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WEIHNACHTS-KAMPAGNE von Wolfgang G. Fienhold

WEIHNACHTS-KAMPAGNE
von
Wolfgang G. Fienhold

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Wie jeden Tag (also alle 1000 Jahre nach irdischer Zeit) rief Gott, der Chef, seine PR-Crew in den Blauen Salon.
Besser gesagt: Die Sektionsleiter Gabriel, Luzifer, Beegates of Eden und Eva.
„Ich bin unzufrieden“, begann er, „höchst unzufrieden. Gestern war alles noch viel fetter.“
„Ja, mit der Einführung von Weihnachten hatten wir einen echten Renner, aber irgendwie ist das aus dem Ruder gelaufen. Wir müssen früher ansetzen.“
„Weihnachten war doch nur eines von vielen i-Tüpfelchen.“
„Ich finde die Lage höchst amüsant.“
„Ich hatte letztes Mal für die Dinos plädiert.“
„Irgendwie musste es doch weitergehen.“
„Ich war damals für den Status Quo.“
„Wir müssen viel früher ansetzen.“
So äußerten sich die Abteilungsleiter in oben genannter Reihenfolge.
„Ich verstehe, es war also mein Fehler den Homo Dingsbums …“
„Sapiens.“
„Den also, zu kreieren.“
„Iwo, er hatte und hat doch einen gewissen Unterhaltungswert.“
„Aber die Dinos waren intelligenter.“
„Mein lieber Luzi, mit der Meinung stehst du alleine da, dem Chef ging es doch
um sein Ebenbild.“
„Sag ich doch!“
„Mir geht es jetzt darum den Schaden zu begrenzen und unser Image unsere Corporate Identity, Corporate Mission neu zu createn.“
„Mit Gautama hatten wir doch einen guten Anfang gemacht.“
„Fast, aber dann ging der in die Wüste bekam einen Sonnenstich und wusste nicht
mehr was er laberte und mit Jesus und Mohammed wars genau das Gleiche.“
„Luzi, das ist gemein.“
„Aber wahr, immerhin hält die Competition bis heute an. Und ich sehe das als Teil unserer Corporate Culture.“
„Eigentlich war es nur Phantom Advertising.“
„Wie auch immer, wer hatte die hirnverbrannte Idee, dass ich angebetet werden will?“
„Das war Eva, die ist nun mal schizo, solltest du doch wissen.“
„Ich weiß so viel, dass ich bald gar nichts mehr weiß.“
„Jetzt klauste bei Descartes.“
Gott (fängt an zu singen): In the dime stores and bus stations …“
„Hör auf, Chef, singen kannste echt nicht.“
„Könnte ich mir sofort reintun, aber nur der Paps ist ja unfehlbar.“
„Papst!“
„Weiß ich doch, ich wollte nur mal sehen ob ihr auch zuhört und den Billigkalauer habe ich seinerzeit, vor einigen Sekunden, dem Descartes seinem Pferd erzählt.“
„Chef, du redest schon wie eine gewisse Feldmaus.“
„Painjack!“
„Happyjack, wir wollen doch den Spassfaktor wieder haben.“
„Hast Recht, Beegates, aber wie?“
„Zuerst müssen wir den Islam entmilitarisieren, die singen noch schlimmer als du und killen wie die Teufel.“
Jetzt wurde Luzifer sauer: „Ich kille nie und wenn, dann schon gar nicht so und wenn nicht so dann wette ich um … wie vorhin mit dem Goethe.“
Gabriel: „Ich verstehe nicht, warum ihr so ein Geschiss um die kleine Erde macht,
Andromeda zum Beispiel ist …“
„Das ist erst TOP 13. Basta.“
Eva: „Terra ist schon ein geiler Planet, die Schlangen, die Elefanten, die …“
„Wir reden jetzt über die Homos.“
„Mit denen kann ich nix anfangen“, moserte Eva.
„Über die Sapiense oder wie heißt der Plural?“
„Wie du willst, Gott, oder wie du es befiehlst.“
„Luzi, du nimmst mich nicht ernst.“
„Hör auf, du hast doch gesagt: Es ist nicht gut, dass der Ernst allein sei, ich will ihm eine Hilfe geben, die er Eva nennen muss.“
„Zugegeben das war Stuss, doch wir sprechen hic et nunc über Area Advertising. Und ICH will Vorschläge hören.“
„Die alten Religionen müssen weg.“
„Genau.“
„Genau“
„Genau“
„Genau.“
„Als Erstes die 10 Gebote.“
„Die hat sich dieser Moshe Moses eh nur ausgedacht um zu imponieren.“
„Claro, dann die Bibel, der Koran und …“
„Die Zeugen Jehovas.“
„Nee, die sterben sowie so aus, weil sie nur mit dem Mund zeugen …“
„Halt die Klappe Luzi, ich weiß, dass du Samenraub sagen willst.“
„Die Taliban sind ein Störfaktor, warum machst du nicht mit einem Wisch alles weg was dich stört?“
„Wo wäre dann der Spass, die Happy Hour und überhaupt?“
„Bevor wir hier ein Dark Horse wie Scientology wieder aufleben lassen, sollten wir
die Möglichkeiten erkennen.“
Luzi wurde richtig frech und er hatte die Befugnis, schließlich war er der älteste Geflügelte in der Runde:„Also alter Rippenschnitzer, IKEA wird nie eine Möglichkeit, eine Alternative.“
„Aber an einem Regal schrauben die Sapiense doch länger als an einem Ferrari.“
Was tun, sprach Gott, die Engel sind besoffen, sagte dann aber: „Mein Wille geschehe!“
„Welcher?
„Nicht ohne Abstimmung.“
„Nur über meine Seele.“
„Nicht ohne meine Mutter“, rief Jesus von der Tür zum Blauen Salon.
„Jetzt kommt auch noch dieser Quälgeist“, jammerte der Hl. Geist, der sich bislang zurückgehalten und in Luzis Flachmann versteckt hatte.
Mohammed stieß Jesus beiseite und zitierte (Koran 6:100): „Und doch halten die Ungläubigen die Dschinn für Allahs Nebenbuhler, obwohl er sie geschaffen hat und sie dichten ihm fälschlich Söhne und Töchter an, ohne alles zu wissen. Heilig ist er und erhaben über das was sie ihm zudichten.“
„Mein lieber Moha, hier dichte ich nur selbst, denn ich bin die Milch der Weisheit und des Wissens …“
„Und ich bin älter“, meinte Luzifer trocken, „denn ich bin das Chaos, also halte dich heraus du Frühchen.“
Mohammed und Jesus waren verwirrt wie immer und gingen in den Grünen Salon zu Erich Böhme, der immerhin gleichaltrig war.
„Zurück zum Brainstorming“, befahl Gott, dem langsam alles zu blöd wurde.
„Richtig“, stimmte Gabriel zu, „wir müssen uns darauf einigen: Wollen wir primär
Brot, Blut und Spiele anbieten oder Inline-Skating, Online-Games und Offline-Adventures oder doch einen Weltkrieg mit Atomschlag und Pipapo?“
„Der Unterschied ist nicht so groß wie ihr glaubt, aber der Kunde …“
„Ja, ja der Kunde ist König und der darf immer mit mir vögeln.“
„Du bist unsachlich.“
„Sie ist eine Frau.“
„Halt dich zurück Luzi, du bist political incorrect.“
Der war jetzt richtig böse: „Mein Scheißflachmann ist leer, die Joints hat Mohammed mitgenommen und Jesus
hat sich nicht entblödet die letzte Cohiba zu rauchen, was sind das für Zustände?“
„Tja, wenn das unser Auftraggeber wüßte, würde er uns das Budget kürzen.“
„Entziehen.“
„Eine Entziehungskur wäre für manche von euch nicht von übel.“
„Wer ist eigentlich unser Auftraggeber?“
„Ach ja, der heißt Leo“, sagten Gott und Luzifer gleichzeitig.
„Wo hat der seinen Sitz?“, fragte Eva.
„Ursa Mayor II. 2500 Millionen Lichtjahre entfernt“, klärte Luzifer auf.
Und Gott sagte bescheiden: „Wir sind in diesem Spiralarm eben nur eine verdammt kleine Werbe- und Unterhaltungsagentur.“
-ENDE-
Copyright (C) 2008 by Wolfgang G. FienholdWeitere Bilder und Grafiken im Text vom Künstler „Courtage“ mit freundlicher Genehmigung.

Bildrechte:
Coverillustration “
SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Die wahre Geschichte vom Treffen im Jenseits (Kartoniert)
Geschichten von Büchern und Buchstaben zum Lesen, Lachen und Lernen in der Schule und daheim
von Fienhold, Wolfgang

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Verlag:  Razamba
Medium:  Buch
Seiten:  50
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2010
Maße:  189 x 121 mm
Gewicht:  67 g
ISBN-10:  3941725114
ISBN-13:  9783941725119

Beschreibung
Manchmal geht es schneller als man denkt: Ein paar Gläser Wein in der Pilsstube – und schon ist man im Jenseits. Pfarrer Tiegel kann es kaum glauben …

Autor
Wolfgang G. Fienhold, geb. in Darmstadt, lebte in Frankfurt am Main. Abgebrochenes Studium der Sozialwissenschaften. Anno Tobac Herausgeber der Zeitschriften GUMMIBAUM und NONSENF. Mitarbeit an Hunderten von Anthologien. Die üblichen Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und im Funk, Lyrik, Prosa, Reportagen, Rezensionen und Hörspiele. Bis zu seinem Tod 2011 eine Handvoll Literatur- und Förderpreise. Schrieb u.a. den Roman DIE FLAMBIERTE FRAU, der mit Gudrun Landgrebe verfilmt wurde.

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