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VENEDIG AN EINEM WINTERTAG – Leseprobe aus dem Steampunk-Roman „Die zerbrochene Puppe“ von Judith und Christian Vogt

VENEDIG AN EINEM WINTERTAG

Leseprobe aus dem Steampunk-Roman

“Die zerbrochene Puppe”

von Judith und Christian Vogt

Ich konnte nicht sagen, warum, aber irgendwie sah es seltsam aus.

Venedig eignet sich hervorragend als Kulisse für ein Ölgemälde, aber der von mir gewählte impressionistische Stil wollte nicht recht zu dem glatten, tückischen Eis passen, das die Kanäle bedeckte und sich, teils zu gefährlichen Schollen frierend, in die Untergeschosse der Häuser zu bohren drohte. Geradezu pittoresk wirkte eine eingefrorene Gondel, als habe man sie absichtlich dort platziert, zum Amüsement des Beobachters.

Ich ließ meinen Blick von der Staffelei sinken. Ich erwog, zunächst eine Kohleskizze zu fertigen. Ich zierte mich ein wenig, denn manchmal konnte es geschehen, dass ich eine Kohleskizze erstellte und dass sie besser war, als jedes fertige Bild es sein würde. Dann könnte ich es auch bei der Kohleskizze belassen – aber niemand würde Geld dafür ausgeben, welch Dilemma! Bei Æmelies Skizzen sah das anders aus – von ihr erwartete man keine Kunst, nur schnöde, möglichst offensichtlich dargestellte Fakten, doch von einem Maler erwartet man Ölschinken.

Ich seufzte und kramte meinen Zeichenblock aus der ledernen Umhängetasche. Die Kohlestifte steckten in einem kleinen metallenen Döschen, das ich vorsichtig neben mir auf die Bank legte. Allmählich wurde es kalt, trotz des Kissens, das ich mir vorsorglich mitgenommen hatte, um mich darauf zu setzen, und der Decken, in die ich mich gehüllt hatte.

Ich schlug den Block auf, die Stimmen ausblendend, die erneut versuchten, auf mich einzudringen.

Der Himmel sah nach Schnee aus – bleigraue Wolken zogen heran – und ist dieser Anblick dort, wo ich herkomme, doch alltäglich, so ist er in Venedig nur im Winterhalbjahr möglich. Das Sommerhalbjahr ist hier völlig eisfrei, es gibt keine Stelle des Mittelmeers, die dann zufriert, und die Bäche rinnen klar zwischen grünen Halmen und durstigen Baumwurzeln von den Alpen herunter. Kaum vorstellbar – und was für ein Motiv für ein Gemälde wäre es! Aber nein, wann mussten wir hier anreisen, Æmelie und ich? Im Winter – als hätten wir nicht genug Eis und Schnee zu Hause in Aquis!

„Im Sommer“, hatte sie gesagt, „ist hier alles voller Touristen. Reiche Leute aus dem Norden, die die warmen Monate hier genießen. Und um die Hotels auch im Winter vollzubekommen, richten sie Kongresse aus.“

Sehr klug war das von ihnen, doch wie frustrierend für einen Künstler, der eine schöne Wissenschaftlerin zur Frau hatte!

Es war so ein Triumph für sie gewesen … Wäre sie ein Mann, so wäre sie schon seit Jahren geladen gewesen, doch als Frau musste sie hart dafür arbeiten, und es musste dann schon der Prototyp für den Ersatz der Galvanischen Primärzelle, vielleicht sogar der Dampfmaschine sein, damit man überhaupt darüber nachdachte, einer Frau auf einem Kongress das Wort zu gewähren.

Doch nun überschlugen sie sich mit Lob, und alle wollten sie die Zusage, die Pläne für ihre Fabriken erwerben zu dürfen.

Doch Æmelie hielt sich zurück, sie würde sich erst entscheiden, wenn der Prototyp serienreif war.

Den Block aufschlagend sah ich die Skizze, die ich zuletzt angefertigt hatte – Æmelie, in ihrem ernsten schwarzen Anzug, mit dem Zylinder auf dem Kopf, den auch ihre männlichen Kollegen trugen, die Haare im Nacken streng zu einem Knoten gebunden, damit man ihr ihr Frausein so wenig wie möglich ansehen und zum Vorwurf machen konnte. Wie auf ein ungebetenes Kommando drängten sich die Stimmen wieder an mich heran.

„Sie müssen verstehen, mein Herr, dass ich diese Zusage noch nicht machen werde“, wiederholte Æmelie das, was sie nun schon seit Stunden herunterbetete. Ich wünschte mit, Domek wäre nun hier – trotz unserer Differenzen – denn der Spross der Herzogsfamilie von Pommern verstand sich darauf, mit Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit umzugehen und hatte Æmelie vor zwei Jahren unter seine Fittiche genommen.

„Sie wissen aber auch, junge Dame, dass wir eigene fähige Wissenschaftler haben, die nach dem Gleichen forschen. Wir werden Ihnen den Vorzug geben, wenn Sie jetzt unterschreiben.“ Einer der Männer raschelte mit Papier, doch Æmelie lachte lediglich.

„Forschung ist eine Sache und die Verwendung der Ergebnisse eine andere. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich am Prototyp arbeiten und alles andere meinem Anwalt überlassen.“

„Sehr gut“, schaltete sich die Stimme einer älteren Dame ein, der Gattin eines Großindustriellen aus München, wie Æmelie mir gesagt hatte. Sie war eine knallharte Geschäftsfrau und hervorragend geeignet, ihren Mann zu vertreten. „Dann geben sie mir schon einmal die Adresse, und ich sende ihm ein Telegramm.“

Æmelie schien zu zögern. Ich schlug die Skizze von ihrem Triumph vorsichtig um und setzte den Kohlestift auf der nächsten Seite auf – zog mit lockerer Hand einen jener berühmten Brückenbögen, über den eine Frau mit einem aufgespannten Regenschirm flanierte. Auch sie ergänzte ich; bevor sie die Brücke verlassen konnte, wurde sie rasch von mir eingefangen.

„Dieser Anwalt ist hoffentlich keine Frau, sondern jemand, mit dem man auch sachlich reden kann? Diese Galvanische Gasbatterie, wie Sie sie nennen, ist schließlich kein Säugling, der für immer an Ihrer Mutterbrust hängen muss.“ Die Stimme war unangenehm, und das Auf- und Abschreiten ihres Besitzers wurde vom klackenden Geräusch eines Spazierstocks begleitet. Ich bezwang mich, mich nicht nach ihm umzudrehen. Es waren viele unangenehme Menschen auf dem Kongress gewesen, das war mir nicht entgangen – und viele von ihnen schienen sich dem Ziel verschrieben zu haben, eine junge Wissenschaftlerin zu verunsichern.

Entsprechend empört schnappte Æmelie nach Luft, doch die Industriellengattin stand ihr bei.

„Es gibt keinen Grund, so etwas zu unterstellen, Professor. Nicht wahr, meine Gute? Wir Frauen lassen uns nicht ewig auf diese Weise behandeln!“

Auch ich hatte etwas dagegen, dass man Frauen auf diese Weise behandelt. Insbesondere meine Frau, die, schön und klug wie sie war, einen verarmten adligen Künstler geheiratet hatte und diesem sein verarmtes adliges Künstlerdasein gewährte, während sie sich zu einer angesehenen Forscherin mauserte. Einer Forscherin, die mit dem Patent auf die Galvanische Gasbatterie – oder die Erlenhofen-Brennstoffzelle, wie ich sie bereits in Gedanken zärtlich nannte – zu Ruhm und Reichtum kommen würde.

„… selbstverständlich zum Patent anmelden!“, nagte diese schreckliche Unterhaltung erneut an meiner Geduld und Konzentration, als habe sie meine Gedanken gelesen.

„So selbstverständlich ist das nicht. Wenn Sie beispielsweise einen Forschungsvertrag mit uns abschließen und auf das Patent verzichten, sichern wir ihnen eine lebenslange Pension und die nötigen finanziellen Mittel für alles, woran Sie immer schon forschen wollten. Hatten Sie nicht auch einmal eine Schwäche für die Entwürfe von Flugmaschinen? Auch dafür würden Sie Zeit finden.“

„Was für ein Unsinn, hören Sie bloß nicht auf ihn, Frau von Erlenhofen!“ schaltete sich erneut die Stimme der betagten Dame ein. Sie schnalzte mit der Zunge. „Und im Übrigen wird es mir hier zu kalt. Wollen wir uns nicht in ein Teehaus setzen?“

Ich zog noch einige uninspirierte Striche, die mich der Tatsache gemahnten, dass meine Muse sich bereits für heute verabschiedet hatte. Oder vielmehr, dass meine Muse in ein Streitgespräch mit entsetzlich engstirnigen Menschen vertieft war. Dann schlug ich den Block zu und verstaute Block, Kohlestift, Döschen und die im eisigen Wind bereits an Viskosität zunehmenden Ölfarben in meiner abgegriffenen Tasche.

„Liebling“, warf ich ein, „wollen wir uns nicht auf den Weg machen? Es ist spät, und vielleicht willst du über all diese freundlichen Angebote nachdenken?“

Ich warf der Runde aus grimmig dreinblickenden Menschen ein verhaltenes Lächeln zu, das nicht erwidert wurde. Æmelie jedoch strahlte mich an, als sei ich ihr Erlöser in schwerer Stunde – was ich vermutlich auch war. Ja, das waren wir füreinander, Æmelie und ich.

Zu schade, dass der letzte Tag unseres Zusammenseins auf Erden nicht nur angebrochen war, nein, er wurde auch bereits alt – doch dieser Umstand war mir natürlich nicht bewusst, sonst hätte ich sicherlich etwas anderes mit unserer Zeit anzufangen gewusst, als mich mit einer klapprigen Staffelei, einer kleinen Leinwand und meiner Ledertasche zu beladen und hinter Æmelie und ihren geschätzten Kollegen und Gönnern herzustolpern.

Es war der vierte Tag des 7. Internationalen Kongresses der Gesellschaft für Außerordentliche Naturwissenschaften – Schwerpunkt Elektrizität. Und der letzte in Æmelies Leben.

Der düstere Flur einer kleinen Kaschemme, schwarze Kreide

Ich weiß gar nicht mehr, was ich dachte, als sie kamen. Der Schlaf hatte mich bereits fest im Griff, doch Æmelie, die entschlossen zu sein schien, ihre zu treffenden Entscheidungen nicht zu überschlafen, sondern wachen Geistes zu überdenken, weckte mich mit einem Rütteln an der Schulter.

„Naðan!“

Es gab eigenartige Geräusche im Flur unseres Gästehauses – ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich auch für kleines Geld etwas mehr Komfort und Vertrauenswürdigkeit erwartet hätte. Es waren Geräusche, als stolpere jemand immer wieder über ein und dieselbe Stufe. Und ich kannte diese Stufe, sie ragte auch tagsüber heimtückisch im schlecht erleuchteten Flur auf und ließ den Unvorsichtigen stolpern, vor allen Dingen, wenn er gleichzeitig mehrere unhandliche Dinge trug.

Æmelie hatte sich aufgesetzt, sie drückte ihre alte, am Hinterkopf bereits gesprungene Puppe Ynge an sich, eine Marotte, die sie noch aus ihren einsamen Kindertagen behalten hatte.

„Sicher nur ein Betrunkener, der nach Hause kommt“, murmelte ich, denn, wie gesagt, wir befanden uns nicht an der feinsten Adresse Venedigs.

„Es hört sich regelmäßig an. Wie ein Automat“, flüsterte sie. Aus einem anderen Zimmer schrie ein Mann auf Italienisch, ich hörte verschiedene unschöne Worte heraus, die mir zu meinem Leidwesen bekannt waren, doch Æmelie zerrte fortwährend an mir.

„Steh auf, Naðan!“ Die Dringlichkeit in ihrer Stimme ließ mich gehorchen, töricht stand ich da in meinem Nachthemd. Ich nahm meinen Spazierstock zur Hand, fühlte mich unangemessen ausgerüstet und schrecklich unangezogen.

„Ich gehe nachsehen, Liebste!“, seufzte ich, und tastete im bleichen Licht des Mondscheins, das der Schnee durch die Ritzen der Fensterläden widerspiegelte, nach der Petroleumlampe auf dem Nachttisch. Den Stock klemmte ich mir unter den Arm, um nach Streichhölzern zu tasten, doch Æmelie seufzte pragmatisch und öffnete mit einem Ruck die Fensterläden. Das an das Schattenspiel einer Photographie erinnernde Licht der Nacht fiel herein und erlaubte ihr, einige Skizzen zusammenzuraffen.

„Was machst du denn nur?“

„Hörst du das denn nicht?“, fragte sie atemlos, und in ihren Augen glänzte die Angst. Ja, immer noch waren stolpernde Geräusche im Flur. Mehr nun, als wäre der ganze Flur voll von taumelnden, betrunkenen Gestalten. Eine Tür wurde geöffnet, der Beleidigungen schreiende Mann trat in den Korridor – und erst, als er einen schrecklichen, gepeinigten Laut von sich gab, wurde mir klar, dass Æmelie recht haben musste.

„Durch das Fenster?“ flüsterte ich, mit einem Mal schien mein flatterndes Herz meinen ganzen Brustkorb auszufüllen und drohte, mich zu erdrosseln. Dann endete der Schrei des Mannes im Flur mit einem schnappenden Geräusch.

Æmelie blickte hinaus, aber natürlich sah sie dort das, was wir immer sahen, wenn wir hinausblickten: ein Stockwerk unter uns gähnten ein schmutziger gefrorener Kanal und die ungepflegte, vom kalten Wind blank gefrorene Hauswand.

„Ich … ich weiß nicht. Wenn wir stürzen und einbrechen, werden wir sterben“, zitterte ihre Stimme, mit einem Mal zaghaft, zu mir herüber.

„Wenn wir den Flur betreten …“, entgegnete ich, „es hört sich so an, als stürben wir dann auch!“

„Kletter voraus!“, bat sie, die Hose ihres Anzugs rasch anziehend, das Nachthemd an der Hüfte zu einem Knoten bindend. „Dann sehe ich, wo du hingreifst.“ Schließlich drückte sie mir noch den Porzellanleib der Puppe entgegen.

Ich schluckte, band mir den Spazierstock, mit dem ich mich notfalls zu wehren wusste, an das Gürtelband meines Nachthemds und kleidete mich ebenfalls mit einer Hose an. Die Puppe Ynge steckte ich in meinen Gürtel.

Es war ruhiger im Flur geworden. Das jedoch, so wurde mir klar, musste daran liegen, dass die tumben Schritte gelernt hatten, die tückische Stufe zu überwinden. Nicht nur das – nein, nun versuchten sie sich gar an einer Türklinke. Der Türklinke unserer verriegelten Zimmertür, die in dem kleinen Zimmer keine zwei Meter von uns entfernt war. Ein eisiges Messer schnitt mitten in die riesige, zitternde Luftblase, zu der mein Herz geworden war und hinterließ einen kleinen Hautbeutel, der des Schlagens nicht mehr mächtig schien.

„In Ordnung. Du musst mir direkt folgen!“, wisperte ich, zwang mich zu Entschlossenheit und schwang mich auf das Fensterbrett. Ich sah hinab. Es war eiskalt unter mir – und wir würden sterben. Wir würden hinabstürzen, einbrechen, versinken und im Frühjahr als aufgedunsene Leichen wieder zum Vorschein kommen. Und die Puppe Ynge wäre vermutlich das, was von uns noch am besten erhalten sein würde.

Zusammen mit dem steinernen Fensterbrett ergriff ich auch den letzten Rest Mut, der in mir war. Ich küsste Æmelie nicht, wie hätte ich auch ahnen können, dass es die letzte Gelegenheit war?

Ich ließ mich hinab, sie hielt meine Armgelenke, während meine Füße auf einem schmucklosen Gesimse Halt fanden.

„Komm runter!“ rief ich, denn Geräusche von drinnen übertönten das nächtliche Schwanken und Schnaufen Venedigs und den eisigen Wind. Es waren die Geräusche von groben Hieben, von zersplitterndem Holz. Æmelie ließ mich los, um zur Tür herumzufahren, ich wollte nach ihr greifen, verlor den Halt am Fensterbrett – mit einem raschen Schritt wollte ich mich mit dem Rücken gegen die Hauswand strecken, um meinem Körper keinen Drall nach vorn und unten zu gewähren, doch meine Füße rutschten vom schmalen, überfrorenen Sims, als meine Ohren Æmelies gellenden Schrei hörten. Ich fiel – ich fiel, und wusste, dass wir uns in nur wenigen Augenblicken wiedersehen würden, in irgendeinem fernen, unwahrscheinlichen Paradies, in das auch Wissenschaftler gelangten. Doch dann prallte ich auf dem Eis auf, die Scholle knackte bedrohlich, ein Riss entstand mit einem widerlichen Geräusch, und etwas anderes knackte an meinem Gürtel. Als bäte ich um ein Omen, was das Schicksal Æmelies anging, riss ich Ynge heraus – beim Sturz hatte das Porzellan ihres Kopfes einen weiteren tiefen Riss erhalten, der sich vom Hinterkopf, an dem kostbare, seidige Haare befestigt waren, bis zu einem ihrer Augen zog. Grausig sah dieser Sprung aus. Grausig waren die Geräusche, die aus unserem Zimmer drangen. Æmelie schrie, ich sah ihr Gesicht am Fenster, wie ihre Finger den Rahmen umklammerten, als sie versuchte, mir einfach mit einem verzweifelten Sprung zu folgen. Doch irgendetwas musste sie bereits gepackt haben, mit einem grässlichen, reißenden Geräusch wurde sie vom Fenster fortgezerrt. Ihr letzter Blick zu mir herab war leer, ihr Schrei erstarb. Nein …

Ich hätte mich geweigert, anzunehmen, was ich sah, hätte nicht in dem Moment, in dem ich ihre Stimme zum letzten Mal hörte – mit diesem sterbenden, seufzenden Schrei, dessen Konsequenz mein Geist sich zu erfassen weigerte – Ynge ihre himmelblauen Augen geöffnet. In der Dunkelheit der Nacht schienen sie eine spiegelnde Schwärze zu sein, als sie mit Æmelies Stimme sprach: „Sie ist tot, Naðan. Lauf weg!“

Copyright (C) 2012 by Judith und Christian Vogt. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autoren und des Feder-&-Schwert-Verlags.
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Bildrechte: “Vintage (Steampunk5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Zum Blog der Autorin

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestelllinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen!


Judith und Christian Vogt
Die zerbrochene Puppe

Feder & Schwert, 2012
ISBN 978-3-86762-156-4
Steampunk, Horror, Abenteuerroman
kartoniert
Umfang 400 Seiten
Umschlaggestaltung: Oliver Graute

www.feder-und-schwert.com
www.jcvogt.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Rezension von Clockworker.de:

Das Steampunk-Label des Verlags Feder & Schwert ist weiterhin das Highlight der deutschen Steampunk-Literatur. Ganz davon abgesehen, dass sie als einziger deutscher Verlag mit “Steampunk” Werbung machen und die Bücher explizit so ausschreiben, entdecken sie eine Perle nach der anderen und zeigen, dass es auch abseits des amerikanischen Mainstreams spannende Werke gibt. Aktuelles Beispiel dieser Glücksgriffe ist der Roman “Die zerbrochene Puppe” von Judith und Christian Vogt.

Als Steampunk-Roman ist er gleich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Zum handelt es sich um deutsche Autoren, zum anderen – was ich persönlich unglaublich gut finde – spielt die Geschichte nicht in London oder Seattle, sondern in Kontinental-Europa. Dabei sind die Handlungsorte kein austauschbares Beiwerk, sondern bringen ihre eigene Kultur und Prägung der Protagonisten in die Handlung ein. Friesische Luftpiraten, Städte in den norwegischen Eisbergen, die Orte sind ebenso wichtig wie die Charaktere und die Handlung, was sich auch in der Sprache der einzelnen Protagonisten niederschlägt. Die nordische geprägten Orte schlagen sich auch in den Namen wieder, wir begleiten Naðan und seine Puppe Ynge, in der der Geist Æmelies wohnt. Auch wenn die Sonderzeichen für einen deutschen Leser eher ungewöhnlich sind, ist diese Namensgebung beim Lesefluss kein Nachteil.

Der “Held” Naðan ist auch alles andere als ein Held, zerbrochen durch den Verlust seiner großen Liebe, am Rande des Wahnsinns, schleicht er als feiger und getriebener Geist durch die Handlung (so sehr, dass ich ihm gerade am Anfang gerne mal geschüttelt hätte) und sucht nach den Hintergründen für den Tod von Æmelie. Allerdings wandelt er sich, lernt dazu und mit ihm nimmt auch die Geschichte Fahrt auf – bis zu ihrem rasanten Finale.

Die Technik ist angenehm “realistisch” und greift nicht in die Fantasy-Kiste, bei der einfach alles nur einen Technobabbel-Namen braucht, um zu funktionieren. Ich vermute, dass dahinter Christians Vogts Physikstudium steckt. 😉

Mein einziger (persönlicher) Kritikpunkt: Mir ist der Pace am Anfang etwas zu träge und Naðan “mimimi” hat mich echt genervt. Das gibt sich aber sehr schnell und der Rest des Romans macht das mehr als Weg. Es bleibt zu hoffen, dass Judith und Christian bald wieder die Fantasy-Wälder verlassen und ein Luftschiff besteigen, so dass wir bald einen neuen Steampunk-Roman aus ihrer Feder lesen dürfen. Das ergibt insgesamt:

9 von 10 Cocktails

Copyright 2013 © Alex Jahnke (clockworker.de)

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Updated: 1. Oktober 2013 — 17:47

5 Comments

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  1. Willkommen Judith und Christian :-),

    eure Leseprobe ist richtig klasse! Ich finde, einer der besten Texte hier.
    Nur über die beiden neuen alten Schriftzeichen bin ich gestolpert. Die kommen im Isländischen vor, oder? Von daher bin ich damit einverstanden, um mir nicht selber zu widersprechen: Zeichen von lebenden Sprachen sind ok (wenn’s kein unkommentiertes Chinesisch ist), nur kein Hürzelknürzel vom Beteigeuze ;-).

  2. Hallo Micha,
    im Roman ist erläutert, warum die isländischen Schriftzeichen ihren Eingang ins „normale“ Alphabet gefunden haben. (Kurzfassung: Der Roman spielt während einer Eiszeit, die im 10. Jahrhundert n.Chr. beginnt und im 19. Jh. noch andauert. Diese Eiszeit, ausgelöst durch einen isländischen Vulkan, hat diverse Völkerneuordnungen bewirkt – wie das ja meistens so ist – weshalb das Festland stärker von „Wikingern“ beeinflusst wurde.)
    Danke für das Leseprobenkompliment!

  3. Ich finde die Leseprobe auch super. Bin am Überlegen das Buch zu kaufen. 13 EUR ist nicht wenig. Vielleicht habe ich ja Glück und es gibt hier eine Verlosung?

  4. Christa Kuczinski

    Eine tolle Leseprobe, ich liebe Details. Sehr atmosphärisch geschrieben!

    Eine Verlosung, ja, das würde mir gefallen… 😉

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