenden Tag verbrachte sie mit lästiger Hausarbeit und, nach getaner Arbeit, müßig vor sich hin träumend in der Hängematte im Schatten der Bäume. Zu ihrer Erleichterung ließ sich Jack nicht mehr blicken, allerdings hatte er die Möglichkeit, die Hintertür zu benutzen, die jedes Cottage besaß, und musste so nicht zwingend an ihrem Grundstück vorbei.

(zum nächsten Teil)

Copyright © der Leseprobe 2013/2015 by Christa Kuczinski (mit freundlicher Genehmigung des Verlages und im Auftrag der Autorin)

Bildrechte: LYKANTHROPIE – Werwolfgeschichten aus dem sfbasar” (werwolfgeschichten.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Rezension “Wölfin des Lichts – Roseend 1″

  • Titel: Wölfin des Lichts – Roseend 1
  • Autorin: Christa Kuczinski
  • Format: mobi-Datei
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 188 Seiten
  • Verlag: Bookshouse (Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Genre: Paranormal Romance
  • Preis: 2,99€ (eBook) 11,99€ (P-Book)
Die junge Sara ist seit Jahren auf der Flucht vor ihrem Exfreund Simon. In dem kleinen, abgelegenen Ort Roseend findet sie endlich ein neues Zuhause. Die netten, zuvorkommenden Einwohner scheinen auch irgendwie anders zu sein – genau so wie sie.
Sara verliebt sich in Jack, der offenbar eine Vormachtstellung im Ort hat. Doch ganz so einfach, wie sie es sich erhofft, ist die Beziehung nicht. Der Vollmond verändert nicht nur die Dorfbewohner und Jack, er verändert auch Sara, und es zeigt sich, dass sie doch nicht so ist wie die anderen.
Werden Sara und Jack den Kampf um ihre Liebe gewinnen? Oder werden Saras Vergangenheit und ihr Geheimnis um ihre Andersartigkeit alles zerstören?
Irgendwie kann ich mich in letzter Zeit den magischen Wesen nicht verschließen und so landete ich erneut in einer Geschichte der etwas anderen Art.
Wie man an dem Cover und Titel schon erahnen kann, geht es um Wölfe, besondere Wölfe.
Der Schreibstil war bemerkenswert leicht verständlich und das Geschehen wurde wunderbar beschrieben, weshalb es für mich ein leichtes war, das Buch an einem Vormittag zu verschlingen.
Das Geschehen wurde aus der Sicht der beiden Hauptprotagonisten geschildert, wobei das Hauptaugenmerk hauptsächlich auf Sara gerichtet war.
Ich bekam so einen sehr guten Einblick in ihre Gefühlswelt und konnte ihre Bedenken und Ängste weitestgehend nachvollziehen. Ihr Geheimnis und somit der Grund ihres vorsichtigen Verhaltens anderen Menschen und Artgenossen gegenüber blieb allerdings bis kurz vor Ende der Geschichte im Dunkeln.
Diesen Umstand empfand ich als äußert spannend, wollte ich doch unbedingt erfahren, ob meine Spekulationen zu ihrer Person zu trafen.
Doch auch die anderen Protagonisten wurden sehr gut ausgearbeitet, wodurch ich meine Sympathien sehr schnell verteilen konnte.
Sehr interessant fand ich auch die Verhaltensregeln unter Wölfen. Diese unterschieden sich doch sehr von denen der Menschen und ich hoffe sehr, künftig noch mehr über diese Unterschiede zu erfahren.
Da wir uns mit diesem Buch in dem Genre Romance bewegen ist eine aufkeimende Liebesgeschichte wohl keine große Überraschung, allerdings wartet dieses Buch auch mit einigen spannenden Szenen auf, die mich total gefangen nahmen.
Etwas schade fand ich, dass man nicht allzu viel über die Vergangenheit der anderen Bewohner von Roseend erfuhr, aber das wird sich in dem nächsten Band hoffentlich ändern.
Ein wundervoller Trilogie-Start, der unglaubliche Lust auf mehr macht und mir wieder einmal verdeutlichte, warum ich Geschichten  über diese Wesen so gern lese.
Christa Kuczinski, geboren 1971, verbrachte ihre Kindheit an der Mosel. Seit über zehn Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen auf dem Hunsrück.
Im Jahr 2009 begann sie ernsthaft mit dem Schreiben. Die Roseend Trilogie ist ihr erstes großes Projekt.

Eingestellt von vom 18.2.15 auf http://winterteufelstraumland.blogspot.de wir danken der Autorin und der Bloginhaberin für die Abdruckrechte!
.

Titel erhältlich als Printversion bei Amazon.de
Titel erhältlich als Printversion bei Buch24.de
Titel erhältlich als Printversion bei Booklooker.de
Titel erhältlich als Printversion bei ebook.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Rezensionen unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

3 Comments

Add a Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme