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SIEBEN KUGELN ZUM TURM DER TESTUDEN – (Leseprobe Teil 2) Utopischer Gegenwartsroman von Slov ant Gali

SIEBEN KUGELN ZUM TURM DER TESTUDEN

(Leseprobe Teil 2)

Utopischer Gegenwartsroman

von

Slov ant Gali

(Zum vorherigen Teil)

Todeserwachen

Irgendwann musste er doch eingeschlafen sein. Diese schwebenden, ihn gnadenlos jagenden Kristalle … Grrr! Und dieser leere Raum. Er war gerannt und gerannt, hatte keine Luft mehr bekommen … und hätte jetzt, aufgewacht, schweißgebadet feststellen müssen, dass er sich nur die Decke über den Kopf gezogen hatte. Was wäre das für ein wunderschöner Albtraum gewesen zum Weitererzählen! Aber die Unruhe nahm eher noch zu, jetzt, da er, mit trockener Haut und ohne Decke über dem Kopf, aufgewacht war. Wirklich aufgewacht? Ganz sicher? Vielleicht war er nur in den nächsten Traum geraten?

Neben ihm zischte etwas. Das war eigentlich ausgeschlossen. Rahman hatte das Zimmer von innen verriegelt. Es konnte also nichts und niemand im Raum sein und zischen.

Am liebsten hätte Rahman laut „Ist da wer?“ gerufen, geantwortet, „Ja. Ich!“ und gelacht. Aber dafür war das Rauschen zu deutlich. Es hörte sich an, als ob Gas aus einem Rohr ausströmte. Oder … Nein, das Geräusch in seinem Zimmer wurde deutlicher, es kam näher. Rahman atmete ein, aus, ein … Er hielt den Atem an. Kein Zweifel: Etwas näherte sich ihm vom Tisch her und rauschte dabei.

Es wurde immer heller. Der ganze Raum war von blauem Dämmerlicht erfüllt. Die Lampe verbreitete normalerweise kein blaues Licht. Rahman hatte sie erst anschalten wollen. Sein linker Zeigefinger hing noch auf dem Weg zum Lichtschalter in der Luft.

Rahman lag da wie erstarrt. Der Lampenschirm! Ungläubig klebte Rahmans Blick auf dessen bisher so herrlich kitschigem Muster. Wie sich der Schirm veränderte. Sich bewegte. Als ob er aus überkochender Milch bestünde, aufschäumte … und dann, ebenso kurz, glitzerte er wie von Eiskristallen überzogen. Zum Schluss verlor er jede Kontur. Schmolz. Auch der Schreibtisch darunter sackte zu einem zähen Brei zusammen. Das sah aus wie ein Trick im Film, eine Computersimulation.

Rahmans Blick verfolgte fassungslos, was da über die Einrichtung hinwegspritzte. Bläulich leuchtende, sich scheinbar aus eigener Kraft bewegende Tropfen. Ja, wirklich: Hüpfende Tropfen! Die führten sich auf, als ob sie lebten. Und immer dort, wo sie auftauchten, machten die vertrauten Dinge eine Verwandlung durch, eine Mumifizierung … Nein, bei einem Schrank konnte man das nicht sagen … Sie wurden versiegelt? Sie bekamen einen eisigen Lacküberzug? Auch nicht … Rahman fehlte einfach der passende Ausdruck, mit dem er hätte in Worte fassen können, was er sah. Irgendwie hoffte er, es könnte helfen, das Grauen zu beherrschen, wenn er ihm einen Namen gab. Wenn wenigstens der Brei am Schluss der Verwandlung nicht gewesen wäre! Die Tropfen veränderten bei all dem ständig ihre Gestalt. Strahlten, glühten, teilten sich. Sprangen weg von Dingen, die zähflüssig geworden waren, weg von Stellen, an denen nichts mehr stand oder lag, hin zu den nächsten Möbelstücken …

Und Rahman lag in seinem Bett! Wenn sie so weitermachten, hätten sie es bald erreicht! Sich selbst umherspritzend, hüpfend …

Ein Traum! Ein Albtraum! Rahman, wach auf!

Dumm nur … er kam sich wahnsinnig munter dabei vor. Und das Kneifen mit der linken Hand verursachte echte Schmerzen. So starke, dass er aufschrie. Die träumte er nicht. Trotzdem: Das konnte nur ein Traum sein! Hatte er noch Gespür für Geschwindigkeit? In Wirklichkeit ging vielleicht alles viel schneller … oder nein … langsamer, viel, viel langsamer und er brauchte nur …

Rahman bekam keinen Laut über die Lippen. Rührte sich nicht.

Im letzten Moment schnellte er dann doch hoch. Landete artistisch auf dem Fensterbrett, dem einzigen Rest des Zimmers, den die Tropfen noch nicht erobert hatten. Der Weg zur Tür war versperrt, Tisch und Stühle in der Zimmermitte im Brei verschwunden. Vor Rahmans Augen verwandelte sich gerade das Bett, in dem er eben noch gelegen hatte, in etwas Glitzerndes. Nun löste es sich auf. Hätte er nur ein wenig tiefer geschlafen, …

Mühsam suchte Rahman nach Ordnung in den Gedanken: Einmal angenommen, er sah, was er sah, was sah er dann? Verwandlungen, die immer mit einer Schaumwolke begannen, auf der die ersten Tropfen ritten. Dann Eiskristalle auf der bisher gewohnten Zimmereinrichtung, und dann schmolz alles zu einer breiigen Masse zusammen. Das hatte er zweimal gedacht? Dreimal? Er musste sich endlich konzentrieren. Er musste … Also wenn er nicht schnellstens einen Fluchtweg fände, wäre er auch gleich so ein Brei.

Eine Schaumwolke näherte sich ihm. Inzwischen war auch der letzte Schrank verschwunden. Überall nur noch Brei und die lebhaft funkelnden Tropfen an seinen Rändern. Die Zimmertür sank in sich zusammen. Löste sich auf. Gab dem träge fließenden Strom den Weg nach draußen frei. Rahman schöpfte wieder Hoffnung. Unmengen blau funkelnder Tropfen spritzten weg auf den Flur.

Fließt nur, fließt! Sucht euch was Anderes! … Warum nur nagte ein Teil dieser Misttropfen an der Mauer? Versuchte zu ihm hochzuspringen? Einbildung?! Weg, weg! Die Tropfen ließen ihm immer weniger freien Raum. Scheinbar gezielt rückten sie gegen ihn vor, langsam, unerbittlich. Holten sich immer mehr Brüder, Schwestern und gefräßige Neffen und Nichten, obwohl sie doch längst über den Flur hätten abfließen können. Zähflüssig … zählebig …

Rahman krallte sich mit einer Hand am Fensterkreuz fest, mit der anderen umklammerte er noch immer seinen Kristall. Er brüllte um Hilfe. Hoffte im nächsten Moment, dass ihn niemand gehört hatte. Wie sollte ihm jemand helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, in so unbegreifliche Gefahr?

Ihm blieb nur eine Chance: Raus! Da waren zwar ein paar Etagen bis unten, aber … Ja, raus hier! Draußen … Schon hatte Rahman das Fenster aufgerissen. Mit einer Windbö klatschte erfrischender Regen ins Zimmer. Dort, wo er auf die funkelnden Tropfen traf, zischte es und … nichts passierte. Nichts war gelöscht. Im Gegenteil! Wenn überhaupt, dann spritzten einige jener Tropfen noch lebhafter nach oben. Erreichten Rahman. Nicht viele, aber das war wohl egal. Er merkte es nicht mehr. Er hatte sich gerade etwas nach draußen gebeugt, da begann seine Umwandlung. Als eine Glitzerpuppe kippte der vorgebeugte Teil nach draußen. Das Ding, das einmal Rahman gewesen war, flog abwärts. Auf dem Bürgersteig prallte es auf und zerbrach. Rahmans Hand am abgebrochenen Unterarm umklammerte noch immer den Kristall. Vielleicht zwei Zehntelsekunden fehlten, dann wäre die ganze Puppe im Brei aufgegangen und verschwunden. So aber sprangen die wenigen Tropfen, die mit abgestürzt waren, von ihrem unvollendeten Werk in unbekannte Richtungen davon …

(zum nächsten Teil)

Copyright © 2014 by Slov ant Gali

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Wer seine Neugierde nicht zügeln kann, für denjenigen gibt es die Möglichkleit, den vorliegenden Titel über einen der Bestellinks zu kaufen:

Gali, Slov ant
Sieben Kugeln zum Turm der Testuden
Vielfarbig – Band 4: Erzähltes, utopisch

Verlag :      Verlag neun9zig
ISBN :      978-3-944907-04-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,90 Eur[D] / 9,90 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 11.04.2014
Seiten/Umfang :      ca. 304 S. – 21,0 x 14,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      Fadengeheftet
Erscheinungsdatum :      23.04.2014
Gewicht :      420 g

KLAPPENTEXT
Utopischer Gegenwartsroman: “Allmählich wird es unheimlich. Ein Schwur aus Kinderzeit verbindet das Schicksal von sieben Menschen in ganz anderer Weise, als sie sich das je hätten vorstellen können. Als Kinder waren sie nur verwundert, dass die gefundenen Kugeln seltsam leicht, aber dennoch unzerstörbar waren, später, erwachsen, als die eigentliche Handlung einsetzt, entfalten sich immer neue Kräfte, die nicht leicht zu verstehen sind … Die Halluzinationen, die eine der Kugeln bei Jens Marder auslöst, sind bis zu dem Augenblick, als seine Familie von wütenden Hornissen angegriffen wird, noch richtig angenehm. Dann aber: Weil die ehemaligen Klassenkameraden lange keinen Kontakt zueinander gehabt haben, können sie nicht ahnen, wie unnatürlich ihre Kinder sind, richtiger, die Kinder, die sie für ihre halten. Aus demselben Grund kommen sie lange nicht auf die Idee, dass jener Horror, der von Hellersdorf ausgehend immer weitere Kreise zieht, durch eine ihrer Kugeln ausgelöst worden sein könnte. All das ändert die fast 16jährige Marie als sehr „unorthodoxe“ Heldin erst einmal noch nicht. Die ist immerhin so „unmüd“, mit Freundin Jule, einer Gitarre, dem Buch eines Sektengurus und einem „antimodischen“ Blumenkinderkleid von Eberswalde aus den alles vernichtenden Sikroben nach Berlin entgegenzuziehen – wenn die Welt schon untergeht, dann will sie das wenigstens aktiv erleben. Ähnlich unbekümmert lässt sie später weitere phänomenale Kräfte der mühevoll zusammengetragenen Kugeln auf die Menschheit los, und gegen die nach der absoluten Macht greifenden Wissenschaftlerin und Unternehmerin Petra Herbst kämpft sie mal als Hobby-Wissenschaftlerin, mal als Agentin unter Wüstensonne. Allmählich erschließt sich, was die Kugeln eigentlich hätten sein, wie sie hätten funktionieren sollen. Wer unbedingt über Miss- und Gebrauch von fortschrittlichen Entdeckungen philosophieren möchte, dürfte in diesem Buch ein auf die Spitze getriebenes Beispiel entdecken. Aber auch über Macht, künstliche Intelligenz, Leben und was man so als menschlich ansehen sollte, lässt sich gut diskutieren. Bei allem, was in dem Roman passiert, sind die Übergänge zwischen wissenschaftlich anmutenden Elementen und der dahinter lauernden Spannung fließend – bis hin zum Grauen. Dass Marie trotz einer gewissen Leichtfertigkeit so viele kritische Situationen letztlich meistert, liegt außer an ihrem Mut auch an ihrer Bereitschaft, Ungewöhnliches tolerant anzunehmen.”

DER AUTOR
Der Autor der „Sieben Kugeln“, Slov ant Gali, ist Kind der DDR und hat inzwischen (geschieden) zwei erwachsene Kinder. Bereits als Jugendlicher versuchte er sich am Schreiben, probierte sich zwischenzeitlich in unterschiedlichen Berufen aus; seit fünfzehn Jahren betätigt er sich dauerhaft als Autor von Lyrik und Geschichten, vorzugsweise im Bereich Science-Fiction..

Veröffentlicht wurden in diesem Genre 2009 „Planet der Pondos“, die Geschichte der Eroberung eines idyllischen Halbplaneten durch siedelnde Menschen und das Zusammenfinden von menschlichen und eingeborenen Jugendlichen, 2013 „Der lebende See“, 15 Storys aus verschiedenen Zeiten und Räumen des Alls … und 2014 nun „Sieben Kugeln zum Turm der Testuden“. Mehrere Manuskripte warten noch auf Vollendung. Slov ant Gali ist Vorstandsmitglied im brandenburgischen Landesverband des Verbandes deutscher Schriftsteller.

PRESSETEXT
Die Erde in naher Zukunft. Jahrtausende hatte eine Gabe Außerirdischer im Erdboden gelegen. Ausgerechnet von Kindern gefunden, werden einzelne Kugeln voneinander getrennt, die ihre positive Wirkung nur gemeinsam hätten entfalten können. Aber die den Kugeln innewohnenden Programme laufen automatisch ab, sobald sie aktiviert werden. Und es ist möglich, diese Programme anzuhalten und an eigene Zielvorstellungen anzupassen. Dann bedeuten sie für den, der sie beherrscht, eine gewaltige technologische Überlegenheit gegenüber allem, was bisher auf der Erde bekannt ist. Der Wettlauf, alle Kugeln in Besitz zu bekommen, ist also eine Entscheidung zwischen Weltmacht oder friedlichem Fortschritt. Auf der Seite derer, die den intergalaktischen Kontakts suchen, kämpfen Jugendliche, Kinder und Amateure gegen ebenso geniale wie skrupellose Wissenschaftler.

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Updated: 18. Juni 2015 — 16:36

3 Comments

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  1. Ich wache ja auch mal mitten in der Nacht unverhofft auf und muß dringend auf die Toilette, vor allem wenn ich am Abend soviel Kaffee oder Tee in mich reingeschüttet habe, aber so über wie in dieser Story ging es mir dabei noch nie. Was meint Ihr? 😉

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