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SCHLAG AUF SCHLAG – Textauszug aus dem gleichnamigen Krimi von Becca Raven (Susan Ott)

SCHLAG AUF SCHLAG

Textauszug aus dem gleichnamigen Krimi

von

Becca Raven (Susan Ott)

London

Die Holztäfelung und die Teppiche des Pubs verbreiteten eine gemütliche Atmosphäre. An den Wänden hingen Schals und Banner des Manchester United Football Club.

Nazar Tisizov saß auf einem Barhocker am Tresen und blickte nervös auf seine Uhr. Vor zehn Minuten hätte sein Kontaktmann eintreffen sollen. Er winkte dem Kellner und bestellte noch einen Wodka. Es war der vierte. Augenblicke später stand das klare, kalte Getränk vor ihm.

„Sie sollten nicht so viel trinken.“

Nazar zuckte zusammen. „Sie hätten schon viel früher hier sein sollen“, entgegnete er.

„Der Verkehr. In London gibt es kein Durchkommen. Nun zum Geschäft. Steht der Deal? Die Hälfte des Geldes ist vereinbarungsgemäß hier.“

„Setzen sie sich. Wir müssen noch einiges abklären.“

Dorney Lake

Eine leichte Brise wehte über dem Dorney Lake und nur einige Schäfchenwolken tummelten sich am ansonsten blauen Himmel. Elf Uhr. Gleich würde es losgehen.

Die Boote lagen ruhig im Wasser und konzentriert wartete der Deutschlandachter auf das Startsignal. Monatelang hatten sie sich auf diesen Augenblick vorbereitet. Olympia 2012 in Großbritannien.

Ihnen war die linke äußere Bahn zugeteilt worden. Neben ihnen Kanadier, die Australier und die Niederländer. Es würde ein hartes Rennen werden. Deutschland und Kanada galten als Favoriten.

Christoph Kleine, der Schlagmann, schwor die Mannschaft noch einmal ein, alles zu geben. „Wir werden gewinnen, wenn jeder alles gibt. Ab der 1000 Metermarke sollen die anderen nur noch unser Heck sehen. Los, Jungs! Hauen wir rein!“

Das Startsignal ertönte.

„Und zieh! Und zieh!“, kam es vom Schlagmann und in dem von ihm vorgegebenen Rhythmus tauchten die Ruder ins Wasser. Vom Start weg wollten sie das Rennen kontrollieren und gleich Druck machen.

Die Startphase glückte sehr gut. Nach 300 Metern lagen sie gleichauf mit den Niederländern, dicht gefolgt von den Kanadiern. Die Australier lagen eine halbe Bootslänge hinter ihnen.

Wieder und wieder durchstießen die Ruder gleichmäßig die Wasseroberfläche und brachten die Boote auf eine Geschwindigkeit von annähernd 20 Stundenkilometern.

„Und zieh! Und zieh!“ Wieder und Wieder erfolgte die Anweisung Kleines. Er konzentrierte sich voll auf das Rennen. Aus den Augenwinkeln bemerkte er aber, dass die anderen Boote leicht zurückfielen. Jetzt nur nicht nachlassen.

Die 1000 Metermarke, die Hälfte der Regattastrecke, war erreicht. Der Deutschlandachter lag in Führung.

Kleine wollte gerade wieder seine Anweisung herausschreien, als das Boot plötzlich durchgerüttelt wurde, einen leichten Satz im Wasser machte und dann nach rechts ausbrach. Der Steuermann hatte keine Kontrolle mehr.

Mit voller Wucht prallten sie gegen die Kanadier, die ihrerseits das Niederländische Boot rammten. Lediglich die Australier, die mittlerweile eine volle Bootslänge abgeschlagen waren, konnten der Karambolage ausweichen.

Die Besatzungen der drei anderen Boote fanden sich, nach Luft schnappend, im Wasser wieder.

Ein Aufschrei ging durch die Zuschauermenge. So etwas hatte es noch nicht gegeben. Blitzlichter flammten auf und Reporter sprachen aufgeregt in Richtung ihrer Kameras.

Schnell liefen die Offiziellen zum Ufer des künstlichen Sees, um die zum Land schwimmenden Athleten zu empfangen.

Kleine rief den Australiern, die wie versteinert in ihrem Boot saßen zu, dass ein Gegenstand gerammt worden wäre. Umständlich drehte das niederländische Boot und hielt auf die Bahn der Deutschen zu.

Kleine sah, dass der australische Schlagmann ins Wasser griff und die übrigen Ruderer anschließend langsam auf das Ufer zuhielten. Er konnte nicht erkennen, was der Australier da gepackt hatte.

Schnell schwamm er, wie die anderen gekenterten Athleten zum Ufer, wo ihnen schon Hände entgegengestreckt wurden, die sie aus dem Wasser zogen. An Land wurden den tropfnassen Sportlern Decken gereicht.

Gespannt beobachten Zuschauer und Athleten das australische Boot, das sich langsam dem Ufer näherte. Der australische Schlagmann, der eine Hand immer noch über den Süllrand des Bootes hielt, war kreidebleich. Seine Mannschaftskollegen ruderten langsam und vorsichtig.

Alle wirkten erschüttert.

Und das, was vom australischen Schlagmann dann ans Ufer gereicht wurde, ließ auch die übrigen Athleten und Offiziellen erbleichen. Schnell legte man eine Decke über die tropfnasse Gestalt, die leblos im Gras lag.

„Ein Arzt! Holt doch jemand einen Arzt!“ Aufgeregt sah Kleine  in die Runde. Endlich sah er den Mannschaftsarzt der Kanadier auf das Ufer zulaufen.

„Was ist passiert? Hat sich jemand verletzt?“ Der Kanadier hatte nur den Zusammenstoß gesehen, nicht aber, wie es dazu gekommen war.

„Kommen sie! Schnell!“ Kleine zeigte auf die bedeckte Gestalt.

Der Mediziner kniete sich neben den Körper und hob die Decke leicht an. Sekunden später ließ er sie wieder zurück fallen.

„Die Polizei muss verständigt werden.“ Er flüsterte fast.

„Ist schon unterwegs.“ Ein Mitarbeiter des Olympischen Komitees hielt sein Handy in die Höhe und zu den mittlerweile zahlreichen Sicherheitskräften gewandt: „Sorgen sie dafür, dass die Meute da nicht zu nahe kommt.“

Eine Gruppe Journalisten rannte mit gezückten Kameras und Aufnahmegeräten auf sie zu, wurde aber, wie angewiesen, zurückgehalten.

„Und jetzt? Was machen wir jetzt?“ fragte ein niederländischer Betreuer, dem die Tränen in den Augen standen.

„Die Polizei sagte, wir sollen nichts anrühren und alle hier bleiben. Sie werden so schnell wie möglich bei uns sein.“

Dankbar nahm Kleine den Becher mit heißem Tee entgegen. Er zitterte leicht.

Die deutschen Ruderer standen etwas abseits und konnten nicht erkennen, um wen es sich bei dem Toten handelte.

Scotland Yard

Chiefinspektor Horatio Holmes saß in seinem Büro und schaute sich die Judowettkämpfe an. Er war ein begeisterter Fan der Kampfsportart und ließ keine Berichterstattung darüber aus.

„Horatio.“ Inspektor Berrent betrat sein Büro. „Hast du die Akte vom Bankraub letzten Donnerstag hier? Hey was siehst du dir denn an?“

Berrent trat hinter Holmes.

„Judo. Ich liebe diesen Sport. Bin seit zehn Jahren in ´nem  Verein, aber zu Wettkämpfen reicht es nicht. Aber, was diese Jungs hier gerade abliefern, das ist einfach traumhaft.“

„Aha. Judo. Ist nichts für mich. Ich bin Fußballfan. Machester City. Ich hab sogar Dauerkarten für mich und meinen Sohn. Wir sind bei jedem Heimspiel da. Und auch bei einigen Auswärtsspielen.“

Holmes wollte gerade seine Meinung zu Fußball äußern, als das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte. Er stellte den Ton des Fernsehers leiser.

„Holmes. Ja, ich verstehe. Gut, bin sofort unten.“

Holmes seufzte und schaltete das Fernsehgerät aus.

„Eine Leiche am Dorney Lake. Während eines Ruderwettkampfes haben sie da eine Leiche gefunden. Ich muss sofort los. Die anderen warten schon unten im Fahrzeug.“

Bedauernd schaute er noch einmal in Richtung des ausgeschalteten Fernsehers und verließ dann zusammen mit seinem Kollegen das Büro.

Dorney Lake

Kleine hatte seinen Tee noch nicht vollständig getrunken, als die Beamten auch schon angekommen waren.

„Ich bin Chiefinspektor Horatio Holmes von Scotland Yard. Und nein, ich bin nicht mit Sherlock verwandt.“ Offensichtlich gebrauchte er diese Begrüßung und Erklärung oft, denn sie kam ihm flüssig von den Lippen. „Wo ist die Leiche?“

Der kanadische Arzt zeigte auf die Decke, unter der sich ein menschlicher Körper abzeichnete.

„Dr. Watson, was haben wir hier?“ Holmes sah die Anwesenden streng an, so dass niemand auch nur auf die Idee kam nachzufragen oder zu schmunzeln.

Der Gerichtsmediziner begann sofort mit seiner Arbeit und kniete sich neben die Leiche.

„Sie“, Holmes zeigte auf den immer noch vor Kälte und Anspannung zitternden Kleine. „Kommen Sie mit. Und kann mir bitte jemand einen Tee bringen?“

Er entfernte sich mit Kleine einige Meter von den anderen, zückte Notizblock und Kugelschreiber und sah Kleine an. „Wer sind Sie und was ist hier genau geschehen?“

„Mein Name ist Christoph Kleine und ich bin Schlagmann des deutschen Achters. Was geschehen ist? Wir sind ungefähr bei Meter 1000 gegen diesen Mann da gekracht. Wir waren mit fast 20 Stundenkilometer Geschwindigkeit unterwegs.

Wir… Ich hab ihn nicht gesehen. Alles war wie immer, bei einer Regatta. Was hat der Kerl im Wasser zu suchen? Ich…“ Kleine versagte die Stimme. Er war fest davon überzeugt, dass der Mann durch den Zusammenstoß mit dem Boot ums Leben gekommen war.

Copyright © 2012 by Becca Raven (Susan Ott)

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Im Schatten der Medaille #4 – Schlag auf Schlag  (ebook)
ISBN-10: 3-8450-0831-8
EAN:     9783845008318
Erschienen: 24.07.2012
Verlag: Satzweiss.com-chichili agency
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Erschienen:     24.07.2012
Verlag:     Satzweiss.com-chichili agency
Einband:     EPUB
Sprache(n):     Deutsch
Erschienen bei:     Satzweiss.com-chichili agency
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Updated: 6. März 2015 — 22:15

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