sfbasar.de

Literatur-Blog

EXPEDITION INS BLAUE – Science Fiction-Story von Günther Kurt Lietz

EXPEDITION INS BLAUE

Erinnerung an alte Teddies

von

Günther Kurt Lietz

Die silbrige Landefähre fiel aus dem grünen Himmel herab, zog einen rötlichen Kondensstreifen hinter sich her und landete sanft auf einem der Felsen, der aus dem gelben Gräsermeer emporragte. Ein Stück der Außenhülle verformte sich und bildete eine kreisrunde Öffnung. Eine pummelige Gestalt, gerade mal einen Schritt hoch, mit einem braunen flauschigen Pelz bewachsen und in eine viel zu große Teerjacke gekleidet, trat in die Öffnung.

„Mein Hut!“ Die Gestalt, von Freunden und Mannschaft nur Kapitän Teddy genannt, nahm vom ersten Maat einen Dreispitz entgegen und positionierte ihn akkurat zwischen den runden Flauscheohren. Zwei schwarze Knopfaugen blickten neugierig in die neue Welt hinaus. „Meine Augenklappe!“

Mit der Klappe über dem rechten Auge, dem ersten Maat Long John Sliver und zwei namenlosen Matrosen im Schlepptau, stapfte Kapitän Teddy los. In seinen kleinen Pranken hielt er dabei eine auf altem Papier gezeichnete Karte. Gestrichelte Linien zeigten ein wirre Muster und in der Mitte prangte ein großes X. Daneben hatte jemand notiert: „X bedeutet meistens Schatz, aber nicht immer“.

Die Reise ging erst einmal eine Stunde ins Gräsermeer hinein, dann wurden die selbsternannten Weltraumpiraten müde und beschlossen zu rasten. Also plumpsten sie einfach zu Boden, gähnten und schlossen ihre Augen für eine Weile. Als sie erwachten standen die beiden Sonnen des Systems schon tief am Horizont und die Gräser waren nun blau. Kapitän Teddy gefiel das sehr gut.

„Nun ist das Meer genau so, wie es sein soll – nämlich blau.“

Long John Sliver richtete seine Ohren auf. „Kameraden, ich höre da ein komisches Geräusch von Rechts. Verdammt, ich meine: Arrrrrr, komisches Geräusch von Steuerbord!“

Kapitän Teddy blieb die Ruhe selbst. Er hatte noch keine derartige Situation erlebt und war zuversichtlich, dass es ein harmloses Fauchen war, das sich langsam näherte. Aber er wollte auf alle Fälle sichergehen: „Namenloser Matrose Nummer Eins, schau mal nach was das ist!“

Namenloser Matrose Eins schluckte. Er glaubte ein Fellknäuel ballte sich in seinem Magen zusammen – was durchaus stimmen konnte. Während er den Tag verfluchte an dem er das kurze Kabelende gezogen hatte, stapfte er auch schon durch das hohe Gras. Wenig später meldete er erleichtert „eine große Miezekatze“ und begann dann fürchterlich zu schreien.

Erschüttert vom Verlust eines wichtigen Mitglieds des Besatzung, stoppte Kapitän Teddy nach einer halben Stunde die heillose Flucht. „Das hätte aber ins Auge gehen können.“ Er rückte nun die Augenklappe von Rechts nach Links. „Aber wir wussten ja, was auf uns zukommt.“ Es herrschte betretenes Schweigen unter der Besatzung. „Oder?“

Long John Sliver stieß Namenlosen Matrosen Zwei mit dem Ellbogen an. Dieser seufzte ergeben. „Ja, Kapitän, aber ich möchte anmerken …“ Ein lauter Knall und viel Rauch beendeten den Satz für ihn und der Pirat plumpste tot nach hinten, wo er sich mit letzter Kraft zu einem Knäuel zusammenrollte.

„Möchte noch jemand meutern?“ Kapitän Teddy ließ seine doppelläufige Pistole um Long John Slivers Nase kreisen. „Hm?“

„Nein, mein Kapitän. Ich bin ganz auf ihrer Seite.“ Die Nasenhaare des älteren Piraten zitterten leicht und seine Knopfaugen wurden ein wenig kleiner. „Und: Arrrr!“

„Arrrrrrrrr, gut so. Machen wir weiter. Ich will den Schatz heben, bevor wir wieder an Bord sind.“ Also stapften sie los, immer der Karte nach, bis sie am Ende des Weges waren. Vor ihnen das blaue Gräsermeer, ein wunderschönes Panorama, für das die beiden Piraten aber kein Auge hatten – vor allem Kapitän Teddy nicht.

„Hier sind wir also angekommen, um einen wertvollen Schatz zu heben. Einen Schatz der so wertvoll ist, das ihn jeder haben möchte. Ein Schatz, wie es keinen zweiten Schatz gibt. Fangen wir an zu graben, Männer!“

„Es gibt keine Männer mehr, Kapitän.“

„Dann grab alleine. Ich passe auf, dass nichts passiert.“ Kapitän Teddy ließ sich auf den verlängerten Steiß plumpsen und lud seine Pistole nach. „Arrr.“

Es dauerte knapp zwei Stunden, bis die beiden Piraten aufgaben. Long John Sliver stand bis zum schwarzweißen Kinn in einem tiefen Loch, Kapitän Teddy breitbeinig über ihm. „Was meinst du mit keine Lust mehr genau?“

„Mit keine Lust mehr meine ich keine Lust mehr, Kapitän. Hier ist kein Schatz, hier sind nur Steine, Wurzeln und Gräser.“

Kapitän Teddy dachte nach. „Na ja, sehen die Steine denn wertvoll aus?“

„Ich würde sagen ja, doch, schon, sehen wertvoll aus. Arrrr.“ Long John Sliver drehte einige dreckige Brocken geschickt in seinen Pranken. Er wollte lieber ein Mafiosi sein oder ein Cowboy.

„Würdest du dir so was denn einstecken, also, sind die Steine wertvoll genug?“ Long John Sliver nickte, da schoss im Kapitän Teddy auch schon eine Kugel durch den Kopf. „Gierschlund!“

Nach dem er Schatz und ersten Maat vergraben hatte, machte sich Kapitän Teddy auf den Rückweg. Da er sich auf dem Hinweg schon verlaufen hatte, gab es für ihn auch keinen Rückweg. Einzig ein Fauchen in der Dunkelheit, das ihm folgte …

* * *

Auf der Brücke des Tiefenraumers MONDWACHT herrschte große Aufregung. Die Besatzung hatte ein Signal empfangen und somit den Beweis, dass es weiteres intelligentes Leben im Universum gab. Der Mensch war nicht alleine.

„Woher kommt das Signal?“ Captain Cloister war neugierig und angespannt.

„Der Peilung nach … Sir, das Signal stammt aus genau dem Sektor, in dem vor zwanzig Jahren unser Bibliotheksschiff verschollen ist, die WISDOM THREE. Die Nachricht ist audiovisuell und sie ist in Englisch.“

„Kann es etwas sein, dass die Besatzung überlebt hat? Kommen sie etwa zurück?“

Der Kommunikationsoffizier schüttelte den Kopf. „Nein, falscher Code und falsche Signatur. Soll ich durchstellen?“

„Ja, machen sie schon. Ich denke diesen Erstkontakt werden wir nie vergessen.“ Cloister lächelte. Er war sich der Bedeutung dieses Augenblicks sehr bewusst.

Der große Frontschirm flackerte kurz, dann wurde das Bild berechnet. Alle erstarrten. Zu sehen war eine kleine Brücke, auf der sich ein halbes Dutzend bärenartiger Wesen tummelten, die man nach menschlichen Maßstäben durchaus als niedlich bezeichnen konnte. Alle trugen rote oder blaue Uniformen. Einer sogar eine goldene. Sein Kopffell war straff nach hinten gegelt und auf seiner Brust prangte ein silbernes Abzeichen: „Meine menschlichen Brüder. Ich bin Captain Kork an Bord der Entenpreis. Wir haben eure Nachricht erhalten und hier sind wir endlich.“

Ende

Copyright © 2009 by Günther K. Lietz

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Lustige Geschichten aus dem sfbasar – subcover-65-minus-140-0.jpg” (Originaltitel: Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtipp der Redaktion:

Hagemann, Andreas
Xerubian

Aath Lan’Tis

Verlag :      EDITIA
ISBN :      978-3-943450-02-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,90 Eur[D] / 15,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 23.01.2012
Seiten/Umfang :      ca. 410 S. – 21,0 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 02.2012

„Gott würfelt nicht“, heißt es immer wieder.
Als leidenschaftlicher Billard-Spieler braucht er das auch gar nicht. Die Begeisterung für dieses Spiel ist es aber, die ihn hin und wieder jegliche Vorsicht vergessen lässt. So löst er bei einem völlig misslungenen Stoß eine ungewollte Weltenmischung aus, durch welche die Bewohner des ansonsten recht unscheinbaren Planeten Xerubian den Teil einer fremden Welt sowie einen magischen Stein erhalten. Als dieser von einer geheimnisvollen schwarzen Gestalt gestohlen wird, beginnt für Inspektor Dalon von der Königlichen Polizei und seine Begleiter eine irrwitzige Jagd quer über ihren eigenwilligen Planeten. Was jedoch keiner von ihnen ahnt: Dieses Wesen führt sie direkt zu einem der sagenumwobensten Orte auf Xerubian.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

14 Comments

Add a Comment
  1. Ich will auch was vom dem Zeug, das du rauchst…!

  2. Du klingst wie die Leute aus dem Supermarkt, als ich den Gouda betanzte. 😉 😀

  3. Fängt lustig an („namenloser Matrose Nr.1“ usw.), verläuft dann unnötig mordlüstern (warum soll Teddy-Kommandant seine Matrosen umlegen, wenn sie doch spuren?), Schlussgag „Kirk“ hab‘ ich nicht verstanden. Ich gebe aber zu, dass ich mit humoristischer SF grundsätzlich ein Problem habe. Ich hasse z.B. „Per Anhalter durch die Galaxis“, steh´ wahrscheinlich damit allein auf weiter Flur, aber was soll´s. Dann fällt mir Sprachpuristen natürlich immer auch auf, wenn Tippfehler den Lesespaß hemmen. Bitte jagt doch den Rechtschreiber über eure Texte, bevor ihr sie abschließt. Trotz allem: Schreibt weiter! 😉

  4. Fängt lustig an („namenloser Matrose Nr.1“ usw.), läuft dann ins unnötig morbide (Warum sollte der Teddy-Kommandant seine Jungs erschießen, wenn sie doch spuren?) und endet dann mit einem Kirk-Gag, den ich nicht verstanden habe. Zugegeben: Ich hab meine Probleme mit humoristischer SF und „Per Anhalter durch die Galaxis“ mag ich erst recht nicht, aber 2-3x schmunzeln musste ich über den Teddy dann doch. Als Sprachpuristen fällt mir immer wieder an Texten die mangelnde Nacharbeitung oder Nichtbeachtung korrekter Schreibweise auf, das nimmt deutlich an Lesespaß. Trotz allem: Weiterschreiben! ;-))

  5. Word und OO haben keine Fehler gemeldet und ich wollte auch mal fertig werden. 🙂

    Der Gag ist die Geschichte an sich, denn Teddy macht nur das, was die Geschichte verlangt und erfüllt in absolutem Gehorsam die übliche Handlung. Der abschließende Kirk-Gag dient primär als Schlüssel, um die Denkweise der Teddys zu verdeutlichen, die genau das machen, was sie als Gefordert ansehen, da sie keineswegs mit irdischen Denkstrukturen vertraut sind und nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können.

  6. Deiner obigen Erklärung konnte ich jetzt nicht ganz folgen 🙁

    Zunächst mal, ich finde die Geschichte klasse. Da ist kein Gramm Geschwafel dran, sondern auf den Punkt gebracht, was die Handlung vorantreibt. Doch, der Schreibstil gefällt mir gut … ist druckreif. Und denken oder der Fantasie freien Lauf lassen darf man auch.

    Nach dem letzten Absatz der Geschichte hätte ich folgendes vermutet:
    Das verschollende Bibliotheksschiff wird von Wesen gefunden, die offensichtlich den „Büchern“ (Medien), die sie im Schiff finden, Handlungen, Bilder, Denkweisen und selbst das eigene Aussehen entnehmen. Daher kommen immer irgendwelche lose zusammengestrickte Elemente aus verschiedenen Büchern zusammen.

    Unbedingt weitermachen 🙂 🙂

  7. Hallo Günnie, wollen wir nicht lieber hier auch einen Buchtitel vorstellen statt alte Teddis bei Amazon?

    Ausserdem fehlt noch dein Copyrightvermerk!

  8. Das ist ja bestimmt ein toller Teddie bei dem Preis!

    Übrigens: der Toilettensitz ist ausverkauft wie es scheint…

  9. Ich habe die Story nochmal gelesen nach fast 2 Jahren und finde sie nach wie vor als eine der besten hier im sfbasar!

    Ausserdem will ich immer noch was von dem Zeug! 🙂

  10. Ich würde hier gerne auch noch einen Buchtipp vom Autor einfügen!

  11. Bitte noch einen Buchtipp abgeben, den ich einbauen kann!

  12. Bitte mal diese Story und meinen Buchtipp anschauen und kommentieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme